Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung im Test + Video - Deftiger Nachschlag zu Breath of the Wild

Test Christian Fussy
Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung im Test + Video - Deftiger Nachschlag zu Breath of the Wild
Quelle: Nintendo

Das Team von Tecmo Koei bringt wieder Hack-and-Slash-Gameplay ins Zelda-Universum: Im Breath of the Wild-Prequel Hyrule Warriors - Zeit der Verheerung müsst ihr euch der namensgebenden Bedrohung entgegenstellen und dabei wieder ganze Landstriche von Feinden befreien. Ob die Vorgeschichte rund um sinistere Schicksalskulte, mächtige Titanen und prophezeite Helden überzeugen kann, erfahrt ihr im Test.

Das erste Hyrule Warriors, das im Jahr 2014 für die Wii U und 2018 in der Definitive Edition auch für die Nintendo Switch erschien, war viel mehr als nur ein Hack-and-Slash im Zelda-Gewand. Für das Entwickler-Team von Tecmo Koei, deren Dynasty Warriors -Reihe mit jedem Teil kontinuierlich an kreativer Energie verlor, kam die Kollaboration mit Nintendo einer Renaissance gleich. Während das etablierte Gameplay-Schlachtross schon so lahmte, dass es eine Gnade gewesen wäre, es zu erschießen, zeigte die Spieleschmiede mit Hyrule Warriors dann, zu welchen kreativen Höhenflügen sie fähig ist, wenn man ihr einfach eine neue Spielwiese zum Austoben gibt.

Und auch für Nintendo-Fans, die sehnlichst auf einen neuen Teil der Reihe für die Wii U warteten, kam der Release des Spiels einem Regenschauer nach einer langen Dürre gleich. Auch wenn es sich nicht um ein klassisches Legend of Zelda handelte, bot Hyrule Warriors doch genug Nostalgie, um eingefleischte Zelda-Jünger neugierig werden zu lassen. Dass die Story dann einem Liebesbrief an vergangene Titel der Reihe gleichkam und das Gameplay zum Besten gehörte, was Tecmo Koei seit Jahren hervorbrachte, dürfte dem Erfolg ebenfalls zuträglich gewesen sein.

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Kein Wunder also, dass allseits Interesse an einer Wiederholung dieses Geniestreichs bestand. Mit Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung (jetzt kaufen 59,99 € ) gibt Nintendo Tecmo Koei darum nun erneut die Schlüssel zum Königreich in die Hand. Statt einer bunt gemischten Zelda-Collage erwartet Spieler dieses Mal jedoch ein wachechtes Prequel zum erfolgreichsten Zelda-Spiel überhaupt, dem gefeierten Breath of the Wild.

Die dunkle Bedrohung

Die Geschichte setzt 100 Jahre vor den Ereignissen des jüngsten Ablegers ein und dreht sich um die vier Titanen, die Link und Zelda bei ihrem Versuch, die Verheerung Ganon aufzuhalten, zur Seite standen. Die mächtigen Stahlkolosse müssen von Vertretern verschiedener Völker gesteuert werden, die es nach und nach zu rekrutieren und als Spielfiguren zu kontrollieren gilt. Wer BOTW gespielt hat, wird viele der Figuren und bereisten Gebiete sofort wiedererkennen. Auch Ästhetik und Soundkulisse wurden komplett dem Stil des Open-World-Abenteuers angepasst.
Die Bokblins aus Breath of the Wild sind einer der am häufigsten auftretenden Gegnertypen in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung. Quelle: PC Games Die Bokblins aus Breath of the Wild sind einer der am häufigsten auftretenden Gegnertypen in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung. Zu Beginn des Spiels informiert ein kleiner metallener Wächter aus der Zukunft Zelda von den Konsequenzen der nahenden Verheerung. Daraufhin brechen die Helden Hyrules auf, Verbündete aus allen Ecken der Karte zum Kampf gegen die Bedrohung zu mobilisieren. Dabei kommt es immer wieder zum Kräftemessen mit Ganons Schergen und den Mitgliedern der maskierten Yiga-Bande, die die Verheerung um jeden Preis herbeiführen wollen.

Dieses Story-Korsett eignet sich optimal, um ein Gefecht ans nächste zu reihen und wäre an und für sich absolut akzeptabel für eine Schlachtplatte wie Hyrule Warriors. Leider ist die Inszenierung der Zwischensequenzen aber zur hinterletzten Seifenoper geraten. Nicht selten erinnern die Dialoge zwischen den Figuren - sowohl in der deutschen als auch in der etwas stimmigeren englischen Sprachausgabe - an eine berühmt-berüchtigte Prequel-Reihe aus den späten 90ern. Insbesondere die Szenen mit Link und Zelda, die das wohl langweiligste Gaming-Pärchen überhaupt abgeben, laden zum Fremdschämen ein.

