Hardware 2020: Das vierte Quartal zeigt Magelware

Special Antonio Funes
Hardware 2020: Das vierte Quartal zeigt Magelware
Quelle: Asus

Das Jahr 2020 endete für viele Gamer in Sachen Hardware enttäuschend. Die neuen Nvidia- und AMD-Grafikkarten haben die Erwartungen zwar erfüllt, und auch die Playstation 5 und Xbox Series X sind alles andere als schlecht. Aber: All diese Produkte gibt es derzeit quasi nicht zu kaufen. Wir blicken darauf und weitere Hardware-Themen des Jahres 2020 zurück.

Endspurt 2020: Grafikkarten und mehr sind Mangelware

Das Jahr 2020 hätte in Sachen Gaming-Hardware so schön werden können. Doch ausgerechnet zum Endspurt des Jahres blicken Gamer, die ihren PC aufrüsten oder einen neuen Rechenknecht anschaffen wollten, oftmals in die Röhre. Der Grund: Insbesondere Grafikkarten sind seit einigen Wochen kaum mehr zu bekommen, und da, wo man sie kaufen kann, werden deutlich höhere Preise fällig als noch im Oktober, beziehungsweise was die neu auf den Markt gekommenen Modelle angeht: deutlich mehr als deren unverbindliche Preisempfehlung.

Hier zeigt sich auf negative Art und Weise, dass das Wort "unverbindlich" nicht heißen muss, dass man das Produkt günstiger als zum empfohlenen Preis bekommt, sondern dass es auch teurer sein kann als es der Hersteller vorsieht.

Ein besonders großes Exemplar der Nvidia GeForce RTX 3080 kommt von Zotac. Quelle: PC Games Hardware Ein besonders großes Exemplar der Nvidia GeForce RTX 3080 kommt von Zotac. Die Misere begann mit dem Release der neuen Nvidia GeForce RTX 3000er-Grafikkartenserie. Die RTX 3070 und 3080 in der Founders Edition von Nvidia waren quasi unmittelbar mit Start der Vorbestellerphase ausverkauft. Auch die kurz danach in Shops erhältlichen Custom-Modelle von Nvidias Partnerherstellern waren sofort vergriffen. Der GeForce RTX 3060 Ti erging es auch nicht anders, und AMDs neue Big Navi-Grafikkarten Radeon RX 6800 und 6800 XT sind kaum häufiger zu finden als ein Einhorn. Da die neuen Karten als Option für Gamer praktisch wegfielen und die alten GeForce RTX 2000er-Modelle nicht mehr hergestellt werden, waren alle Grafikkarten ab etwa 400 Euro sehr schnell ausverkauft.

Die Spirale erfasste dann aber auch günstigere Grafikarten - denn viele, die eine starke Karte kaufen wollten, mussten ja nun Ersatz finden, und sei es nur übergangsweise. Denn nicht jeder hat noch eine alte Karte zur Verfügung. Selbst das Einsteigermodell AMD Radeon RX 5500 XT kostet nun 50 Prozent mehr als noch im September, die Nvidia GeForce RTX 1650 Super ist aktuell gar nicht lieferbar, und die RTX 1660 Super kostet da, wo man sie noch entdeckt, ab 300 Euro - vor wenigen Wochen waren es noch 200 Euro. Das heißt: selbst wer einen Einsteiger-PC zusammenbauen möchte oder eine sehr alte Grafikkarte durch eine neue ersetzen will, die für Full-HD-Gaming bei hohen Details ausreicht, zahlt mindestens 80 Euro mehr als noch vor kurzer Zeit, was bei der Preisklasse, die eigentlich nur 150 bis 250 Euro umfasst, eine Menge Holz ist.

