Hass: La Haine

Test

Über zehn Jahre nach seinem Kinostart wird das brisante und realistische französische Sozialdrama mit einer gelungenen Umsetzung auf zwei DVDs gewürdigt

Hass: La Haine Als der 17-jährige, in Zaire geborene Makomé M'Bowole 1993 auf einem Pariser Polizeirevier während des Verhörs stirbt, ist das der Auslöser für schwere Krawalle und Ausschreitungen sozial schwacher, oft ausländischer Jugendlicher. Der als Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent tätige, damals 28-jährige Mathieu Kassovitz ("Die purpurnen Flüsse", 2000) griff das brisante Thema prompt auf und entwickelte die Idee zu seinem zweiten Spielfilm "La Haine", der 1995 in die Kinos kam und heute als Meilenstein des französischen Kinos gilt.

Leben in der Hölle

Erzählt wird die Geschichte dreier in den Pariser Banlieues lebender junger Männer. Der Araber Saïd (Saïd Taghmaoui, "Three Kings"), der Jude Vinz (Vincent Cassel) und der Schwarze Hubert (Hubert Koundé, "Der ewige Gärtner") führen einen von Frustration und Gewalt geprägten Alltag. Ohne Aussicht auf Arbeit halten sie sich mit Diebstählen, Hehlerei und kleinen Drogendeals über Wasser. Als bekannt wird, dass Polizisten einen ihrer Freunde lebensgefährlich verletzt haben, explodiert die Gewalt. Es entbrennen ausufernde Straßenschlachten zwischen den Gangs des Viertels und der Polizei.

Der Hitzkopf Vinz findet die verloren gegangene Pistole eines der Flics und leistet einen folgenschweren Schwur: Sollte ihr Freund sterben, will er einen Uniformierten abknallen, um so "das Gleichgewicht wieder herzustellen". Während der folgenden dramatischen 24 Stunden entwickelt sich Vinz zur tickenden Zeitbombe ...

Aktuelle Zusätze

Über ein Jahrzehnt nach der Entstehung des in hartem Schwarz-Weiß gedrehten, unter anderem in Cannes ausgezeichneten Films sprechen Produzent Christophe Rossignon, Regisseur Kassovitz und die drei Hauptdarsteller in der retrospektiven Dokumentation "Zehn Jahre Hass" über die Entwicklung von Story und Drehbuch sowie die Dreharbeiten in der heruntergekommenen Cité. Um sich für ihre Arbeit einzustimmen, hatten Schauspieler und Regisseur bereits Wochen vor Drehbeginn eine kleine Wohnung in dem trostlosen Vorort bezogen -- wo man die Filmcrew zunächst nicht gerade willkommen hieß.

Mehr über die Vorbereitungszeit verraten Kassovitz' private Filmaufnahmen in "Die Kulissen der Dreharbeiten". "Weggelassene Szenen" zeigen bunte Originalaufnahmen. Für den fertigen Film wurde dem Material die Farbe entzogen. Ebenfalls mit an Bord sind ein kurzes Making of, Aufnahmen vom Casting und drei Galerien.MK n

Fazit

Film-Check: Mathieu Kassovitz lieferte ein packendes, engagiertes Drama, das die Bewohner der trostlosen Vororte aus der Anonymität holte und für heftige Diskussionen sorgte. Tragischerweise hat sich am Status quo bis heute wenig geändert. Kassovitz zeigt drastisch, wie Gewalt Gegengewalt erzeugt und dass es für die sozialen Minderheiten keinen Ausweg aus diesem Kreislauf zu geben scheint. Die Ursachen für die Probleme bleiben weitgehend außen vor.Die Hauptrollen wurden bestens besetzt. Vincent Cassel bewies damals schon sein Talent, unbequeme Typen darzustellen. Dieser Film lässt seine Zuschauer mit einem mehr als flauen Gefühl in der Magengegend zurück.
DVD-Fazit: Die Technik ist solide, spielt hier aber eher eine Nebenrolle. Die Extras machen die Doppel-DVD im SteelBook für Fans anspruchsvoller Filmkost zum Pflichtkauf. Insbesondere die ausführliche Dokumentation ist lohnenswert.

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