Die Götter (und Sony) müssen verrückt sein: Ein Jahr nach dem eigentlichen Europastart erscheint das Sandalenspektakel doch noch in Deutschland!
G öttlich gutes Sandalenepos mit Hochglanz-Präsentation und coolen Rätseln -- ein sagenhafter Spaß." So bejubelten wir in unserem Vorschaubericht die fertige U.S.-Version von "God of War" -- im Mai 2005! Ellenlange zwölf Monate später kommt der PS2-Hit endlich auch in die deutschen Läden. Und trotz der massiven Verspätung verlangt Sony volle 60 Euro für das Spiel.Eigentlich der reinste Hohn, denn im Rest von Europa wird schon die gerade mal 25 Euro (!) teure Platinum-Edition verhökert -- die bereits komplett eingedeutscht ist!
drama aus der antike
Das war's dann aber auch schon mit dem Gemeckere, ansonsten gibt's an "God of War" nämlich kaum etwas auszusetzen -- das Spiel ist nahe an der Perfektion! Dementsprechend beschränkt sich auch die Handlung nicht (wie sonst im Genre üblich) auf die müde Standardformel "Guter Mann gegen gemeinen Bösewicht". Stattdessen müssen Sie mit ansehen, wie Kratos (so heißt der ... äh ... "Held" des Spiels) übelste Schandtaten begeht, ohne dabei mit der Glatze zu zucken. Dass man dennoch mitfiebert und beim Zocken keine Gewissensbisse hat, liegt an der Erzählweise von "God of War". Beginnend mit Kratos' Selbstmord (!), wirft Ihnen das Spiel nach und nach erhellende Storybrocken hin, die schließlich in ein furioses Finale münden.
Weil eine packende Geschichte aber noch lange kein packendes Videospiel macht, brennen die Entwickler auch bei den Kämpfen ein Feuerwerk der Extraklasse ab. Zwei Klingen, die mit Ketten an seinen Unterarmen befestigt sind, dienen Ihrem Muskelberg als Waffen: Durch simples Knöpfchengedrücke entlo- cken Sie dem messerscharfen Duo wahnwitzige Kombo-Attacken und schlagen so das vielköpfige Monstergesindel in die Flucht. Der Clou an der blitzschnellen Schnetzelei: Dank der intuitiven Kontrollen findet jeder seinen persönlichen Kampfstil -- ob nun Einsteiger oder Genre-Experte.
Wenn dickere Biester wie beispielsweise Zyklopen auf der Bildfläche erscheinen, heißt's Ruhe bewahren und auf die eingeblendeten Symbole achten: Nur wer die blinkenden Tasten nachdrückt, wird mit ebenso sehenswerten wie brutalen "Ich geb' dir den Rest"-Manövern belohnt. Was richtige Bosskämpfe angeht, zeigt sich "God of War" unterdessen etwas knauserig. Die gerade mal drei Giganto-Gefechte sind zwar enorm unterhaltsam, aber ein paar mehr dieser toll inszenierten Höhepunkte hätten's schon sein dürfen.
kriegerische Kopfnuss
Keinen Anlass zur Kritik bieten hingegen die geschickt in den Spielrhythmus eingebundenen Rätseleinlagen: Von simplen Kistenschiebereien über Schalterpuzzles bis hin zu komplexen Maschinen reicht das Hirnschmalz-Sortiment. Lobenswert: Keine der Denkpassagen wirkt aufgesetzt oder deplaziert. Stets hat man das Gefühl, dass die jeweilige Aufgabe in den mythologischen Kontext passt.
Nach dem Durchspielen (auf dem normalen Schwierigkeitsgrad dauert das ungefähr zehn Stunden) wartet ein ganzes Arsenal an freischaltbaren Extras auf Sie: So präsentiert das Entwicklerteam unter anderem Levels, die es aus Qualitätsgründen nicht in die fertige Fassung geschafft haben. Netterweise wurden sämtliche Bonusfilmchen deutsch synchronisiert, Ihnen entgeht also kein Detail. Überhaupt kann sich der PAL-Silberling hören lassen: Die Sprecher sind toll, und bis auf eine Winzigkeit wurden keine Zensurschnitte vorgenommen. Das bedeutet allerdings auch, dass "God of War" keinesfalls in Kinderhände gehört!tk n
