Watt geht ab? Kaufberatung und weitere Tipps zu Netzteilen und Stromeffizienz

Special Antonio Funes
Watt geht ab? Kaufberatung und weitere Tipps zu Netzteilen und Stromeffizienz
Quelle: be quiet

Mit dem richtigen Netzteil lässt sich Strom sparen. Aber auch aus anderen Gründen sollte man bei der Netzteilwahl nicht zu sehr sparen. Wir haben für euch allgemeine Tipps rund um Netzteile sowie eine Kaufberatung mit einer Marktübersicht vorbereitet.

Netzteile - Watt geht ab?

Das Netzteil ist ein gerne vernachlässigtes Bauteil des PCs, da es die Leistung nicht unmittelbar beeinflusst. Denn solange es nicht störend laut ist, ist die Hauptsache, dass es ausreichend viel Strom an die Komponenten verteilt, so dass diese einwandfrei arbeiten. Doch ein gutes Markennetzteil hat echte Vorteile, so dass man beim Kauf - sofern man die Wahl hat - lieber ein paar Euro mehr investieren sollte. Wir geben euch Tipps zu Netzteilen, um euch die Auswahl eines passenden Modelles zu erleichtern. Zudem bieten wir euch am Ende unseres Specials auch eine Übersicht mit 15 empfehlenswerten Netzteilen.

Wer billig kauft...

Gerade bei Netzteilen stimmt der bekannte Spruch häufig, auch wenn es oft nur indirekt zutrifft: wer billig kauft, kauft zwei Mal. Zwar gehen auch günstigere Netzteile nicht gleich reihenweise kaputt - aber mit einem soliden Modell habt ihr mehr Sicherheit durch hochwertigere Schaltungen und Bauteile, einen leiseren Betrieb und eine stabilere Stromversorgung der Komponenten.

Antec TruePower Classic TP-550C Quelle: Antec Antec TruePower Classic TP-550C Das Thema Ausfallsicherheit ist ebenfalls relevant, ebenso die Effizienz, die euch bares Geld spart - zu diesem Thema erfahrt ihr später noch mehr. Strikt abraten wollen wir aber von Netzteilen, die mit hohen Leistungswerten werben und trotzdem unter 40 bis 50 Euro kosten. Einige Hersteller werben mit Werten, die anhand der technischen Eckdaten in der Theorie möglich sind, aber in der Praxis nicht stabil erreicht werden. Ein 40-Euro-Netzteil mit angeblich 650 Watt Leistungspotential ist daher oftmals nicht besser als ein 400- oder 450-Watt-Modell eines seriösen Markenherstellers. Letzteres bietet aber die hochwertigeren Bauteile und kann trotz der deutlich geringeren Nennleistung bei Bedarf auch deutlich mehr Strom liefern - ein seriöser Hersteller gibt aber vorsichtshalber die empfohlene Dauerlast an, für die er einen wirklich stets stabilen Betrieb verspricht. Der Vorgehensweise einiger weniger seriösen Anbieter haben wir es zu verdanken, dass die Hersteller von Grafikkarten wiederum sehr oft einen Watt-Wert für ein empfohlenes Netzteil angeben, der weit über dem Wert liegt, der beim Griff zu einem guten Markennetzteil völlig ausreicht.

Stromeffizienz

Ein Netzteil wandelt den Strom, den es bei einer Spannung von 230 Volt aus der Steckdose bezieht, in die drei für die PC-Komponenten wichtigen Spannungen 3,5 Volt, 5 Volt und 12 Volt um. Beim Umwandeln entsteht aber immer ein gewisser Energieverlust, ein klein wenig Strom wird auch durch den Lüfter des Netzteils verbraucht. Vor allem der Energieverlust beim Wandeln der Spannung sorgt dafür, dass nur ein Teil des Stroms, der aus der Steckdose gezogen wird, auch wirklich bei den eigentlichen Komponenten ankommt. Oder anders gesagt: es wird immer mehr Strom verbraucht, als die eigentlichen Kernbauteile des PCs benötigen.

