Indika ist eines der seltsamsten Spiele, die wir je getestet haben

Test Stefan Wilhelm
Indika ist eines der seltsamsten Spiele, die wir je getestet haben
Quelle: 11 bit Studios

Was zum Teufel haben wir da gerade gespielt? Was hatte der Teufel damit zu tun? Und haben wir es überhaupt gespielt - oder hat es vielmehr mit uns gespielt?

Rennen, rätseln, reminiszieren

Direkt mit den Figuren interagieren oder Entscheidungen treffen, dürft ihr leider nicht. Spielerisch erwartet euch ein simpler Mix aus Erkundung und Rätseln, die passend zum Rest natürlich auch mal ganz schön abgedreht daherkommen. Da müsst ihr etwa in der Kaviarfabrik überdimensionale Dosen stapeln, vor einem monströsen Hund flüchten oder die Umgebung verändern, indem ihr den Teufel durch Gebete ruhigstellt.

Das Setting steht dem recht simplen Rätseldesign dabei nicht im Weg - so bizarr die Umgebungen auch sind, löst ihr die Aufgaben doch meist, ohne viel darüber nachdenken zu müssen.

Indika ist definitiv mehr ein Erlebnis als ein klassisches Videospiel, aber es ist auch kein reiner Walking Simulator. Die Rätsel sind abwechslungsreich gestaltet und keine Mechanik wird euch öfter vorgesetzt, als sie Spaß macht. Ab und zu gibt es auch mal kleine Geschicklichkeitstests zu bestehen, vor allem in den immer wieder eingestreuten Retro-Abschnitten.

Indikas Vergangenheit lernt ihr nämlich in der erwähnten, liebevollen Pixel-Optik kennen, die einen krassen Kontrast zur grauen Jetztzeit herstellt. In jeder der Sequenzen erwartet euch ein anderer Gameplay-Stil - vom Jump & Run bis zum isometrischen Rennspiel ist einiges dabei.

Indika hüpft in Pixel-Optik über Dächer. Quelle: 11 bit Studios Nostalgisch ist auch die Musikuntermalung, und zwar nicht nur in den 2D-Szenen: Der Klangteppich wird mit Chiptune-Musik ausgeschmückt, wie man sie noch aus der Frühphase der Videospiele kennt. Ganz schön seltsam, aber wie der Rest der Präsentation auch seltsam passend!

Erinnerungen an früher spielen eine große Rolle in der Geschichte und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Erlebnis. Indika, der Häftling und auch die russische Gesellschaft dieser Zeit werden euch auf surreale, aber effektive Weise nähergebracht.

Ihr werdet trotzdem viele Fragen im Kopf haben, wenn euch das Spiel nach seiner kurzen Laufzeit plötzlich die Credits vorsetzt. Es ist, als wärt ihr gerade aus einem dieser Träume aufgewacht, die euch noch den ganzen Tag beschäftigen und bei denen ihr partout nicht wisst, wie euer Gehirn darauf gekommen ist.

Bei einem Spiel, das so bewusst mit Konventionen bricht, ist es schwierig, die echten Schwächen von den bewussten Designentscheidungen abzugrenzen. Dass die PC-Version vor allem in den ersten Szenen unter Shader-Compilation-Rucklern leidet, verbuchen wir mal als Schwäche.

Außerdem ist die Laufzeit mit etwa vier Stunden knapp bemessen und das Ende wirkt abrupt. Wiederspielwert bietet das Spiel mangels Entscheidungen auch nur für diejenigen, die nochmal ganz genau hinschauen möchten.

Das ändert aber nichts daran, dass ihr hier ein herrlich eigenwilliges Erlebnis voller Kreativität und Liebe zum Detail geboten bekommt. Indika serviert euch seine Geschichte nicht auf dem Silbertablett und will, dass ihr zwischen den Zeilen lest. Es wird euch zum Lachen bringen, verwirren und vielleicht auch mal nerven, aber wenn ihr diesem charmanten Teufel auf Augenhöhe begegnet, wird er euch nicht enttäuschen.

Wertung zu Indika (PC)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Mehr interaktives Arthouse-Kino als Spiel, aber gerade deswegen so wunderbar anders: In seiner kurzen Laufzeit entführt euch Indika auf einen irren Trip, der hängenbleibt.

Indika ist seit dem 02. Mai 2024 für PC erhältlich. Auch für die PlayStation 5 und Xbox Series X/S sind Versionen geplant, diese sollen noch im Mai 2024 folgen. Versionen für die alte Konsolengeneration sowie für die Nintendo Switch sind nicht angekündigt. Transparenzhinweis: Die Review-Version des Spiels wurde vom Publisher zur Verfügung gestellt.

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