Hob: Definitive Edition im Test: Malerisches Action-Adventure jetzt auch für Switch
Test 17,99 €
Das letzte große Werk der Torchlight-Macher entpuppt sich im Test als fesselndes, aber auch ungeschliffenes Juwel mit einer raffinierten Spielwelt. Warum uns Hob trotz seiner Schnitzer motiviert und nicht nur Zelda-Freunde anspricht, klärt unser Review. UPDATE: Unser Test umfasst jetzt auch die überarbeitete Definitive Edition für Nintendo Switch.
Von Action-RPGs hat Runic Games erst mal die Nase voll: Nach dem beliebten Torchlight 2 wollte das Team etwas Neues ausprobieren - und liefert nun mit Hob (jetzt kaufen 17,99 € ) ein waschechtes Action-Adventure ab. Lange als "wortloses Indie-Zelda" gehandelt, zeigt sich im Test: Diesen Ruf verdient es nur bedingt. Doch mit seiner entspannten Stimmung und tollen Spielwelt hat uns Hob trotzdem begeistert - obwohl einige Schnitzer und eine holprige Technik auf die Wertung drücken.
UPDATE: Wir haben den Artikel mit Infos und Bildern zur Switch-Version erweitert. Alle Wichtige zur Hob: Definitive Edition (Switch) plus Wertung findet ihr unten in diesem Test!
Auf dieser Seite
- 1 Hob im Test: Wortlos in einer malerischen Welt
- 2 Hob im Test: Erkunden für Fortgeschrittene
- 3 Hob im Test: Cleveres Leveldesign
- 4 Hob im Test: Belohnungen für Entdecker
- 5 Hob im Test: Fixe Kamera und Steuerungsmängel
- 6 Hob im Test: Kämpfe sind Nebensache
- 7 Hob im Test: Schnitzer in der Technik - PC und PS4
- 8 Hob: Definitive Edition im Test: Switch-Umsetzung von Panic Button
- 9 Hob: Definitive Edition im Test: Stärken und Schwächen der Switch-Version
- 10 Hob: Definitive Edition im Test: Technische Schwächen auch auf der Switch
- 11 Hob im Test: Wertung und Fazit
Hob im Test: Wortlos in einer malerischen Welt
Quelle: PC Games
Ein freundlicher Roboter ist unser einziger Wegweiser in Hob. Ihm verdanken wir auch unseren mächtigen mechanischen Arm.
Hob beginnt leise und das bleibt auch so. Zu Beginn stemmt ein Roboter eine dunkle Kammer auf. Heraus tritt eine kleine Gestalt in rotem Gewand, unsere Spielfigur, die Erinnerungen an Journey weckt. Ob sie nun Held oder Heldin ist, das spielt keine Rolle für die simple Geschichte: Dialoge beschränken sich auf Gesten, Texte liest man nur in Menüs und Zwischensequenzen gibt's so gut wie gar nicht. Da die Story ohnehin nie wirklich interessant wird, gerät sie fast schon zur Nebensache. Denn Hob rückt lieber seine wunderbare Spielwelt ins Rampenlicht: Vor uns breitet sich eine farbenfrohe Idylle aus, Wälder, Blumen und Gräser bedecken die Landschaft, allerlei Tiere füllen die Szenerie mit Leben. Hinter der hübschen Fassade sieht es dagegen anders aus: Unter der Erde arbeiten gewaltige Maschinen, eine Art riesiges Uhrwerk, das die malerischen Landmassen trägt und in das wir immer wieder hinabsteigen müssen, um im Spiel voranzukommen.
An speziellen Aussichtspunkten zeigt sich Hob von seiner schönsten Seite, hier gibt es den Blick auf wundervolle Panoramen frei. Untermalt werden die hübschen Bilder von einem unaufdringlichen Soundtrack aus der Feder von Matt Uelmen (Diablo 2). Bei so viel Atmosphäre stört es auch nicht weiter, dass die Texturen matschig und manche Umgebungen arg klobig geraten sind - technisch ist Hob bestenfalls durchschnittlich, doch das macht es mit seinem Charme locker wieder wett.
Quelle: PC Games
An vielen Stellen nimmt die automatische Kamera solche Winkel ein und zeigt die Spielwelt als prächtiges Panorama.
