Wenn die Hardware hakt: Kaputte Controller, Hitzeprobleme und der "Red Ring of Death"
Special
Wenn Spiele-Hardware scheitert, dann ist das ein Ärgernis für jeden ambitionierten Gamer. In diesem Special blicken wir zurück auf große Technik-Flops und Konstruktionsfehler der Spielegeschichte.
Es ist die letzte Runde in Mario Kart 8 Deluxe auf der Nintendo Switch. Wir schlittern um die finale Kurve und steuern direkt auf die Zielgerade zu. Ha, der Sieg ist uns sicher! Doch dann haben wir plötzlich ein Problem: Wie von Geisterhand zieht unser Vehikel nach rechts. Wir versuchen noch, den Kurs zu korrigieren, aber dieser Moment der Unachtsamkeit genügt einem der Online-Konkurrenten, um uns zu überholen. Klare Sache: Der Joy-Con-Drift hat zugeschlagen!
Im vergangenen Sommer häuften sich Meldungen über Probleme mit Nintendos Unterwegs-Controllern. Die Analogsticks nutzten sich offenbar nach exzessivem Einsatz ab und gaben daraufhin die falschen Signale an die Spiele weiter. Gerade bei anspruchsvollen Titeln wie Super Mario Maker 2, Dark Souls Remastered oder Cuphead sorgten die fehlerhaften Joy-Cons für Frust und Ärger. Nintendo reagierte nach einigem Zögern: Kunden können Joy-Cons mittlerweile einschicken und erhalten kostenfreien Ersatz. Nintendo steht mit derartigen Fabrikationsfehlern indes nicht alleine da - beinahe jeder namhafte Hardware-Hersteller hat seine Leichen im Keller. Defekte Hardware zieht sich wie ein roter Faden durch die Computer- und Videospielspielgeschichte.
Quelle: Sony
Die erste Playstation-Generation besaß eine Schwachstelle am Netzteil. Dadurch überhitzte das Gerät und machte Probleme beim Lesen der Spiele-CD. Das Aufrechtstellen oder Kippen der Konsolen brachte ein wenig Besserung.
Steuerungsprobleme
Gerade Controller müssen im Verlauf ihres Lebens teils heftige Beanspruchungen über sich ergehen lassen. Damit meinen wir natürlich nicht nur die eigentliche Nutzung, sondern auch kleinere Unfälle. Stürze vom Wohnzimmertisch sollen die Geräte ebenso aushalten wie Wutanfälle der Nutzer nach verlorenen Online-Matches. Wer einen Xbox-One-Controller besitzt, der kennt sicherlich auch das Problem mit sich verhakenden Buttons. Doch solche Schwierigkeiten sind geradezu gängig.
Computerspieler der ersten Stunde blicken mit Nostalgie auf geschundene Competition-Pro-Joysticks zurück. Diese waren zwar mit stabilem Plastikgehäuse, Metallkern, zwei Digital-Buttons und vier Mikroschaltern für die Richtungseingaben äußerst robust gebaut. Damalige Sportspiel-Hits wie Decathlon, Winter Games oder Summer Games nahmen auf das Steuergerät allerdings keinerlei Rücksicht. Zu den Gameplay-Grundlagen gehörte damals nämlich ausdauerndes Stick-Gerüttel. Und das wiederum war Gift für die intern angebrachten Schalter. Nicht selten brachen diese unter den Strapazen heraus oder quittierten komplett den Dienst.
Quelle: Moby Games
Bis heute gilt der RIDE-Controller zum gleichnamigen Tony-Hawk-Spiel für Xbox 360, PS3 und Wii als einer der größten Hardware-Flops überhaupt. Das Gerät erschwerte das Spielen massiv und trug nichts zum Erlebnis bei.
Ganz schön übel
Während Probleme, die in der Hitze des Gefechts entstehen, noch verschmerzbar erscheinen, so sind Konzeptions- und Produktionsfehler für den Kunden umso frustrierender. Mitte der 1990er-Jahre dürsteten die Industrie und ihre Kundschaft nach Innovationen; Virtual Reality, Lightguns, Roboter und andere Spielzeuge drängten auf den Markt. Doch speziell innovative Hardware leidet seit jeher immer wieder unter Kinderkrankheiten. Beispielsweise wagte sich Nintendo im Jahr 1995 in die virtuelle Realität - und bereitete Konsumenten wortwörtlich Kopfschmerzen. Der Virtual Boy zeigte Spiele wie Mario's Tennis oder 3D Tetris aufgrund seiner technischen Limitierungen lediglich in Rot-Schwarz-Optik an. Trotz teils überraschend guter Tiefenwahrnehmung verursachte die VR-Brille - wie übrigens viele ähnliche Geräte der damaligen Zeit - teils heftige körperliche Reaktionen bis hin zu Übelkeit bei längerer Benutzung. Mit der Grundidee hinter dem Virtual Boy war Nintendo seiner Zeit sicherlich voraus, die Umsetzung dagegen hätte gerne noch mehr Feintuning und Erprobung vertragen können.
