Das komplexeste Strategiespiel zum Zweiten Weltkrieg wird zum umfangreichsten über den Dritten.
Doomsday ist kein Addon, sondern eine eigenständig lauffähige erweiterte Fassung des Originals, die alle Stärken, aber auch fast alle Schwächen des Hauptprogramms übernimmt. Als Spieler sind Sie zugleich oberster Minister für Verteidigung, Forschung, Diplomatie und Wirtschaft einer von über 70 Nationen. Kurz: Sie halten die Fäden in der Hand, die Welt zu erobern -- oder Ihr Land zum Untergang zu verdammen.
Genre-Neulingen wird Hearts of Iron 2 anfangs vor allem Niederlagen bescheren, denn das Strategiespiel ist dermaßen komplex, dass selbst das 140 Seiten starke Handbuch und die sechs Tutorials nicht alles erklären (doof: ausgerechnet für die Neuerungen gibt's kein Training). Beispiel: Auf Landschlachten nehmen Wetter, Tageszeit, Truppenqualität, Ausrüstung, Terrain, Anführer, Kampfdoktrinen, Angriffsrichtungen und andere Faktoren Einfluss.
Weltuntergang 1945
Hearts of Iron 2 folgt den Jahren 1936 bis 1947, Doomsday erweitert die Zeitlinie bis 1953. Das Filetstück der Neuauflage ist das namensgebende Weltuntergangs-Szenario, das Alliierte und Sowjets nach dem Fall der Achsenmächte 1945 in einen alles entscheidenden Krieg verwickelt. Der wird mit neuartigen Waffen ausgetragen: Überschalljäger, Luftkavallerie, Elektro-U-Boote und -- Atomwaffen. Die vermögen aufgrund der begrenzten Produktionskapazitäten den Konflikt zwar nicht allein entscheiden oder gar die Welt verwüsten, haben aber einen erwartungsgemäß enormen Einfluss. Zumal der ansonsten ausgesprochen clevere Computergegner im Atomkonflikt schwächelt.
Der Spion, der mich liebte
Die zweite große Neuerung: Spionage. Sie platzieren Agenten bei verfeindeten, verbündeten oder neutralen Nationen, die Technologien stehlen, Fabriken sabotieren, Schmierenkampagnen starten oder sogar einen Umsturz auslösen können. Das macht durchaus Laune, wirkt aber noch nicht ganz ausgereift. Zum einen verschlingen die Geheimdienste Unsummen, die anderweitig fehlen. Zum anderen taktiert die KI auch hier zu zaghaft und lässt sich leicht auskontern. Paradox bessert Fehler aber gewönhlich sehr schnell nach.
Schließlich haben sich die Entwickler noch eine Menge Detailverbesserungen und Mini-Features ausgedacht. So gewinnen Generäle im Kampf nicht mehr nur Erfahrungspunkte, sondern werden nach und nach zu Spezialisten, etwa für Gebirgsgefechte, Kesselschlachten oder Defensivoperationen. Die Steuerung wurde um Komfortfunktionen und zusätzliche Anzeigen erweitert.
Rüdiger Steidle
