Geheimtipps zu Jahresbeginn: Lightmatter, Coffee Talk & Co. im Indie-Spotlight - mit Video!
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Angesichts der riesigen Spieleflut, die tagtäglich auf uns hereinprasselt, kommt es schon mal vor, dass einige der zahlreichen vielversprechenden Titel leider etwas untergehen. Wir nutzen die Saure-Gurken-Zeit zu Jahresbeginn, um uns auch einmal diesen kleinen Veröffentlichungen zu widmen und präsentieren euch vier Indie-Empfehlungen aus dem Januar.
Das Spielejahr 2020 fiel bisher doch eher ein wenig enttäuschend aus. In den traditionell kargen Wintermonaten gehörten Titel wie die Anime-Versoftung Dragon Ball Z: Kakarot, das Action-Adventure Journey to the Savage Planet oder der Spielebaukasten Dreams noch mit zu den größten Releases. Grund genug, sich in der Saure-Gurken-Zeit mal von den etwas namhafteren Titeln abzuwenden und sein Glück im Indie-Bereich zu versuchen: Wir haben uns für euch mal durch die finsteren Untiefen des Steam-Shops gewühlt und präsentieren euch vier Spiele aus dem Januar, die ihr ruhig mal ausprobieren solltet.
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Lightmatter
Mit Lightmatter erwartet euch ein charmanter kleiner Indie-Puzzler im Stile von Portal und The Talos Principle. Dessen Prinzip wird euch bereits in den ersten Minuten des Abenteuers recht eingängig erklärt: Stellt euch einfach eine Partie "Der Boden ist Lava" vor - nur eben, dass ihr dieses Mal statt des Bodens keine Schatten berühren dürft. Unbeleuchtete, schwarze Oberflächen verschlingen euch nämlich, als würdet ihr in einer Teergrube versinken.
Quelle: Tunnel Vision Games / Aspyr
Im Zentrum von Lightmatter steht die namensgebende Lichtmaterie, die aus den sogenannten Lichtkristallen gewonnen wird.
Warum? Genau das gilt es herauszufinden! Entsprechend erkundet ihr mit eurem namenlosen Protagonisten die Anlage von Lightmatter Technologies - einem Zukunftsunternehmen, das aus sogenannten Lichtkristallen saubere, erneuerbare Energie gewinnen möchte. Deren feierliche Eröffnung geht allerdings ordentlich in die Hose. Und während es alle namhaften Anwesenden noch schnell in die Evakuierungszüge geschafft haben, wurdet ihr allein zurückgelassen und müsst euch nun euren Weg zurück ans Tageslicht finden. Hilfe bekommt ihr dabei nur von Firmengründer Virgil, der euch mit Kameras und Sprechanlage durch die insgesamt 38 Stages lotst.
In denen erwarten euch stets unterschiedliche Herausforderungen rund um die zentrale Licht- und Schatten-Thematik. Zu Beginn gestaltet sich das noch recht simpel: Mit mobilen Scheinwerfern leuchtet ihr Gänge aus und vertreibt so die tödliche Dunkelheit. Mit weiterem Fortschritt kommen dann komplexere Mechaniken dazu - etwa Schalter, bewegliche Plattformen oder sogenannte Photonenkonnektoren, die wie Teslaspulen für Licht funktionieren.
Quelle: Tunnel Vision Games / Aspyr
Die Rätsel in Lightmatter drehen sich stets um die allgegenwärtige Licht- und Schatten-Thematik und stellen eure grauen Zellen teils ganz schön auf die Probe.
So gestalten sich die diversen Kopfnüsse doch recht anspruchsvoll und ihr seid je nach Rätselexpertise zwischen vier und sechs Stunden beschäftigt. Lightmatter fordert aber nicht nur eure grauen Zellen, es erzählt auch eine packende Geschichte rund um die namensgebende Lichtmaterie und deren Gefahren, moralische Grenzen aber auch über unseren rätselhaften Protagonisten selbst. Die glänzt vor allem durch die tolle Sprecherleistung des aus Hitman bekannten David Bateson, der Virgil seine Stimme leiht, und hat sogar je nach Spielweise zwei unterschiedliche Enden parat.
