Der Grafikkarten-Markt Ende Mai: Mangel, Miner, Ursachen und mögliche Entspannung

Special Antonio Funes
Der Grafikkarten-Markt Ende Mai: Mangel, Miner, Ursachen und mögliche Entspannung
Quelle: MSI

Die Grafikkartenpreise sind seit dem Herbst 2020 stark angestiegen. Zwar geht die Kurve nicht mehr steil bergauf - manche Grafikkarten-Serien steigen weiterhin im Preis an. Wir schildern die Situation sowie mögliche Ursachen wie Produktionsprobleme und Mining. Außerdem werfen wir einen Blick in die Zukunft, denn es naht ein kleiner Lichtblick.

Grafikkarten: Aktuelle Situation und Ursachen

In unserem Special schauen wir auf den Grafikkarten-Markt, und zwar auf die aktuelle Situation, die Faktoren für die Knappheit sowie auf Kryptomining, aber auch auf Aussichten für die Zukunft und kommende Grafikkarten. Seit Herbst 2020 gibt es bei Grafikkarten eine chronische Unterversorgung. Dies sorgt für Preissteigerungen bei für Gaming geeigneten Grafikkarten von der Einsteigerklasse bis hin in den High-End-Bereich. Auch die Modelle von AMD und Nvidia, die erst seit September 2020 nach und nach auf den Markt kamen, sind betroffen und kosten deutlich mehr als zu ihrem Release. Genauere Preis-Analysen folgen später - zuerst schildern wir die Situation allgemein.

Ältere Modelle sind entweder ohnehin nicht mehr zu haben, da sie nicht mehr produziert werden, oder haben ebenfalls starke Preissteigerungen erfahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Logischerweise ist das Hauptproblem sehr einfach: Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot.

Eine Nvidia GTX 1650 Super von Zotac - die günstigsten GTX 1650 Super-Modelle kosten aktuell drei Mal mehr als im Oktober 2020. Quelle: Zotac Eine Nvidia GTX 1650 Super von Zotac - die günstigsten GTX 1650 Super-Modelle kosten aktuell drei Mal mehr als im Oktober 2020. Doch warum ist das so? Zum einen gibt es offenbar spätestens seit Herbst 2020 mehr Leute, die entweder zum ersten Mal oder nach einer Pause wieder am PC spielen wollen, da sie wegen der Corona-Pandemie ein neues Hobby für ihre freie Zeit suchen. Unter diesen Spielern sind sicherlich auch viele, die eigentlich eine Playstation 5 oder Xbox Series X kaufen wollten, aber nicht zum Zug kamen, da auch bei den Konsolen Probleme beim Bedienen der Nachfrage vorhanden sind. Zum anderen haben sicher auch viele, die bereits vorher Gamer waren, auf die neuen Grafikkarten von AMD und Nvidia gewartet, aber die Röhre geschaut und inzwischen keine ausreichend starke Grafikkarte mehr. Diese Gamer suchen daher auch zum Teil bei den Grafikkarten nach Alternativen, die unterhalb von neuen Modellen wie der Nvidia GeForce RTX 3060 angesiedelt, aber trotzdem stärker als ihre noch vorhandene Grafikkarte sind.

Ein weiterer Nachfragefaktor sind Miner, also Personen oder Firmen, die Hardware-Power zur Verfügung stellen, um bei der Berechnung der Verschlüsselung von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum zu helfen. Für diese Hilfe gibt es eine Entlohnung in Form der jeweiligen Währung. Es gibt zwar Hardware, die speziell für Mining gedacht ist. Trotzdem nutzen einige Miner auch normale Grafikkarten für das Schürfen von Kryptowährung. Denn die Kurse sind dermaßen hoch, dass es sich bei einigen Grafikkarten-Serien lohnt, Summen zu bezahlen, die aus Gamersicht irrational sind im Vergleich zu anderen Gamer-Grafikkarten.

Die AMD RX 5700 XT scheint sich für Mining zu eignen, denn sie kostet mit über 1200 Euro inzwischen fast so viel wie die in Games 50% schnellere Nvidia RTX 3070 Quelle: Sapphire Die AMD RX 5700 XT scheint sich für Mining zu eignen, denn sie kostet mit über 1200 Euro inzwischen fast so viel wie die in Games 50% schnellere Nvidia RTX 3070 Diese Grafikkarten rentieren sich pro investiertem Dollar offenbar mehr als spezielle Mining-Hardware, was wir auf der nächsten Seite noch detaillierter erklären werden. So kostet eine Nvidia GeForce RTX 3070 beispielsweise 40 Prozent mehr als eine AMD Radeon RX 6700 XT, obwohl letztere keine 10 Prozent langsamer in Games arbeitet. Dieser Preisaufschlag kann nicht nur daran liegen, dass die RTX 3070 besser für Raytracing geeignet ist.

Neben der Nachfrageseite gibt es aber vor allem Probleme beim Angebot - denn an sich könnten AMD und Nvidia ja froh über die Nachfrage sein und produzieren, was das Zeug hält. Aber ebenfalls wegen der Corona-Pandemie hat sich die Nachfrage nach Chips verschiedenster Art stark erhöht beziehungsweise teilweise zwar nur verlagert - aber so oder so gilt: Wer zuerst bei den spezialisierten Chipproduzenten bestellt hatte, wird zuerst bedient. AMD und Nvidia haben hier nicht rechtzeitig mehr Kapazitäten für die Produktion gesichert oder wurden von Unternehmen aus anderen Produkt-Bereichen, die möglicherweise mehr Marktmacht oder Geldmittel hatten, ausgestochen.

Daher können sie nun bei weitem nicht so viele GPUs herstellen, wie sie eigentlich verkaufen könnten. Es gibt dazu noch Mutmaßungen, dass die Produktion bei Nvidia oder AMD nicht ganz problemlos verläuft und es nicht nur an den Kapazitäten der Werke liegt. Durch Corona-Schutzauflagen läuft die Produktion allgemein auch etwas gebremster ab. Unter fehlenden Produktionskapazitäten und langsamerer Produktion sowie Versäumnissen, rechtzeitig Slots für Chipproduktionen zu sichern, leiden aber nicht nur AMD und Nvidia. Auch zum Beispiel in der Autoindustrie haben einige Hersteller für Tage oder Wochen die Produktion pausieren müssen, da schlichtweg einige Chips für die Elektronik der Autos nicht schnell genug lieferbar waren. Ebenso betrifft der Engpass natürlich viele andere Chips, auch die, die für Mining-Hardware gedacht sind, so dass Mining-Hardware preislich auch nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Dies ist ein Punkt mehr, warum Miner nicht (nur) zu Mining-Hardware, sondern zu Grafikkarten greifen.

  1. Seite 1 Grafikkarten: Mangel und seine Ursachen
  2. Seite 2 Grafikkarten: Ein Musk-E-Tier gegen Mining
  3. Seite 3 Grafikkarten: Die aktuelle Preis-Situation
  4. Seite 4 Grafikkarten: Abhilfe durch neue Grafikkarten?
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