Für Fans ist Gothic Kult - für Embracer aber offenbar keine Premium-Marke

Kolumne Dominik Pache
Für Fans ist Gothic Kult - für Embracer aber offenbar keine Premium-Marke
Quelle: THQ Nordic

Kurz vor dem Release des Gothic 1 Remake sortiert Embracer seine wichtigsten Marken neu. Ausgerechnet Gothic steht nicht im Premium-Schaufenster - und muss seinen Status jetzt neu beweisen.

Das Timing ist brutal. In wenigen Tagen soll das Remake vom ersten Gothic erscheinen und ausgerechnet jetzt sortiert Embracer seine Zukunft neu. THQ Nordic hat den Release für den 5. Juni 2026 auf PC, PS5 und Xbox Series X|S angekündigt. Und während viele deutsche Rollenspiel-Fans auf die Rückkehr einer der wichtigsten PC-RPG-Marken überhaupt warten, sendet der Mutterkonzern eine unbequeme Botschaft: Gothic gehört offenbar nicht zu den Marken, mit denen Embracer seine große Zukunft erzählen will.

Das ist nicht offiziell so formuliert. Embracer schreibt nicht: "Gothic ist keine Premium-Marke." So einfach macht es uns der Konzern nicht. Aber die neue Sortierung spricht trotzdem eine klare Sprache.

In Fellowship Entertainment bündelt Embracer künftig die Marken, die international am stärksten strahlen sollen: Tomb Raider, Der Herr der Ringe, Kingdom Come: Deliverance, Metro, Dead Island, Darksiders und Remnant. Das sind Marken, die sich nicht nur als Spiele verkaufen lassen, sondern als große IPs: mit AAA-Potenzial, Lizenzgeschäft, möglichen Serien, Filmen, Comics, Merchandise und einer klaren Story für Investoren. Schon 2025 beschrieb Embracer Fellowship als Gruppe mit Spieleentwicklung und Publishing im Kern, ergänzt um Transmedia-Fähigkeiten bei IP-Licensing, Comics, Merchandise, Film und Distribution.

Ein Schaufenster also für Marken, die Embracer besonders hervorheben möchte. Gothic steht nicht in diesem Schaufenster.

Gothic wird in Embracers neuer Konzernlogik nicht Fellowship Entertainment zugeordnet, sondern dem verbleibenden Embracer-Segment - zusammen mit Marken wie Titan Quest, Wreckfest, Destroy All Humans, Biomutant oder Alone in the Dark. Das ist jetzt keine Ramschkiste, aber es ist eine ganz andere Kategorie.

Für viele Spieler in Deutschland ist Gothic aber eben nicht irgendein alter Name im Katalog der Spiele die es nicht in den "Premium-Bereich" des Unternehmens geschafft haben. Viele Spieler wurden mit Gothic sozialisiert. Es ist rau, magisch und sofort wiedererkennbar. Es hat etwas, was vielen modernen Rollenspielen heute fehlt: eine Identität. Die war aber auch nie besonders elegant. Und blickt man über den deutschen (und polnischen/tschechischen) Horizont hinaus, war sie auch etwas anderes nie: massenkompatibel.

THQ Nordic vermarktet das auch genau so. In der offiziellen Release-Ankündigung spricht der Publisher von der "raw, unforgettable magic" des Originals, von rauer Sprache, dreckiger Atmosphäre und dem Außenseitergefühl des namenlosen Helden. Das ist genau die richtige Ansprache für Gothic-Fans. Aber auf Konzern-Ebene reicht diese emotionale Kraft offenbar nicht, um Gothic neben Tomb Raider, Herr der Ringe, Kingdom Come oder Metro zu stellen.

Und jetzt? Die harte Erkenntnis ist: Gothic muss seinen Status neu beweisen. Nicht gegenüber den Fans. Dort hat Gothic seinen Kultstatus längst. Sondern gegenüber einem Konzern, der nach Jahren der Übernahmen, Entlassungen, Abschreibungen und Umstrukturierungen brutaler rechnet als früher. Und in dieser neuen Welt zählt nicht nur, ob eine Marke geliebt wird. Es zählt, ob sie international genug ist. Skalierbar. Lizenzierbar. Wiederholbar.

Das Remake steht damit unter einem größeren Druck, als es ohnehin schon hatte. Es muss nicht nur ein gutes Remake werden. Es muss beweisen, dass Gothic mehr ist als Nostalgie für deutsche PC-Spieler, Polen, Tschechen und ein paar hartgesottene Rollenspiel-Fans. Es muss zeigen, dass diese alte, unbequeme, sperrige Marke auch 2026 noch international verkauft werden kann. Dass sie nicht nur im Rückblick groß wirkt, sondern im heutigen Markt bestehen kann.

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Wenn das Gothic Remake (jetzt kaufen / 49,99 € ) scheitert, wird Embracers Sortierung im Nachhinein wie eine Bestätigung wirken. Dann war Gothic eben doch vor allem ein nostalgischer Name. Stark in Erinnerung, schwach im Markt.

Wenn das Remake aber einschlägt, wird es spannend. Dann hätte Gothic bewiesen, dass Embracer die Marke vielleicht unterschätzt hat. Dann wäre Gothic nicht nur ein Kultklassiker, sondern wieder ein lebendiges RPG-Franchise mit kommerziellem Gewicht. Dann müsste man neu fragen, warum Kingdom Come als Premium-Marke gilt, Gothic aber nicht.

Für Fans ist Gothic Kult. Für Embracer ist Gothic offenbar keine Premium-Marke. Noch nicht.

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