Huntdown im Test mit Video: Grandios gepixelte Retro-Action
Test
Klassische Arcade-Shooter im Contra-Stil gibt es nun wirklich mehr als genug. Trotzdem entpuppt sich Huntdown im Test als kleiner Action-Geheimtipp: Mit fantastischer Pixel-Grafik, einwandfreiem Gameplay und coolem 80er-Jahre-Flair legen die Entwickler ein überraschend starkes Debüt hin. Update: Jetzt auch mit Video-Review.
Grafikwunder vergehen, doch Pixel Art ist für Ewigkeit. Zugegeben, das Sprüchlein haben wir uns ausgedacht, aber ein bisschen Wahrheit steckt ja trotzdem drin. Denn auch wenn die Next-Gen-Konsolen vor der Tür stehen und die Unreal-Engine-5-Demo gerade reihenweise Kinnladen runterklappen ließ, ist eines sicher: Die Schwemme an Spielen im Pixel-Art-Grafikstil, der an die Konsolenärea der frühen 90er-Jahre erinnert, wird auch in Zukunft nicht versiegen! Wenn die Spiele aber so stimmungsvoll und detailverliebt daherkommen wie Huntdown, kann uns das nur recht sein: Die 2D-Action fährt einen erstklassigen Pixel-Look im 16-Bit-Stil auf, der perfekt zum arcadigen Gameplay und trashigen Szenario passt. Wir haben die Action-Überraschung durchgespielt und klären im Test, warum Huntdown ein kleiner Geheimtipp ist.
Grüße aus den 80ern
Huntdown versteht sich als Liebeserklärung an die unzähligen Krawallfilme der 1980er, euch erwarten also jede Menge Explosionen, Lärm und Pixelblut, hohle Sprüche, üble Schurken und ein stilechter Synthesizer-Soundtrack, der das Ballerfest gelungen untermalt. Die Geschichte, wenn man sie so nennen will, bietet allenfalls einen losen Rahmen. Ihr spielt einen von drei Kopfgeldjägern, die sich in einer dreckig-futuristischen Metropole ihren Lebensunterhalt verdienen, das heißt: In insgesamt 20 Levels müsst ihr es mit mehreren brutalen Straßengangs aufnehmen und am Ende stets einen knackigen Bossgegner plattmachen. Dazwischen werden zwar gelegentlich kurze Cutscenes inklusive englischer Sprachausgabe eingespielt, doch da braucht man sich nichts vormachen: Die Story spielt eindeutig die kleinste Geige.
Quelle: Easy Trigger Games
Huntdown im Test
In Deckung!
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Gespielt wird entweder alleine oder zu zweit im lokalen Koop; einen Online-Modus wie in Streets of Rage 4 gibt es leider nicht. Die drei Kopfgeldjäger dürft ihr zwischen den Levels beliebig durchwechseln, doch die Wahl ist ohnehin zweitrangig, da sich alle drei Helden ziemlich gleich spielen. Zwar verfügen sie über leicht unterschiedliche Standardbewaffnung, doch die Basics bleiben immer dieselben. Wer schon mal Contra, Metal Slug oder moderne Vertreter wie Blazing Chrome gespielt hat, fühlt sich schnell zuhause: In typischer Run-and-Gun-Manier könnt ihr springen, schießen und mit einem schnellen Dash ausweichen, das geht prima von der Hand, ist aber natürlich nix Besonders. Allerdings kommt in Huntdown auch ein praktisches Deckungssystem zum Einsatz, was im Genre ausgesprochen selten ist: Eure Spielfigur kann sich hinter Kisten zusammenkauern oder an bestimmten Stellen an die Wand pressen, um Treffern auszuweichen. Das sorgt zwar nicht unbedingt für mehr Tiefgang, entschleunigt die Action aber ein wenig und verleiht Huntdown ein ganz eigenes Spielgefühl.
Quelle: Easy Trigger Games
Huntdown im Test
Prall gefüllte Waffenkammer
Zusätzlich zur Standardpistole sammelt ihr unterwegs massenhaft Waffen auf. Sind die leergeballert, werft ihr sie einfach weg und schnappt euch die nächste Wumme, die meistens schon um die Ecke wartet. Es gibt mehrere Shotguns und Maschinengewehre, außerdem Miniguns, Raketenwerfer, Energiewaffen, Wurfsterne, Granaten, Katanas und so weiter - alles in allem eine klasse Auswahl, die bis zum Schluss Laune macht! Auch das Trefferfeedback sitzt, wenn es die sauber animierten Pixelgegner von der Bildfläche putzt: Nach einem Feuergefecht sind an den Wänden Einschusslöcher und Blutzspritzer erkennbar, und wenn ein Straßengauner eine Rakete abbekommt, fliegen buchstäblich die Fetzen. Herrlich überdreht und nix für Kinder, aber so befriedigend!