Auch Look und Atmosphäre wissen zu überzeugen, erinnern sie doch stark an die Valve-Klassiker Aperture Science und Black Mesa. Eine Ähnlichkeit, die von den Entwicklern sogar bewusst forciert wird. So finden sich ingame immer wieder Anspielungen an das geistige Vorbild. Sogar den aus Portal bekannten Begleiterkubus oder einen der Geschütztürme könnt ihr finden. Schaut auch also mindestens mal die kostenlose Demo-Version von Lightmatter an, wenn euch der Preis von knapp 17 Euro noch etwas zu hoch erscheint.
Not for Broadcast
Licht und Schatten stehen auch im Mittelpunkt von Not for Broadcast - einem spannenden Mix aus Full Motion Video, Simulation und interaktivem Thriller. Auch wenn gerade letzteres nicht direkt zu Beginn ersichtlich ist. Da werdet ihr nämlich einfach nur in einen neuen Job geworfen. Ihr seid ab sofort für die Regie der abendlichen Nachrichtensendung National Nightly News zuständig. Heißt: Ihr schaltet zwischen den einzelnen Kameras hin und her, spielt zum richtigen Zeitpunkt Werbeclips oder Interviews ab und drückt notfalls den großen roten Zensur-Knopf, sollte eine der Figuren auf dem Bildschirm sich mal in der Wortwahl vergreifen. Ziel ist die bestmögliche Quote. Leistet ihr euch also auch nur ein paar grobe Schnitzer und die Zuschauer suchen das Weite, fliegt ihr raus.
Quelle: NotGames / tinyBuild
In Not for Broadcast lautet das Motto: "The Show must go on!" Entsprechend müsst ihr zwischen den vier Kameras hin- und herwechseln und stets das beste Bild liefern.
Das ist tatsächlich unglaublich spannend gemacht. Not for Broadcast entwickelt sich schnell zu einer Art Multitasking-Geschicklichkeitsspielchen. Nicht nur perfekt getimtes Knöpfchendrücken ist gefragt, später müsst ihr auch noch Störfrequenzen umschiffen, indem ihr an einem entsprechenden Rädchen dreht. Oder ihr müsst aufpassen, während eines Gewitters nicht den Hebel zu ziehen, der dank Blitzeinschlag gerade unter Strom steht. Zudem gibt es Upgrades zu kaufen - etwa eine Maschine, die alle Schimpfwörter automatisch auspiept.
Neben interessantem Gameplay kann der Titel aber auch eine mitreißende Geschichte vorweisen, in der eure Aktionen Auswirkungen auf euer Leben und euer Land haben. Zu Beginn des Spiels, das in einer alternativen Version der 80er-Jahre angesiedelt ist, übernimmt nämlich eine neue Partie die Macht und krempelt den Staat radikal um. Als Senderchef liegt es also nun in eurer Verantwortung, wie ihr Dinge in der Öffentlichkeit darstellt. Ihr prägt die Meinung des Volkes, indem ihr etwa Systemkritikern eine Bühne bietet oder lieber die Propaganda der Regierung ausspielt.
Quelle: NotGames / tinyBuild
Alle Einspieler, die ihr in Not for Broadcast über den Bildschirm flimmer seht, werden von echten Schauspielern vorgetragen.
Auch abseits des Büros stehen schwere Entscheidungen an. In kurzen Textpassagen gilt es, private Angelegenheiten zu klären: Helft ihr etwa eurem Schwager, sich mit eurem Reisepass, ins Ausland abzusetzen? Lasst ihr euren Sohn der neuen Jugerndorganisation, den "Tatmenschen" beitreten? Jede Wahl zieht Konsequenzen nach sich, wodurch Not for Broadcast ein eindrucksvolles Statement gegen politische Unterdrückung und für Pressefreiheit setzt.
