Horizon: Zero Dawn - The Frozen Wilds: Die Story-Erweiterung zum PS4-Action-RPG im Test
Test
Das PS4-exklusive Action-RPG Horizon: Zero Dawn der Killzone-Macher Guerrilla Games entzückte Spieler und Fachpresse mit einer toll gestalteten Welt, spaßigem Gameplay und einer tiefgründigen Story. Nun erscheint mit The Frozen Wilds eine Story-Erweiterung zu Aloys Abenteuer. Wir haben uns in das frostige Banuk-Gebiet gewagt und sagen euch, ob der DLC genauso abliefert wie das Hauptspiel.
Mit dem Action-RPG Horizon: Zero Dawn (jetzt kaufen ) erschien am 1. März diesen Jahres ein echtes Highlight für die PS4. Das postapokalyptische Abenteuer von Protagonistin Aloy begeisterte Spieler und Fachpresse mit seiner toll gestalteten Welt, spaßigen Kämpfen gegen abwechslungsreich designte Maschinenwesen und einer überraschend gut erzählten sowie tiefgründigen Story. Auch die Verkaufszahlen waren mehr als erfreulich für Publisher Sony und Entwicklerstudio Guerrilla Games. Zwei Monate nach Release waren bereits über 3,4 Millionen Exemplare über die Ladentheke gegangen. Sony kündigte bereits an, dass das Universum von Horizon weiter ausgebaut werde und Aloys Abenteuer noch lange nicht zu Ende sei. Bevor uns aber in ein paar Jahren ein richtiger Nachfolger erwartet, steht nun erstmal mit The Frozen Wilds ein abschließender Story-DLC für Zero Dawn auf der Matte. Dieser erweitert die Spielwelt nicht nur um ein neues Gebiet, sondern erklärt auch ein paar Hintergründe zu einem mysteriösen Charakter aus dem Hauptspiel.
The Frozen Wilds im Test: Frostiger Empfang
Wie der Name The Frozen Wilds schon vermuten lässt, verschlägt es Aloy in der Erweiterung nicht in eine Wüstenregion. Stattdessen stattet sie den Banuk im Nordosten der Weltkarte einen Besuch ab. Bereits im Hauptspiel trifft man auf den Stamm, der sich in den verschneiten Bergen der Welt angesiedelt hat. Dort durfte man jedoch nur einen Außenposten betreten, nun ist deren komplettes Reich zugänglich. Habt ihr The Frozen Wilds für 19,99 Euro aus dem Playstation Store geladen, wird der DLC sofort mit dem Hauptspiel verbunden. Voraussetzungen, um in das Abenteuer zu starten, sind außerdem, dass ihr mindestens Charakterlevel 30 erreicht und die Hauptquest "Eine Sucherin vor den Toren" abgeschlossen habt.
Quelle: PC Games
Die Dialog-Szenen sind dank mehrer Kameraperspektiven und verbessertem Motion Capturing nicht mehr so steif wie im Hauptspiel.
Ist dies der Fall, erhaltet ihr an mehreren Orten Hinweise auf mysteriöse Ereignisse bei den Banuk. Ihr könnt allerdings auch einfach zu dem neuen Gebiet laufen und trefft vor dem Betreten der Region eine flüchtende Banuk, die euch vor der Gefahr im sogenannten Schnitt warnt. Angeblich hat sich auf dem Donnerkamm, einem riesigen Berg in dem Banuk-Reich, ein Dämon eingenistet. Seitdem strömt unentwegt Rauch aus dem Berg. Zudem habe der Dämon die Maschinen noch stärker gemacht und gegen die Banuk aufgehetzt. Eine friedliche Koexistenz sei nicht mehr möglich, die Maschinen seien nur noch am Tod der Banuk interessiert. Als wäre das für Aloy nicht schon Motivation genug, den friedfertigen Frost-Freunden zu helfen, erfährt sie auch noch, dass sie hier vielleicht Informationen über Sylens erlangen könnte. Nach einer ausgedehnten Kletterpartie in den Schnitt beginnt also ihr neues Abenteuer.
The Frozen Wilds im Test: Im Norden nicht viel Neues
Das eisige Reich der Banuk sieht absolut großartig aus und verströmt sofort diese besondere Atmosphäre, die man aus dem Hauptspiel kennt. Obwohl fast alles eingeschneit ist, ist das Gebiet abwechslungsreich gestaltet und weckt sofort den Abenteurer in euch. Audiovisuell wird das ebenfalls gut eingefangen. Der knarzende Schnee unter Aloys Stiefeln, dicke Schneeflocken, die vom Himmel fallen, die wunderbaren Beleuchtungseffekte, wenn ihr Höhlen oder Ruinen erkundet - The Frozen Wilds ist einfach schön.
Auch einer der größten Kritikpunkte am Hauptspiel wurde behoben. In Zero Dawn waren die Bewegungen der Charaktere bei Dialogen oftmals ziemlich steif, und auch die Kameraeinstellung blieb sehr starr. In The Frozen Wilds bewegen sich die Figuren nun viel natürlicher und aufgrund geschmeidiger Umschnitte zwischen verschiedenen Kameraperspektiven sind die Gespräche jetzt viel cineastischer. Überhaupt müssen wir die Dialoge loben. Die Schreiber von Guerrilla Games haben bei Nebenquests nun nämlich auch ein bisschen mehr Humor eingebaut. Vor allem die drei Banuk-Jäger, die verzweifelt nach einem Namen für ihre Gruppierung suchen, sorgen für Lacher.
