Halo 5: Guardians im Test - Ein Kaufgrund für die Xbox One
Test
Bungie, die Schöpfer der hochdekorierten Halo-Serie, hatten nach drei erfolgreichen Teilen keine Lust mehr auf den Master Chief und wendeten sich lieber einem gigantischen Zehnjahresprojekt zu. Doch das ist eine andere Geschichte, in diesem Test geht es um Halo 5: Guardians, das zweite Halo-Spiel aus der Feder von 343 Industries, die ein weiteres Mal zeigen, dass das Team jede Menge Ahnung davon hat, was einen unterhaltsamen Shooter aus und die Fans der Halo-Reihe glücklich macht.
Im Test präsentiert sich Halo 5 vor allem als abwechslungsreiches Spiel. Die Halo-Reihe bringt seit jeher eine große Bandbreite an Waffen, Fahrzeugen und Feinden mit sich, ab dem vierten Teil - den Prometheanern sei Dank - ist die gigantische Auswahl um ein weiteres Stück gewachsen. Halo 5: Guardians schlägt vollen Profit aus der schieren Menge an Optionen und bietet enorm viel Abwechslung. Gerade noch düst man mit Ghosts durch ein offenes Gebiet und stellt sich der Allianz entgegen, dann folgt ein beklemmendes Feuergefecht mit den gefährlichen Huntern in finsteren Raumschiffgängen, später dann ein Gefecht im Schnee gegen die mechanischen Prometheaner.
Die Wahl der Qual
Die Vielfalt beschränkt sich nicht nur auf die Feindauswahl, auch die Waffenpalette kann sich sehen lassen. Neben den absoluten Klassikern wie dem Partikelschwert, der Magnum und dem Nadelwerfer (leider ohne Dual Wielding) sind in vielen Bereichen schlagkräftigere oder gar besonders seltene Modelle verborgen, wie etwa das Scharfschützengewehr Nornenfang oder der zielsuchende Granatenwerfer Weiße Narbe. Die meiste Zeit nutzt man natürlich die von Feinden fallengelassenen Schießeisen oder bedient sich an den herumstehenden Versorgungsdepots. Wer sich genau umsieht und Bereiche in der Vertikalen erkundet wird nicht nur oft mit exzellentem Verteidigungswerkzeug belohnt, auch Datenpads, die mehr über die Hintergrundgeschichte von Halo 5: Guardians verraten und Schädel, mit denen man den Schwierigkeitsgrad erhöht sowie ein paar Easter Eggs sind in den zum Teil sehr weitläufigen Levels gut verborgen
Zwei Helden, zwei Teams
Quelle: 343 Industries
Der Master Chief ist etwas großem auf der Spur. Und Locke ist dem legendären Helden auf den Fersen.
Auch wenn in Halo 5: Guardians keine komplett neue Gegnerrasse vorkommt, hat sich 343 Industries bemüht, für etwas frischen Wind zu sorgen: Dieses Mal ist man im Team statt alleine unterwegs! Zugegeben, anfangs vergisst man leicht, dass man Kumpane im Schlepptau hat, einerseits aus Gewohnheit, andererseits, weil die KI-Gruppe nicht immer die klügsten Entscheidungen trifft und manchmal trödelt. Mit der Zeit aber wachsen einem die Begleiter sowohl von Team Osiris als auch von Team Blau ans Herz. Das ist wohl den Dialogautoren zu verdanken, die es schaffen, die Kumpels nicht allzu karikaturhaft wirken zu lassen und ihnen einen Hauch von Persönlichkeit zu verleihen, ohne dass die Begleiter ständig dümmliche Sprüche klopfen. Von komplexen Figurenzeichnung ist man natürlich meilenweit entfernt, aber die Klischeeklippen der durchschnittlichen Egoshooter-Charakterisierung umschifft 343 Industries recht erfolgreich. Ideal funktioniert ein Vierer-Team, wenn es aus menschlichen Mitspielern besteht.
