1998 schuf Tim Schafer ein heute noch sehenswertes und liebevoll inszeniertes Adventure, dessen Charme durch Musik und Sprecher perfekt in Szene gesetzt wird.
Manche wagen zu behaupten, die »Guten« unter uns kommen in den Himmel, den »Schlechten« steht ein eher weniger positiver Weg nach dem Tod bevor. In der sympathisch-grotesken Welt von Grim Fandango werden die Verstorbenen vom DOD (Department of Death) ins Jenseits geleitet. Zu Lebzeiten ein guter Mensch, steht den Reisenden ein Luxus-Ticket für Zug Nummer 9 zur Verfügung, der ihnen den Weg erheblich verkürzt -- auf vier Minuten, statt vier Jahre Fußweg.
Schuld und Sühne
Da Protagonist Manny wohl zu Lebzeiten kein musterhaftes Leben geführt hat, muss er seine Schuld beim DOD abarbeiten. Zu allem Übel erwischt er auch ständig die im wahrsten Sinne des Wortes »schlechtesten« Kunden, denen er nur die magersten Reisen anbieten kann. Diese Flaute verführt ihn dazu, mit gewissen Tricks seinem Kollegen Domino die Kunden wegzuschnappen. Das wiederum hat natürlich fatale Folgen: Für Meche, die fromme Dame, der eigentlich ein Nummer-9-Ticket zusteht, ist keines hinterlegt. Betrübt macht sie sich zu Fuß auf den Weg, während Manny sich eine mächtige Abfuhr für seine hinterlistigen Taten abholt.
Liebe auf den ersten Trick
Zum einen muss er seinen Auftrag zu Ende führen, um seine Schuld abzuarbeiten, zum anderen geht unserem Helden diese charmante Dame nicht mehr aus dem Kopf. Zunächst beschafft sich Manny einen Fahrer, der ihn auf seinem Weg begleiten soll. In der Garage kann er den herzensguten Glottis dazu überreden, ihn nach Rubacava zu bringen, um dort auf die bezaubernde Meche Colomar zu warten. Diesen etwas beschwerlichen Weg beschreiten die beiden als perfektes Team, auf dem der Bastler Glottis immer wieder für den benötigten und getunten fahrbaren Untersatz sorgt.
Kommt Zeit -- kommt Schiff
Ein Jahr später, das Manny sehnsüchtig mit Warten verbringt, ist aus ihm der Besitzer eines erfolgreichen Casinos geworden. Eines Tages taucht ein Schiff auf, auf dem er seine Meche entdeckt -- zu allem Übel mit seinem Kollegen Domino. Unser Held hat dabei allerdings irgendwie ein schlechtes Gefühl, er glaubt sie in Gefahr, und schippert ihr hinterher. Schicksale überschatten die Reise ans Ende der Welt: Die komplette Besatzung wird ersprossen (eine bewusste Abwandlung des Erschießens: Anstatt zu verbluten, wachsen Blumen aus den Körpern der Toten), Manny von den Jägern des DOD verfolgt und Meche von Domino festgehalten.
Traurig schön
Grafisch konnte sich Grim Fandango schon 1998 sehen lassen. Das mexikanisch angehauchte Flair spiegelt sich nicht nur in liebevoll gestalteten Schauplätzen wider, sondern auch in der wunderbar harmonischen Musik des Komponisten Peter McConnell. Jazzige Melodien und Latino-Akzente der Charaktere komplettieren den einzigartigen Charme des gesamten Spiels. Mit simpler Steuerung per Pfeiltasten koordinieren Sie Manny während der kniffligen, aber immer wieder einzigartigen Rätsel. Auch heute noch ist Grim Fandango eine Retro-Runde wert. Keinesfalls veraltet, langweilig oder abgedroschen, lohnt es sich immer wieder, dieses Abenteuer aus dem Schrank zu kramen und einzulegen!
Sara Stehlin