Quelle: Easy Trigger Games
Huntdown im Test
Kurz und knackig
Die 20 Levels sind leider ziemlich kurz geraten, viele lassen sich schon in einer guten Viertelstunde durchboxen. Das ist im Genre zwar üblich, doch wir hätten uns trotzdem mehr Umfang gewünscht. Zumindest wird Huntdown aber nie langweilig, denn die Action punktet mit Abwechslung: Ihr beginnt eure Kopfgeldjagd in dreckigen Gassen, U-Bahnstationen und Kanalisationen, später stehen außerdem Bars, Garagen, Casinos, Badehäuser, Baustellen, Fabriken und vieles mehr auf dem Reiseplan. Zwar gibt es keinerlei Fahrzeugsequenzen oder dergleichen, doch dafür müsst ihr einmal auf einem fahrenden Convoy kämpfen, euch vor Hubschrauberbeschuss in Deckung bringen oder auch mal vor einem Monstertruck flüchten. Nicht nur die Levels sind schön vielfältig, auch die verschiedenen Straßengangs wechseln im Spielverlauf mehrmals durch, tauchen oft überraschend auf und rücken euch mit neuen Waffen und Tricks zu Leibe: Hat man es anfangs nur mit leicht bewaffneten Typen zu tun, kommen später auch Schlingel mit ferngesteuerten Raketenwerfern, automatischen Shotguns, Hoverboards und explodierenden Jetpacks hinzu, dadurch wird man stets gefordert.
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Die Bosse: vielseitig und knifflig
Das Highlight sind aber die 20 unterschiedlichen Bossgegner, die mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurden. Riesige Mechs, Kampfhubschrauber, blitzschnelle Ninja-Schwestern, mutierte Eishockey-Spieler mit aufmontierter Minigun oder ein Elvis-Verschnitt, der euch mit fliegendem Motorrad und Lanze in die Mangel nimmt - da gleicht kein Kampf dem anderen. Die meisten Bossfights beginnen noch relativ leicht, damit ihr Zeit habt, die Angriffsmuster zu lernen. Doch schon kurz darauf folgt in der Regel eine zweite Phase und die Action dreht ordentlich auf, spätestens hier sind gute Reaktionen gefragt. Überhaupt sollte man den Schwierigkeitsgrad nicht unterschätzen: Huntdown beginnt auf normaler Stufe zwar noch überraschend einfach, zieht im späteren Spielverlauf aber kräftig an - wer's zum Ende schafft, ohne einmal ins Gras zu beißen, darf sich auf die Schulter klopfen.
Quelle: Easy Trigger Games
Huntdown im Test
Damit aber kein Frust aufkommt, gibt's in jedem Level fair gesetzte Checkpoints, auch direkt vor jedem Bosskampf - wer drauf geht, kann es gleich nochmal probieren und muss nicht erst noch einen langen Levelabschnitt wiederholen. Gut gelöst!
Nonstop-Action ohne Wiederspielwert
Bonusziele, mit denen sich die Spielzeit ein bisschen strecken ließe, sind leider rar gesät. Ihr könnt beispielsweise versuchen, einen Level abzuschließen, ohne dabei draufzugehen. Außerdem sind in jedem Level drei Koffer versteckt, die aber teilweise von Kurieren getragen werden und die bei der ersten Gelegenheit das Weite suchen. Da müsst ihr dann die Beine in die Hand nehmen und blitzschnell reagieren, sonst macht sich der Träger aus dem Staub und die Beute ist futsch. Für alle, denen Huntdown noch nicht hart genug ist, wird nach dem Durchspielen noch eine vierte, extra harte Stufe freigeschaltet, auf der dürfen sich dann auch Profis so richtig die Zähne ausbeißen.
Auf moderne Features wie Upgrade-Systeme, Rogue-lite-Elemente oder Levelups haben die Entwickler allerdings bewusst verzichtet, Huntdown konzentriert sich auf rein arcadigen Ballerspaß für ein bis zwei Spieler. Neue Ideen sind deshalb zwar Mangelware, doch das tut dem Spielspaß keinen Abbruch: Mit Nonstop-Action, coolem 80er-Jahre-Flair und fantastisch gepixelter 16-Bit-Optik legt das Indie-Team Easy Trigger Games ein beachtliches Debüt hin. Fans von Run-and-Gun-Action können auf PC, Xbox One, PS4 oder Switch zuschlagen, es werden 20 Euro fällig. Die PC-Fassung ist derzeit nur im Epic Games Store erhältlich, auf Steam erscheint der Titel ein Jahr später, nämlich am 12. Mai 2021.