Leistungswerte und Effizienzkurve eines Corsair Vengeance 500 Quelle: Corsair Leistungswerte und Effizienzkurve eines Corsair Vengeance 500 Je nach dem, wie effizient ein Netzteil ist, ist der Verbrauch höher oder geringer. Verbraucht das Netzteil beispielsweise 280 Watt, die Bauteile des PC aber benötigen eigentlich nur 250 Watt, dann beträgt die Effizienz etwa 89 Prozent. Denn von nur 250 von 280 Watt kommen an: 250 Watt geteilt durch 280 ergibt etwa 0,89, also 89 Prozent. Man spricht bei der Effizienz auch vom Wirkungsgrad. Die Netzteilhersteller geben hierbei gerne eine durchschnittliche Effizienz für ihre Netzteilmodelle an, allerdings ist es wichtig zu wissen, dass Netzteile bei einer geringen Auslastung einen schlechteren Wirkungsgrad haben als bei einer hohen Auslastung. So hat ein Netzteil mit 500 Watt Maximalleistung zwar bei 100 Prozent Auslastung, also wenn wirklich an die 500 Watt verbraucht werden, eine sehr gute Effizienz von beispielsweise 92 Prozent, bei 50 Prozent Auslastung sind es aber vielleicht nur noch 85 Prozent Wirkungsgrad. Hier sollte man also genauer hinsehen, und seriöse Anbieter geben die genauen Daten auch auf ihrer Website exakt an. Manche verwenden dabei eine Grafik mit einer grafischen Darstellung als Kurve (X-Achse Auslastung, Y-Achse Effizienz), andere halten eine Tabelle vor, in der die Effizienz bei drei oder viel Auslastungsstufen wie 25, 50 und 100 Prozent zu sehen ist.

Es macht daher überhaupt keinen Sinn, sich von einer hochwertigen Netzeilserie das 750-Watt-Modell für 130 Euro anzuschaffen, obwohl der PC maximal 350 Watt benötigt und schon die Modellvariante mit 450 Watt für 80 Euro mehr als ausreichend wäre. Denn im Zweifel verbraucht das 750-Watt-Modell mehr Strom, da es bei einer Auslastung von unter 50 Prozent arbeitet, bei der die Effizienz nicht gut ist. Aber selbst wenn zwei Netzteile, die ihr für einen Kauf im Auge habt, ähnlich viel kosten, solltet ihr lieber das vermeintlich schwächere Modelle nehmen.

FSP Fortron/Source Hexa+ Quelle: FSP Fortron FSP Fortron/Source Hexa+ Denn meistens ist dies bei der durch euren PC verursachten Auslastung das effizientere Modell. Wichtig ist nur, dass es nicht deutlich zu schwach ist - mehr Tipps zur Kaufentscheidung findet ihr auf der zweiten Seite unseres Specials, doch zunächst kümmern wir uns um das Thema Stromkosten.

Beispielrechnung Stromkosten

Um euch zu verdeutlichen, welche Auswirkungen das Nutzen eines PC, aber auch die Stromeffizienz des Netzteils auf eure Jahresabrechnung der Energiekosten haben kann, rechnen wir einige Szenarien durch und fassen sie in zwei Tabellen zusammen. In der ersten Tabelle haben wir auf Basis eines Beispielnetzteils die jährlichen Stromkosten berechnet, die sich je nach dem, wie ihr den PC genau nutzt, ergeben. In der linken Spalte könnt ihr heraussuchen, wie viele Stunden pro Tag ihr den PC im Durchschnitt für Office- oder Multimedia nutzt. In der ersten Zeile wiederum sind die Werte für die Nutzung des PC bei Last, also Gaming. Habt ihr beide Werte gewählt, könnt ihr die resultierenden jährlichen Gesamtkosten für den Strom in der Mitte der Tabelle ablesen. Wir nehmen als Strompreis 29 Cent pro Kilowattstunde an. Ihr seht beispielsweise: wer seinen PC im Durchschnitt wirklich jeden Tag im Jahr sechs Stunden für Officetätigkeiten nutzt und zwei Stunden spielt, der muss mit etwa 133 Euro Stromkosten rechnen. Pure Gamer, die ihren PC fast nur für Spiele nutzen und beispielsweise leidglich eine Stunde pro Tag bei wenig Last, aber acht Stunden täglich für Spiele nutzen, zahlen 290 Euro pro Jahr (Annahme: ein Netzteil mit einer Effizienz von 91 bis 92 Prozent).

