Das Schadensmodell von Gran Turismo 7 ist mal wieder eine Enttäuschung
Kolumne
Gran Turismo 7 steht nach langer Wartezeit endlich in den Startlöchern. In den Reviews schneidet Sonys Rennspiel sehr gut ab und auch Redakteur Michael Grünwald zeigt sich in unserem großen GT7-Test rundum zufrieden. Eine Sache stößt ihm dann aber doch bitter auf: das wieder einmal minimalistische Schadensmodell.
Mit Gran Turismo 7 gelingt Sony und Entwicklerstudio Polyphony Digital ein riesiger Erfolg. Das ist jetzt schon abzusehen. In meiner Test-Session hatte ich großen Spaß, mit einer gewaltigen Anzahl an schicken Karren über diverse Strecken dieser Welt zu brettern. Doch eine Kleinigkeit stört mich, und zwar nicht nur in GT7, sondern auch in sämtlichen anderen Rennspielen. Warum lässt sich mein Auto in Unfällen nicht zerlegen?
Nach dem verpatzten Launch von Gran Turismo Sport und großer Kritik an der Entscheidung, nur noch in Richtung Rennsport zu gehen, haben es die Macher mit dem aktuellen Teil der Reihe geschafft, eine gute Balance zwischen Innovation und Altbewährtem zu finden. Die Rückkehr des World-Modus kann genauso überzeugen wie das neue GT Café, der rote Faden der Kampagne. Auch Autowäsche und Ölwechsel kommen für die etwas älteren Fans der Reihe zurück. Für ruhige Momente zwischendurch sorgt die Musik-Rally, die die rasante Racing-Action ein wenig entschleunigt. Doch zurück zum minimalistischen Schadensmodell. Schon immer nehmen die Autos in Gran Turismo so gut wie keinen Schaden, auch bei krachenden Unfällen.
Auf dieser Seite
Das stößt mir sehr sauer auf und zerstört ein wenig das gute Gesamtbild. Schließlich gehören Totalschäden zu einem Rennspiel wie Herumgehüpfe zu Super Mario.
Es war einmal vor langer Zeit ...
Quelle: PC Games
Das Schadensmodell von Gran Turismo 7 ist mal wieder eine Enttäuschung (2)
In Gran Turismo 7 (jetzt kaufen ) sehen die Fahrzeuge bis auf ein wenig Schmutz und die ein oder andere Delle in der Karosserie nach einem Rennen immer tadellos aus. Das war zuvor zumindest ein wenig besser: In GT5 waren die Autos beispielsweise in Premium- und Standard-Versionen unterteilt. Die Premiumwagen hatten neben einer detaillierteren Cockpit-Perspektive auch ein besseres Schadensmodell zu bieten.
Richtig zerlegt hat es meine Boliden aber auch damals nicht. Doch immerhin hingen Stoßstangen herunter, Motorhauben flogen davon und Türen klappten auf. Besser als nichts, wie ich finde. Bereits zu GT5-Zeiten scheiterten deutlich massivere Schäden nicht daran, dass die Konsole diese nicht hätte darstellen können. Schließlich zeigten PlayStation-1-Spiele wie Destruction Derby Mitte der 1990er, was schon damals möglich war. Das Dilemma hat bis heute ganz andere Ursachen.
Verklemmte Hersteller und Autonarren
Quelle: PC Games
Das Schadensmodell von Gran Turismo 7 ist mal wieder eine Enttäuschung (3)
Warum das Schadensmodell bei Gran Turismo 7 wieder recht marginal ausfällt, hat vier Gründe und die sind mal mehr, mal weniger nachvollziehbar.
Einerseits kämpft die Gaming-Branche bereits seit Jahren mit bestimmten Herstellern darum, eine gute Umsetzung von Schäden auf die Bildschirme zu bringen. Doch die mögen das nicht und sträuben sich gegen schwer beschädigte Autos ihrer Marken. Ein ramponiertes Fahrzeug könnte schließlich die Werbewirkung schmälern und Kunden vom Kauf abhalten. Diese Einschätzung ist ganz schön schwachsinnig. Es sollte jedem klar sein, dass jedes Auto in seine Einzelteile zerlegt wird, wenn es mit Karacho gegen die Wand donnert. Das hat dann ja trotzdem nichts mit minderer Qualität zu tun.
Ein weiterer Grund baut auf dieser Tatsache auf. Für manche Hersteller stellt ein voll simuliertes Schadensmodell keinerlei Probleme dar, für andere eben schon. Für ein Rennspiel, das in allererster Linie fair sein sollte, ist das natürlich weniger gut. Denn wie wollen die Entwickler solch eine Prioritäten-Spaltung lösen? Manche Autos mit Schadensmodell, andere ohne? Das wäre Quatsch und nicht im Sinne des Erfinders.
