Hand of Fate 2 im Test: ​Glückspilz oder Arschkarte? (Update!)

Test Felix Schütz
Hand of Fate 2 im Test: ​Glückspilz oder Arschkarte? (Update!)
Quelle: PC Games

Im Test zu Hand of Fate 2 zeigt sich: Vieles bleibt beim Alten, doch die wenigen Änderungen zeigen Wirkungen! Das zweite Hand of Fate präsentiert sich im Review fairer, besser und größer als sein Vorgänger. An der guten Grundidee ändert sich nix: Hand of Fate 2 vermixt Karten- und Brettspiele mit Action- und RPG-Elementen zu einem cleveren Cocktail, der auch im zweiten Anlauf überzeugt. UPDATE: Jetzt auch mit Wertung für Nintendo Switch!

Aus einer guten Idee wird endlich auch ein gutes Spiel: Hand of Fate 2 hält eisern am Konzept des innovativen Erstlings fest, fügt aber genug Neues hinzu, sodass der Nachfolger spürbar im Review besser abschneidet. Im Test zu Hand of Fate 2 klären wir, warum der Mix aus Karten-, Action- und Rollenspiel immer noch an alten Schwächen leidet - und wir trotzdem nicht aufhören konnten.

Der mysteriöse, fantastisch vertonte "Geber" kehrt zurück und lädt uns erneut auf ein Fantasy-Abenteuer ein, das sich aus unterschiedlichsten Spielkarten zusammensetzt. Dabei betont er: Auch wenn vieles vertraut wirkt, hat sich das Spiel in allen Bereichen weiterentwickelt. Er hat recht!

Hand of Fate 2 im Test: Zurück an den Kartentisch

Hand of Fate 2 wird durch einen losen Handlungsrahmen zusammengehalten, der sich aber kaum bemerkbar macht. Vielmehr besteht das Spiel aus 22 Einzelabenteuern - jedes mit eigenen Geschichten, Wendungen, Entscheidungen und Figuren. Beispielsweise sollen wir für den Chef einer Diebesgilde einen Auftragsmörder enttarnen, Dörfer vor plündernden Nordmännern warnen, unheilvolle Relikte einsammeln, einen verzauberten Turm erklimmen, aus einer Stadt fliehen oder Ausrüstung sammeln, um uns für den Endkampf gegen einen Oger zu wappnen. Dabei gibt's stets unterschiedliche Voraussetzungen: Mal sind Nahrungsmittel gefährlich knapp, mal wird unser Held mit ätzenden Flüchen belegt, mal müssen wir unter Zeitdruck das Ziel erreichen, Zivilisten retten, Gold anhäufen oder Rohstoffe sammeln. All diese Elemente sorgen für mehr Abwechslung als im Vorgängerspiel, denn für jede Quest müssen wir unsere Spielweise anpassen!
Die schön inszenierten Kämpfe machen anfangs Spaß, laufen auf Dauer aber zu eintönig ab. Quelle: PC Games Die schön inszenierten Kämpfe machen anfangs Spaß, laufen auf Dauer aber zu eintönig ab.

Hand of Fate 2 im Test: Keine Planung? Keine Chance!

Vor jedem Level mischen wir mehrere unserer eigenen Ereigniskarten unter das Deck des Gebers.  Quelle: PC Games Vor jedem Level mischen wir mehrere unserer eigenen Ereigniskarten unter das Deck des Gebers.  Jedes Abenteuer besteht aus verdeckten Karten, die der Geber vor uns auf dem Tisch ausbreitet. Mit jedem Schritt unserer Spielfigur wird eine Ereigniskarte aufgedeckt, die uns mit einer neuen Situation oder Herausforderung konfrontiert. Das Gute daran: Vor jeder Mission dürfen wir selbst ein Deck mit Ereigniskarten zusammenstellen und unter den Stapel des Gebers mischen. So nehmen wir Einfluss darauf, welchen Gegnern, Gefahren, Schätzen und Fallen wir begegnen.

Auch unsere Ausrüstung, die ebenfalls durch Karten repräsentiert wird, legen wir so fest. In dem Level herrscht Nahrungsknappheit? Dann packen wir Ereigniskarten ins Deck, die viele Vorräte bescheren. Müssen wir gegen Untote kämpfen? Dann mischen wir einen magischen Hammer unter den Kartenstapel, der unter Skelettkriegern kräftig aufräumt. Und müssen wir besonders viele Geschicklichkeitsproben bestehen, sorgen wir dafür, dass einige magische Ringe im Kartenpool landen, die unsere Erfolgsaussichten mithilfe von Buffs verbessern. Gute Planung ist darum die halbe Miete in Hand of Fate 2!

