Survival-Spiel CryoFall: Ich baue, also bin ich - Entdeckergeist trifft Überlebenstrieb

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Survival-Spiel CryoFall: Ich baue, also bin ich - Entdeckergeist trifft Überlebenstrieb
Quelle: PC Games 

Virtueller Überlebenskampf oder doch eher ein Aufbauspiel vom Schlage eines Stardew Valley? Das Survival-Abenteuer Cryofall vermischt 2.5D-Ansicht, PvP und PvE zu einer gewaltigen 200-Spieler-Simulation. Ob das Spaß macht, erfahrt ihr in der Vorschau.

Gleich zwei dicke Wände schützen unsere Basis vor ungebetenen Gästen. Nach zehn Stunden in CryoFall stehen wir ganz gut da: Auf den Feldern sprießen Möhren, Gurken und Tomaten. Ein Brunnen versorgt uns mit Wasser. Dank Schmelzöfen verarbeiten wir Erze für fortgeschrittene Technologien. Und dennoch plagen uns Verlustängste. Warum? Im globalen Chat sprechen andere Spieler von einer marodierenden Bande, die Basen zerstört und Jagd auf Unschuldige macht. Ein solcher Angriff könnte das Ende für unser zu diesem Zeitpunkt noch kleines Camp bedeuten. Kurze Zeit später überlegen wir, ob wir dem Aufruf folgen und gemeinsam mit anderen Siedlern gegen die Banditen vorgehen. Und genau das macht den Reiz von CryoFall aus: Das vom in Singapur ansässigen AtomicTorch Studio entwickelte Survival-Abenteuer verbindet geschickt PvP- und PvE-Gameplay zu einem spannenden Sozialexperiment für 200 Online-Spieler pro Server.

Ich baue, also bin ich

Auf den ersten Blick erinnert CryoFall mit seiner 2.5D-Comicgrafik an eine Mischung aus Don't Starve und Fallout Shelter. Nach einer Bruchlandung auf einem fremden Planeten besteht unsere Aufgabe darin, gemeinsam mit anderen Teilnehmern eine neue Zivilisation aufzubauen. Die Anfänge Moderne Waffen, Kampfanzug und Erste-Hilfe-Packs: <em>Cryofall </em>entpuppt sich im Endgame doch noch als Science-Fiction-Spiel. (1) Quelle: PC Games  Moderne Waffen, Kampfanzug und Erste-Hilfe-Packs: Cryofall entpuppt sich im Endgame doch noch als Science-Fiction-Spiel. (1) könnten kaum bescheidener sein: Wir sammeln Beeren und klauben Äste, Steine und Pflanzenfasern vom Boden auf. Daraus bauen wir uns primitive Werkzeuge: Spitzhacke, Axt und Messer. Zwei farbige Balken im unteren rechten Bildschirmeck zeigen Hunger und Durst unserer Spielfigur an.

In den ersten Stunden setzt CryoFall auf Erkundung und langsamen Aufbau des eigenen Hauptquartiers. Einfache Quests führen uns durch das Spiel und erklären so Technologien und Fortschrittssystem. Im Verlauf des Endlosspiels arbeiten wir uns so durch fünf Technologiestufen - ähnlich wie die Bevölkerungsschichten aus Anno 1800. Für das Erledigen der Aufgaben erhalten wir wiederum Lernpunkte, mit denen wir neue Rezepte und Baupläne freischalten. Das System bietet gerade zu Beginn einen schnellen und vor allem motivierenden Spielfortschritt.

CryoFall läuft im Early Access auf Steam und kostet 19,99 Euro. 

Wir haben uns gefragt, warum mögen Spieler solche bestrafenden Spielmechaniken, die dafür sorgen können, dass hart erspielter Fortschritt verloren geht? 

Wir versuchen eine Antwort auf die Frage zu finden und liefern euch in den kommenden Tagen einen Artikel zum Thema nach. 

Benötigen wir für einfache Konstruktionen wie beispielsweise einen Brunnen oder einen Komposthaufen lediglich Holz und Stein, erfordern spätere Konstruktionen Öl oder auch Lithium, die natürlich nur in geringen Mengen vorkommen. Anfangs wagen wir uns daher kaum in die weite Welt. Wir fällen Bäume im Umkreis unserer Basis, suchen in felsigen Gebieten nach Erzen oder sammeln Sand für die Glasherstellung und die Feldarbeit am Strand. An verschiedenen Werkbänken für Landwirtschaft, Rüstungen oder Waffen fertigen wir entsprechende Gegenstände. Etwas nervig: Die Menüführung von CryoFall ist gewöhnungsbedürftig, und es ist nicht immer klar, an welchen Posten wir bestimmte Gegenstände fertigen können. Hier herrscht definitiv noch Nachholbedarf.