Xbox Series X und Series S Quelle: Microsoft Die Xbox Series X (links) ist seit der Vorbestellmöglichkeit quasi nicht zu bekommen. Die schwächere Xbox Series S hingegen kann mann zur UVP von 299 Euro bestellen. Zusammengefasst: Wer aktuell eine neue Grafikkarte benötigt und auch nur ein kleines bisschen auf das Preis-Leistungs-Verhältnis wert legt, hat einen extrem schlechten Zeitpunkt erwischt. Was man bei der Situation auf dem Grafikkartenmarkt aber nicht unterschlagen darf: die Ursache liegt hier nicht allein daran, dass unerwartet viele Gamer plötzlich eine Grafikkarte kaufen wollen und die Hersteller einfach nicht mit der Produktion nachkommen. Sondern zu der Nachfrage durch Gamer kommen zwei weitere Fraktionen hinzu. Scalper und Miner. Letztere sind Personen oder Firmen, die im großen Stil Rechenleistung zur Verfügung stellen, die rund um Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum benötigt werden. Sie nutzen dafür zum Teil ganze Farmen mit PCs, die einzig und allein für diese Aufgabe zuständig sind - als Belohnung erhalten sie Anteile an der entsprechenden Kryptowährung. Da nun in den letzten Wochen die Kurse von Bitcoin und anderer solcher Währungen stark gestiegen sind, hat sich die Nachfrage nach Grafikkarten durch Miner erhöht. Und auch die steigenden Preise hielten die Miner nicht auf, denn die Kurse sind so stark gestiegen, dass sich der Kauf einer Grafikkarte selbst dann noch lohnt, wenn sie 50 Prozent teurer als noch im Spätherbst ist.

Für die GeForce RTX 3080 gibt es schöne Wasserkühler - die Frage ist nur, wer denn überhaupt eine entsprechende Grafikkarte besitzt... Quelle: Watercool Für die GeForce RTX 3080 gibt es schöne Wasserkühler - die Frage ist nur, wer denn überhaupt eine entsprechende Grafikkarte besitzt... Der weitere Faktor: Scalper. Dies sind Menschen oder Organisationen, die Produkte aufkaufen, um sie dann teurer weiterzuverkaufen. Das klingt zunächst nach dem, was die Definition eines Händlers ist. Der Unterschied: Scalper zielen auf Produkte ab, bei denen es schon im Vorfeld sehr wahrscheinlich erscheint, dass die Nachfrage sehr hoch, das Angebot aber (zumindest zu Beginn) niedrig sein wird. Meistens mit Hilfe von Bots sichern sich Scalper dann bereits zum Verkaufsstart große Mengen des Produktes bei regulären Händlern. Denn die Scalper selbst werden von den Herstellern nicht regulär beliefert. Dieses Phänomen war bei der Playstation 5 und Xbox Series X, aber auch bei den RTX 3000er-Grafikkarten zu beobachten. Schon kurz nach Start der (Vor)Bestellmöglichkeit tauchten diese Produkte massenhaft zu horrenden Wucherpreisen auf Plattformen wie eBay auf. Die Scalper trieben die Preise dadurch nach oben, zusätzlich zur natürlicherweise vorhandenen Nachfrage. Als Gamer kann man nur hoffen, dass die Lage sich im Frühjahr 2021 beruhigt und die Preise von Grafikkarten sinken, die Verfügbarkeit hingegen steigt. Wir möchten euch zum Abschluss noch zwei Specials beziehungsweise Kolumnen zu dem Themenkomplex Marktsituation und Scalper an Herz legen. Ansonsten bleibt nichts weiter zu sagen als: Wir wünschen euch sowie allen, die euch wichtig sind, ein schönes und vor allem gesundes neues Jahr 2021!

  1. Seite 1 Hardware 2020: Vorwort; Januar bis Februar
  2. Seite 2 Hardware 2020: März bis September - RTX 3000 ist da
  3. Seite 3 Hardware 2020: Oktober bis Dezember - nun auch AMD
  4. Seite 4 Hardware 2020: Das vierte Quartal zeigt Magelware
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