Wieso Game of Thrones: House of the Dragon den Golden Globe nicht verdient hat

Kolumne Tobias Tengler-Boehm
Wieso Game of Thrones: House of the Dragon den Golden Globe nicht verdient hat
Quelle: HBO

Von wegen Beste Drama-Serie! Wieso es unserem Autor Sebastian überhaupt nicht passt, dass House of the Dragon den Golden Globe gewonnen hat, erklärt er in seiner Kolumne.

Vergangene Nacht fand die Verleihung der Golden Globe Awards statt. Zwar gelten die renommierten Preise der Hollywood Foreign Press Association als wichtiger Stimmungstest für die bald schon folgenden Oscars, doch werden im Rahmen der Gala auch Produktionen für das Fernsehen, bzw. für Streaming-Plattformen ausgezeichnet. Und so kam es, dass House of the Dragon das schaffte, was der Hauptserie Game of Thrones zu seiner Zeit verwehrt blieb: Direkt mit der ersten Staffel einen Golden Globe als beste Serie abzuräumen. Better Call Saul, The Crown, Ozark und Serverance gingen hingegen leer aus. Das ist ein schlechter Witz!

Game of Thrones: House of the Dragon wird Beste Drama-Serie - zu Unrecht!

Normalerweise verfolgt der latent empörte Verfasser dieser Zeilen Preisverleihungen, wie die Oscars oder eben auch die Golden Globes, mit mildem Interesse. Gewinnt einer der persönlichen Favoriten, freut man sich. Geht er hingegen leer aus, zuckt man kurz mit den Schultern. Und falls sich ein Will Smith dazu hinreißen lässt, das Alphatier und den Obermacker raushängen zu lassen, dann werden auch schon mal Videos auf Youtube geschaut und Diskussionen dazu verfolgt. Ansonsten tangieren mich weder tränenreiche Dankesreden noch blitzlichtheischende Abendgarderoben.

Im Fall der Golden Globes 2023 sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Als bekannt wurde, dass House of the Dragon mit dem Award für die Beste Drama-Serie ausgezeichnet wurde, pfiff mir gefühlt heißer Dampf links und rechts aus den Ohren. Es soll hier nicht darum gehen, die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller kleinzureden oder dem Team hinter der Serie mangelnde Leidenschaft zu unterstellen. Doch House of the Dragon ist objektiv gesehen alles andere als ein würdiger Preisträger als Beste Drama-Serie.

Game of Thrones: House of the Dragon - voller handwerklicher Fehler

Es war klar, dass es House of the Dragon als Spin-off-Serie schwer haben würde. Man vergleicht fast schon zwangsläufig Handlungsstränge, Szenen, Charaktere, ja sogar die Musik, mit dem großen Vorbild. Doch meiner Meinung nach konnte die Serie spätestens ab der dritten Folge aus den riesigen Fußstapfen von Game of Thrones heraustreten. Kaum hatte man sich allerdings an die Schauspielerinnen und Schauspieler gewöhnt und ihre Charaktere ins Herz geschlossen, bzw. abgrundtief zu hassen gelernt, vollführen die Macher einen Zeitsprung, der in absurder Weise so dilettantisch ausgeführt ist, dass man immer noch peinlich berührt erschaudert.

Mitten in der ersten Staffel springt die Handlung ohne jegliche Vorwarnung plötzlich einige Jahre nach vorne. Um das zu verdeutlichen, tauschen die Produzenten einige der Hauptdarsteller aus. Im Fall von Kindern ist das völlig nachvollziehbar. Doch wenn eine Schauspielerin, die als ältere Version eines Charakters (Alicent Hohenturm) fungieren soll, genauso jung aussieht, wie die Vorgängerin, dann führt das unweigerlich zu einem ärgerlichen Immersionsbruch. Das Tragische daran: Sowohl die alten (jungen) als auch die neuen (älteren) Darstellerinnen und Darsteller machen ihre Sache für sich gesehen hervorragend.

Doch wenn trotz des Zeitsprungs andere Schauspieler einfach in ihren Rollen (Ser Kriston Kraut) belassen werden und sich nicht mal die Mühe gemacht wird, deren Frisur zu ändern oder auch nur das Barthaar etwas länger wachsen zu lassen, dann fragt man sich schon, was sich die Verantwortlichen dabei dachten. Geschmäcker sind verschieden, deshalb kann man trefflich darüber streiten, ob Game of Thrones: House of the Dragon eine tolle Serie ist oder eher ein enttäuschender Reinfall. Abseits aller Subjektivität bleibt allerdings festzuhalten, dass es wohl selten eine hoch budgetierte Serie gab, deren Handlung aufgrund handwerklicher und inszenatorischer Patzer so sehr in Grund und Boden konterkariert wurde. Und solch eine schwache Leistung sollte nicht auch noch mit einem renommierten Preis wie den Golden Globe ausgezeichnet werden.

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