Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!
Quelle: youtube

Autor Sebastian Göttling erzählt von nostalgischen Erinnerungen an seinen ersten Spiele-PC. In Teil 2 spricht er vom Frust des jugendlichen Selberbastelns.

Dass ich dabei geneppt wurde, fiel mir zwei Wochen später am 13. Januar 1994 auf. Darüber wusste ich Folgendes zu berichten: "Irgendwann bemerkte ich dann, als die Musik des PCs zu nervig wurde und ich die Stromversorgung der Boxen herauszog, dass diese auch ohne Strom hervorragend laufen. Also wollte ich das Netzteil zurückgeben. Ich erklärte all das im Elektrofachmarkt, aber der Verkäufer sagte: 'Ohne Packung kann ich das nicht umtauschen.' Darauf entgegnete ich: 'Was meinen Sie, wie es bei uns zu Hause aussehen würde, wenn wir von jedem $ %&$!$#, den wir kaufen, die Packung verwahren würden?' Daraufhin machte der Verkäufer ein blödes Gesicht und sagte: 'Äh ... Öh ... Ohne Packung kann ich das nicht umtauschen.'"

Was natürlich ausgemachter Schmarrn ist, vor allem, wenn der Kauf des Netzteils auf dem nachweislichen Irrtum des Kundenberaters basiert, doch damals ließ ich mich damit abspeisen. Ich pochte nicht auf meinem Recht, bekam mein Geld nicht zurück und behielt das völlig nutzlose Netzteil. Wenn's weiter nichts ist! Die richtigen Probleme begannen dann im Sommer.

Los ging es am 25. Juli 1994 mit einer Fehlfunktion von Windows, damals Version 3.1.

"[Als] ich am PC war, fehlten auf einmal einige meiner Windows-Dateien im Hauptverzeichnis. Also lagerte ich meine Wavs und ähnliche Dinge in einem anderen Directory aus, löschte Windows und installierte es dann neu. Das ging erst einmal gar nicht, da der PC zwei Abstürze beim Laden von Windows hatte. Schließlich hatte ich es dann so weit installiert, dass ich die Treiber installieren konnte. Soundtreiber usw. waren kein Problem, aber mit dem Grafiktreiber hatte ich Schwierigkeiten. Ich musste erst die Treiber entpacken, dann wurden sie aber nicht von Windows unter dem Fenster 'Treiber' angenommen. Also rief ich Simon an, der einen ganz einfachen Trick kannte. Ich musste direkt die Systemkonfiguration ändern. Das klappte dann, allerdings waren die Zeichen erst viel zu klein und dann hatte ich einen total falschen Modus, der gar kein Erkennen zuließ. Das hieß dann: neu installieren! [Später installierte ich es noch mehrere Male neu, gab aber auf.] Danach schaffte ich es endlich, Windows neu zu installieren. Dann richtete ich wieder meine alten Programme ein, packte die Wavs wieder in die richtigen Verzeichnisse, löschte die Pufferverzeichnisse und stellte mir eine sehr schöne, neue Farbkombination zusammen."

Der Autor und sein zweiter PC anno 1996 Quelle: Christian Höfer Der Autor und sein zweiter PC anno 1996 Nur vier Tage lang funktionierte alles, denn am 29. Juli kam es zu neuen, merkwürdigen Ausfallerscheinungen.

"Mein Windows ließ mich nämlich einige simple Programme seit der Neuinstallierung nicht mehr benutzen, wegen zu wenigem Arbeitsspeicher." Natürlich rief ich den dauergeplagten Notdienst-Rainer an und besuchte ihn kurzerhand.

"Er holte sich aus einer Mailbox das neueste Antivirus-Programm. [...] Ich ging wieder nach Hause [...]. Ich machte Sicherheitskopien von meinen selbst geschriebenen Windows-Sachen, löschte Windows, führte Scandisk durch, dann Defrag, installierte DOS neu und startete dann den Virenscanner. Er fand nichts. Ich installierte Windows neu und ... ES KLAPPTE IMMER NOCH NICHT! Auch Rainer wusste hier nicht mehr weiter, gab mir aber die Empfehlung, nach Computer Sieling zu gehen."

Schwerste Geschütze fuhr ich am Monatsletzten auf. "Mein PC machte mal wieder Probleme. Ich bekam ihn einfach nicht gebootet, egal, wie oft ich DOS installierte. [...] [Rainer] sagte mir, es könnte höchstens an der Controllerkarte liegen, die keine Verbindung zur Festplatte hat. Also bastelten mein Vater und ich am PC herum, fanden aber keine lockere Stelle. Das BIOS fand die Festplatte ebenfalls. Ich rief also nochmals Rainer an, der mir in dem Fall etwas sehr Drastisches empfahl: C: ZU FORMATIEREN! Darüber war ich natürlich nicht glücklich und installierte ein letztes Mal DOS neu. ES KLAPPTE! Auch meine Dateien wurden endlich wieder angenommen. Bevor die COMMAND.COM wieder beschädigt wird, machte ich mir von dieser Konfiguration, mit der alles klappte, eine Sicherheitskopie, die ich im Notfall wieder auf die Festplatte zurück installieren kann."

Klingt nach einer drastischen Lösung, dieser Festplatten-Kahlschlag, was doch sicherlich alle Probleme austreiben musste? Doch nur einen Tag später:

"Zuhause versuchte ich, nachdem ich es nach langem DOS-6.0-Installieren endlich mal wieder geschafft hatte, mein System zu booten, DOS 6.2 zu installieren, was aber nicht klappte. Windows 3.11 machte mir keine Probleme."

Dann, am 7. August: "Nach dem Mittagessen löschte ich mal wieder meine Festplatte und installierte alles neu, was aber wieder nicht klappte." Und so weiter und so fort.

Ich könnte jetzt noch zahlreiche weitere meiner Aufzeichnungen zitieren, aber sie alle laufen auf eines hinaus: Nach etwas mehr als einem halben Jahr schien mein eigentlich brandneuer PC unheilbar krank.

Nicht völlig unverwendbar, aber in einem untragbaren Zustand der zahllosen Workarounds. Den ganzen Spätsommer arrangierte ich mich damit, dass manche Programme funktionierten, also nutzte ich diese fleißig, während ich andere Dinge einfach nicht ans Laufen bekam. Ich war gefangen in einem unfassbar frustrierenden Niemandsland zwischen "irgendwas stimmt hier nicht" und Profi-Aussagen à la "tja, das können wir uns auch nicht erklären".

Und wann immer es einen wertvollen Tipp gab, wie ich eines dieser Probleme beseitigen könnte, so funktionierte das zwar manchmal, führte dann aber wiederum dazu, dass irgendetwas anderes in Folge nicht mehr funktionierte. "Ein Loch ist im Eimer", so geht dieses berühmte Kinderlied - und ein solches Loch war ganz offenkundig in meinem PC.

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