Quelle: PC Games
Die Bären-ähnlichen Frostklauen sind gefährliche Gegner. Überhaupt wurde der Schwierigkeitsgrad für den DLC etwas angehoben.
Spielerisch sollte man sich jedoch nichts anderes als die Gameplay-Elemente aus dem Hauptspiel erwarten. Ihr nehmt Aufträge von Questgebern an, folgt der schön präsentierten Hauptstory, sammelt Gegenstände, hebt ein Banditennest aus, schaltet schleichend oder mit lautem Getöse Maschinenwesen aus. In der ersten Hälfte der Geschichte kommt es jedoch zu mehr Kletterpartien als im Hauptspiel. Diese sehen absolut eindrucksvoll aus, sind spielerisch aber leider überhaupt nicht anspruchsvoll. Schön ist allerdings, dass es nun ein paar Rätsel ins Spiel geschafft haben, bei denen ihr Datenpunkte oder Rohre richtig miteinander verbinden müsst. Die Knobeleien sind relativ einfach zu lösen, lockern den Spielablauf jedoch auf.
Schade ist aber, dass es nicht besonders viele Nebenquests gibt und diese eben nur bereits bekannte Mechaniken wiederkäuen. Auch wenn ihr nun per Nebenaufgaben neue Ausrüstung und Outfits freischalten könnt. Hier fehlt es dem DLC ein bisschen an einer eigenen Identität. Man hätte hier durchaus auch mehr mit den dämonischen Maschinen anstellen können. Die Kämpfe sind nun schwieriger als im Hauptspiel, da die vom Dämon befallenen Maschinen kräftiger austeilen sowie mehr einstecken können und zudem in noch größeren Rudeln angreifen. Allerdings gibt es gerade mal zwei neue Maschinengattungen, alle anderen Wesen kennt man bereits aus dem Hauptspiel. Die Bären-ähnlichen Frostklauen sowie die Feuer spuckenden Versenger sehen zwar eindrucksvoll aus und haben einige fiese Attacken im Gepäck, aber hier hätten wir uns dennoch ein wenig mehr Abwechslung erhofft.
Quelle: PC Games
Leider gibt es nur zwei neue Maschinenwesen. Neben den Frostklauen heizen euch auch die fiesen feuer spuckenden Versenger mächtig ein.
The Frozen Wilds im Test: Hetz doch nicht so!
Daran ändern auch die in der Spielwelt verteilten Dämonentürme nichts. Diese schützen die infizierten Maschinen nämlich und heilen diese sogar, wenn sie verwundet wurden. Die Türme lassen sich allerdings super simpel zerstören oder umprogrammieren. Zudem gibt es in dem neuen Gebiet leider auch nicht viel neue Ausrüstung. Bis auf die Waffen, die man ohnehin im Verlaufe der Story bekommt, braucht man eigentlich keine einzige der bei Händlern angebotenen Maschinenbezwinger. Auch der neue Talentbaum, mit dem ihr eure Reit-Fähigkeiten verbessern dürft, ist nicht unbedingt notwendig. Zwar kann man mit den entsprechenden Skills nun auch auf dem Rücken von Reittieren Rohstoffe sammeln oder darf die Robo-Plötze reparieren, wenn sie beschädigt wurde, allerdings ist das Gelände im Schnitt oftmals recht unzugänglich, sodass man eher zu Fuß unterwegs ist.
Quelle: PC Games
Einige kleinere Rätseleinlagen lockern das Spielgeschehen auf.
Selbst die Hauptquest kann erzählerisch nicht komplett überzeugen. Die Story wird toll präsentiert und glänzt mit nachvollziehbaren Charakteren sowie interessanten Einblicken in die Stammes-Riten der Banuk, wird aber etwas zu gehetzt erzählt. Während sich das Hauptspiel stets genügend Zeit nahm, um einen Handlungsstrang zu erzählen oder eine Figur ins rechte Licht zu rücken, wird dies bei The Frozen Wilds ein wenig übers Knie gebrochen. Bei Zero Dawn war es einfach klasse gemacht, dass man zusammen mit Aloy allmählich den Geheimnissen rund um Spielwelt und Maschinen auf die Schliche kam.
Wer hier die Geschichte halbwegs aufmerksam verfolgt hat, hat auch sofort eine Idee, was auf dem Donnerkamm vor sich geht. Obwohl die ersten zwei Drittel der Story recht schnell erzählt werden, zieht sich das Finale etwas und bietet auch keine Überraschungen. The Frozen Wilds ist eine schöne Story-Erweiterung, die euch je nach Spielweise 8 bis 13 Stunden beschäftigen wird und eine tolle Atmosphäre in einem großartig gestalteten Setting versprüht, allerdings weder in Sachen Story noch Gameplay Neuerungen bietet und aufgrund der etwas überstürzten Erzählung nicht ganz so rund ist, wie man es nach dem starken Hauptspiel erwarten könnte.
