Going Medieval in der Vorschau: Aufbau-Simulation im alternativen Mittelalter

Special Stefanie Hartwich Lukas Schmid 25,49 €
Going Medieval in der Vorschau: Aufbau-Simulation im alternativen Mittelalter
Quelle: Foxy Voxel

In Going Medieval werden Spieler in ein alternatives Mittelalter versetzt. Der Schwarze Tod hat 95 Prozent der Menschheit ausgelöscht. Nun brauchen die Überlebenden jemanden, der ihnen ein sicheres Zuhause geben kann - nämlich euch. Und diese Aufgabe übernehmen wir natürlich gerne. Wir haben die Beta des Spiels unter die Lupe genommen und verraten euch in unserer Vorschau, ob sich das Im-Auge-Behalten lohnt.

Mit Going Medieval reiht sich ein weiteres Indie-Game in die Reihen der 3D-Aufbau-Simulationen ein. Aber was macht das Spiel des serbischen Entwicklers Foxy Voxel so besonders? Ganz einfach: In dieser Simulation befinden wir uns in einem alternativen Mittelalter. Die Pest hat in der Realität 25 Millionen Menschenleben gekostet. Was wäre, wenn die Pest aber fast das Ende der gesamten Menschheit bedeutet hätte? In der fiktiven Geschichtsschreibung von Going Medieval sind satte 95 Prozent der Menschheit an der Pest gestorben.

Die Überlebenden müssen angeführt werden, damit der Tod sie nicht doch noch durch Verhungern, Erfrieren oder tödliche Auseinandersetzungen mit Tieren oder anderen Menschen ereilt. Das sollten wir im fertigen Spiel und in der geschlossenen Beta, die wir ausprobieren konnten, verhindern.

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Die ersten Schritte zum Überleben sind gestalterischer und menschlicher Natur

Wir beginnen zunächst mit der Gestaltung unseres Wappens und der Namensgebung. Quelle: PC Games Wir beginnen zunächst mit der Gestaltung unseres Wappens und der Namensgebung. Zunächst darf man sich einen Namen für seine Siedlung aussuchen und das Wappen gestalten. Für letzteres sind ausreichend Möglichkeiten vorhanden. Katze, Hund, Sonne, Kreuz ... Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Map-Typ und die Kartengröße lassen sich hier ändern, in der Beta-Version ist bisher aber nur das Tal in einer vorgegebenen Größe anwählbar. Bezüglich der Spielmodi kann zwischen Standard- und Builder-Modus, wobei inhaltlich bisher keine Unterschiede aufgefallen sind, ausgewählt werden. Will man sich mit der Namensgebung und der Wappengestaltung nicht großartig aufhalten, gibt das Spiel wahlweise Wappen und Namen auch vor. Nachdem die Vorarbeit erledigt ist, werden die Bewohner vorgestellt. Davon gibt es anfangs drei, die Anzahl wird sich jedoch im Laufe des Spiels erhöhen.

Die Menschen unterscheiden sich bezüglich Alter, Gewicht, Größe, Vorgeschichte (nicht zu viel erwarten) und des Maßes an Religiösität und Sozialverhalten. Auch verschiedene Skills zeichnen unsere Pest-Überlebenden aus. Vom Umgang mit Tieren bis zur Schneiderfähigkeit gibt es hier alles, was das Simulationsherz begehrt. Allerdings sind die Möglichkeiten, die Skills der einzelnen Bewohner abzuändern, sehr begrenzt. Ist man unzufrieden, kann man den Bewohner während der Auswahlphase jedoch durch einen anderen, per Zufall generierten, Menschen ersetzen. Will man den vorherigen Bewohner zurückhaben, hat man Pech gehabt. Sobald die glücklichen Bewohner auserkoren wurden, darf man direkt loslegen.

Arbeitet, meine Untertanen!

Der Aufbau von Gebäuden geht ziemlich zügig voran - wenn man die Geschwindigkeit hochschraubt. Quelle: PC Games Der Aufbau von Gebäuden geht ziemlich zügig voran - wenn man die Geschwindigkeit hochschraubt. Mitten in der Pampa wird man mit dem Fußvolk und einer begrenzten Anzahl an Ressourcen abgesetzt. Das Tutorial führt einen durch die wichtigsten Punkte, die zum Erbauen einer Hütte für die hilflosen Schützlinge vonnöten sind. Zunächst ist es sinnvoll, ein Lagerbereich abzustecken, an dem Ressourcen untergebracht werden. Es ergibt auch Sinn, eine Müllhalde zu bestimmen, damit Unbrauchbares nicht Platz im Lager belegt. Um eure erste Hütte zu bauen, wird Holz benötigt. Dafür müssen einige Bäume dran glauben. In der rechten unteren Ecke befinden sich mehrere Buttons mit Befehlen, dazu gehört auch das Fällen von Bäumen. Nach der richtigen Auswahl zieht man mit der Maus einfach über den ausgesuchten Wald. Mit dieser Zieh-Technik können viele Dinge in Going Medieval ausgeführt werden. Leider streikt die Funktion ab und an, im fertigen Spiel wird das hoffentlich nicht der Fall sein.