Die Welt gehört uns

Doch so viel Spaß der Aufbau des eigenen Herrschaftsgebietes auch macht, mit der Zeit überwiegt doch das Grinding nach Rohstoffen und Aufgrund des noch nicht perfekt ausbalancierten Kartendesigns herrscht ein großer Kampf um Lithium und Öl. Quelle: PC Games  Aufgrund des noch nicht perfekt ausbalancierten Kartendesigns herrscht ein großer Kampf um Lithium und Öl. Lernpunkten. Speziell Schießpulver und andere Materialien setzten eine Vielzahl einzelner Rohstoffe voraus. Diese zusammenzutragen, kostet Geduld und Zeit. Während unserer Vorschau-Runden auf einem deutschen Server stellten wir schnell fest, dass Teamwork CryoFall merklich erleichtert. Und so taten wir uns mit einem unserer Nachbarn zusammen, tauschten Waren und bauten eine Art Science-Fiction-Kommune auf.

CryoFall besitzt dank des Land-Claim-Mechanismus ein ausgefuchstes System, welches Hoheitsgebiete absteckt und uns zugleich Pausen gönnt. Sobald wir den Land-Claim platzieren, nehmen wir damit eine Landfläche in Beschlag. Dieses Gebiet gehört uns und wir können es durch Upgrades erweitern. Der Land-Claim verhindert zudem, dass sich Banditen - also andere Spieler - in unserer Abwesenheit bei uns einnisten. So lange wir nicht spielen, können die Übeltäter unsere Basis zwar plündern, aber nicht komplett einnehmen. Unser Land-Claim nimmt dann freilich Schaden, das beheben wir aber mit einfachen Reparaturarbeiten. Über den Land-Claim regeln wir auch Zugangsberechtigungen zu unserer Basis: Wir entscheiden, wer ein- und ausgeht oder wer Zugriff auf unser Lager hat. Allerdings fordert CryoFall viel Zeit ein: Auch in unserer Abwesenheit verrotten beispielsweise Lebensmittel in unserem Inventar.

Streit um Lithium und Öl

Doch ganz ohne Abenteuer kommt die Survival-Simulation natürlich nicht aus. Im Spielverlauf erkunden wir Ruinen oder nehmen es mit aggressivem Getier wie Spinnen oder Wölfen auf. Kämpfe tragen wir mit Maus und Tastatur aus: Für Gewehrsalven zielen wir auf unseren Kontrahenten und schießen per Mausklick auf ihn. Rüstungen schützen uns vor Schaden, jedoch besitzen Auseinandersetzungen stets ein hohes Restrisiko. Sehr Die Feldarbeit sorgt für ausreichend Nahrungsmittel, die wir weiterverarbeiten und haltbar machen. Bewässerung und Dünger verkürzen die Wachstumszeiten. Quelle: PC Games  Die Feldarbeit sorgt für ausreichend Nahrungsmittel, die wir weiterverarbeiten und haltbar machen. Bewässerung und Dünger verkürzen die Wachstumszeiten. schön: Vergiftungen, Verletzungen oder andere Einflüsse verändern den Zustand unseres Überlebenden. Mampfen wir zu viele koffeinhaltige Beeren, verschwimmt etwa die Kamera und unserer Figur wird schlecht. In bestimmten Gebieten gibt es sogar Strahlung.

Mit zunehmendem Fortschritt bieten sich zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Spielern: Beispielsweise legen wir Handelsposten an und tauschen an Automaten Waren aus. Viele Spieler stellen Tauschkisten vor ihren Quartieren auf, bei denen wir uns gelegentlich bedienen. CryoFall besitzt sogar ein eigenes Währungssystem, welches aber auf unserem deutschen Server noch keine Rolle spielte.

Dort zeigte sich vor allem ein Problem im Kartendesign: Die laut AtomicTorch Studio handgefertigte Map beherbergte viele der fortgeschrittenen Ressourcen wie Öl- und Lithiumquellen vor allem im Norden. Dadurch begann früh der Run auf diese Gebiete. Als wir einstiegen, gab es - wie anfangs erklärt - ein Problem mit Spielern, die sich dort breitgemacht und mit Hilfe der Ressourcen aufgelevelt hatten. Das wiederum sorgte für arge Balancing-Schwierigkeiten, die bei allem Aufbauspaß für Frust sorgen können. Denn wer in CryoFall draufgeht, verliert die Hälfte seiner aktuellen Lernpunkte und hat lediglich eine Stunde Zeit, seine dann verlorene Beute zurückzuerobern. So fällt man zumindest beim ersten Ableben weich und hat eine zweite Chance. Uns jedenfalls hat CryoFall angefixt. Wir möchten noch mehr von der Welt sehen und vor allem unser Hauptquartier weiter ausbauen.

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