Kein Offline-Koop
Gemeinsames Zocken klappt allerdings nur noch im Online-Modus, denn eine Splitscreenvariante unterstützt Halo 5: Guardians nicht mehr. Der Grund: Die Framerate würde im Splitscreen keine 60 Bilder pro Sekunde schaffen. Das Weglassen ist dennoch eine unglückliche Entscheidung, war der Couch-Koop-Part doch schon immer ein Markenzeichen von Halo. Eine kleine Entschädigung ist, dass man rudimentär die Aktionen der KI-Kollegen bestimmen kann, wenn kein menschlicher Freund mitmischen will oder kann. Per Digikreuz weist man das Team an, einen bestimmten Gegner aufs Korn zu nehmen, man gibt den Befehl zum Aufnehmen von Waffen oder zum Steuern von fahrbaren Untersätzen und so weiter. Strategisch hochkomplex wie etwa bei einem Rainbox Six geht es aber nicht zu.
Guardians of the Galaxy
Wieso eigentlich zwei Einsatzteams? Die Story von Halo 5: Guardians verlässt sich darauf, dass man zumindest in Grundzügen Bescheid weiß über den Master Chief, Cortana und Figuren wie den Gebieter. Mit diesem Vorwissen ist die Handlung gut nachzuvollziehen: Der Master Chief wird abtrünnig, da er einem Geheimnis auf die Spur kommt. Sein Einsatzteam folgt ihm loyal. Die UNSC kann das natürlich nicht zulassen und schickt dem legendären Spartan das Einsatzteam Osiris unter dem Befehl von Spartan Locke auf die Fersen. Nebenher tauchen überall die rätselhaften Guardians auf, gigantische Blutsväter-Konstrukte (und Titelgebender des Spiels). Über Umwege treffen beide Gruppen schließlich aufeinander - doch wir wollen nicht zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: Die Geschichte unterhält gut, kommt ohne Durchhänger aus und vermag es, neue Facetten an bekannten Charakteren aufzuzeigen. Besonders schön für treue Fans der Reihe dürften die Einblicke in die Kultur der Sangheili sein.
Alles beim Alten?
Quelle: 343 Industries
Halo 5 beschränkt sich nicht nur auf futuristische Sci-Fi-Umgebungen sondern zeigt auch natürliche Abschnitte.
Wer schon einmal einen Teil der Reihe gespielt hat, fühlt sich in Sachen Gunplay sofort wieder heimisch. Wie gewohnt ballert man sich mit recht großzügigem Auto-Aiming durch allerlei unterschiedliche Feinde und nutzt dabei normale Schießeisen sowie futuristische Ballermänner wie Lichtgewehre und Schwerter aus reiner Energie. Ein bisschen auf die Teamkameraden achten sollte man schon, um nicht mit friendly fire Schaden anzurichten oder diesem gar zu Opfer zu fallen. Nach wie vor benötigt es etwas Einarbeitungszeit, um die Sprünge von Master Chief und Locke richtig zu timen, sodass man Abgründe zuverlässig überwindet. Durch einen kurzen Knopfdruck zieht man sich jetzt an Vorsprüngen hoch, was den Bewegungsradius erweitert und viele neue Möglichkeiten beim Vorgehen erschließt. Dazu ermuntert wird man von Leveldesign, das oft auf große, weite Bereiche setzt und sich in die Vertikale erstreckt.
Die Spartans haben dazugelernt
Wichtiger im PvP-Bereich sind die neuen Nahkampfangriffe wie etwa der Ground Pound, bei dem man aus dem Fall heraus mit der Faust auf den Boden donnert und so Feinde fix unschädlich macht. Wichtiger für den Singleplayer-Spielverlauf ist der Standard-Punch auf der Schultertaste, mit dessen Hilfe man versteckte Bereiche zugänglich macht, die hinter brüchigen Wänden oder Lüftungsgittern verborgen sind. Viel ist ansonsten zwar nicht zerstörbar in der Welt von Halo 5, aber hier und da gehen Deckungen während Feuergefechten zu Bruch. Einfühlungsvermögen ist gefragt bei der Kontrolle von Fahrzeugen wie den Warthogs, die sich etwas hakelig steuern. Das Fliegen und das Fahren in Panzern wie Scorpions und Wraiths sowie das Bedienen von Ghosts und Mantis-Mechs funktioniert hervorragend.
