Halo Wars: Definitive Edition: Die PC-Umsetzung im Test - Update: Jetzt auch mit Video-Review!
Test
Hübscher, komfortabler und nur acht Jahre zu spät: Im Test überzeugt die PC-Umsetzung von Halo Wars mit actionreichen Missionen und jeder Menge Halo-Atmosphäre, zeigt aber auch klare Schwächen in Sachen Bedienung und Spietliefe.
Quelle: PC Games
Halo Wars bietet wenig taktischen Tiefgang, aber dafür viel Action und Halo-Atmosphäre.
Microsoft macht ernst. Klar, das hatten die Redmonder schon oft versprochen, doch diesmal lassen die Windows-Erfinder endlich Taten folgen: Im Rahmen ihres Play Anywhere -Programms sind erste ausgewählte Xbox-One-Spiele auch auf Windows-10-PCs spielbar, darunter Gears of War 4, Forza Horizon 3 oder Quantum Break. Und auch der nächste große Crossbuy-Titel steht schon vor der Tür: Halo Wars 2 von 343 Industries und Creative Assembly, das bereits Gold-Status erreicht hat und in wenigen Wochen erscheint - ebenfalls für PC und Xbox One. Den Vorgänger, der 2009 noch von Ensemble Studios (Age of Empires) entwickelt wurde, gab's dagegen nur exklusiv für Xbox 360 - bis jetzt! Fast acht Jahre später hat es der Echtzeit-Strategie-Ableger der legendären Shooter-Serie nämlich doch noch auf den PC geschafft.
Wir haben die Umsetzung von Halo Wars: Definitive Edition durchgespielt und klären im Test, wo die Neuauflage punkten kann - und wo sich ihre Konsolenherkunft deutlich zeigt.
Auf dieser Seite
- 1 Halo Wars für PC im Test: Solide Kampagne mit ordentlich Fanservice
- 2 Halo Wars im Test für PC: Viel Action, wenig Tiefgang, öder Basisbau
- 3 Halo Wars im Test für PC: Verbesserte Grafik, schwache deutsche Synchro
- 4 Halo Wars im Test für PC: Überarbeitete Steuerung mit Altlasten
- 5 Halo Wars im Test für PC: Multiplayer, Wertung und Fazit
Halo Wars für PC im Test: Solide Kampagne mit ordentlich Fanservice
Das Halo-Universum speist sich mittlerweile aus elf Spielen sowie mehreren Romanen, Comics, Serien und Filmen - wenn überhaupt, blicken da nur noch beinharte Fans durch. Halo Wars spielt zwar 20 Jahre vor dem ersten Serienteil und rückt frische Charaktere in den Mittelpunkt, gibt sich dabei aber herzlich wenig Mühe, Neulinge an die Hand zu nehmen. Zwar finden sich auch Quereinsteiger in der simplen Rahmenhandlung - Menschen kämpfen gegen Aliens - schnell genug zurecht, doch viele Details der Story-Kampagne richten sich klar an Kenner der Reihe.
Quelle: PC Games
Flache Charaktere, hohle Dialoge und dürftige Sprachausgabe werden den schön gerenderten Videos kaum gerecht.
Für die bietet Halo Wars aber zumindest eine Menge schick verpackten Fanservice. Das Strategiespiel inszeniert seine Story nämlich über 15 Kampagnenmissionen hinweg, jede davon garniert mit aufwendig gerenderten Videosequenzen. Die kurzen Filmchen versprühen zwar jede Menge Atmosphäre und sehen auch heute noch sehr gut aus, leiden aber auch unter arg platten Charakteren, deren hölzerne Dialoge von gelangweilten deutschen Synchronsprechern vertont sind - so richtig packend wird's darum nie.
Quelle: PC Games
Auch die Flood haben einen größeren Auftritt in der Kampagne, allerdings nicht als spielbare Fraktion.