Dass Link wie auch in der Hauptreihe stumm bleibt, fällt da weniger ins Gewicht als seine komplette Teilnahmslosigkeit an allem, was um ihn herum passiert. Egal, ob sich die anderen Figuren hitzig streiten oder eine der Frauenfiguren ihn auf aggressive Weise anschmachtet, Link steht davon so unberührt in der Botanik als habe er absolut keine Ahnung, wer diese ganzen Leute überhaupt sind. Das sorgt zumindest mitunter für unfreiwillig komische Momente. Prinzessin Zelda, die ihre Kräfte erst finden muss, aber kein Selbstbewusstsein hat und deshalb in jeder einzelnen Sequenz herumjammert, für wie nutzlos sie sich hält, nervt hingegen schon recht früh auf ganzer Linie. Man würde der jungen Dame am liebsten ein Snickers in die Hand drücken, wenn sie wieder anfängt, laut ihren Weltschmerz kundzutun.

Die Handlung wird vorwiegend in Zwischensequenzen erzählt. Quelle: PC Games Die Handlung wird vorwiegend in Zwischensequenzen erzählt. Leider bleibt auch der restliche Cast inklusive der Schurken größtenteils blass und eindimensional. Das tut dem Gameplay zwar keinen Abbruch, dadurch dass die Zwischensequenzen nicht gerade spärlich gesät sind, wäre hier aber durchaus das Potenzial vorhanden gewesen, ein starkes narratives Fundament für die epischen Schlachten zu schaffen. Dass sich grandioses Storytelling und blitzschnelles Hack-and-Slash-Gameplay nicht ausschließen müssen, sieht man eindrucksvoll an einem Titel wie Hades, wo selbst winzige Interaktionen mit anderen Figuren nur so vor Persönlichkeit strotzen und für zusätzliche Motivation sorgen.

Angriff der Klonkrieger

Am Gameplay selbst gibt es dann erfreulicherweise wenig auszusetzen. Die Kämpfe gehen flott von der Hand, Kombos und Spezialattacken fühlen sich sehr zufriedenstellend an und die verschiedenen Figuren spielen sich bemerkenswert unterschiedlich.
Zu Beginn schlüpfen wir wie gewohnt in die Haut von Link, der in Begleitung von Zelda und Impa unterwegs ist. Wir können neben der Hauptfigur dann je nach Level maximal drei weitere Kämpfer steuern, die wir beim Start der Mission auswählen.
Wenn die Spezialleiste voll ist, können Link und Co. mächtige individuelle Angriffe entfesseln. Quelle: PC Games Wenn die Spezialleiste voll ist, können Link und Co. mächtige individuelle Angriffe entfesseln. In den frühen Kapiteln schließen sich uns der fliegende Bogenschütze Revali, Wüstenkönigin Urbosa, Haudrauf Daruk und die Fischdame Mipha an, zahlreiche weitere Gefährten werden ebenfalls im Verlauf der Handlung freigeschaltet. Die Begleiter verfügen allesamt über einzigartige Waffen, Spezialattacken und Bewegungen. Während des Levels wechseln wir mit dem D-Pad zwischen den Figuren oder wir starten im Koop-Modus und überlassen die Steuerung unserer Kameraden einfach jemand anderem. Die Karten sind allesamt recht übersichtlich und die Missionen äußerst linear gestaltet. Ein gelber Punkt markiert den Ort, an dem es den nächsten Stützpunkt zu erobern, Hauptmann zu beschützen oder die nächste Gegnerwelle zu besiegen gilt. Hektisches Multitasking oder eine ausgeklügelte Defensiv-Strategie, um eingenommene Posten auch zu sichern, sind für einen Sieg nicht erforderlich.

