Godfall: Die Blechritter der Kokosnuss - buntes Gekloppe mit seichter Story

Test Michael Grünwald
Godfall: Die Blechritter der Kokosnuss - buntes Gekloppe mit seichter Story
Quelle: PC Games

Am 12. November erschien Godfall für den PC und pünktlich zum Release der Playstation 5 auch konsolenexklusiv auf Sonys neuestem Flaggschiff. Der "Looter-Slasher", wie das Entwicklerstudio Counterplay Games seinen Titel selbst getauft hat, erinnert an eine Mischung aus Diablo und God of War. Eine Story und Innovationen fehlen dabei allerdings beinahe komplett. Warum Godfall dennoch Spaß macht, erfahrt ihr in unserem Test.

Godfall wurde als allererster Titel konsolenexklusiv für die Playstation 5 angekündigt. Bereits in frühen bewegten Bildern konnte man das Grafikpotenzial des Third-Person-Rollenspiels erkennen. Ein positiver Punkt gleich vorab: Godfall sieht auch in der finalen Version auf dem PC außerordentlich gut aus. Wir haben diese Version für euch getestet und verraten, ob das Spiel noch andere Stärken besitzt oder die Schwächen überwiegen.

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Mit knallbunter Optik, massig Partikeleffekten, Reflektionen auf Schwertern, Böden und sämtlichen anderen Gegenständen setzt der Titel definitiv grafische Glanzpunkte. Dazu kommen wunderschöne Hintergrundlandschaften in den drei spielbaren Welten. Bis auf wenige, wirklich sehr kurze Ruckler läuft Godfall einwandfrei mit über 100fps. Rein optisch bieten die drei Gebiete (Erdreich, Wasserreich, Luftreich) durchaus Abwechslung, doch die Probleme fangen schon in den jeweiligen Abschnitten an: Hier schöpft das Entwicklerstudio nämlich bei Weitem nicht das Potenzial aus, dass der Titel bieten könnte. Zu häufig und einförmig müssen wir uns einen Weg durch generische Gegnergruppen kämpfen.

Von Insekten-ähnlichen Wesen über klassische Nah- und Fernkämpfer bis hin zu verchromten Blechraubtieren a la Horizon: Zero Dawn hatten wir bei jedem Feind das Gefühl, wir hätten ihn in anderen Spielen schon einmal oder sogar mehrfach gesehen. Zwar gibt es sammelbare Kodex-Einträge, die ein wenig auf die Geschichte der Kreaturen eingehen, doch Godfall verpasst es hier komplett, sich von anderen Spielen des Genres zu unterscheiden. Natürlich befinden wir uns in einer Fantasy-Welt, in der nicht immer alles Sinn ergeben muss, doch die Kreaturen und Wesen, gegen die wir antreten, wirken derart zusammenhangslos in die Spielwelt platziert, dass die Frage nach dem "Warum?" beim Durchspielen häufiger aufkam. Ein wenig mehr Hintergrundgeschichte hätte dem Spiel sicher gutgetan und wäre vielleicht sogar interessant gewesen. Das Sanktum. Hier bekommt ihr nicht nur Infos zu den nächsten Missionen, sondern ihr könnt auch Rüstungen freischalten und eure Ausrüstung verbessern. Quelle: PC Games Das Sanktum. Hier bekommt ihr nicht nur Infos zu den nächsten Missionen, sondern ihr könnt auch Rüstungen freischalten und eure Ausrüstung verbessern.

Zoff unter Blechbrüdern

Da es gerade schon um ein wenig Geschichte ging und die Betonung liegt eindeutig auf "wenig", kommen wir zum Hauptproblem des Spiels. Die Story ist quasi in einem Dreizeiler zusammengefasst: Wir schlüpfen in Godfall in die Rolle des Valorianer Orin, einem halbgöttlichen Krieger in Chromrüstung. In einer schicken Eröffnungssequenz sehen wir, wie unser Held einen Kampf gegen seinen von Macht besessenen Bruder Macros verliert und beinahe stirbt. Ab diesem Zeitpunkt schwört Orin auf Rache. Wer in dem ca. 20-25-stündigen Abenteuer erwartet, dass die Story tiefgründiger auf Charaktere oder Spielwelt eingeht, der wird schnell enttäuscht. Nach jeder absolvierten Mission kommen wir in das Sanktum - unsere Basis. Dort befindet sich zum einen das Siebte Sanktum, eine Art Orakel, das Orin die nächsten Aufträge mitteilt und zum anderen ein gesichtsloser Waffenschmied, der...nun ja, einfach nur anwesend ist und hin und wieder ein paar schlaue Worte zum Besten gibt. Außerdem könnt ihr im Sanktum zwischen den Missionen neue Rüstungen freischalten. Jede der zwölf Valorkürass, so werden die Rüstungen in Godfall genannt, hat eigene Vorteile. Eine Klasse bietet beispielsweise eine höhere Chance auf Vergiftung, während eine andere den Feuerschaden in die Höhe treibt. Abgesehen davon, dass man an dieser Stelle erneut umsonst auf Innovationen wartet, bemerkt man die unterschiedlichen Elementschäden im Kampf nur marginal. Auf keinem der drei Schwierigkeitsgrade hatten wir beim Durchspielen mit den verschiedenen Rüstungen große bemerkbare Vor- oder Nachteile. Die Kämpfe gegen die Levelbosse zählen zu den Highlights in Godfall. Solaris hat beispielsweise die eine oder andere feurige Überraschung für euch parat. Quelle: PC Games Die Kämpfe gegen die Levelbosse zählen zu den Highlights in Godfall. Solaris hat beispielsweise die eine oder andere feurige Überraschung für euch parat.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Wie bereits gesagt bezeichnet sich das Spiel als "Looter-Slasher". Genau bei diesem Punkt kann Godfall auch überzeugen. Das Kampfsystem funktioniert hervorragend und selbst nach 20 Stunden Spielzeit macht es immer noch extrem viel Spaß mit dem Schwert voran in diverse Gegnergruppierungen zu springen. Hauptaugenmerk liegt dabei klar in der Offensive. Und hier unterscheidet sich Godfall endlich von vielen anderen Titeln des Genres. Natürlich müssen wir dennoch hin und wieder unseren Schild zum Blocken benutzen oder mit einem gekonnten Rutschen im letzten Moment ausweichen. Doch das Austeilen von Hieben steht deutlich im Vordergrund. Fünf verschiedene Waffengattungen stehen uns dabei zur Verfügung: Doppelklingen und Langschwerter bieten schnelle Aktionen, während Kriegshämmer, Stangenwaffen und Großschwerter eher für die nötige Durchschlagskraft sorgen. Trotz der mächtigen Werkzeuge stellen euch eure Widersacher immer wieder vor große Herausforderungen.