Verwendung pro Tag 1h Gaming 2h Gaming 3h Gaming 4h Gaming 5h Gaming 6h Gaming 7h Gaming 8h Gaming 10h Gaming 12h Gaming
1 Std Multimedia 45 Euro 80 Euro 115 Euro 150 Euro 185 Euro 220 Euro 255 Euro 290 Euro 359 Euro 429 Euro
2 Std Multimedia 56 Euro 91 Euro 126 Euro 161 Euro 195 Euro 230 Euro 265 Euro 300 Euro 370 Euro 440 Euro
3 Std Multimedia 66 Euro 101 Euro 136 Euro 171 Euro 206 Euro 241 Euro 276 Euro 311 Euro 380 Euro 450 Euro
4 Std Multimedia 77 Euro 112 Euro 147 Euro 181 Euro 216 Euro 251 Euro 286 Euro 321 Euro 391 Euro 461 Euro
5 Std Multimedia 87 Euro 122 Euro 157 Euro 192 Euro 227 Euro 262 Euro 297 Euro 332 Euro 401 Euro 471 Euro
6 Std Multimedia 98 Euro 133 Euro 168 Euro 202 Euro 237 Euro 272 Euro 307 Euro 342 Euro 412 Euro 482 Euro
7 Std Multimedia 108 Euro 143 Euro 178 Euro 213 Euro 248 Euro 283 Euro 318 Euro 352 Euro 422 Euro 492 Euro
8 Std Multimedia 119 Euro 154 Euro 188 Euro 223 Euro 258 Euro 293 Euro 328 Euro 363 Euro 433 Euro 503 Euro
10 Std Multimedia 140 Euro 174 Euro 209 Euro 244 Euro 279 Euro 314 Euro 349 Euro 384 Euro 454 Euro 523 Euro
12 Std Multimedia 161 Euro 195 Euro 230 Euro 265 Euro 300 Euro 335 Euro 370 Euro 405 Euro 475 Euro 544 Euro

Für unsere Tabelle gingen wir von folgenden realen Verbrauchswerten für die PC-Komponenten aus: im Office- oder Multimedia-Betrieb 90 Watt, bei Spielelast 300 Watt. Für das Beispielnetzteil bedeutet ein Bedarf von 90 Watt eine Auslastung von 20 Prozent - dort besitzt es eine Effizienz von 91 Prozent. Der effektive Verbrauch beträgt somit 90 Watt geteilt durch 0,91, also 99 Watt. Bei Spielelast ist das Netzteil zu 67 Prozent ausgelastet - hier nehmen wir eine Effizienz von 92 Prozent an. Als effektiver Stromverbrauch bei Gaminglast ergeben sich 326 Watt.

Doch was kostet es euch, wenn ihr ein Netzteil mit einer schlechteren Effizienz wählt? Was könnt ihr sparen, wenn das Netzteil noch effizienter wäre? Hierzu haben wir eine zweite Tabelle ausgearbeitet, die euch die Gesamtkosten und auch die resultierenden Mehrkosten für den Strom aufzeigt, wenn ein Netzteil keine Top-Effizienz besitzt. Wir haben dabei fünf Beispielwerte für die Effizienz als Basis genommen - 93 Prozent ist dabei der höchste Wert, der stellvertretend für ein Referenznetzteil steht. Die anderen vier Werte zeigen einen jeweils um zwei Prozent schlechteren Wirkungsgrad. Ihr seht dabei die Gesamtstromkosten pro Jahr sowie die Mehrkosten in Bezug auf das 93-Prozent-Referenznetzteil. Da wir für diese Tabelle nicht so viele Nutzungs-Szenarien bieten können wie in der ersten Tabelle, haben wir acht Szenarien als Beispiele herausgesucht. Zur Erklärung: MM steht für Multimedia, GM für Gaming. In der Spalte 4h MM / 2h GM sehr ihr also die Kosten für den Fall, dass ihr im Durchschnitt jeden Tag den PC vier Stunden lang für Office und Multimedia nutzt sowie zwei Stunden für Spiele.