Die Bewohner beginnen meist direkt mit dem Abholzen, da sie derzeit noch wenig zu tun haben. Das ändert sich aber schnell. Setzt man die ersten Wände der Hütten, starten die Überlebenden den Aufbau. Das geht auch relativ schnell vonstatten. Nervig ist die Dachplatzierung, da Teile des Daches regelmäßig einfach nicht gebaut werden. Das ist wohl ein Bug und nervt ganz schön. Im Frühling und Sommer ist es weniger dramatisch, wenn die Anwohner unter dem Sternenhimmel einschlafen, im Herbst und Winter kann das aber zum Kältetod führen. Das Abbauen von gesetzten Wänden, Böden, Dächern und Möbeln ist etwas umständlich, da diese nicht einfach abgerissen oder verschoben werden können. Gerade bei den Möbeln wäre eine Umplatzierungsfunktion einfacher gewesen. Anstatt etwa einen kleinen Hocker einfach umstellen zu können, müssen wir ihn tatsächlich in seine Einzelteile zerlegen und an anderer Stelle wieder neu zusammenschustern. Mit Effizienz hatte man es im Mittelalter offenbar nicht so.

Und was machen wir jetzt?

Das Anbauen von Gemüse und Weizen ist wichtig, damit die Bevölkerung des noch kleinen Dorfes etwas zu essen hat. Denn hungrige Bewohner sind unglückliche Bewohner, die im schlimmsten Fall einem qualvollen Hungertod sterben oder abhauen. Letzteres kam bei unserem Anspielen nicht vor, das bedeutet wiederum aber, dass sie regelmäßig verhungert sind.

Hat man die Siedlung soweit eingerichtet, tritt Langeweile bei den Siedlern auf. Wer will denn auch schon einen freien Tag im Jahr haben! Daher müssen halbwegs sinnvolle Aufgaben gefunden werden. So ist auch das Ausgraben eines Kellers eine wertvolle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nur sollte man aufpassen, dass die Buddler sich nicht selbst von der Zivilisation abschneiden. Schnell ist das Gebiet um sie herum freigeschaufelt und sie stehen dann ganz schön verloren da. Ein Entkommen ist ohne fremde Hilfe nicht möglich. Also werden Stützen mit einem Bodenbelag oben drauf aufgestellt, denn sonst stirbt die Person.

Es fehlt an Gemeinschaft

Was hat uns die The-Walking-Dead-Serie (und vermutlich jede andere Survivalserie) beigebracht? Richtig, ohne Gemeinschaft geht nix. Obwohl es bei Going Medieval (jetzt kaufen 25,49 € ) um den Restbestand der Weltbevölkerung geht und eigentlich alle an einem Strang ziehen sollten, ist das Wort Gemeinschaft leider aber eher fehl am Platz. Die Bewohner sind relative Eigenbrötler, das merkt man auch beim Essen. Jeder Anwohner macht dabei sein eigenes Ding und die Bewohner speisen so gut wie nie zusammen. Ein Hauch von Gemeinschaft bekommen wir dann eher beim Konstruieren und Verteidigen der Anlage.

Mithilfe der Job-Funktion können die Präferenzen der Bewohner gesetzt werden. Das garantiert jedoch nicht unbedingt das Erledigen der Aufgaben. Quelle: PC Games Mithilfe der Job-Funktion können die Präferenzen der Bewohner gesetzt werden. Das garantiert jedoch nicht unbedingt das Erledigen der Aufgaben. Übermäßig viel zu managen gibt es nicht. Wenn eine Aufgabe jedoch zu lange auf sich warten lässt oder bestimmte Dinge von ausgewählten Bewohnern erledigt werden sollen, ist der Reiter "Jobs" genau der Richtige. Denn hier teilt man (wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig) den Bewohnern die richtigen Aufgaben zu, indem man ihnen einen Wert zuschreibt. So hat man die Auswahl zwischen "keine Priorität" bis zu "extreme Priorität". Dadurch tendieren die Siedler eher dazu, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Eine Garantie der Erledigung ist das bisher aber leider nicht. So ist es bei unserem Anspielen häufig passiert, dass die Anwohner sich gelangweilt haben, obwohl noch etwas zu erledigen war.

Nichts geht über einen Kampf

Die Bewohner sollten bewaffnet sein, wobei die, die im Jagen gut sind, bestenfalls eine Armbrust oder ein Bogen in die Hand gedrückt kriegen. Denn Bambi und Klopfer lassen sich schlecht mit dem Schwert jagen. Das Fleisch wird zum Essen benötigt, das Leder für das Herstellen von Kleidung und Rüstung genutzt.