Hob im Test: Erkunden für Fortgeschrittene
Quelle: PC Games
Am Ziel: Sieben solcher Nester müssen wir zerstören, um den wuchernden Befall zu beseitigen.
Unsere Aufgabe in Hob ist nicht gerade einfallsreich: Große Teile der Spielwelt sind von einer ekligen organischen Masse überwuchert, welche die heimische Tierwelt versaut und Monster anlockt - und wir sollen das Zeug natürlich beseitigen. Ein paar Minuten und einen hässlichen Unfall später erhalten wir darum nicht nur ein Schwert, sondern auch einen riesigen Roboterarm. So gerüstet, machen wir uns ans Werk, um sieben "Nester" auszuheben, aus denen der violette Glibber seinen Ursprung hat. Ein Questmarker auf der Karte gibt uns noch das grobe Ziel vor - und ab da sind wir im Grunde auf uns gestellt. Hob liefert nämlich kaum Hinweise, bietet uns aber zig Wege zum Erkunden an. Der Effekt: In der ersten Stunde verlaufen wir uns nach Strich und Faden, das schadet dem Ersteindruck! Doch zum Glück lassen wir uns davon nicht einschüchtern, denn kurz danach entfacht Hob im Test eine ungeahnte, fast soghafte Wirkung. Die hat es seinem wunderbaren Leveldesign zu verdanken.
Hob im Test: Cleveres Leveldesign
Quelle: PC Games
An Schaltern wie diesen manipulieren wir die Umgebung. Keine Angst: Fehler kann man hier nie machen!
Da uns Hob kaum leitet, verbringen wir den Großteil der Spielzeit einfach damit, den richtigen Weg zu finden und unterwegs auf Knöpfe zu drücken, die überall verteilt sind. Diese Schalter haben es in sich! Auf Knopfdruck sausen da Plattformen aus der Tiefe empor, Säulen erheben sich oder setzen sich zu ungeahnten Brücken zusammen, Bodenplatten verbinden sich zu neuen Pfaden und ganze Landstriche schießen aus der Erde. Das sieht nicht nur toll aus, sondern zieht sich auch konsequent durchs ganze Spiel. Am Ende hatten wir das Gefühl, die halbe Karte umgepflügt zu haben!
Auch in den unterirdischen Anlagen und Höhlen glänzt Hob mit gutem Leveldesign: Die Dungeons sind stimmungsvoll gestaltet, verlangen nach ordentlich Fingerspitzengefühl und tischen uns regelmäßig kleine Puzzles auf, die für Abwechslung sorgen. Besonders gut hat uns das Wasserwerk gefallen: Zuerst schwimmt man hier durch riesige Becken, in denen sich gefräßige Riesenfische tummeln, nimmt dann mehrere Pumpen in Betrieb, legt Teile der Anlage trocken oder flutet andere mit Wasser, weitet so nach und nach seinen Spielraum aus - gut gemacht von Runic Games!
Quelle: PC Games
Auch die unterirdischen Levels sind klug und motivierend gestaltet. Hier testen wir unsere neue Teleporter-Fähigkeit aus.
Hob im Test: Belohnungen für Entdecker
Besonders motivierend sind die zahllosen Geheimgänge und verborgenen Pfade, die viele kleine Upgrades verbergen, mit denen wir nach und nach unseren Lebensbalken und Energievorrat erweitern. Außerdem gibt's mehrere Bauteile für das Schwert und eine sammelbare Währung, mit der wir optionale Kampftechniken freischalten, die wir vorher aber in Schatzkisten finden müssen. Wer also fleißig erkundet, wird belohnt! Und es streckt ordentlich die Spielzeit: Bis wir alle Upgrades gefunden, alle Archive geöffnet und alle Schwertteile und Umhänge gesammelt hatten, waren schöne 12 Stunden vergangen. Wer nicht alles sammeln will, ist wesentlich schneller durch.
Quelle: PC Games
In solchen Kisten finden wir Währung, neue Fähigkeiten und Umhänge, die uns passive Boni verleihen. Viel ist das leider nicht.