Quelle: PC Games
Das Schadensmodell von Gran Turismo 7 ist mal wieder eine Enttäuschung (4)
Bei "kleineren" Spielen mit weniger Vehikeln funktioniert das vielleicht einfacher, doch gerade die Gran-Turismo-Reihe steht für eine riesige Anzahl an lizenzierten Fahrzeugen. Wie auch bei FIFA bin ich großer Fan von Realismus und möchte die echten Marken nicht missen. Was also bedeutet, dass ich weiter in den sauren Apfel beißen und mit dem aktuellen Schadensmodell Vorlieb nehmen muss.
Der dritte Grund: Ein umfangreiches Schadensmodell ist auch einfach ein gewaltiger Programmieraufwand, schließlich muss ein solches ja für jedes einzelne Auto angepasst werden. Bei mehreren Hundert Stück kann man sich ausrechnen, was das an Zeit und Ressourcen schluckt.
Zusätzlich stehen in der GT-Reihe einige legendäre Fahrzeuge zur Verfügung, die ganz anders aufgebaut sind als moderne Autos, sodass deren realistische Umsetzung des Schadensmodells einen weiteren, riesigen Mehraufwand bedeuten würde.
Der letzte Grund ist spekulativ und Gran-Turismo-spezifisch. Der Schöpfer der Reihe und Polyphonys Direktor, Kazunori Yamauchi, ist ein absoluter Auto-Freak - und das im positivsten Sinne! In der Vergangenheit nahm der Japaner unter anderem regelmäßig selbst beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring Nordschleife teil.
Wenn ich sage, Yamauchi liebt Autos, ist das noch immer untertrieben: Er atmet quasi alles, was mit ihnen zu tun hat. Gut vorstellbar, dass er sich auch ohne Not querstellt und "seine" Fahrzeuge nicht in zerstörtem Zustand erleben möchte.
Diese vier Gründe schließen es für die nahe Zukunft beinahe komplett aus, dass Gran Turismo realistische Schäden implementieren wird, und die ersten drei Gründe gelten freilich auch für die beiden Forza-Reihen, das gerade erschienene Grid Legends und Co.
Es geht auch anders
Wie bereits gesagt, haben es Titel mit weniger Inhalt leichter. Doch selbst das offizielle Formel-1-Spiel von Codemasters und Arcade-Racer wie Grid Legends oder Forza Horizon 5 schaffen es nicht, durch ein detailliertes Schadensmodell die Immersion zu erhöhen. Immer wieder stehen die Blockade der Autohersteller, oder im Falle von F1 die FIA, also der Dachverband der Automobilclubs und Motorsport-Vereine, im Weg.
Quelle: PC Games Hardware
Das Schadensmodell von Gran Turismo 7 ist mal wieder eine Enttäuschung (5)
Was heutzutage möglich ist, zeigen Spiele, die keine lizenzierten Fahrzeuge besitzen und stattdessen auf Fantasie-Vehikel setzen. Ich zocke beispielsweise zur Abwechslung gerne Wreckfest, ein Rennspiel, das mich an den PS1-Klassiker Destruction Derby erinnert.
Da zählt nicht nur der Fahr-Skill, sondern auch das Rammen von anderen Spielerinnen und Spielern. Die Verformung der Autos ist detailgetreu dargestellt und die Wucht beim Zusammenstoß bringt derzeit kein anderer Racer so eindrucksvoll herüber.
Noch dynamischer sehen Unfälle bei der reinen Crash-Simulation BeamNG aus. Dort wird die komplette Physik der Fahrzeuge in Echtzeit berechnet. Nicht nur die Karosserie, sondern auch Räder, Federung und Motor sind darin mitinbegriffen. Für eine Racing-Simulation wie Gran Turismo erwarte ich natürlich kein Schadensmodell in diesem Ausmaß - und wenn, dann nur optional.
Schließlich legt darauf ja auch nicht jeder so viel Wert wie ich. Aber ich denke, detailliertere Schäden würden auch der Gran-Turismo-Reihe guttun und dem Rennspiel-Genre an sich. Denn wer sich Realismus an die Fahne heftet, sollte diesen Anspruch an sich selbst dann auch in allen Aspekten umsetzen.
Gran Turismo 7 für PS4/PS5 kaufen
Verfügbarkeit solange Vorrat reicht (insbesondere bei der Gran Turismo 7 25th Anniversary Edition.
- Gran Turismo 7 PS4 bei Amazon
- Gran Turismo 7 PS5 bei Amazon
- Gran Turismo 7 PS5 25th Anniversary Edition bei Amazon
- Gran Turismo 7 + PS5 Dualsense Controller Cosmic Red bei Amazon
- Gran Turismo 7 PS4 bei Saturn
- Gran Turismo 7 PS5 bei Saturn
- Gran Turismo 7 PS5 25th Anniversary Edition bei Saturn
Auch lesenswert: Gran Turismo 7 "gratis" - nur noch für kurze Zeit
Massig Top-Angebote findet ihr in unseren täglich aktualisierten Daily Deals: Grafikkarte, Mainboard, Gaming-Monitor, Gaming-Maus, Gaming-Stuhl, Fernseher, Spiele-Highlights und viele weitere Produkte für PC- und Konsolenspieler von Amazon, Media Markt und Co. zu oft stark reduzierten Preisen.