Neben starken und schnellen Angriffen, mit denen wir eine solide Anzahl an Kombos auslösen, können wir im Kampf auch auf die aus BOTW bekannten Module zurückgreifen, die nicht nur Schaden anrichten, sondern auch diverse Attacken von Bossmonstern kontern. Mit der R-Taste aktivieren wir ein Ringmenü, mit dem wir Bomben-, Cyro-, Magnet- und Stasis-Modul verwenden.
Vom Stasis-Effekt betroffene Gegner bleiben an Ort und Stelle. Quelle: PC Games Vom Stasis-Effekt betroffene Gegner bleiben an Ort und Stelle. Mit dem Magneten können wir Waffen zurücklenken, die uns entgegengeschleudert werden, das Eisblockmodul stoppt anstürmende Gegner, die Stasis hält Feinde in verwundbaren Positionen und Bomben zerstören einen Teil der gegnerischen Rüstung und öffnen bzw. schließen Passagen innerhalb der Spielwelt. Da Bosse mit stumpfem Button-Mashing oft längere Zeit in Anspruch nehmen, ist es ratsam, den Umgang mit den Modulen früh zu verinnerlichen, um die Kämpfe nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Da jede Figur ihre eigene Variation der Modul-Fähigkeiten einsetzt, ist auch hier durchaus Abwechslung geboten.

Ein zweites Ringmenü aktivieren wir mit der Schultertaste L. Hier können wir uns mit Äpfeln heilen und eingesammelte Zauberstäbe verwenden, die vom Gegnertyp Pyromagus fallen gelassen werden und auf Knopfdruck mächtige Elementar-Gebietseffekte auslösen.

Für zusätzliche Auflockerung des Gameplays sorgen die Titanen-Missionen, in denen wir uns hinters Steuer der mächtigen Maschinen klemmen und Armeen aus abertausenden Feinden im Nu dem Erdboden gleichmachen. Das ist dann zwar keineswegs anspruchsvoll, dafür aber unglaublich befriedigend und ein regelrechtes Effekt-Feuerwerk.

In manchen Missionen steuern wir die gewaltigen Titanen. Quelle: PC Games In manchen Missionen steuern wir die gewaltigen Titanen. Einziger Wermutstropfen bei den Massenschlachten ist das immergleiche Gegnerdesign. Die Fußsoldaten sehen ohnehin alle aus wie Klone, bis auf wenige Ausnahmen wiederholen sich aber auch die Bossgegner ständig, was schon nach wenigen Spielstunden etwas eintönig wird. Sobald man einem Feind zum ersten Mal gegenübersteht, kann man davon ausgehen, das dieser in den nächsten Kapiteln noch häufiger auftauchen wird.

Kampf um Hyrule

Neben der Hauptquestreihe können wir auch eine Fülle an kleinen Missionen absolvieren, um diverse Verbesserungen und Items freizuschalten. Diese sind teilweise mit einem Zeitlimit versehen oder an bestimmte Bedingungen gebunden und damit deutlich fordernder als so manches Story-Kapitel.

Zur Belohnung gibt es beispielsweise Zutaten, die zu Mahlzeiten kombiniert werden können, die uns für die Dauer einer Mission einen Buff verleihen, oder Gegenstände, die gegen permanente Verbesserungen wie Herzcontainer oder zusätzliche Kombo-Attacken eingelöst werden können. Außerdem erhalten wir von besiegten Gegnern Rubine, die in Shops gegen ebendiese Gegenstände sowie Waffenverbesserungen und kosmetische Anpassungen für Link eingetauscht werden können. Wer genügend Missionen innerhalb desselben Landstrichs absolviert hat, erhält zusätzlich einen Bonus für die Befreiung des Gebietes.
Auf der Karte gibt es etliche kleine Aufgaben zu erledigen. Quelle: PC Games Auf der Karte gibt es etliche kleine Aufgaben zu erledigen. Wie schon im ersten Hyrule Warriors gibt es auch in Zeit der Verheerung Waffen-Crafting: In der Schmiede können wir gefundene Waffen miteinander kombinieren bzw. mehrere Waffen einer ausgewählten Waffe einverleiben. Siegel, also Boni, können dabei übernommen werden, sollten mehrere geopferte Waffen das gleiche Siegel tragen.

Während Zelda, Impa und die Titanenpiloten auf einen Waffentyp festgelegt sind, hat Link die Möglichkeit mit Schwert und Schild, Lanze oder Zweihänder in die Schlacht zu ziehen. Als Besitzer von BOTW erhaltet ihr zudem zu Beginn einen Kochlöffel und ein Übungsschwert als Bonus.

Das ist in der Theorie zwar cool, wird aber durch die Tatsache kaputtgemacht, dass wir es hier mit einem Zelda-Spiel zu tun haben - was bedeutet, dass Link früher oder später ein ganz besonderes Schwert erhalten muss, das alle anderen Waffen schlagartig zu obsoletem Alteisen werden lässt. Anders als in BOTW zerbrechen die Geräte zumindest nicht bei der leichtesten Berührung.

