Ghost of a Tale im Test: Abenteuer mit Charme und Maus - jetzt auch für Switch

Test Svenja Klausing Felix Schütz 1,84 €
Ghost of a Tale im Test: Abenteuer mit Charme und Maus - jetzt auch für Switch
Quelle: PC Games

In der Haut von Bardenmaus Tilo erkunden wir Fantasy-Burg Dieruin, die von Ratten bevölkert ist. Auf der Suche nach Tilos Frau erledigen wir dabei allerlei Sammelaufgaben, flüchten vor feindlichen Wachen und erfreuen uns an den detailreichen Umgebungen. Ob das für ein fesselndes Abenteuer reicht, erfahrt ihr in unserem Review zu Ghost of a Tale. Update: Jetzt auch mit Switch-Wertung.

Vorhang auf für Tilo, den wohl niedlichsten Helden des Jahres: Im Schleich-Abenteuer Ghost of a Tale (jetzt kaufen 1,84 € ) entdecken wir als putzige Maus eine märchenhafte, von Ratten regierte Mittelalterwelt. Eine tolle Idee, in der fünf Jahre harte Entwicklungszeit stecken! Das Indie-Abenteuer wurde zum Teil durch die Crowdfounding-Plattform Indiegogo finanziert und am 13. März für PC veröffentlicht. Kopf des Entwicklerteams SeithCG ist Lionel Gallat, der bereits als Animation Director bei Trickfilmen wie Ich - Einfach Unverbesserlich (2010) beteiligt war. Ghost of a Tale ist zwar sein erstes Videospiel, doch sein Talent für schöne Animationen sieht dem Protagonisten sofort an: Die Bardenmaus Tilo ist herzallerliebst animiert und einer der niedlichsten Spiele-Figuren, die seit langer Zeit über unseren Bildschirm gehuscht ist! Seine großen Ohren wackeln bei jeder Bewegung hin und her und die charmanten Kulleraugen bringen auch Hartgesottene zum Schwärmen. Aber kann das Gameplay da mithalten? Im Review zu Ghost of a Tale prüfen wir, wie gut sich das Erstlingswerk von SeithCG schlägt.

Update: Mittlerweile ist das Spiel auch für PS4, Xbox One und Switch erhältlich. Die Switch-Eindrücke findet ihr weiter unten.

Ghost of a Tale im Test: Kleine Maus, großes Abenteuer

Zu Beginn erwacht unser Mäuserich in einem dunklen Verlies, aus dem er natürlich sofort ausbricht, um sich auf die Suche nach seiner Frau Merra zu machen, die unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Für die nächsten 12 bis 15 Spielstunden steuert ihr Tilo aus der Third-Person-Perspektive durch eine wunderschöne mittelalterliche Burg, die nur von tierischen Bewohnern bevölkert ist. Sorgfältiges Erkunden und das Sammeln von Hinweisen stehen dabei im Fokus des Spiels. Bei der Suche nach Merra unterstützten euch nur wenige, aber gut geschriebene tierische NPCs, die euch Aufträge erteilen und Hinweise geben. Im Laufe der eher düsteren Geschichte treffen wir aber auch auf feindselige Tierwesen, wie gruseligen Spinnen oder Blutegel, die sich aber kinderleicht umgehen lassen. Eine weit größere Gefahr geht von den bewaffneten Ratten-Wächtern aus, die auf den Gängen der Burg patrouillieren und die uns mit ihren Speerhieben schnell ins Jenseits befördern!
Auf der Flucht: Wenn die Ratten-Soldaten uns entdecken, dann müssen wir die Beine in die Hand nehmen! Quelle: PC Games Auf der Flucht: Wenn die Ratten-Soldaten uns entdecken, dann müssen wir die Beine in die Hand nehmen! Ghost of a Tale im Test: Schleichmeister
In einer Rüstung nehmen die Ratten-Soldaten uns als ihresgleichen war. Quelle: PC Games In einer Rüstung nehmen die Ratten-Soldaten uns als ihresgleichen war. An diesen Stellen kommen die Schleich-Mechaniken ins Spiel: Da Tilo kein Kämpfer ist, sind Verstecken und Ablenken seine wichtigsten Maus-Talente! In leeren Fässern, Schränken oder Truhen können wir uns nicht nur prima vor patrouillierenden Wachen verstecken, sondern dürfen auch nur dort unseren Spielfortschritt speichern. Zusätzlich kann man die ohnehin nicht sonderlich schlauen Ratten mit einem gut platzierten Flaschenwurf kurzzeitig ausschalten oder mit Stöcken ablenken, damit wir ungesehen an ihnen vorbeihuschen können. Da die Gegner auch nie unsere Verstecke absuchen und sich leicht austricksen lassen, verfliegt der anfängliche Nervenkitzel in den Schleichpassagen rasch.