Trotz der seriösen Thematik kommt aber auch der britische Humor der Macher nicht zu kurz: Wenn etwa während einer Videoschalte ein Lustsklave aus dem Kleiderschrank des konservativen Sicherheitschefs purzelt, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen. Vorausgesetzt man kann ordentliche Englisch-Kenntnisse vorweisen oder sehr schnell die deutschen Untertitel lesen. In dem Fall könnt ihr euch auch schon auf die kommenden Episoden von Not for Broadcast freuen. Die sollen den aktuell noch im Early Access steckenden Titel mit zusätzlichen Inhalten versorgen.
Coffee Talk
Hinterm Tresen stehen, die Kundschaft bedienen und dabei ihren Sorgen und Problemen lauschen - die Grundidee von Coffee Talk ist jetzt nicht unbedingt bahnbrechend neu. Böse Zungen würden sogar behaupten, das Konzept sei ziemlich dreist vom 2016 erschienenen Va11 Hall-A: Cyberpunk Bartender Action abgekupfert. Die Anschuldigung lässt sich zu einem gewissen Maße nachvollziehen, vollends gerechtfertigt ist sie allerdings nicht. Schließlich macht Coffee Talk einige Dinge anders als das vermeintliche Vorbild.
Quelle: Toge Productions
Bie Coffee Talk handelt es sich um eine Visual Novel. Statt ausgefeiltem Gameplay erwartet euch also eher eine interessante die durch unvertonte Textboxen erzählt wird.
Zunächst einmal seid ihr hier Besitzer eines Cafés, nicht einer Bar. Entsprechend schenkt ihr auch nur Cappuccinos und Kakaos statt Caipirinhas und Coladas aus. Die könnt ihr aus einem stetig wachsenden Rezeptbuch auswählen oder nach eigener Fantasie zusammenbrauen. So lassen euch die Entwickler von Toge Productions etwa auch extravagante Kreationen wie einen Ingwer-Honig-Kaffee aus dem Hut zaubern. Den dürft ihr dann mittels Latte-Art-Feature sogar noch mit individuell designten Milchschaumkunstwerken verzieren.
Auch die Welt von Coffee Talk ist recht einzigartig. Euer kleines Kaffeehaus befindet sich in einem alternativen Seattle des 21. Jahrhunderts, in dem Menschen und Fantasie-Wesen in friedlicher Harmonie zusammenleben. Das sorgt natürlich für entsprechend außergewöhnliche Gespräche zwischen den Kunden, die in eurem Laden auftauchen. So kommt es auch schon mal vor, dass sich ein Werwolf und ein Vampir zu einem Kaffeeklatsch an eurem Tresen einfinden. Oder ein ungleiches Paar aus Elf und Sukkubus vor euch darüber diskutiert, ob es den Widerständen der Familie zum Trotz nicht doch heiraten und zusammen durchbrennen soll.
Diesen Schicksalen zu lauschen und vereinzelt mal einen klugen Rat fallen zu lassen, das macht den besonderen Reiz von Coffee Talk aus - sofern man sich auf das Spiel einlässt. Denn das muss auch ganz klar gesagt sein: Der Indie-Titel ist nichts für jedermann. Eure spielerischen Möglichkeiten sind doch sehr begrenzt. Kaffee kochen dürft ihr nur, wenn eine Bestellung reinflattert. Social Media und News auf eurem Smart Phone zu checken, ist zwar nett, aber doch mehr eine Randbeschäftigung. Und selbst das Durchklicken der Textboxen lässt sich automatisieren, sodass ihr teilweise minutenlang nur dasitzt und selbstscrollende Dialoge lest. Coffee Talk ist und bleibt eben eine Visual Novel.
Quelle: Toge Productions
Hin und wieder bekommt ihr aber trotzdem etwas zu tun. Eure Kundschaft verlangt schließlich nach frisch gebrühten Heißgetränken, die ihr sogar mit Latte Art verzieren dürft.
Wer das Genre mag, der findet hier einen gelungenen Vertreter mit tollen Dialogen, netter Pixelgrafik sowie einem entspannten Soundtrack - und kann gerne mal auf eine Tasse Kaffee reinschauen. Alle anderen widmen sich vielleicht besser einer unserer anderen Empfehlungen.