Ein vollwertiges Metroidvania-Abenteuer sollte man aber nicht erwarten, denn in Sachen Ausrüstung zeigt sich Hob knauserig: Neben dem Roboterarm, der brüchige Wände einreißen kann, erhalten wir nur noch die Fähigkeit, Teleporter zu verwenden sowie eine Art Enterhaken abzufeuern, mit dem wir uns an Ankerpunkten festhalten können. Wer also hofft, ähnlich wie in The Legend of Zelda regelmäßig neue Items aus Dungeons rauszutragen und coole Fähigkeiten zu lernen, wird enttäuscht.
Hob im Test: Fixe Kamera und Steuerungsmängel
Stattdessen stehen genaues Springen, Balancieren und Klettern an der Tagesordnung - das macht Hob fast schon zu einem Plattformer! Ungewöhnlich dafür ist allerdings der fest vorgegebene Blickwinkel, der das Geschehen fast immer von oben zeigt. Das ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits sorgt die fixe Perspekte nämlich dafür, dass die Entwickler genau wissen, was der Spieler sieht und was nicht - also perfekt, um Secrets zu verbergen!
Andererseits hüpft man auch mal schlichtweg ins Leere, weil sich die Distanzen ohne freie Kamera oft nur schwer einschätzen lassen. Hinzu kommen kleine Schnitzer in der Steuerung: In den meisten Fällen lässt sich die Spielfigur zwar sauber lenken, doch wenn wir an Leitern raufklettern oder auf schmalen Stegen balancieren, gerät's auch mal etwas fummelig und ungenau. Zum Glück gibt es fair gesetzte Speicherpunkte und kurze Ladezeiten!
Quelle: PC Games
Da bleibt kaum ein Stein auf dem anderen: Viele Teile der Umgebungen setzen sich auf Knopfdruck in Bewegung.
Ein anderes Problem der fixen Perspektive: Zuweilen wird das Geschehen von Bäumen oder Mauern verdeckt, die schlimmstenfalls zu Clippingfehlern führen - spielerisch mag das unbedeutend sein, technisch wirkt es aber unsauber. Auch kann es leicht mal passieren, dass sich die Spielfigur in der Levelgeometrie verheddert oder an einem Ort landet, wo sie nicht hin soll. Was auch der Grund sein dürfte, weshalb sich im Spielmenü sogar eine Respawn-Funktion befindet, die uns an den letzten Speicherpunkt zurückbefördert.
Hob im Test: Kämpfe sind Nebensache
Obwohl Hob oft mit The Legend of Zelda verglichen wird, hat es damit wenig gemein. Nicht nur weil es so stark auf Erkundung ausgelegt ist, sondern auch weil die Kämpfe nur eine Nebenrolle spielen. Wir können gerade mal mit einem Schwert und der Roboterfaust zulangen, Distanzwaffen wie Bögen gibt es nicht und auch die Auswahl an Attacken bleibt überschaubar. Gegner variieren von kleinen Kobolden und Käfern bis hin meterhohen Gestalten, die uns mit ihren riesigen Äxten und Keulen schon nach wenigen Treffern aus den Latschen hauen. Manche Feinde müssen zunächst geschwächt werden, beispielsweise indem wir ihren Schild oder ihre Rüstung mit der Roboterfaust zerdeppern, bevor wir mit dem Schwert nachlegen. Das bringt etwas Taktik in die überwiegend anspruchslosen Kämpfe und peppt das Schwertgefuchtel auf. Auf ordentliche Bossgefechte hat Runic Games dafür - mit einer Ausnahme - komplett verzichtet. Wie schade!
Quelle: PC Games
Kämpfe spielen nur eine untergeordnete Rolle. Hier reißen wir einem Feind erst seinen Beinpanzer mit unserem Energiehaken ab, bevor wir ihn verwunden können.
Hob im Test: Schnitzer in der Technik - PC und PS4
Selbst nach einigen Patches wirkt Hob technisch nicht ganz ausgereift. Im Test schmierte die PC-Version auf zwei verschiedenen Rechnern mehrmals ab und auch die Performance zeigt Schwächen: Trotz niedriger Systemanforderungen brach die Framerate immer wieder spürbar ein - selbst auf starker Hardware. Da besteht noch Optimierungsbedarf! Auf PS4 fallen die Einbrüche der Framerate noch deutlicher auf. Dafür haben wir auf der Sony-Konsole merklich weniger Abstürze erlebt, immerhin. Erste Updates haben zwar damit begonnen, die Probleme abzumildern, doch bis Hob richtig rund läuft, ziehen wir zwei (PC) beziehungsweise drei Punkte (PS4) von der Wertung ab.