Apropos Nintendo: Im Jahr 2000 versuchte sich der Konzern auch an Spracherkennung für das Nintendo 64. Die Voice Recognition Unit (kurz VRU) wurde nur in Japan und den USA veröffentlicht und lediglich von zwei Spielen unterstützt: Hey You, Pikachu! und dem Zugsimulator Densha De Go! 64. Das Problem: Die Spracherkennung arbeitete mehr schlecht als recht und war zudem für hohe Kinderstimmen ausgelegt, sonore Erwachsenen-Organe wurden meistens gar nicht erst erkannt. Dumm gelaufen? Aber sowas von!
Quelle: Moby Games
Mit der Voice Recognition Unit eiferte Nintendo der Spracherkennung aus dem Dreamcast-Spiel Seaman nach, lieferte mit Hey You, Pikachu! (Bild) und Densha De Go! 64 jedoch nur zwei passende Spiele für die Zusatz-Hardware. Leider funktionierte das in Europa nicht veröffentlichte N64-Gadget sehr schlecht und wurde deshalb schnell wieder eingestampft.
Hitzestau unter der Haube
Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit von Konsolen entstanden für Hardware-Designer neue Herausforderungen. Wohin etwa mit der Hitze? Moderne Geräte wie beispielsweise die Xbox One X verwenden heutzutage flach konstruierte Flüssigkühlung. In den 90ern allerdings gab es so etwas noch nicht. Playstation-Modelle der ersten Generation erschienen etwa mit einem Konstruktionsfehler des Netzteils. Viele der hellgrauen Geräte der Serie SCPH-1002 machten mit der Zeit Probleme und zickten rum. Das Ergebnis: Lesefehler der eingelegten CD-Rom. Das Spielen wurde dadurch zur Qual. Während man heute Umbauanleitungen problemlos im Internet findet, mussten sich Spieler damals noch anders behelfen. Das berüchtigte Netzteilproblem umgingen wir beispielsweise noch, indem wir die Konsole hochkant stellten und einen Ventilator auf die Unterseite der Konsole pusten ließen. Not machte in diesem Fall erfinderisch. Immerhin konnten wir unsere Playstation auf diese Weise noch weiter benutzen.
Quelle: Wikipedia/Evan Amos
Mit dem Power Glove versprachen Nintendo und Mattel 1989 das Eintauchen in die virtuelle Realität. Doch das Endergebnis war ernüchternd, denn der Plastikhandschuh funktionierte nur bei zwei speziell dafür entwickelten Spielen: Super Glove Ball und Bad Street Brawler.
Ganz anders beim berüchtigten "Red Ring of Death" (kurz: RRoD) der Xbox 360. Die Microsoft-Konsole erschien am 22. November 2005 in den USA und am 2. Dezember 2005 in Deutschland. Vier Lichter signalisierten seinerzeit den Status der Konsole. Im Idealfall blinkten diese grün, dann war alles in Ordnung. Leuchteten sie aber plötzlich rot, war Gefahr in Verzug! Sobald der RRoD auftrat, war nämlich eine Reparatur fällig. Drei der insgesamt vier Ioden zeigten den Ausfall von einem oder gleich mehreren wichtigen Hardware-Bauteilen an. Darüber hinaus plagten die Konsole in ihrem Anfangsstadium diverse andere Probleme. So zerkratzte etwa auch gerne mal die CD im Laufwerk oder das Gerät schmierte beim System-Update irreparabel ab. Kurzum: So toll die Xbox 360 auch war, sie hatte viele Probleme. Laut einer 2009 durchgeführten Umfrage des US-Spielemagazins Game Informer kämpften über 54 Prozent der Kundschaft (darunter auch wir) mit der Hardware, und natürlich gab es auch diverse Klagen gegen Microsoft. Immerhin: Der Technik-Riese aus Redmond wiederum tauschte betroffene Konsolen zumeist sehr unproblematisch um oder bot Reparaturen an.
Übrigens sind derartige Schwierigkeiten kein exklusives Problem von Videospielkonsolen. 2015 startete Hardware-Hersteller Nvidia eine große Rückrufaktion für sein Shield Tablet: Die Geräte liefen schlichtweg zu heiß, sodass Brandgefahr bestand. Im selben Jahr machte das Unternehmen mit fehlerhaft produzierten Grafikkarten weitere Negativschlagzeilen und musste die Käufer entschädigen. Der Teufel steckt also nicht nur in der Technik, sondern auch allzu oft im Detail.