Kentucky Route Zero
Zugegeben: Ein Geheimtipp ist Kentucky Route Zero vielleicht keiner mehr. Und wirklich neu sowieso nicht. Schließlich gibt es das atmosphärische Point and Click Adventure nun schon seit Februar 2013. Dennoch gibt es seit kurzem wieder einen Grund, ihm seine Aufmerksamkeit zu widmen. Am 28. Januar haben die Macher von Cardboard Computer nämlich die fünfte und damit letzte Episode veröffentlicht. Nach nicht einmal sieben Jahren findet der fantastische Roadtrip nun also endlich seinen Abschluss. Der perfekte Zeitpunkt für alle, in die Geschichte zurückzufinden. Oder sie eben komplett von vorne zu beginnen.
Quelle: Cardboard Computer / Steam
Der Indie-Titel glänzt vor allem mit seiner tollen Inszenierung, die dem Adventure eine einzigartige Atmosphäre verleiht.
Die handelt von Trucker Conway, der zusammen mit seinem Strohhut tragenden Hund eigentlich nur eine Lieferung für den Antiquitätenhandel seiner Chefin ausfahren will. Dabei verfranzt er sich allerdings ordentlich und findet sich irgendwo im nirgendwo des US-Bundestaates Kentucky wieder. Sein einziger Ausweg ist nun die geheimnisvolle Route Zero, die ihn auf schnellstem Weg zu seinem Ziel, dem Dogwood Drive 5 bringen soll.
Den Highway zu finden gestaltet sich aber wesentlich schwerer als zunächst gedacht. Und so entwickelt sich Conways simpler Job zu einem magischen Abenteuer, einer Art spirituellen Reise auf der - wie es das uralte Spruchwort so will - der Weg das Ziel wird. Auf dem begegnen euch nämlich immer wieder fantastische Charaktere, die die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lassen, sowie Gespräche und Geschichten rund um Themen wie unbezahlbare Schulden, aufgegebene Zukunftswünsche, Verlust oder Trauer. Kentucky Route Zero spielt die emotionale Tonleiter einmal hoch- und runter.
Apropos spielen: Gameplay bietet der Titel natürlich auch noch. Da orientieren sich die Entwickler an klassischen Point-and-Click-Abenteuern. Ihr navigiert Conway per Maus durch diverse Kulissen, inspiziert Gegenstände oder sprecht mit NPCs. Große Rätsel oder Herausforderungen erwarten euch dabei keine. Das Spiel hält einen aber trotzdem gut bei der Leine - sei es nun durch absolut surreale Szenerien, kurze Abstecher ins Gerne des Textadventures oder eben einfach nur seine eindrucksvolle Präsentation mit toller Musik und einem besonderen Artstyle, der Theater, Film und experimentelle Kunst vermischt.
Quelle: Cardboard Computer
In Kentucky Route Zero begleitet ihr den Lastwagenfahrer Conway auf einem fantastischen Roadtrip durch den Südosten der USA.
Natürlich hatte der Januar aber auch noch ein paar weitere Indie-Highlights parat. Wie wäre es etwa mit dem DEEEER Simulator - einer abgefahrenen Alternative zum Goat Simulator, in der ihr mit einem überraschend dehnbaren Hirsch eine Stadt im Polygon-Look unsicher macht? Oder der Koch-Simulation Cook, Serve, Delicious 3? Hier tourt ihr zusammen mit zwei Androiden durch ein futuristisches Amerika und beglückt Kunden mit frischen Delikatessen aus eurem Foodtruck! Oder ihr stürzt euch in das Roguelite Ashen Forest und säubert einen verfluchten Wald - mit Ausdauerleiste, Ausweich-Moves, fiesen Bossen und allem anderen, was die Herzen von Action-RPG-Fans höherschlagen lässt. Wie ihr seht: Auswahl gibt es mehr als genug. Verratet uns in den Kommentaren also auch gerne eure Indie-Geheimtipps des bisherigen Jahres!