Metacritic bewertet das Spiel mit 76%.
Hob: Definitive Edition im Test: Switch-Umsetzung von Panic Button
Ein Jahr und sieben Monate später ist es so weit: Hob ist in einer überarbeiteten Version endlich auch für Nintendo Switch erhältlich. Die neue Version trägt den Titel Hob: Definitive Edition, stammt aber nicht vom originalen Entwicklerteam Runic Games, da die kurz nach dem Release von Hob ihre Pforten schließen mussten. Stattdessen zeichen die Umsetzungsexperten von Panic Button für die Portierung verantwortlich, also das gleiche Team, das auch schon die sehr gute Switch-Fassung von Wolfenstein 2: The New Colossus abgeliefert hat.
Quelle: PC Games
Im mobilen Modus pixelt die Switch-Umsetzung stark auf, dadurch gehen viele Details der schönen Spielwelt verloren.
Hob: Definitive Edition im Test: Stärken und Schwächen der Switch-Version
Bei Spielstart habt ihr die Wahl: Ihr könnt entweder das originale Hob-Erlebnis wie auf PC und PS4 beginnen, oder ihr wählt die Definitive Edition, die mit ein paar kleineren Neuerungen daherkommt. So wurden Kameraführung und Levelaufbau laut den Entwicklern an manchen Stellen etwas überarbeitet, in der Praxis haben wir davon aber im Grunde nichts bemerkt. Auffälliger ist da schon die Möglichkeit, die Kamera nun mit dem rechten Analogstick leicht nach oben und unten zu kippen, so kann man sich in manchen Situationen etwas mehr Übersicht verschaffen. An dem streng minimalistischen Spielansatz, der ohne Dialoge oder nennenswerte Hilfen auskommt, hat sich zwar nichts geändert, dafür wurden aber die Menüs und die Karte ein wenig überabeitet. Ebenfalls neu: An wichtigen Punkten speichert das Spiel nun einen Screenshot als Erinnerung ab; die Bilder lassen sich in einem neuen Menü einsehen, damit könnt ihr euren bisherigen Weg zurückzuverfolgen. Außerdem wurden die Checkpoints etwas entschäft. Wurde man nach einem Fehltritt bislang stets zurück an den letzten Speicherpunkt gesetzt, verliert ihr nun nur einen Lebenspunkt und spawnt in unmittelbare Nähe - das spart euch Laufwege und sorgt für einen besseren Spielfluss. Die Switch-Version bietet auch Unterstützung für HD-Vibration und Touchscreen-Eingaben, was das Spielerlebnis aber keinen Deut besser macht.
Hob: Definitive Edition im Test: Technische Schwächen auch auf der Switch
Panic Button hat einen gewohnt guten Job abgeliefert, die Switch-Umsetzung von Hob spielt sich sauber und die Ladezeiten fallen ausgesprochen kurz aus. Wie auf der PS4 hat das Spiel aber mit einer instabilen Framerate zu kämpfen, durchgängig flüssig läuft's auf der Switch also leider nicht. Grafisch mussten ein paar Abstriche gemacht werden, Blitze oder Wasser schauen beispielsweise nicht so detailliert aus wie auf dem PC und das Bild wirkt auch nicht ganz so gestochen scharf.
Trotzdem bleiben Look und Charme des Spiels auch auf der Switch erhalten - solange ihr nicht im mobilen Modus spielt. Hier fährt Panic Button die Auflösung nämlich dermaßen brutal runter, dass die Optik stark aufpixelt und viele Details verloren gehen. Zudem sorgt der Cel-Shading-Look dafür, dass im mobilen Modus dicke schwarze Konturen an sämtlichen Levelobjekten, Charakteren und Gegnern zu sehen sind, das Bild wirkt dadurch etwas dunkler. Zwar lässt sich Hob trotzdem auch gut unterwegs spielen, doch wer die Wahl hat oder, sollte auf jeden Fall den TV-Modus bevorzugen.
