Harry Potter: Wie soll es mit dem Wizarding-World-Franchise weitergehen?

Kolumne Christian Fussy
Harry Potter: Wie soll es mit dem Wizarding-World-Franchise weitergehen?
Quelle: © 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Chris Fußy hat sich, wie mittlerweile jede Woche, Gedanken dazu gemacht, wie man ein bekanntes Franchise für die Zukunft frisch halten kann. Diesen Samstag sind Harry Potter und die Spin-off-/Prequel-Reihe Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind an der Reihe.

Die Filmreihe zu den Harry-Potter-Büchern ist bereits seit 10 Jahren abgeschlossen, Geld ist mit dem Franchise aber immer noch zu holen. Trotz Kontroversen um Schöpferin J.K. Rowling und mäßigen Kritiken für die im Jahr 2016 gestartete Spin-off-Reihe Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, ist die Marke noch immer stark. Mit Hogwarts Legacy ist ein Videospiel in der Mache, das Spieler*innen endlich erlaubt, ihren eigenen Zauberlehrling auf die Magierschule zu schicken und Warner hat bereits durchscheinen lassen, dass man über mögliche Spin-offs beim eigenen Streamingdienst HBO Max nachdenkt. Außerdem sollen die Sequels zu Phantastische Tierwesen weiterhin kommen. Insgesamt fünf Filme soll die Reihe enthalten, die allesamt unter der Führung von David Yates entstehen sollen. Yates war als Regisseur hauptverantwortlich für alle Harry-Potter-Filme ab Teil vier.

Nachdem ich mir bereits Gedanken gemacht habe, wie man die Filmreihen James Bond, Indiana Jones und Star Wars sinnvoll fortsetzen könnte, widme ich mich jetzt einem Franchise, mit dem mich persönlich nicht so viel verbindet wie mit den genannten. Obwohl ich den Großteil der Harry-Potter-Bücher gelesen und alle Filme bis auf den letzten sowie die nicht ganz so phantastischen Tierfilme gesehen habe, würde ich mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen. Zwar schätze ich die guten Schauspieler*innen, die Musik, das Design von Hogwarts und allem drumherum, aber ich würde mir deswegen keine Merchandise-Artikel kaufen oder Daniel Radcliffe einen Liebesbrief schicken (den erhält er von mir ohnehin für Swiss Army Man).

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Als (zumindest vor der Pandemie) regelmäßiger Kinogänger und Freund von Fantasy-Filmen ist mir trotzdem irgendwie daran gelegen, dass die neuen Filme der Reihe zurück in die Spur finden. Womöglich liegt das auch an der Nostalgie, die damit einher geht, die Bücher genau im richtigen Alter gelesen zu haben. Ich fände es schade, wenn Harry Potter irgendwann nur noch für eine Autorin bekannt ist, die einfach mal aufhören sollte, zu twittern.
Harry Potter und das verwunschene Kind: Harry als Kind Quelle: Warner Das Harry-Potter-Franchise sollte in Zukunft ohne Harry auskommen Bei keinem anderen Franchise außer vielleicht Der Herr der Ringe wäre es wahrscheinlich einfacher zu sagen "lasst es sein". Die Harry-Potter-Filmreihe ist bei vielen Leuten beliebt, die Bücher verzauberten Millionen Kinder auf der ganzen Welt und eigentlich kann es doch von hier aus nur bergab gehen. Trotzdem möchte ich zumindest versuchen, einen Weg zu finden, wie Warner Bros. das Franchise am Leben erhalten kann, ohne Fans und Gelegenheitszuschauer gleichermaßen zu vergraulen. Dazu müssen zuerst die Probleme lokalisiert, die die Marke in der letzten Zeit geplagt haben und dann ein Weg gefunden werden, wie diese in Zukunft umgangen werden können.