Ghost of a Tale im Test: Kleider machen Leute

Die Diebesmäuse Gusto und Fatale geben Tilo reichlich Aufträge. Quelle: PC Games Die Diebesmäuse Gusto und Fatale geben Tilo reichlich Aufträge. Mithilfe von Kostümen, die wir in der Spielwelt sammeln, erhalten wir nützliche Boni. Eine Diebesmontur erhöht etwa Tilos Ausdauer beim Rennen und in einer Ratten-Rüstung können wir uns unerkannt durch die Burg bewegen. Nette Idee! Die restlichen RPG-Elemente des Maus-Adventures sind dagegen eher unausgereift. Wenn wir genug Erfahrung sammeln und einen Charakter-Level aufsteigen, erhöht das lediglich unsere Lebenspunkte. Die Charakterentwicklung unseres Mäuserichs ist dagegen schön über Quests gelöst: Indem wir kleine Sammelaufgaben für NPCs erledigen, erlernt Tilo neue Fertigkeiten. So lassen wir uns beispielsweise auf Wunsch wichtige Hotspots in der Nähe anzeigen. Das ist auch bitter nötig, denn in den meisten Levelabschnitten bewegen wir uns durch dunkle Höhlen, in denen man kaum die eigene Mauspfote vor den Augen sieht! Umso wichtiger ist es, immer ein paar Kerzen und eine gefüllte Öllaterne dabei zu haben, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Ghost of a Tale im Test: Schleichwege und wunderschöne Optik

Die meiste Zeit seid ihr damit beschäftigt, die verschiedenen Areale der Burg zu entdecken und jede Menge Schlüssel zu beschaffen, die neue Wege freilegen und euch auch die Kanalisation, Katakomben, Gärten, einen Hafen und andere Umgebungen rund um die Burg zugänglich machen. Das Leveldesign mag anfangs verwirrend sein, doch indem ihr immer wieder an bereits besuchte Orte zurückkehrt, kennt ihr die Burg irgendwann wie eure Westentasche. Schön: Regelmäßig schaltet ihr auch kreative Abkürzungen frei, die euch dabei helfen, schnell von A nach B zu kommen. Trotzdem müsst ihr euch aber auf häufige und lange Laufwege gefasst machen, zumal es zusätzlich noch einiges an Zeit kostet, den Rattensoldaten immer wieder auszuweichen. Besonders im letzten Drittel nimmt das Backtracking Überhand, als wir einige wunderschön gestaltete Außenareale entdecken, etwa einen lauschigen Strandabschnitt.

Diese Gebiete sind zwar ziemlich klein geraten, punkten aber mit einer hübschen Vegetation und tollen Lichteffekten. Auch die schön texturierten Innenräume der Burg strotzen vor liebevollen Details. Zur dichten Atmosphäre tragen auch die stimmungsvolle Beleuchtung mit flackerndem Kerzenlicht und ein dynamischer Tag-und Nachtwechsel bei, der besonders in den Morgen-und Abendstunden für malerische Momente sorgt.
In den Katakomben müssen wir uns vor ekligen Insekten in Acht nehmen, die aus dem Boden springen.  Quelle: PC Games In den Katakomben müssen wir uns vor ekligen Insekten in Acht nehmen, die aus dem Boden springen. 

Ghost of a Tale im Test: Mehr Hinweise bitte!

Die wenigen tierischen NPCs, darunter ein gut gelaunter Piratenfrosch und zwei verschlagene Maus-Diebe, sind wunderbar gestaltet. Von ihnen erhaltet ihr Quests, die euch auf eurer Suche nach Merra helfen. Die Dialoge sind überraschend witzigen geschrieben, auf Sprachausgabe muss man allerdings verzichten. Etwas schade: Während die anderen Tier-Charaktere mit vielfältigen Wesenszügen glänzen, wirkt unser Held Tilo dagegen eher blass.

Mithilfe eines Flaschenzugs können wir lange Wege durch die Burg erheblich abkürzen. Quelle: PC Games Mithilfe eines Flaschenzugs können wir lange Wege durch die Burg erheblich abkürzen. Die Aufgaben der NPCs beschränken sich in der Regel auf simple Sammelaufträge, die uns allerdings oft Nerven kosten, denn nützliche Hinweise sind selten und auch die Beschreibungen der Aufgaben im Questlog fallen mehr als vage aus. Ghost of a Tale geizt sehr mit der Spielerführung, was den einen oder anderen Spieler abschrecken könnte. Obwohl wir für jedes Gebiet Karten finden, helfen sie uns kaum weiter. Wir hätten gerne selbst wichtige Markierungen auf der Map notiert, etwa um verschlossene Türen oder Truhen einzuzeichnen! Um Ghost of a Tale zu genießen, braucht ihr also eine hohe Beobachtungsgabe und guten Orientierungssinn. Sonst findet ihr euch oft rat-und planlos in der Spielwelt wieder, zumal auch die Hotspots - etwa Schalter oder sammelbare Objekte - oft schwer in den dunklen Leveln zu finden sind. Wenn man dann endlich das gesuchte Objekt in den Händen hält oder einen neuen Pfad gefunden hat, dann fühlt sich das an wie ein Sechser im Lotto. Darin liegt einerseits also der Reiz des Maus-Abenteuers, aber eben auch die Gefahr, dass man sich schnell langweilt.