Optionen im Überfluss

Gegen Rubine können schwächere Charaktere aufgelevelt werden. Quelle: PC Games Gegen Rubine können schwächere Charaktere aufgelevelt werden. Auch sonst ist ein Großteil der Möglichkeiten zur Individualisierung und punktuellen Verbesserung lediglich nettes Beiwerk. Die Boni durch Waffensiegel und Mahlzeiten reichen von oberflächlich bis überflüssig. Es reicht zum Durchspielen vollkommen aus, den Waffenlevel und damit den Angriffsschaden ab und an durch stupides Kombinieren in die Höhe zu treiben ohne groß auf Siegel oder ihre Wirkung zu achten und auch der Einsatz von Buffs ist zumindest auf den mittleren Schwierigkeitsgraden keinesfalls kriegsentscheidend. Stark fallen dagegen die zusätzlichen Herzcontainer und Upgrades für Angriffsketten und Spezialbewegungen ins Gewicht, die das Gameplay nachhaltig öffnen und aufwerten. Wer bei den Nebenquest gezielt nach solchen Belohnungen Ausschau hält, kann seine Kämpfer in kürzester Zeit in nahezu unaufhaltsame Killermaschinen verwandeln.

Angenehm ist auch die Möglichkeit, niedrigstufige Figuren gegen Rubine auf das Level der ranghöchsten Figur verbessern zu können. So kann die Lieblingsfigur vor Missionsstart gemütlich aufgelevelt werden, ohne dass stundenlanges Grinding vonnöten wäre. Das ist vor allem deshalb hilfreich, weil Link (gelegentlich in Begleitung von Zelda) zumindest anfangs in den meisten Story-Missionen als erster Kämpfer festgesetzt ist und somit zwangsweise am schnellsten levelt. Gegen Ende des Spiels hat man außerdem eine ziemlich große Truppe an Kämpfern zusammen, was bedeutet, dass sich die meisten Spieler wohl auf einige wenige Figuren konzentrieren und den Rest für weite Strecken auf der Bank sitzen lassen. Möchte man dann doch einmal mit seiner Truppe herumexperimentieren, kommt es sehr gelegen, dass der Ersatz nicht erst mühselig trainiert werden muss.

Schwierigkeitsgrad und Performance

Wer Angst hat, bei den hektischen Kämpfen den Überblick zu verlieren und sang- und klanglos im Gegnerheer unterzugehen, braucht nicht zu verzagen: Mit Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung kommen auch ungeübte Hack-and-Slash-Fans voll auf ihre Kosten. Bis auf ein, zwei frustrierende Bosskämpfe, die es im letzten Drittel zu ertragen gilt, ist der Standard-Schwierigkeitsgrad auch für Grobmotoriker locker zu schaffen. Selbst auf der schwersten möglichen Stufe schnetzeln wir uns immer noch elegant und ohne größere Probleme durch gigantische Gegnerhorden, in späteren Gebieten fällt vor allem der erhöhte Gegnerschaden dann aber doch ins Gewicht und sorgt immer häufiger für ein verfrühtes Ableben. Wer es gerne knackig hat, sollte sich also nicht scheuen, den Schwierigkeitsregler vor Spielstart beherzt nach rechts zu schieben. Der Härtegrad kann nachträglich jederzeit im Menü angepasst werden.

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Performance-Einbrüche, Ruckler oder ähnliches konnten wir bei unserem Test zumindest im Singleplayer-Modus keine feststellen. Trotz zahlreicher Partikeleffekte, die schon mal den kompletten Bildschirm in gleißendes Licht tauchen, lief Hyrule Warriors sowohl im Handheld- als auch im stationären Modus stabil und flüssig. Im Koop-Modus stößt die Switch-Hardware aber dann doch an ihre Grenzen. Wenn zwei Spieler gleichzeitig ihre mächtigen Kombos entladen, zwingen sie damit des Öfteren auch die Framerate in die Knie. Störende oder häufig auftretende Bugs gibt es so weit keine zu vermelden.

Meinung

Wertung zu Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Vielfältige Kämpferschar mit abwechslungsreichen KampfstilenViele freischaltbare Waffen und AngriffeGut integrierter Koop-ModusBefriedigendes KampfsystemTitanen-Abschnitte lockern den Spielfluss auf
Wenig unterschiedliche GegnertypenOberflächliche Nebenquests0815-Story mit peinlichen Dialogen
Fazit

Herrlich überladenes Effektgewitter für die schnelle Runde zwischendurch.

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