Effizienz Kostenart 2h MM / 1h GM 4h MM / 2h GM 6h MM / 3h GM 8h MM / 4h GM 10h MM / 1h GM 2h MM / 2h GM 2h MM / 4h GM 4h MM / 6h GM
93 % Gesamtkosten 54,63 Euro 109,26 Euro 163,90 Euro 218,53 Euro 136,58 Euro 88,78 Euro 157,07 Euro 245,85 Euro
                   
91 % Gesamtkosten 55,83 Euro 111,67 Euro 167,50 Euro 223,33 Euro 139,58 Euro 90,73 Euro 160,52 Euro 251,25 Euro
  Mehrkosten 1,20 Euro 2,40 Euro 3,60 Euro 4,80 Euro 3,00 Euro 1,95 Euro 3,45 Euro 5,40 Euro
                   
89 % Gesamtkosten 57,09 Euro 114,18 Euro 171,26 Euro 228,35 Euro 142,72 Euro 92,77 Euro 164,13 Euro 256,89 Euro
  Mehrkosten 2,46 Euro 4,91 Euro 7,37 Euro 9,82 Euro 6,14 Euro 3,99 Euro 7,06 Euro 11,05 Euro
                   
87 % Gesamtkosten 58,40 Euro 116,80 Euro 175,20 Euro 233,60 Euro 146,00 Euro 94,90 Euro 167,90 Euro 262,80 Euro
  Mehrkosten 3,77 Euro 7,54 Euro 11,30 Euro 15,07 Euro 9,42 Euro 6,12 Euro 10,83 Euro 16,95 Euro
                   
85 % Gesamtkosten 59,77 Euro 119,55 Euro 179,32 Euro 239,10 Euro 149,44 Euro 97,13 Euro 171,85 Euro 268,98 Euro
  Mehrkosten 5,14 Euro 10,28 Euro 15,43 Euro 20,57 Euro 12,85 Euro 8,36 Euro 14,78 Euro 23,14 Euro

Diese acht Nutzungs-Beispiele zeigen anschaulich, dass die durch eine schwache Effizienz erzeugten Mehrkosten pro Jahr besonders hoch sind, wenn ihr den PC lange nutzt.

be quiet! Straight Power 10-CM Quelle: be quiet! be quiet! Straight Power 10-CM Selbst wer pro Tag nur eine Stunde spielt, den PC aber 10 Stunden lang anderweitig nutzt, kann schnell 10 Euro pro Jahr draufzahlen. Das klingt nach wenig, aber da ein effizienteres Netzteil häufig nur 20 bis 30 Euro mehr kostet, lohnt sich die Investition durchaus, denn ein gutes Netzteil werdet ihr auch fünf bis sechs Jahre oder länger nutzen. Wer hingegen nur nach der Arbeit eine Stunde spielt, vielleicht noch zwei Stunden im Internet surft, der wird mit einem deutlich teureren Netzteil keinen echten Vorteil mehr haben - außer er möchte sein grünes Gewissen ein wenig entlasten und vor allem aus diesem Grund auf den Strombedarf achten. Wichtig bei all dem ist natürlich, dass auch die Wahl der Hardware beim Verbrauch ein Wort mitzureden hat. So verbraucht eine AMD R9 390 gute 100 Watt mehr als die ähnlich starke neue AMD RX 470. Bei einer Stunde Gaming pro Tag macht dies bereits 10 Euro Unterschied pro Jahr aus.

  1. Seite 1 Netzteile - Wissenstipps zur Netzteilwahl
  2. Seite 2 Netzteile - Multi-Rail, Netzteilwahl, 80 Plus und 15 Beispielmodelle
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