Hitman-Historie: Barcode, Filme und weitere Hintergründe
Special
Gerade erst wurde das neueste Hitman mit der letzten Episode abgeschlossen. Nach mittlerweile sechzehn Jahren reger Betriebsamkeit für Auftragskiller 47 wird es Zeit für eine Retrospektive. Wir blicken auf fünf Spiele mit dem Hitman zurück.
Die Geschichte hinter dem Barcode
Der berühmteste Strichcode der Spielegeschichte wurde dem Hitman auf den Hinterkopf tätowiert. Agent 47 wurde am 5. September 1964 in einem Sanatorium in Rumänien geboren. Oder genauer: Er wurde erschaffen. 47 ist nämlich ein Klon, entwickelt vom deutschen Genetiker Dr. Otto Wolfgang Ort-Meyer. Dessen größtes Ziel bestand darin, den perfekten, gehorsamen Killer zu erschaffen. Zu diesem Zweck nutzte er das Sanatorium in Satu Mare (Rumänien) als Tarnung. Um 47 zu erschaffen, nutzte Ort-Meyer - neben seiner eigenen - die DNA von vier anderen Schwerkriminellen, mit denen er befreundet war und die sich für das Projekt bereitwillig als Spender zur Verfügung stellten.
Daraus entwickelte Ort-Meyer Klon Nummer 47, woher auch seine spätere Bezeichnung als Agent 47 herrührt. Um ihn und die anderen Klone im Sanatorium auseinanderhalten zu können, bekamen sie einen Barcode und eine Nummer in den Hinterkopf tätowiert. 47 wurde die Nummer 640509-040147 in die Haut gestochen. 64-05-09 steht dabei für sein Geburtsdatum, 04 markiert die Klon-Serie, in der er als erster Klon (dafür steht die 01) erschaffen wurde, während die 47 seine Versionsnummer bezeichnet. Der Strichcode selbst hat keine Bedeutung, auch wenn verschiedene Lesegeräte hierzu unterschiedliche Produkte ausspucken. Eines der kuriosesten Ergebnisse war eine Tasche für Sexspielzeug.
In diesem Artikel
Die Sünden der Väter
Quelle: PC Games
Dr. Otto Wolfgang Ort-Meyer
Gestatten: Dr. Otto Wolfgang Ort-Meyer. Sein Hobby ist das Züchten von Super-Killern. Agent 47 hat fünf Väter, allesamt schwerkriminelle Unterweltgrößen. Einer davon ist Dr. Ort-Meyer, der die anderen vier mit geklonten Organen versorgte, womit sie jünger und gesünder blieben. Alle fünf werden von 47 im ersten Teil der Serie, Codename 47, ausgelöscht.
• Dr. Otto Wolfgang Ort-Meyer Deutscher Genetiker. Führte in einem Tarn-Sanatorium viele Klon-Versuche durch, um den perfekten Killer zu erschaffen. Wird von Agent 47 in seinem Labor umgebracht.
• Lee Hong Boss der chinesischen Verbrecher-Organisation Red Dragon Triade. Als er 1999 seine Geldmittel von Ort-Meyers Experimenten zurückzieht, schickt der (anonym, über die Agentur) 47 um Lee Hong zu töten.
• Pablo Belisaro Ochoa Kolumbianischer Drogenboss. Ebenso wie Lee Hong landete Ochoa auf Ort-Meyers Todesliste, nachdem dieser kein Geld mehr bereitstellte. Ochoa wird in der Mission "Say Hello To My Little Friend" zum Ziel von 47.
• Frantz Fuchs Kopf der Terroristen-Organisation Fuchs Brothers. Wird mit seinem Bruder Fritz in der Mission "Traditions of the Trade" von Agent 47 eliminiert.
• Arkadij Jegorov Russischer Waffenschieber. Schmuggelte Waffen über die Türkei und den Iran, bevor er sich in der russischen Mafia etablierte. Wird von 47 in Rotterdam an Bord seines Frachtschiffs erledigt.
Im Fokus der Killerspiel-Diskussion
Die Killerspiel-Debatte zeichnete sich vor allem durch grelle Schlagzeilen und mangelnde Sachlichkeit aus. Um die Jahrtausendwende begann eine Diskussion um sogenannte "Killerspiele". Dabei handelt es sich um einen negativ konnotierten, politischen Begriff, der Spiele mit Gewaltinhalten gegen Menschen und menschenähnliche Personen klassifizieren soll. Im Kern geht es in der meist unsachlich geführten Diskussion um den Versuch, solche Spiele zu stigmatisieren ("Massenmord als Kindersport" - Frontal21, ZDF), einzuschränken oder gar zu verbieten. Ernsthafte und ausgewogene Auseinandersetzungen mit dem Thema Gewalt in Spielen sind dagegen verhältnismäßig selten.
Quelle: PC Games
Hitman- Historie: Auftragsmorde im Wandel der Zeit. (16)
Der Hitman befand sich als echtes Killer-Spiel ebenfalls bereits im Fokus dieser Diskussion. In der heftig kritisierten Sendung Frontal21 (ZDF) vom 09. November 2004 wurde versucht, Computerspiele als Ursache von Gewaltexzessen wie dem Amoklauf von Erfurt hinzustellen. Hitman: Contracts soll angeblich belegen, dass die Freiwillige Selbstkontrolle versagt habe. Auf die Aussage des damaligen Leiters der Obersten Landesjugendbehörde, dass sich die FSK im Bereich Spiele absolut bewährt habe, reagiert Frontal21 wie folgt: "Bewährt? Ein Hohn bei Spielen wie Hitman: Contracts. Sinnloses Morden im Sanatorium ist hier Spielinhalt. Eine Vorgängerversion hat die damals zuständige Bundesprüfstelle noch indiziert, das heißt, es konnte nicht offen gekauft werden - das Spiel gab es nur unter der Ladentheke. Die aktuelle Fassung ist mindestens so brutal und frei erhältlich ab 18. Das bedeutet, für Hitman: Contracts und ähnliche Gewaltspiele können die Hersteller offen werben." Untermalt wird das Zitat von wildem Geballer im genannten Sanatorium, was natürlich möglich ist, dem eigentlichen Ziel des Spiels aber entgegensteht - und vom Spiel bestraft wird (beispielsweise durch schlechte Missionswertungen).
Mit einseitigen Videos, Studien sowie Aussagen voreingenommener Personen wurde zudem versucht, auf politischer Ebene blinden Aktionismus zu erreichen. Eine sachliche Debatte war nie im Interesse der entsprechenden Medien. Politiker wie der damalige niedersächsische Innenminister Schünemann ließen sich davon beeinflussen und erklärten die FSK als unzureichend. Gegenüber dem Magazin Der Spiegel nannte er Hitman: Contracts als Beispiel für ein Versagen der Selbstkontrolle. Das Magazin schreibt: "Er selbst sei zwar 'kein Experte', man habe ihm jedoch Fälle vorgelegt, in denen Spiele durch minimale Modifikationen von 'keine Kennzeichnung' auf verkaufsfähige Einstufungen heruntergerutscht seien. Konkret nennt er Hitman: Contracts, ein Spiel, in dem der Spieler einen Berufskiller verkörpert."
Der Hitman im Kino
Hitman - Jeder stirbt alleine
Quelle: PC Games
Timothy Olyphant verkörperte Profikiller 47 in Hitman: Jeder stirbt alleine.
2007 kam der Film zum Spiel ins Kino. Xavier Gens führte Regie, Agent 47 wird von Timothy Olyphant gespielt. Darin findet sich 47 mitten in einem Komplott rund um den russischen Präsidenten wieder. Zwar basiert der Film auf der beliebten Spiele-Serie, allerdings wird vielfach von der Vorlage abgewichen. Beispielsweise verwendet der Film-Hitman bis auf eine Ausnahme immer Schusswaffen, während im Spiel auch ohne Feuerwaffen vorgegangen werden kann. Trotz der Änderungen und vielen sehr gut gemachten Action-Szenen fängt der Film die Hitman-Atmosphäre gut ein. Gleichwohl fielen die Presse-Kritiken überwiegend negativ aus. Bei Hitman-Fans genießt der Film jedoch einen viel besseren Stand, vor allem Olyphants Darstellung des glatzköpfigen Profikillers (seine kalte Gelassenheit wurde von Kritikern fälschlicherweise als "Steifheit" eingestuft) fand Anerkennung.
Hitman - Agent 47
2015 startete der Reboot des Hitman-Films von 2007 mit Rupert Friend in der Rolle des Agent 47. Regie führte Aleksandr Bach. Die Handlung dreht sich um den Klon-Hintergrund von 47, allerdings basiert die Geschichte (ähnlich wie der erste Hitman-Film) nur sehr vage auf den Spielen. Die Handlung wird jetzt aber nahezu komplett wilden Action-Szenen untergeordnet, es gibt nur vergleichsweise wenige ruhige Szenen im Film. Das schadet der Atmosphäre und Glaubwürdigkeit, der Hitman aus den Spielen ist weder zu sehen noch zu spüren. Die Bewertungen der Presse und der Zuschauer sind sich in diesem Fall einig: Hitman - Agent 47 ist maximal als Popcorn-Action-Streifen zu gebrauchen, hat aber mit dem echten Agent 47 nichts gemein.
Wusstet ihr schon ...
... dass das Aussehen von Agent 47 nach seinem englischen Sprecher, dem Schauspieler David Bateson, gestaltet wurde?
... dass es von Agent 47 fünf weitere, exakte Kopien gab? Wenn wir uns in Codename 47 die Schlüsselkarte von Dr. Ort-Meyer besorgen, finden wir die Klone im Keller des Sanatoriums. Sie sollten ursprünglich an seine fünf Väter gehen.
... dass 47 sechs verschiedene Nationalitäten besitzt? Laut Agentur-Daten ist er Amerikaner, Brite, Deutscher, Schweizer ... und er besitzt noch zwei Nationalitäten, die geheim sind.
... dass Agent 47 als Kind Haustiere hatte? Er sorgte sich zuerst um einen Laborkaninchen und nach dessen natürlichem Tod um eine kleine Maus, bis ein anderer Klon sie zum Spaß tötete.
... dass Agent 47 in Codename 47 entlassen werden kann, obwohl er eine Mission erledigt hat? Das passiert, wenn er zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat (alle NPCs getötet).
... dass Agent 47 Hitman: Blood Money bewältigen kann, ohne einen einzigen Schuss abzugeben?
... dass Hitman: Absolution in der 47. Woche des Jahres 2012 veröffentlicht wurde?
... dass Agent 47 mit dem neuesten Teil runde 55 Jahre alt geworden ist? Der sechste Hitman-Teil spielt nämlich etwas in der Zukunft, und zwar 2019.
... dass Agent 47 ein einigermaßen begabter Musiker ist? In der Mission "Club 27" (Hitman, 2016) zeigt er seine Fähigkeiten als Schlagzeuger, wenn man sich als Abel DaSilva ausgibt.