Nicht perfekt, aber durchdacht
Quelle: 343 Industries
Rot gegen Blau ist das Thema des Spiels, dieses Konzept wird optisch immer wieder aufgegriffen.
Die Optik von Halo 5: Guardians ist nicht perfekt. Kantenflimmern in Zwischensequenzen, Pop-Ins, Dithering und an einigen Stellen auch überraschend karge Texturen sind die hässliche Seite des ambitionierten Ego-Shooters. Abstoßend oder nicht zeitgemäß ist Halo 5 allerdings nie, und die Bildwiederholungsrate tatsächlich sehr stabil. Was das neue Abenteuer des Master Chief durch solche technische Gebrechen an Charme verliert, macht es durch das exzellente, künstlerische Konzept wieder wett. Passend zum Gegensatz des blauen und roten Teams zieht sich durch das ganze Spiel ein auffälliger Blau-Orange-Kontrast. Die beiden Farben dienen quasi als Eye Catcher und setzen den thematische Dualismus optisch um. Wenn in Halo 5 dampfende Lava über dunkelblaues Gestein fließt, oder die roten Felsen von Sanghelios unter dem blauen Himmel in der Sonne glühen, dann sieht das also nicht nur dank der toller Beleuchtung hervorragend aus, sondern auch, weil das Gestaltungsteam bei 343 Industries seine Design-Hausaufgaben gemacht hat. Die wuchtigen Halo-Choräle fehlen auch im fünften Teil der Reihe nicht und begrüßen den Spieler bereits im Startmenü. Man begeht zum Glück nicht den Fehler, die Zuhörer mit orchestraler Dauerbombardierung zu entnerven, sondern setzt geschickt Akzente bei der musikalischen Untermalung. Die deutsche Synchronisation ist abermals gut gelungen und die Zwischensequenzen sind ordentlich inszeniert.
Kleine Probleme
Quelle: Microsoft
Besser als Laufen ist das Fahren. Wie immer stehen jede Menge Fortbewegungsmittel zur Auswahl.
Bei so viel Lob muss auch Platz sein für die Kritik. Die Umsetzung der Bossfights ist gelinde gesagt schwach. Bei der ersten Obermotz-Auseinandersetzung ist man noch guter Dinge - interessanter Gegner, spaßiger Kampf - bis man merkt, dass dieser Endgegner das ganze Spiel über auftauchen wird. In dieser Hinsicht wurde das Potential nicht ausgeschöpft, vor allem, da im Warzone-Modus jede Menge spezieller Bossgegner existieren. Auch der Umfang des Einzelspielerparts ist nicht so gewaltig, wie es suggeriert wurde. Mit etwas sieben Stunden ist ein Durchgang der Hauptstory auf dem normalen Schwierigkeitsgrad großzügig bemessen. Manchmal etwas dümmlich agieren übrigens nicht nur die Teamkameraden, sondern auch die Feinde. Ab und zu stehen die lieber in der Gegend herum, als uns zu attackieren.
Was für ein Abenteuer
Quelle: 343 Industries
Neben der Kampagne gibt es die beiden umfangreichen Mehrspielerparts Arena und Warzone. Sobald diese umfassend getestet werden können, kommt ein Wertungsupdate.
Was den Mehrspielerteil von Halo 5: Guardians betrifft, so ist noch keine Wertung möglich, da noch keine Live-Bedingungen herrschen. Von unserem Anspielterminen und den bisherigen Eindrücken von Warzone und Arena nach zu urteilen haben beide Modi Potential, die mit Halo verbrachten Stunden immens zu vervielfachen. Und durch die Schädel, höhere Schwierigkeitsgrade, ein weniger lineares Leveldesign und den Koop-Part bietet auch der Einzelspielermodus Anreiz, ihm erneut einen Besuch abzustatten. Als Mittelpart einer Trilogie kommt das Ende der Handlung als eine Art Cliffhanger daher, der Lust macht auf den Abschluss der Saga. Wenn es jedenfalls so weitergeht mit dem Master Chief, Locke und vor allem 343 Industries, müssen wir uns um Teil sechs keinerlei Sorgen machen. Wer eine Xbox One besitzt und Halo 5 nicht spielt, verpasst einen der unterhaltsamsten Shooter des Jahres.