Harry Potters Geschichte fortzuführen ist eine dumme Idee

Die Geschichte um Harry Potter, Hermine, Voldemort und Konsorten ist abgeschlossen. Zwar gab es nach dem letzten Band noch ein Theaterstück zur Reihe, dem Rowling ihr Einverständnis erteilt und an dem sie mitgeschrieben hat, aber für die meisten Menschen endete die Story damit, dass Harry und Co. zu Erwachsenen heranwachsen und wiederum ihre Kinder nach Hogwarts schicken. Und dabei sollte es auch bleiben. Zumal Daniel Radcliffe, Emma Watson und sogar Rupert Grint wahrscheinlich keine Lust haben, noch einmal in diese Rollen zurückzukehren. Möchte man eine tatsächliche Fortsetzung machen, wäre also wahrscheinlich lediglich ein Gastauftritt der Original-Schauspieler drin. Harry Potter spielt in den 90er-Jahren. Ein aktueller Film oder eine aktuelle Serie hätte also genug zeitlichen Abstand zur Original-Reihe, mit dem sich ein neuer Lehrstuhl in Hogwarts oder neue Schulfächer etc. erklären ließen. Einfach Voldemort zurückzubringen, wäre aber genauso lahm wie es die Rückkehr des Imperators im letzten Star-Wars-Film war. Nein, es bräuchte schon eine wirklich gute Idee für eine zentrale Storyline, damit sich eine Rückkehr nach Hogwarts nicht einfach anfühlt wie eine müde zusammengestellte Greatest-Hits-Platte einer weltberühmten Band.

Das wusste man bei Warner Bros. wohl auch, weshalb sich die Verantwortlichen stattdessen für eine Prequel-Reihe entschieden haben, die in der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts spielt. Die Fantastische-Tierwesen-Reihe basiert nicht auf einem Roman, sondern auf einem Sachbuch, das innerhalb der Harry-Potter-Reihe erwähnt wird. Die Skripts zu den Filmen stammen jedoch direkt von J.K. Rowling selbst. Darin liegt aber wahrscheinlich auch gleich ihr größtes Problem.

Der Problembär

J.K. Rowling Quelle: Carlsen Verlag J.K. Rowling J.K. Rowlings Neigung, in Interviews und über ihren Social Media Auftritt nachträglich Hintergründe zum Universum ihrer Bücher zu liefern, nach denen niemand gefragt hat, ist berüchtigt. So enthüllte die Autorin beispielsweise schon, dass in Hogwarts bis zur Einrichtung der Sanitäranlagen einfach auf den Boden geschissen wurde. Oder, dass Hermines Kater Krummbein in Wahrheit ein Mischwesen aus einer Katze und einem magischen Geschöpf namens Kniesel ist. Außerdem wurde Rektor Dumbledore für schwul und Fascho-Magier Grindelwald zu seinem Liebhaber erklärt. Eine Beziehung, die in den Tierwesen-Filmen dann zwar angedeutet, aber dennoch nie wirklich als solche benannt wird.

Wenn Rowling auf Twitter wieder den Erklärbären macht, ist das ja noch leicht zu ignorieren, als Hauptautorin der Spin-off-Reihe baut sie diese unnötigen und häufig ernüchternden Erklärungen zu Dingen, die in der Harry-Potter-Reihe offen gelassen wurden, aber mittlerweile auch in den Text selbst ein. Das führt dazu, dass die Phantastische-Tierwesen-Reihe stellenweise eher wirkt wie miese Fanfiction als eine eigenständige Geschichte. Für Teil drei, der 2022 erscheinen soll, wurde Rowling Steve Kloves zur Seite gestellt, der für die Drehbücher aller Harry-Potter-Filme verantwortlich zeichnet und in dieser Funktion bereits häufig eng mit ihr kollaboriert hat. Möglicherweise kann der Veteran Rowlings Ideen in Zukunft zu einem genießbaren Extrakt filtern. Am besten wäre es wahrscheinlich, sie einfach nur bei Fragen zu konsultieren und nicht am Drehbuch mitschreiben zu lassen.

Wie kann man die Tierwesen-Reihe noch retten?

Zwei der drei geplanten Filme sind schon veröffentlicht und Teil drei in der Mache. Publikum und Kritik zeigten sich von Teil 2 bereits genervt. Das Spin-off braucht also eine deutliche Kurskorrektur, um nicht vorzeitig eingestampft und als Fehlschlag abgeheftet zu werden.

