In unserem Special geht es um einige wissenswerte Themen rund um Netzteile wie zum Beispiel die Effizienz und Leistung sowie eine Marktübersicht.
Watt is? Nennleistung und wahre Leistung
Um zu verstehen, welche Nennleistung ein Netzteil haben sollte, muss man zuerst wissen, wie bei einem Netzteil die Watt-Werte zustande kommen. Der Nennwert gibt in der Regel die maximale Watt-Leistung an, die ein Netzteil auch über längere Dauer stabil bringen kann. Allerdings gibt es hier zwei Fallstricke.
Der eine ist, dass die Gesamtwattleistung auf drei wichtige Sektoren (oft auch Schienen genannt) des Netzteils verteilt ist. Denn ein Netzteil wandelt die 230 Volt, die aus der Steckdose kommen, für den PC in die drei Spannungen 3,3 Volt, 5 Volt und 12 Volt um. Jede Spannung kann mit einem bestimmten maximalen Amperewert belastet werden, und der Spannungswert multipliziert mit dem entsprechenden Amperewert ergibt dann die Maximalleistung für die jeweilige Spannungs-Schiene.
Ein Beispiel: Ein Netzteil kann bei 3,3 und 12 Volt jeweils 26 Ampere liefern, bei 5 Volt wiederum 20 Ampere. 3,3 Volt mal 26 Ampere sind 85,8 Watt, 12 Volt mal 26 Ampere ergeben 312 Watt, und 5 Volt mal 20 Ampere ergibt 100 Watt. Zusammen sind es 497,8 Watt, sodass der Hersteller dieses Modell als 500 Watt-Netzteil bewerben könnte.
Würde der PC aber nur bei 3,3 Volt 90 Watt benötigen, dann würde das Netzteil scheitern - denn es liefert bei 3,3 Volt ja nur maximal 85,8 Watt. Selbst wenn bei den anderen beiden Schienen noch 200 Watt übrig sind, nutzt dies nichts. Beruhigend ist dabei aber, dass bei modernen Netzteilen, erst recht denen von bekannten Marken wie be quiet!, Sharkoon, Corsair, Thermaltake und weiteren, die Werte so verteilt sind, dass solche Szenarien äußerst unwahrscheinlich sind.
Quelle: Seasonic
Die Seasonic Prime TX-Serie ist besonders leistungsstark - aber auch teuer.Die 650 Watt-Version kostet ab 190 Euro.
Die wichtigste Schiene für einen Gaming-PC ist dabei 12 Volt-Leitung. In unserem Beispiel liefert sie 312 Watt. Braucht eine Top-Grafikkarte aber nur für sich bereits 300 Watt, wird das Netzteil an der Versorgung des PCs vermutlich scheitern, da auch noch andere Komponenten Strom von der 12 Volt-Leitung benötigen.
Hinzu kommt, dass es oft eine sogenannte Combined-Power gibt, bei der die Gesamtleistung von zwei Schienen geringer ist als die Summe der beiden einzelnen Maximalwerte. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die 3,3- und 12-Volt-Schiene können möglicherweise als Combined Power maximal in der Summe 350 Watt liefern, obwohl die beiden Einzelwerte in der Addition eigentlich 397,8 Watt ergeben.
Bei einer sehr hohen 3,3 Volt-Belastung könnte es dann eng werden, wenn auch bei 12 Volt schon um die 300 der an sich maximalen 312 Watt verbraucht werden. Dies hört sich nun alles sehr kompliziert an - am Ende halten sich aber Markenhersteller, wie schon oben erwähnt, an gewisse Regeln, die dafür sorgen, dass die Watt-Werte in einem für Gaming-PCs guten Verhältnis zueinander gestaltet sind.
Kritisch ist aber der zweite Fallstrick, nämlich eine gewisse Unehrlichkeit bei manchen Herstellern oder Netzteil-Modellen. Ein seriöser Hersteller untertreibt bei seinem Watt-Nennwert gerne - das be quiet! Pure Power 12 M mit einem Nennwert von 550 Watt hat beispielsweise bei der Summe aller verfügbaren Schienen an sich eine Leistung von 790 Watt, zumal es gleich zwei 12-Volt-Schienen bietet.
Für 12 Volt gibt be quiet! auf der Homepage eine gesamte maximale Leistung von 550 Watt an, zudem eine Combined Power für 3,3 und 5 Volt von 120 Watt. Das wären dann 670 Watt. Trotzdem bleibt der Hersteller selbst bei der Spitzenleistungs-Angabe bei nur 600 Watt und vermarktet das Modell sogar nur als 550 Watt-Netzteil. Manche Hersteller bewerben wiederum ein Modell, das stabil und auf Dauer vielleicht nur 400 Watt liefert, als 500 Watt-Modell, weil die Summe aller Einzelwerte inklusive des Ignorierens einer Combined Power-Beschränkung 490 Watt ergibt. Warum das ein Problem bei der Auswahl ist, erklären wir auf der nächsten Seite.