Wo die Story schwächelt, gefallen dafür die Missionsideen: Obwohl Halo Wars zu keinem Zeitpunkt wirklich überrascht, punkten die kurzen Einsätze mit abwechslungsreichen Schauplätzen und unterschiedlichen Aufgaben. Einmal sollen wir etwa die Evakuierung von Zivilisten aus einer Stadt vorantreiben, dann müssen wir einen gigantischen Energieschild bombardieren und kurz darauf sollen wir einen Scarab-Roboter ausschalten, der uns aus der Distanz mit seiner Strahlenkanone einheizt und uns dazu zwingt, unsere Truppen von Deckung zu Deckung zu scheuchen. Ein späterer Level befördert uns sogar an das Deck des Raumschiffs "Spirit of Fire", wo wir uns - bei voller Fahrt - nicht nur gegen Aliens und Drohnen verteidigen, sondern uns auch vor einer Energiewelle in Sicherheit bringen müssen, die regelmäßig über das Schiff jagt und dabei alle organischen Einheiten von der Bildfläche putzt. Nette Ideen! Schade allerdings, dass die Story-Kampagne nur die Menschen als spielbare Fraktion bietet, die Alien-Allianz dürfen wir nur im Multiplayer und in Skirmish-Partien selbst lenken.
Löblich dagegen: Wir können auch alle Missionen in einem Koop-Modus absolvieren, in dem sich zwei Spieler den Basisbau und das Verwalten der Truppen aufteilen. Im Grunde ein cooles Feature! Doch leider haben wir während unseres Tests nie einen Online-Spielpartner gefunden, daher können wir über Verbindungsqualität und Spielkomfort noch kein Urteil abgeben.
Halo Wars im Test für PC: Viel Action, wenig Tiefgang, öder Basisbau
Quelle: PC Games
Für jede Einheit dürfen wir mehrere Upgrades erfroschen. Leider ist die Reihenfolge immer gleich.
Da Halo Wars ursprünglich für Gamepads konzipiert wurde, liefert das Spiel nur aufs Nötigste reduzierte, actionbetonte Echtzeit-Strategie, die mit simplen Kommandos und wenigen Truppentypen auskommt. Gerade mal eine Handvoll Soldaten, Panzer und Flugeinheiten dürfen wir bauen, das niedrige Einheitenlimit sorgt außerdem dafür, dass wir keine großen Armeen wie in Command & Conquer ausheben. Immerhin gibt's für jede Einheit mehrere Upgrades, die wir aber stets nacheinander freischalten - viel Auszuprobieren haben wir hier also nicht. Sammler oder Ressourcen fehlen obendrein komplett, stattdessen errichten wir einfach Gebäude, die automatisch Credits erzeugen.
Ähnlich dünn präsentiert sich der gesamte Basisbau: Wir dürfen nur an vorgegebenen Orten eigene Stützpunkte hochziehen, die immer aus einem Hauptgebäude bestehen, um das sich mehrere Gebäudeslots anordnen. Die wenigen Plätze füllen wir mit sechs Gebäudetypen, darunter Depots, Kasernen, Fabriken und Kraftwerke plus drei Sorten Verteidigungstürme. Anders ausgedrückt: Wer in Echtzeit-Strategiespielen vor allem eine stattliche Basis bauen will, macht um Halo Wars besser gleich einen großen Bogen.
Quelle: PC Games
Wer gerne ausgiebig Stützpunkte baut, wird mit Halo Wars nicht glücklich: Wir dürfen nur an festen Slots ein paar Gebäude errichten.
Auch bei der Wegfindung zeigt sich Halo Wars nicht von seiner besten Seite: Immer wieder blockieren sich unsere Panzer und Soldaten gegenseitig, stehen sich im Weg oder bringen schlimmstenfalls einen Truppenverband in engen Levelabschnitten zum Erliegen. Mehrmals im Test mussten wir unsere Truppen sogar von Hand entwirren und Platz für die dickeren Panzer schaffen. Das ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß - ein Glück, dass die Wegfindung für den Nachfolger komplett runderneuert wurde!
Halo Wars im Test für PC: Verbesserte Grafik, schwache deutsche Synchro
Dafür punktet Halo Wars mit hübschen, effektreichen Kämpfen, die prima das Flair der Shooter-Vorlagen einfangen. Ensemble Studios hat nämlich dafür gesorgt, dass auch aus der Draufsicht jede Menge Halo-Stimmung aufkommt: Fans freuen sich über originale Einheiten, Fahrzeuge und Waffen, inklusive passender Soundeffekte und jeder Menge Explosionen. Besonders cool sind die Spartans gelungen, eine Supereinheit der Menschen, mit der wir feindliche Bodenfahrzeuge kapern können: Wer nahe ranzoomt, erkennt dann im Detail, wie der kleine Soldat auf einen Feindpanzer springt, den gegnerischen Alien-Piloten verdrischt und sich dann selbst hinter das Steuer klemmt. Cool!