Diese sollte wegführen vom Fokus auf Grindelwald und seiner Anhängerschaft und hin zu dem, was der Titel eigentlich verspricht: den Tierwesen. Die Hauptfiguren aus Newt und seinen Vertrauten können gerne so beibehalten werden, ich würde allerdings am Anfang von Teil drei schleunigst zusehen, sie aus dem politischen Spielfeld zu entfernen und auf eigene Abenteuer zu schicken, die sich in erster Linie um die Kreaturen drehen. Ohne ein Riesen-Harry-Potter-Fan zu sein, finde ich das Konzept, einen Helden zu haben, der die magische Fauna des Franchise untersucht, nämlich eigentlich ganz schön genial.
Die südkoreanische Schauspielerin Claudia Kim übernimmt die Rolle der Nagini in Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen. Quelle: Warner Bros. Die vielen Figuren aus den Tierwesen-Filmen So könnte Newt als führender Experte auf dem Gebiet magisches Viehzeug immer dann zu Hilfe gerufen werden, wenn ein solches Wesen in Gefahr ist, für seine Fähigkeiten ausgenutzt wird oder selbst Chaos anrichtet. So wie Hexer Geralt in der Witcher-Reihe, nur eben in akademischer Mission und dem Tierschutz verpflichtet. Die Grindelwald-Story müsste auch nicht komplett gestrichen werden, aber könnte doch zumindest in den Hintergrund rücken. So wie in der Indiana-Jones-Reihe der Aufstieg des Dritten Reiches gehandhabt wird. Vielleicht begegnen die Helden auf ihrer Reise ja hin und wieder ein paar seiner Schergen, die versuchen, an Dracheneier, Greifenfedern oder dergleichen zu kommen, um daraus Tränke, Waffen oder mächtige Artefakte herzustellen. Damit wäre der Bezug zur "historischen" Realität des Potter-Universums hergestellt, ohne dass sich der Film anfühlt wie ein Wiki-Eintrag. Außerdem gäbe das Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler und dem Rest des Ensembles mehr Gelegenheiten, die Beziehungen zwischen den Figuren natürlich zu entwickeln, statt einfach nur als Zahnräder in einem größeren Plot zu fungieren.

Auch die Gastauftritte bekannter Figuren sollten zurückgefahren und nur noch eingesetzt werden, wenn es auch Sinn ergibt. Dass Dumbledore ein Mentor für Newt ist, ist kein Problem. Dass sich die Reihe mehr mit seinem angeblichen Sexfreund und seiner Familiengeschichte beschäftigt als mit der Beziehung zwischen ihm und unserer Hauptfigur, schon. Hier gibt es Parallelen zur Hobbit-Reihe, wo der eigentliche Hobbit immer mehr an den Rand der Geschichte gedrängt wurde, um Platz für den Herzschmerz von Legolas, die Familie von Luke Evans und die Vorgeschichte von Sauron zu schaffen.

Ich würde mir gerne die globetrottenden Abenteuer von Newt Scamander und seiner Crew anschauen und sehen, welche exotischen und magischen Viecher es auf der ganzen Welt so gibt. In der jetzigen Form steige ich bei den Tierwesen-Filmen aber vollkommen aus, was aber anscheinend nicht meiner begrenzten Lore-Festigkeit geschuldet ist, da ja auch die Hardcore-Fans alles andere als verzückt von ihnen zu sein scheinen.
In Hogwarts: Legacy baut ihr euch die Hauptfigur selbst. Quelle: Warner Bros. Games In Hogwarts: Legacy baut ihr euch die Hauptfigur selbst. Was die Hauptreihe bzw. Hogwarts und das ganze Drumherum angeht, glaube ich, dass ein Medienwechsel hin zu Videospielen tatsächlich die sinnvollste Entwicklung für das Franchise ist. Ein großer Reiz der Bücher lag für mich als Kind zumindest darin, mir vorzustellen, in welches Haus ich selbst kommen würde, welche Schulfächer ich am interessantesten fände und was für ein Haustier ich hätte. Und damit bin ich sicherlich nicht alleine. Solange es sich nicht um scheußliche Lizenz-Handygames wie Harry Potter: Hogwarts Mystery handelt, sondern um hochwertige Rollenspiele, sehe ich hier eine goldene Zukunft für die Marke.

Was meint ihr? Wollt ihr mehr Geschichten aus dem Harry-Potter-/Tierwesen-Universum?

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