Guacamelee 2 im Test: Nichts Neues im Mexiversum - Das Review zum Metroidvania voller Pollos und Luchadores
Test
Heilige Guacamole! Luchador Juan muss das Mexiversum retten - schon wieder! Das Metroidvania Guacamelee 2 verlässt sich auf alte Stärken, statt das Rad neu zu erfinden.
Guacamelee (das uns damals begeisterte, wie ihr unserem Test entnehmen könnt) endet mit dem Bossfight gegen den durchgeknallten Bösewicht Calaca, der - wie es Bösewichter gerne tun - die große Liebe des Helden entführt hat. Dass Guacamelee 2 in der Fortsetzung einen ähnlichen Weg einschlägt wie der erste Teil des Wrestling-Metroidvania, verrät bereits der Beginn des zweiten Mexiversum-Abenteuers. Ihr absolviert den Bosskampf gegen Calaca ein weiteres Mal, dann folgt ein Zeitsprung: Juan ist nun mit Lupita verheiratet, hat einen Sohn, eine Tochter und trägt einen beachtlichen Speckgürtel vor sich her. Doch die Familienidylle ist bedroht, denn in einer alternativen Zeitlinie hat nicht Juan Calaca besiegt, sondern ein anderer Luchador. Der ist durchgedreht und versucht nun, heilige Artfakte zu stehlen, um alle Zeitlinien zu vereinigen und die heilige Guacamole zu kosten, die nur den Göttern vorbehalten ist ...
Die zweite Runde startet
Das bedeuetet: Juan muss - wahlweise gemeinsam mit bis zu drei Freunden - wieder in den Ring steigen, um das weitläufige Mexiversum auf der Suche nach den Artefakten zu durchkämmen. Dabei kommen Moves und die Hühnerverwandlung aus dem ersten Teil wieder zum Einsatz, euer Angriffsrepertoire wurde erweitert. Die Wrestling-Griffe und -Würfe braucht ihr auch, denn regelmäßig verprügelt ihr Gegner und versucht dabei eine möglichst lange Kombokette zu zaubern: Je länger die Kette, desto größer die Belohnung. Für die angesammelte Kohle leistet ihr euch Nachhilfeunterricht bei fünf verschiedenen Kampfmeistern. Verbessert so eure Angriffe oder verschafft euch einen praktischen Move, mit dem ihr eure Gesundheit regeneriert. Einen Haken hat das Ganze aber: Sobald ihr alle Meisterlektionen gekauft habt, ist die virtuelle Währung vollkommen wertlos. Nicht gerade ein Anreiz, um weiter den Kombozähler in die Höhe zu treiben.
Bildergalerie
Wrestling mit Anspruch
Um die Geschichte rund um Guacamole, Luchadores und Pollos abzuschließen, benötigt ihr etwa acht Stunden (weniger ist auch denkbar). Nicht mit eingerechnet sind dabei die Bonustruhen, die eure Gesundheit und die Ausdauer oder euren Kontostand verbessern. Wenn ihr alle Schätze heben wollt, solltet ihr Durchhaltevermögen und Fingerspitzengefühl mitbringen, denn die Herausforderungen haben es in sich. Es stecken nicht nur ein paar diabolische Platforming-Abschnitte in Guacamelee, auch einige der optionalen Kämpfe benötigen volle Konzentration. Erledigt zum Beispiel Gegner der Reihe nach innerhalb eines bestimmten Zeitfensters, ohne den stacheligen Boden zu berühren, oder erklimmt eine Bohnenranke auf einem halsbrecherischen Parcours, bei dem jeder Fehler der Tod bedeutet. Solltet ihr dann noch nicht genug von Guacamelee 2 haben, wird der schwere Modus freigeschaltet, nachdem ihr das Abenteuer zum ersten Mal durchgespielt habt.
Erkundet das Mexiversum
Wie in Metroidvanias üblich erkundet ihr eine zusammenhängende Welt und erweitert durch die Entdeckung neuer Fähigkeiten eueren Aktionsradius. Mit dem Ziegensprung erklimmt ihr Wände, mit der Kopfnuss räumt ihr gelbe Blöcke aus dem Weg. So erreicht ihr auch einige Bonusareale, die andere bekannte Titel wie Limbo oder Street Fighter persiflieren. Wer die Umgebung genauer betrachtet, findet zig Anspielungen auf Memes (Grumpy Cat), bekannte Spiele (Hollow Knight, The Legend of Zelda, Undertale) oder Zeichentrickserien (Steven Universe). Der flapsige Humor rund um heilige Guacamole und die Hühnerilluminaten sowie die Unmengen an Referenzen sind Geschmackssache, auf keinen Fall absprechen kann man Guacamelee 2 jedoch den immensen Charme, mit dem das Mexiversum umgesetzt wurde.
Quelle: PC Games
Nehmt die Beine in die Hand, die heilige Schlange rechts will euch verschnabulieren!
Die treibende Musik passt zu den hübschen Umgebungen und der farbenfrohen Optik, die man aber noch mehr genießen könnte, wenn nicht riesige Einblendungen oft Teile des Sichtfeldes verbergen würden. Gelegentlich leidet die Übersicht zudem durch das starke Herauszoomen und oft überdecken Gegner die kleinen Spielfiguren, was das Ausweichen erschwert. Wie anfangs erwähnt, erfindet Guacamelee 2 nichts am bewährten Spielrezept neu, ihr bekämpft mit den gleichen Moves aus dem ersten Teil oft die gleichen Feinde wie aus dem ersten Teil. Das lokale Koop-Spiel macht, auch das überrascht nicht, in Guacamelee 2 ebenfalls viel Spaß, alleine ist's genauso unterhaltsam. Besser als im Vorgänger ist dieses Mal das Ende des Abenteuers gelungen - trotz einfachster Erzählung per Standbild wird einem da warm ums Herz.
Vergleicht man Guacamelee 2 nicht mit dem Erstling, sondern direkt mit der hervorragenden Konkurrenz Hollow Knight (das wir inzwischen sogar aufgewertet haben), zieht das Mexiko-Abenteuer den Kürzeren: weniger Umfang, weniger Nuancen im Kampfsystem, viel weniger Bosse. Aber die vier, die es ins Spiel geschafft haben (Calaca eingerechnet), sind immerhin schön umgesetzt und erfordern unterschiedliche Taktiken. Sollte euch Guacamelee gefallen haben, gibt es keinen Grund, bei der Fortsetzung nicht zuzugreifen. Angesichts anderer, starker Spiele in dieser speziellen Genrenische ist Guacamelee 2 aber kein Pflichtkauf.