Ein Lichtblick ist der Schmied der Burg, der eure erste Anlaufstelle sein sollte, wenn ihr mal nicht weiter wisst oder euch verlaufen habt. Er unterstützt euch immerzu in fast allen Quests, indem er euch kleine Hinweise und Tipps zum weiteren Vorgehen gibt. Das lässt er euch zwar etwas kosten, doch zum Glück sind mehr als genug sammelbare Goldmünzen im Spiel verteilt.

Ghost of a Tale im Test: Mau(sig)es Gameplay

Völlig frustfrei ist dagegen die gut umgesetzte Steuerung, inklusive freier Tastenbelegung. Lediglich die Kamera ist an einigen Orten problematisch, da sie oft sehr nah am Helden klebt. Diese Nähe spiegelt zwar prima die Perspektive einer kleinen Maus auf die große Welt wieder, stört aber vor allem in engen Leveln wie der Kanalisation.
Schmied Rollo liefert wichtige Hinweise und hilft uns bei Quests weiter. Quelle: PC Games Schmied Rollo liefert wichtige Hinweise und hilft uns bei Quests weiter. Abgesehen von Thilos Versteckkünsten kommt seine Rolle als Maus leider kaum zum Tragen. Wir können weder Löcher graben noch Mauselöcher nutzen oder an Objekten raufkrabbeln. Hier verschenken die Entwickler Möglichkeiten für kreative Rätsel! Auch die Tatsache, dass Tilo eigentlich ein Barde ist und stets ein Instrument mit sich herumträgt, kommt im Spielverlauf kaum zur Geltung - hier haben die Entwickler längst nicht alles aus ihrem tollen Helden gemacht! Leider kommt auch die Geschichte nicht richtig in Fahrt und hat uns mit ihrem offenen Ende nicht völlig zufriedengestellt. Trotzdem punktet Ghost of a Tale mit so viel Charme, pfiffigen Charakteren und einer wunderschönen Optik, dass sich der Abstecher in die märchenhafte Welt lohnt, sofern man genügend Geduld und einen guten Beobachtungssinn mitbringt.

Metacritic bewertet das Spiel mit 75%.

Grafik-Enttäuschung auf Switch (Update vom 11. Oktober 2020)

Screenshot aus der Switch-Umsetzung Quelle: PC Games Screenshot aus der Switch-Umsetzung Für die Switch-Umsetzung von Ghost of a Tale musste die prächtige Grafik sichtbar reduziert werden. Schon auf kurze Distanz poppen Schatten unschön ins Bild, auf die Ferne wirken die Außengebiete außerdem unnatürlich hell. Texturauflösung und Details wurden merklich reduziert, zum Beispiel wirkt Tilos Fell längst nicht so hübsch und flauschig wie im PC-Original. Die Wasserdarstellung ist ordentlich hässlich und erinnert weckt Erinnerungen an Spiele aus den 90er-Jahren. Auch die Bildrate zeigt sich in unserer Testversion gelegentlich etwas wackelig, ab und zu fallen wir spürbar unter 30 fps, etwa wenn uns einige Ratten-Wachen durch den Burghof jagen. Im Handheld-Modus wird die Auslösung nochmals reduziert, dadurch wirkt das Bild dann etwas verwaschen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Alles in allem kann man Ghost of a Tale zwar auch auf der Switch ganz gut spielen, doch da das Maus-Abenteuer stark von seiner bezaubernden Grafik lebt, hat man hier im Vergleich zur PC-Fassung das schlechtere Erlebnis. Wer nicht auf die Switch angewiesen ist, bleibt daher lieber beim Original.
Screenshot aus der Switch-Umsetzung Quelle: PC Games Screenshot aus der Switch-Umsetzung

Ghost of a Tale im Test: Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Ghost of a Tale (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Ghost of a Tale (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Geschichte mit interessanten Ansätzen…wunderschöne Optik mit vielen Detailswahnsinnig putziger und ungewöhnlicher Heldabwechlungsreiche Level-Arealesehr stimmungsvolle Beleuchtungschön geschriebene NebencharaktereSchmied als Freund und Helfercoole verschiedene Outfits mit Boniwitzige Dialogesimple Steuerungsieben Sprachen wählbar
...die aber nicht in Fahrt kommtviel zu wenig Hinweise in der Umgebungschlechte SpielerführungUmgebungskarten geben so gut wie keine Informationtrotz Abkürzungen weite LaufwegeHeld Tilo bleibt im Vergleich zu den anderen Figuren blassKamera oft problematischMusik wiederholt sich schnellHotspots sehr schwer auszumachenKeine SprachausgabeDeutliche grafische Abstriche auf Nintendo Switch
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk