Immortal Unchained gespielt: Ein Third-Person-Shooter mit Souls-Seele - Shotgun statt Breitschwert, SMG statt Degen
Special
Soulslike müssen schon lange nicht mehr nur Rollenspiele sein. Seit dem bahnbrechenden Erfolg von Dark Souls bedienen sich Entwickler fern und nah gerne bei der japanischen Reihe, sei es nun die Mechanik, eine indirekt erzählte Geschichte oder das Kampfsystem. Immortal Unchained kombiniert Souls-Elemente mit einem Third-Person-Shooter - beides passt erstaunlicherweise besser zusammen, als zunächst vermutet. Wir haben Immortal Unchained gespielt.
Ja, es ist müßig immer wieder Bezüge zu Dark Souls zu ziehen - allerdings lässt sich auch nicht leugnen, wie viel Einfluss die Werke von From Software nach wie vor auf die moderne Spielelandschaft haben. Lust auf ein Metroidvania mit Souls-Atmosphäre? Schaut euch Hollow Knight an. Ihr steht eher auf Action mit Samurai-Setting und ein Diablo -Loot-System? Nioh wartet auf euch (und im nächsten Jahr wohl die Fortsetzung Nioh 2). Anime-Ästhetik ist euer Ding? Dann dürfte euch Code Vein gefallen. Es geht auch weniger subtil: Dark Maus ist ein Indie-Action-RPG mit Maus in der Hauptrolle und Souls-Mechaniken als Gameplay-Gerüst. Die Kombination Sci-Fi-Souls gibt's zwar schon - die deutsche Produktion The Surge war ein beachtlicher Erfolg, an der Fortsetzung wird bereits gearbeitet - allerdings keinen Sci-Fi-Soulslike-Shooter.
Diese Lücke möchte Immortal Unchained (jetzt kaufen 30,79 € ) von Toadman Interactive schließen. Das Shooter-RPG erscheint am 07. September 2018, wir konnten die Alpha-Version des Titels bereits spielen. Bei Immortal Unchained handelt es sich um die erste große Produktion des 2013 in Stockholm gegründeten Studios.
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Ein Untoter erwacht
Immortal Unchained ähnelt natürlich nicht zufällig Dark Souls und die Parallelen zeigen sich auf den ersten Blick. In Immortal Unchained verkörpern wir einen auserwählten Untoten (Geschlecht, Name, Aussehen und so weiter bestimmen wir vor Spielstart), der die Welt wieder ins Lot bringen muss. Die Welt, das ist ein Sonnensystem, bestehend aus mehreren Planeten. Böse Mächte haben sich wie ein Nebel über die Gestirne gelegt, die einzige Sprache, die unsere Feinde verstehen, ist die der Gewalt.
Mit Shotguns, Pistolen, SMGs und diversen Gewehren bewaffnet stellen wir uns im Tutorial-Bereich den ersten Cyber-Zombies - Ausweichrolle und Ausdauer-Management nicht vergessen! Besiegte Gegner belohnen uns mit Erfahrung, die wir an Obelisken (die Leuchtfeuer-Pendants) in Stufenaufstiege investieren. Sterben wir, verlieren wir die Erfahrung, aber wenn wir es schaffen, beim nächsten Versuch an die besagte Stelle zurückzukehren, können wir unsere verlorene Beute wieder einsacken. Wir spezialisieren uns unseren Vorlieben entsprechend auf rohe Stärke, Geschick, stecken ein paar Punkte in Ausdauer und Gesundheit und so weiter.
Nah dran am Feind
Die Shooter-Mechanik lässt im ersten Moment vermuten, dass wir und unsere Kontrahenten nicht ganz so eng auf Tuchfühlung gehen. Allerdings belohnt es Immortal Unchained durchaus, wenn wir den Feinden auf die Pelle rücken. Von Sniper-Gewehren abgesehen ist die Reichweite unserer Waffen überschaubar, außerdem richten wir mehr Schaden an, wenn wir aus der Nähe feuern.
Selbst zum Umrunden der Widersacher wird man wie bei Dark Souls motiviert, zwar nicht, um den verheerenden Backstab zu landen, aber um die Schwachstellen der Roboter und Zombies ins Fadenkreuz zu bekommen, die sich meistens auf der Hinterseite unserer Ziele befinden. Schusssalven auszuweichen ist nicht immer einfach, zumal Feinde uns mit ihren Attacken aus großer Entfernung verwunden können - manchmal sind die Gegner gar nicht sichtbar, die uns beharken und im schlimmsten Fall sogar töten.
Ein vertrauter Rhythmus
Nichtsdestotrotz passt die Shooter-Mechanik überraschend gut zum Soulslike-Bewegungsrhythmus mit Abwarten, Annähern, Ausweichen, Angreifen. Gegner bestehen aus unterschiedlichen Trefferzonen, am Kopf (und der Schwachstelle) nehmen sie mehr Schaden, Beine und Arme können abgetrennt werden. Auch die Waffenauswahl in der Alpha-Version war ordentlich, mit vielen versteckten Kisten, die sich abseits des Hauptpfades finden. Auf dem dampfigen Dschungelplaneten nach dem Tutorial stehen uns mehrere Wege offen, wir müssen auf Fallen achten, wir machen Leitern zugänglich, um Abkürzungen nutzen zu können. Immortal Unchained bietet keine offene Welt, man kann aber später zu bereits besuchten Arealen zurückkehren, dazu verleiten etwa bislang verschlossene Türen, für die wir Schlüssel-Items benötigen.
Quelle: Toadman Interactive
Eure Spielfigur gestaltet ihr selbst, bestimmt den Namen, Geschlecht, Aussehen und die Starterbewaffnung. Beim Stufenaufstieg verbessert ihr die gewünschten Attribute.
Die Atmosphäre des Shooter-RPGs wirkt momentan noch etwas austauschbar, was sicherlich auch an den recht banal gestalteten Feinden liegt. Roboter-Berserker und (giftige) Zombies haben wir schon in vielen anderen Spielen gesehen und zur Strecke gebracht. Auch die inflationär platzierten Dornenwurzelfallen lassen ein gewisses Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung der Welt vermissen - nervig, dass wirklich unter jedem Busch eine Fußangel steckt. Durch die Fernkampfbewaffnung der meisten Feinde artet es oft in Stress aus, mehrere Gegner gleichzeitig bekämpfen zu müssen, zumal die Lock-on-Funktion des Öfteren zwischen dem anvisierten Ziel und anderen Widersachern hin- und herspringt.
Ruhe bewahren
Was die Munitionsversorgung betrifft, handelt es sich bei Immortal Unchained zwar nicht um ein Survival-Horror -Spiel, bei dem jede Kugel Gold wert ist, zielloses Ballern ist aber dennoch nicht zu empfehlen. Zur Not greifen wir auf einen enttäuschend schwachen Nahkampfangriff zurück - aber dieser kann, so wie auch die Waffen, im Verlauf des Spiels verbessert werden. Änderungen an der Ausrüstung werden am Obelisken vorgenommen - und nur dort. Eine Entscheidung, die wir nicht nachvollziehen können, schließlich macht dieser Umstand es schwierig, flexibel auf Gegner reagieren zu können. Noch hatten wir zwar keine unfassbar vielgestaltige Bewaffnung vorzuweisen, wir vermuten aber, dass im Verlauf des Spiels eine Menge Waffen und Panzerungen dazukommen. Sehr begrüßen wir, dass die Treffsicherheit unserer Schüsse nicht auf dem RNG-Altar geopfert wird. Sprich: wenn der Gegner in der Flugbahn der Kugel steht, wird er auch getroffen.
Quelle: Toadman Interactive
Im Verlauf des Abenteuers erkundet ihr unterschiedliche Planeten. Verbunden sind diese durch eine Art Hub-Welt. Später könnt ihr zu bereits besuchten Orten zurückkehren.
Immortal Unchained ist die erste große Produktion von Toadman Interactive. In den Soulslike-Gewässern tummeln sich inzwischen jede Menge Konkurrenten, aber die Shooter-Elemente sind zumindest ein großes Alleinstellungsmerkmal des Action-RPGs. Offen bleiben die Fragen nach der Gegnervielfalt, dem Abwechslungsreichtum der Umgebungen und was die Qualität der Bosskämpfe betrifft. Der erste große Feind am Ende des Tutorial-Levels dürfte Souls-Spieler vor keine Probleme stellen, ein optionaler Boss im Dschungel-Level hingegen machte uns im Handumdrehen platt. Abstürze oder schwerwiegende Bugs gab es nicht zu vermelden, Immortal Unchained lief zudem flüssig. Unsere Prognose: Den Thron wird der Shooter-Hybrid dem Genrekönig Dark Souls nicht streitig machen, aber Soulslike-Liebhaber sollten Immortal Unchained im Auge behalten - der Release erfolgt am 07. September 2018 auf PC, PS4 und Xbox One.