Zum einen können manche Kreaturen ordentlich einstecken, zum anderen befinden sich zwischendurch Gegner mit Heilungsfähigkeiten unter den Feinden. Highlights sind außerdem die Kämpfe gegen diverse Minibosse und Level-Endgegner. Diese sind gut inszeniert, abwechslungsreich und enden meistens in einem wunderschönen Partikeleffekt-Feuerwerk. Sollte Orin einmal das Zeitliche segnen, bietet euch das Spiel auf dem leichten und mittleren Schwierigkeitsgrad faire Respawnpunkte, ohne Verlust des Fortschritts in Bosskämpfen. Es kam jedoch mehrmals nach unserem Ableben vor, dass sich die Gesundheitsleiste der Endgegner beim erneuten Aufeinandertreffen wie von Geisterhand regenerierte und wir wieder von vorne anfangen mussten. Auf der schwierigsten Stufe gilt die Mission dagegen nach dem dritten Tod als gescheitert und man startet im Sanktum auf ein Neues. Was da wohl drinnen ist? Beute gibt es nicht nur von besiegten Feinden, sondern auch aus zahlreichen Kisten, die in der Spielwelt herumstehen. Quelle: PC Games Was da wohl drinnen ist? Beute gibt es nicht nur von besiegten Feinden, sondern auch aus zahlreichen Kisten, die in der Spielwelt herumstehen.

Ein bisschen Loot, tut immer gut

Wie es sich für einen "Looter-Slasher" gehört, darf natürlich auch die Beute nicht zu kurz kommen. Wir bekommen sowohl von besiegten Feinden, als auch aus geöffneten Truhen allerhand Nützliches oder aber auch viel Unnützes. Vor allem, wenn wir in alte Gebiete zurückkehren, um genug Siegel für neue Missionen zu sammeln, wird der Inventar mit unbrauchbaren Dingen überflutet. Glücklicherweise geizt Godfall (jetzt kaufen 19,99 € ) aber auch nicht mit Der sehr umfangreiche Skilltree hält euch zum einen bei Laune und zum anderen wirken sich die Fähigkeiten auch auf den Spielstil aus. Quelle: PC Games Der sehr umfangreiche Skilltree hält euch zum einen bei Laune und zum anderen wirken sich die Fähigkeiten auch auf den Spielstil aus. seltenen oder legendären Gegenständen. Denn sind wir doch mal ehrlich, freuen wir uns nicht alle, wenn ein goldenes Schimmern in unserem Bildschirm zu sehen ist? Mit Orin könnt ihr neben Waffen noch Lebenssteine, Ringe, Glücksbringer, Amulette und Banner sammeln, die allesamt eure drei Hauptattribute, Macht, Vitalität und Geist erhöhen. Durch das Verwerten von älteren Gegenständen könnt ihr außerdem die neueren und besseren Items in der Waffenschmiede des Sanktums aufwerten und verzaubern. Außerdem sorgt ein riesiger Fähigkeitenbaum mit 25 Kategorien, die ihr jeweils noch fünfmal intern aufbessern könnt, für die nötige Unterstützung. Im Übrigen funktioniert Godfall auch einwandfrei im Mehrspieler-Modus mit bis zu zwei Freunden. Richtiges Teamplay kommt hierbei allerdings nicht auf, da das Spiel nicht einmal ein Wiederbelebungsfeature besitzt. Stattdessen spawnt ihr nach dem Ableben gleich nebenan auf ein Neues. Unterhaltung bietet die gemeinsame Schwert-Action dennoch.

Meinung

Wertung zu Godfall (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Grandiose GrafikKämpfe, die fordern und dennoch Laune machenWaffenklassen, die sich spürbar unterscheidenLoot und Fähigkeiten verändern den Spielstilpackende und toll präsentierte Bosskämpfe
extrem fade Rachestorykaum eigene Ideengenerische 0815-GegnerCharakterklassen, die sich zu wenig bemerkbar machen
Fazit

Wunderschöne Grafik, packende Kämpfe und doch nur ein 0815-Spiel

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