Herr Lehmann

Test

Christian Ulmen beweist in Leander Haussmanns neuem Film schauspielerisches Können

Der deutsche Film hat es nach wie vor nicht leicht. Während die Massen nahezu ungebremst von Bombast-Kino aus Hollywood angezogen werden, landen einheimische Produktion mit wenigen Ausnahmen oft unter ferner liefen.

Ein echter Ausreißer unter den deutschen Regisseuren ist jedenfalls Leander Haussmann. Der leidenschaftliche Theater-Macher bewies bereits mit seinem Kinodebüt "Sonnenallee" (1999), dass deutsche Filme trotz ihrer schier hoffnungslos finanziellen Unterlegenheit gegenüber Amerika durchaus hohen Unterhaltungswert haben und auch ein Millionenpublikum finden können.

Sein neuestes Werk "Herr Lehmann" war zwar nicht ganz so erfolgreich, fand aber immerhin gute 700.000 Zuschauer und wurde von der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden mit dem "Prädikat: Besonders wertvoll" ausgezeichnet. Als Vorlage diente der hoch gelobte Erstlingsroman des Musikers Sven Regener (u.a. Element of Crime), der aufgrund der Komplexität bzw. der kaum vorhandenen Handlung des Buches gleich selbst das Skript verfasste. Selbstverständlich in Rücksprache mit Haussmann.

Zu sehen gibt es eine Milieustudie einer Welt, die in Deutschland vielleicht einzigartig ist: Berlin Kreuzberg. Ein echter Kiez mit allerhand schrägen Vögeln und echten Typen. Einer davon ist Frank Lehmann (Christian Ulmen).

Es ist 1989 und nicht nur Deutschland, sondern auch Herrn Lehmann stehen turbulente Zeiten bevor. Sein 30. Geburtstag und ein Besuch seiner Eltern nahen, der Kneipenjob läuft eher schlecht als recht. Mit seinem besten Freund Karl (Detlev Buck) säuft er sich durch das Nachtleben und versucht die Liebe der Köchin Katrin (Katja Danowski) zu gewinnen.

Die DVD wurde ausgestattet mit einem Audiokommentar, in dem sich Leander Haussmann und Sven Regener schon mal gegenseitig ins Wort fallen, einem Making of (ca. 24 Min.), sieben Interviewclips und reichlich entfallenen Szenen (ca. 20 Min.). Dazu kommen ein "X-Plore Mode", bei dem man während des Films Zugriff auf weitere Special Features erhält, Trailer und mehr. PK

Fazit

Film-Check: Christian Ulmen überzeugt in der Titelrolle als redseliger, pessimistischer Optimist und Philosoph und führt uns auf einer scheinbar nicht enden wollenden Odyssee durch den eigenwilligen Mikrokosmos Berlin-Kreuzberg. Eine gelungene Literaturverfilung und der ideale Film für alle notorischen Nachtschwärmer und Fans der frühen Werke des großartigen Kevin Smith.
DVD-Fazit: a der deutschen Filmwirtschaft leider die Millionen für große Action-Spektakel fehlen, beschränken sich die Werke meist auf Figuren und deren Dialoge. Wer sich darauf einlässt und auf CGI-Effekte und Explosionen verzichten kann, der ist mit dieser gut ausgestatteten und umgesetzten Scheibe sicher bestens bedient. Bild und Sound sind angemessen, die Extras reizvoll.

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