Hand of Fate 2 im Test: Glückskind oder Pechvogel

Während wir uns Karte für Karte vorarbeiten, müssen wir ständig Entscheidungen treffen: Lassen wir uns von einem zwielichtigen Goblin zu einer Wette verführen? Nähern wir uns einer verdächtig unbewachten Schatztruhe? Eilen wir hungernden Zivilisten zur Hilfe? Was wir tun und lassen, hat stets Konsequenzen - manchmal als harte Bestrafung, etwa in Form von Schmerzenskarten, die unsere Lebenspunkte drastisch niederknüppeln oder ein Ausrüstungsteil verschlingen. Oder aber als dicke Belohnung, zum Beispiel als Nahrung oder Gold, als neue Waffe oder als Segenskarte, die uns einen mächtigen Bonus verpasst.
Der Geber ordnet die Ereigniskarten in den meisten Levels neu an, das sorgt für etwas Wiederspielwert. Quelle: PC Games Der Geber ordnet die Ereigniskarten in den meisten Levels neu an, das sorgt für etwas Wiederspielwert. Ob wir Erfolg haben oder scheitern, wird in der Regel durch eines von vier Minispielen geprüft: Bei zwei Kartenziehen-Minispielen müssen wir gute Augen beweisen, beim Pendel dagegen im perfekten Moment die Aktionstaste drücken und beim Würfeln ist schieres Glück gefragt - das kann für ebenso viel Jubel wie für Frust sorgen, eben je nachdem, wie gut man sich schlägt. Lobenswert ist aber, dass das Balancing insgesamt verzeihender und fairer daherkommt als im Vorgängerspiel. Zwar wirft uns auch Hand of Fate 2 regelmäßig ein paar richtig fiese Knüppel zwischen die Beine und bietet auch nur einen Schwierigkeitsgrad, doch mit genug Planung, Fingerfertigkeit und Geduld ist es trotzdem zugänglicher als das erste Hand of Fate.

Das Würfel-Minispiel ist eine von vier Prüfungsarten, die über Erfolg und Fehlschlag entscheiden. Quelle: PC Games Das Würfel-Minispiel ist eine von vier Prüfungsarten, die über Erfolg und Fehlschlag entscheiden. Die vier Minispiele sind so wichtig für Hand of Fate 2, dass eine weitere wichtige Neuerung eng mit ihnen verzahnt ist: Im Spielverlauf heuern wir vier Kameraden an, von denen uns jeweils einer oder eine pro Level begleiten kann. Im Angebot sind die mächtige Schmiedin Ariadne, der Magier Malaclypse, die Soldatin Estrella und der Krieger Colbjorn. Jeder Sidekick kann uns in einem der Minispiele unterstützen und damit einen wichtigen Vorteil verschaffen! Außerdem tauchen die Begleiter auch in den häufigen Kämpfen auf und gehen uns tatkräftig zur Hand.

Hand of Fate 2 im Test: Kämpfe mit Höhen und Tiefen

Für viele Ereignisse erhalten wir neue Ausrüstungskarten. Am Ende jedes Levels müssen wir das Zeug wieder abgeben. Quelle: PC Games Für viele Ereignisse erhalten wir neue Ausrüstungskarten. Am Ende jedes Levels müssen wir das Zeug wieder abgeben. Am soliden Kampfsystem hat sich vergleichsweise wenig getan, es fühlt sich lediglich etwas knackiger und schneller an als im Vorgänger. Kommt es zum Gefecht, wechselt das Spiel wie gewohnt in eine hübsch gestaltete Mini-Arena, wo unser Held samt Begleiter gegen Diebe, Soldaten, Untote, Nordmänner, Verderbte, Oger und einiges mehr antreten muss. Leider immer noch ein Problem: Die fixen Kamerawinkel, die in vielen Kämpfen nicht genug Übersicht liefern. Ansonsten erinnert das Hauen und Stechen in den Grundzügen an Rocksteadys Batman-Reihe, das heißt, der Held richtet sich halbautomatisch am nächsten Gegner aus und Feinde greifen uns praktisch nie gleichzeitig an, sondern warten ab, bis sie an der Reihe sind. Gutes Reaktionsvermögen ist trotzdem Pflicht! Wer nicht blitzschnell blockt, kontert und ausweicht, liegt schnell im Gras.

Zwar gibt es eine stattliche Auswahl an Waffen, doch leider beschränkt sich das Angebot immer nur auf drei grundlegende Kategorien: Wir teilen mit Schwertern und Schilden, leichten Klingenwaffen oder schweren Zweihändern wie Streitkolben und Äxten aus. Peitschen, Kampfstäbe, Wurfwaffen, Zauberstäbe, Bögen oder Armbrüste sucht man vergebens. Auch Zaubersprüche gibt's nur in begrenzter Form von Artefakten mit wenigen Ladungen, darum spielt Magie kaum eine Rolle in Hand of Fate 2. Da hätten wir uns für einen Nachfolger mehr Vielfalt gewünscht!
Magie ist selten und nur begrenzt nutzbar. Eine echte Magierspielweise gibt’s nicht, schade! Quelle: PC Games Magie ist selten und nur begrenzt nutzbar. Eine echte Magierspielweise gibt’s nicht, schade!