Zwischendurch kommen Angreifer vorbei, die meist einen von uns aufgenommenen Bewohner entführen wollen. Quelle: PC Games Zwischendurch kommen Angreifer vorbei, die meist einen von uns aufgenommenen Bewohner entführen wollen. Die Bewaffnung bezieht sich nicht nur auf das Jagen von Tieren. Im Drei- bis Vier-Tages-Rhythmus werden Zufallsereignisse ausgelöst. Diese beschränken sich in der Beta bisher darauf, dass ein möglicher neuer Mitbewohner auftaucht oder ein Kampf angedroht wird. Zu den Gefechten kommt es meist aufgrund von Personen, die noch relativ neu zu eurem Lager hinzugestoßen sind. Der oder die neue Mitbewohnerin ist meist auf der Flucht vor bösen Kannibalen oder Ähnlichem. Und die wollen natürlich nicht auf ihr Essen verzichten. Das Kampfsystem fühlt sich noch ein wenig rudimentär an. Die Bewohner müssen zum Kampf aufgerufen werden. Mit der rechten Maustaste können die nun kampfbereiten Dörfler zu einem bestimmten Ort geschickt werden. Mit dem Angriffsbefehl greifen sie nur eine Person an, nach Knockdown suchen sie sich meist einen weiteren Gegner aus. Sollte einer der Anwohner oder Angreifer zu viel Schaden genommen haben, wird die entsprechende Person zunächst bewusstlos. Die Bewohner stehen nach einer gewissen Zeit wieder aber auf oder werden von ihren Mitbewohnern ins Bett verfrachtet. Bei den kampflustigen Angreifern sieht das anders aus. Gehen diese besiegt am Boden, ist eine Aufnahme in das Camp nicht möglich, sie liegen stattdessen einfach viele virtuelle Stunden lang rum, bevor sie irgendwann den Löffel abgeben. Alternativ das Leid der Angreifer zu beenden, ist ziemlich umständlich, denn man muss jeden einzelnen Schlag mit dem Angriffsbefehl ausführen. Belohnt wird man dafür aber mit der Rüstung und Bewaffnung der Feinde.

Winter is coming

In der Beta tauchen noch Fehler auf. Gravierende Mangel wönnen an das Entwicklerteam weitergeleitet werden. Quelle: PC Games In der Beta tauchen noch Fehler auf. Gravierende Mangel wönnen an das Entwicklerteam weitergeleitet werden. Nicht nur im realen Leben merken wir so langsam aber sicher den Jahreszeitenwechsel. Das gilt auch für das Dörfchen in Going Medieval. Hat man in der warmen Jahreszeit kaum Schwierigkeiten, mit den Gefahren klarzukommen, die einem das Spiel in den Weg wirft, ändert sich das spätestens mit Einbruch des Winters. Die Bevölkerung beschwert sich, dass es zu kalt sei, obwohl sie die Winterklamotten tragen. Die Essensrationen werden knapp, es empfiehlt sich daher, rechtzeitig ein Lager zu erstellen, in dem Lebensmittel für den Winter bereitgestellt werden. In einer unserer Spielrunden ergab sich das Problem, dass selbst das Jagen keine Essensvorräte mehr hervorbrachte. Dadurch starb die gesamte Bevölkerung und wir befanden uns alleine und ohne weitere Aufgaben auf der Karte. Auch das war natürlich ein Bug, jedoch einer, der ordentlich an der Motivation zehrte, weiterzuspielen. Es bleibt die Hoffnung, dass bis zu einem möglichen Early Access oder gar der Veröffentlichung des Spiels alle Makel behoben worden sind.

Hat das Ding überhaupt 'ne Story?

Obwohl Going Medieval eine spannende Prämisse hat, nutzt das Spiel die interessante Idee anschließend erzählerlich kaum. Nur der anfängliche Ladebildschirm weißt auf das alternative Storysetting hin, danach kommt es nicht mehr zur Sprache. Plünderer und Kannibalen reichen nicht aus, um ein Dystopie-Feeling hervorzurufen. Bei der Story sollten die Entwickler etwas nachlegen und diese fokussierter in das Gameplay einbringen. Das könnte zum Beispiel durch Pestausbrüche, die durch neue Bewohner eingeschleppt wird, geschehen.

Going Medieval soll laut den Entwicklern deutlich komplexer werden, als es in der Beta der Fall ist. Es sind weitere Inhalte in Planung, darunter komplexere Fraktions-, Handels- und Beziehungssysteme. Es bleibt also spannend, ob der Titel schlussendlich mit Rimworld mithalten kann, mit dme es oft verglichen wird. Wann Going Medieval vollumfänglich erscheinen und ob es für alle offen im Early Access verfügbar und spielbar wird, ist noch nicht bekannt.

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