Test zu Little Town Hero: Interessantes Kampfsystem, aber mit technischen Schwächen und öder Story
Test
Game Freak macht nicht nur Pokémon! Little Town Hero ist ganz anders als die Flaggschiffmarke des kleinen japanischen Teams - aber ist es auch ein gutes Spiel?
Axe heißt der junge Held in Little Town Hero, er lebt in einem Dörfchen, in dem es alles gibt, was man braucht: Ein Restaurant, einen Laden, den besten Freund, einen Rivalen und ein Mädchen, das er nett findet. Nur eines gibt's nicht: Abenteuer! In der Gemeinde gilt eine Ausgangssperre, doch bald nach Spielbeginn tauchen Monster im Dorf auf, sodass Axe und seine Freunde trotz Hausarrest auf ihre Kosten kommen.
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Vom Izzit zum Dazzit
Das Kampfsystem in Little Town Hero ist die Besonderheit des Titels. Die Mechanik funktioniert ein wenig wie in Kartenspielen: Zu Beginn jeder Runde hat Axe fünf unterschiedliche Ideen, die sogenannten Izzits. Sie in ausführbare Aktionen umzuwandeln, kostet Punkte, anfangs hat der kleine Held nur drei. Mit jeder Runde werden es mehr, bis zu maximal sechs Stück. Ideen gibt es in drei Formen: Angriff (rot), Verteidigung (gelb) und Unterstützung (blau). Einmal mit Aktionspunkten umgewandelt, wird das Izzit zum Dazzit und kann auch in der nächsten Runde eingesetzt werden, falls es nicht zerstört wird. Denn: Euer Gegner hat natürlich auch Dazzits, die er euch entgegenstellt. Der Angriffs- und Verteidungswert der Dazzits entscheidet, ob sie zu Bruch gehen. Euer Ziel in jedem Gefecht ist, alle Dazzits eures Gegenübers zu zerstören und dann noch ein rotes Angriffs-Dazzit übrig zu haben, um die Lebenspunkte des Gegners zu attackieren. Diese Zusammenfassung der Kampfmechanik ist stark vereinfacht, im Spiel haben Dazzits zusätzlich unterschiedliche Eigenschaften und es gibt weitere Dinge zu beachten, etwa den Ideen-Nachschub, die Platzierung auf dem Feld (in Bosskämpfen zieht man nach jeder Runde eine gewisse Zahl Felder weiter) und mehr.
Quelle: Game Freak
Gähn! Die Nebenquests sind spannungsarm und belanglos. Auswirkungen auf die Story habt ihr mit euren Antwortmöglichkeiten übrigens nicht.
Erklärt wird das Ganze im Spiel ausführlich und weitgehend verständlich. Dennoch erfordert es eine Menge Gehirnschmalz und Vorausdenken, um siegreich aus den Schlachten hervorzugehen. Aber nicht nur das: Bei den Bossfights braucht ihr auch noch Glück, um die richtigen Ideen zu bekommen, damit ihr immer bestmöglich auf den Gegner reagieren könnt. Da Little Town Hero aber in seiner Darbietung sehr konservativ ausfällt, fressen die Bosskämpfe oft unnötig Zeit und verursachen Frust. Wenn man etwa schon auf den ersten Blick sieht, dass man in dieser Runde keinen Stich landen wird, aber nicht beschleunigen oder wenigstens die Animationen abbrechen kann, kostet das Nerven. Auch die Übersicht könnte besser sein, diverse Fähigkeiten von Bossen, die man noch nicht kennt, werden nicht erläutert, sodass man ins offene Messer läuft und dann wieder eine Runde chancenlos aussitzen muss. Mehr Spaß machen Auseinandersetzungen mit menschlichen oder tierischen Feinden, die eher wie ein Puzzle aufgebaut sind. Es steht von Anfang an fest, welche Izzits ihr bekommt, und ihr müsst euch nur noch um die Ausführung der richtigen Taktik kümmern. Trotz der langen Dauer der Bosskämpfe und der Probleme mit dem Zufallsprinzip ist das Kampfsystem insgesamt nicht nur besonders, sondern auch ein Highlight des Spiels, das Taktikfreunden Spaß bereiten wird.
Quelle: Game Freak
Die Bosse sind nett gestaltet, wie die meisten Charakter- und Monstermodelle im Spiel. Allerdings ziehen sich solche Kämpfe hin, teilweise über eine Stunde.
Außer Kämpfen nicht viel los
Abseits des Kern des Spiels hat Little Town Hero allerdings nur sehr dürftige Kost zu bieten. Das Rollenspielsystem beschränkt sich auf einen kleinen Talentbaum, die Quests und Nebenaufgaben im Spiel sind so dröge und einschläfernd, dass man vor dem Spielen einen Arzt oder Apotheker konsultieren sollte. Redet mit Person X, lauft zu Ort Y, sprecht dort mit Person Z, fertig. Die Story plätschert im Dämmerschlaf vor sich hin, die klischeehaften Charaktere bleiben nicht im Gedächtnis. Es besteht eine seltsame Diskrepanz zwischen dem taktischen Kampfsystem, das die Jüngsten überfordert, und dem kindlichen Rest des Spiels, der volljährige Zocker mit Banalitäten und Dialogen aus dem letzten Jahrtausend langweilt.
Auch technisch läuft Little Town Hero nicht rund. Zwar gefällt der niedliche, klare und bunte Cel-Shading-Stil, die Framerate kommt aber oft ins Stottern, die Kamera ist ungünstig eingestellt, sodass die Übersicht beim Laufen zu wünschen übrig lässt und die fehlenden Komfortfunktionen sind ärgerlich. Die guten Ideen im Spiel gehen auf diesem unfruchtbaren Boden nur teilweise auf.