Quelle: PC Games
Auch nach fast acht Jahren machen die effektreichen Schlachten einen grafisch ordentlichen Eindruck.
Die Definitive Edition wurde gegenüber des Xbox-360-Originals grafisch leicht aufgepeppt: Die Optik profitiert von höherer Auflösung, feineren Schatten und schärferen Texturen. Ein paar zusätzliche Effekte wie umherwirbelnde Partikel, Wolkenschatten oder sattere Explosionen hätten dem Spiel zwar gut getan, doch auch so sieht die Neuauflage von Halo Wars nicht übel aus - insbesondere wenn man Alter und Herkunft berücksichtigt.
Die gelungene Atmosphäre wird von der deutschen Sprachausgabe getrübt: Unsere Truppen melden sich ständig mit kleinen Kommentaren zu Wort, quittieren Abschüsse mit einfältigen Macho-Sprüchen, rufen ihren Gegnern "Aus die Maus!" hinterher oder feiern einen Sieg mit einem saftigen "Oooo-freakin-raaah!", was genauso bescheuert klingt, wie es sich liest.
Halo Wars im Test für PC: Überarbeitete Steuerung mit Altlasten
Quelle: PC Games
Neben einem Koop-Modus und einer Story-Kampagne bietet Halo Wars auch Multiplayer mit mehreren Spielmodi.
Die ursprünglich für Gamepads konzipierte Steuerung wurde für die Definitive Edition ein wenig umgekrempelt und für Maus- und Tastatur fit gemacht. Bedeutet: Wer Starcraft 2 oder Command & Conquer gespielt hat, kann das Tutorial direkt überspringen. Für die PC-Version haben die Entwickler ein paar sinnvolle Ergänzungen eingebaut, beispielsweise können wir Gruppen bilden oder Einheiten des gleichen Typs per Doppelklick auswählen. Außerdem dürfen wir zumindest einige Tasten frei belegen. An anderer Stelle wurde dagegen deutlich gespart - leider so sehr, dass sich Halo Wars am PC zwar stets solide, aber nie richtig gut spielt.
Beispielsweise gibt es keine typischen Texteinblendungen am Mauszeiger - wer etwa wissen will, welches Gebäude man vor sich hat, muss es anklicken. Unzeitgemäß! Auf den ersten Blick gut, auf den zweiten unpraktisch: Selektierte Einheiten werden am unteren Bildschirmrand mit Symbolen angezeigt - die sich jedoch nicht anklicken lassen, Untergruppen schaltet man stattdessen mit dem Mausrad durch. Wer per Mausrad zoomen will, muss deshalb zusätzlich die Alt-Taste gedrückt halten. Und auch die übergroßen Bildschirmanzeigen und die nahezu unbrauchbare Minimap lassen keinen Zweifel an der Konsolenherkunft aufkommen.
Quelle: PC Games
Die Auswahl an Einheiten und Gebäuden ist dürftig.
Am nervigsten ist allerdings das Baumenü: Wenn wir neue Module errrichten, Ugprades erforschen oder Truppen produzieren wollen, müssen wir dafür jedes Gebäude einzeln anklicken. Dabei legt sich jedes Mal ein überdimensioniertes Radialmenü über den Bildschirm und verdeckt die Sicht auf das Spielgeschehen. Um das Menü zu schließen, ist ein weiterer Klick notwendig. Und wenn wir zwischendurch wissen möchten, wie weit ein Bau- oder Forschungsauftrag ist, müssen wir das entsprechende Gebäudemodul erneut anklicken - dabei wäre es doch wesentlich bequemer, den Baufortschritt am Bildschirmrand, über dem Gebäude oder als Mouseover-Einblendung anzuzeigen!
Obwohl man Halo Wars trotzdem mit Maus und Tastatur spielen kann, zeigen solche Mängel, dass die Entwickler längst nicht alle Register gezogen und sich lieber mit dem Nötigsten zufrieden gegeben haben. Von einer PC-Umsetzung hätte man mehr erwarten können.
Halo Wars im Test für PC: Multiplayer, Wertung und Fazit
Neben der Kampagne, die sich auch im Koop spielen lässt, bietet Halo Wars einen Mehrspielermodus mit mehreren Maps und Einsatzzielen, außerdem sind Skirmish-Partien gegen die KI möglich. Die Definitive Edition enthält alle DLCs, die zuvor für die Xbox 360-Version erschienen sind.
Meinung
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