Auch das Gegnerangebot ist überschaubar: Zwar verwendet jeder Feind unterschiedliche Angriffsmuster und erfordert andere Herangehensweisen, doch nach ein paar Stunden hat man sämtliche Widersacher gesehen und alle Taktiken verinnerlicht. Weil die Kämpfe dann kaum noch fordern, schleudert uns Hand of Fate 2 immer wieder Gegnermassen entgegen, um für mehr Herausforderung zu sorgen, was aber nach einer Weile ziemlich ermüden kann. Obendrein wird man in vielen Levels einfach zu oft in Kämpfe gezwungen, in denen man immer wieder die gleichen Feinde plattmachen muss.

Hand of Fate 2 im Test: Viel Umfang, viel Grind

Für jedes Abenteuer nehmen wir einen von vier Begleitern mit, die uns auch im Kampf unterstützen. Quelle: PC Games Für jedes Abenteuer nehmen wir einen von vier Begleitern mit, die uns auch im Kampf unterstützen. Die eintönigen Gefechte fallen vor allem dann auf, wenn man gemeisterte Levels erneut spielt, um zusätzliche Karten zu verdienen. Denn viele Karten schalten ihrerseits neue Folgekarten frei, wenn man die richtige Entscheidung getroffen und eine Prüfung gemeistert hat - dann winken etwa neue Story-Ereignisse, bessere Waffen oder stabilere Rüstungen. Bis man all die guten Karten freigespielt hat, ist allerdings viel Grinding nötig - das gilt besonders für die vier Begleiter, die wir in eigenen Questreihen aufleveln können und die uns im Endkampf einen dicken Vorteil verschaffen. Immerhin: Das streckt gewaltig die Spielzeit! Wer nur schnurstracks die Levels durchspielt, ist vielleicht 10 bis 20 Stunden beschäftigt. Wer alles freischalten will, sollte dagegen deutlich mehr Zeit einplanen - wir haben über 30 Stunden gebraucht! Zum Preis von 28 Euro ist Hand of Fate 2 zwar nicht gerade ein günstiger Indie-Titel, doch dafür wollen die Entwickler in naher Zukunft noch einen Endlosmodus hinzupatchen - insgesamt gibt's also ordentlich Spiel fürs Geld.

Hand of Fate 2 im Test: Was taugt die Switch-Umsetzung?

Nach Umsetzungen für PS4 und Xbox One ist Hand of Fate 2 am 17. Juli 2018 auch für Nintendo Switch erschienen. Der Preis für den Download-Titel liegt bei 26 Euro. Enthalten sind neben dem Hauptspiel auch alle DLCs inklusive Endlosmodus. Unser erster Eindruck? Schlecht! Die Switch-Version hatte anfangs mit einer miesen Performance zu kämpfen, sowohl am Kartentisch als auch in den Kämpfen. Die Karten schwebten dermaßen ruckelig über den Bildschirm, dass sogar sämtliche Minispiele darunter litten und dadurch noch kniffliger ausfielen. Zudem wurde die Switch-Fassung grafisch ein wenig abgespeckt, in den Kämpfen fallen besonders die deutlich matschigeren Schatten und niedrig aufgelösten Zaubereffekte auf. Wir waren bereits zu einer kräftigen Abwertung entschlossen, als unvermittelt ein neuer Patch erschien - und der brachte zum Glück alles in Ordnung! In seiner aktuellen Form (Stand: 27. Juli 2018) läuft Hand of Fate 2 auch auf der Switch flüssig, selbst die Ladezeiten - obwohl länger als auf dem PC - bewegen sich noch im erträglichen Rahmen. Die grafischen Abstriche bleiben zwar erhalten, stören aber nicht so sehr, dass wir deshalb spürbar abwerten müssten. Für das Ergebnis heißt das: Der Patch brachte die Rettung in letzter Sekunde!

Hand of Fate 2 im Test: Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Hand of Fate 2 (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Hand of Fate 2 (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Immer noch coole SpielideeStimmungsvolle PräsentationGuter englischer Erzähler22 interessante Story-KapitelAbwechslungsreiche Ereigniskarten mit kniffligen EntscheidungenMinispiele bringen Pep ins SpielDeutlich fairer als der Vorgänger
Hoher Zufallsfaktor birgt FrustgefahrAngriffsmuster der Gegner sind leicht zu durchschauenKämpfe auf Dauer eintönigViel Grinding nötig, um alle Karten und Verbesserungen freizuspielenNur drei Waffenarten, kaum ZauberOft ungünstige Kamera in Kämpfen
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