Ghost of Tsushima: So viel japanisches Kino könnt ihr in Tsushima finden!

Special Dominik Pache
Ghost of Tsushima: So viel japanisches Kino könnt ihr in Tsushima finden!
Quelle: PC Games

Fans der Filme des legendären japanischen Regisseurs Akira Kurosawa kommen mit Ghost of Tsushima voll auf ihre Kosten. Nicht nur der optionale Kurosawa-Modus, der Video- und Audiofilter über das Spiel legt, um die Spielerfahrung an alte Filmkunst aus Fernost anzupassen, sorgen für ordentlich Atmosphäre. Auch Stilmittel und Techniken die hauptsächlich durch Kurosawa etabliert wurden, kommen in Ghost of Tsushima zum Einsatz.

Mit Ghost of Tsushima veröffentlichte Sony eine Hommage an das japanische Kino, das in der Mitte des letzten Jahrhunderts vor allem durch Akira Kurosawa geprägt wurde. Mit damals komplett neuen Filmtechniken, die mittlerweile als Standard gelehrt werden, erschuf der Regisseur einen ganz eigenen Look. Ghost of Tsushima adaptiert diesen Stil nicht nur durch den Kurosawa-Modus, der dem Spiel etwas mehr Wind, einen Schwarz-Weiß-Filter sowie einen blechernen Sound verleiht.

Viele Elemente der Spielwelt greifen die stilistische Bandbreite des Samurai-Cinema auf und es gibt viele Anspielungen zu entdecken, nicht nur zu den Filmen von Kurosawa.

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Bewegung im Hintergrund

Ein stilistisches Element, das von Akira Kurosawa in dessen frühen Filmen etabliert wurde, ist die Bewegung im Hintergrund. Die Kombination von dynamischen Elementen außerhalb des Fokus und einem ruhigen Vordergrund erzeugt einen starken Kontrast und somit Spannung. Kurosawa kreierte diesen Effekt meist mit Hilfe der Natur, wie etwa durch Regen, Nebel, Schnee, aber auch manchmal mit Staub oder auch komplett anderen Dingen. Ghost of Tsushima (jetzt kaufen 54,90 € ) wendet dieses Stilmittel ständig an, vor allem mit den erwähnten Elementen der Natur. Fallende Blätter im Hintergrund bieten sich durch die farbenfrohe Flora von Tsushima besonders an. Viele der optionalen Duelle im Spiel werden an speziellen Orten ausgetragen, an denen das Stilmittel voll zu Tragen kommt. Ein Ritt durch Tsushima zeigt auch die Details der Partikeleffekte. Die Texturen des Spiels sind oft nicht der Rede wert und an manchen Stellen sogar matschig. Der aufgewirbelte Schnee beim Durchreiten der winterlichen Gebiete, ein aufziehender Wind, welcher Blätter zum Wirbeln bringt, oder auch die Funken eines Feuers, das gerade das Haus eines Bauern verzehrt, sorgen aber für eine dynamische Bildsprache. Auch spätere Samurai-Filme bedienen sich immer wieder dieser wirkungsvollen Inszenierung. Was wäre zum Beispiel ein Lady Snowblood ohne die dicken, im Hintergrund friedlich fallenden Flocken, während sich der Schnee im Vordergrund tief rot verfärbt?

In Yojimbo wird viel mit natürlicher Bewegung im Hintergrund gearbeitet. Hier wird zum Beispiel kurz vor einem Aufeinandertreffen Staub eingeblasen um die Spannung zu erhöhen. (Yojimbo) Quelle: Toho In Ghost of Tsushima wird die Bewegung im Hintergrund oft durch herumwirbelnde Blätter erzeugt. Quelle: PC Games

Kontrast zwischen Natur und Gewalt

Der Kontrast zwischen Natur und Gewalt ist ein weiteres Stilmittel, das im Samurai-Cinema gerne verwendet wird. Obwohl sich Japan über eine relativ kleine Fläche erstreckt, weist das Land eine große geologische und klimatische Vielfalt auf. Von Kirschblütenhainen über verschneite Bergspitzen zu tropischen Bambuswäldern: Japan ist sehr abwechslungsreich! Die Insel Tsushima besteht in der Realität nur aus grünen Waldgebieten, im Spiel wird sie aber mit der gesamten topographischen Vielfalt Japans abgebildet. Im Kontrast dazu steht die extreme Gewalt. Hier spritzt literweise Blut und Extremitäten werden abgetrennt. In Samurai-Filmen kommt dieser Kontrast ebenso zu tragen. Entscheidende Aufeinandertreffen werden meist vor einer tollen Naturkulisse inszeniert.
Der Kontrast zwischen Natur und Gewalt wird in Ghost of Tsushima sehr schön in Duellen zwischen Blumen oder Bäumen dargestellt. Quelle: PC Games Der Kontrast zwischen Natur und Gewalt wird in Ghost of Tsushima sehr schön in Duellen zwischen Blumen oder Bäumen dargestellt.

Duelle

Nicht selten sind Duelle zwischen zwei einzelnen Kriegern. Im Film sind diese Showdowns legendär und werden extrem stilisiert dargestellt. Eine Kunst der Samurai ist es zum Beispiel, das Schwert völlig geräuschlos zu ziehen und nach dem Kampf genauso lautlos wieder in die Scheide zu stecken. Jin Sakai, der Protagonist in Ghost of Tsushima, beherrscht dieses Manöver in Perfektion. Die meist sehr langsamen Bewegungen der Samurai zu Beginn des Kampfes wirken zwar zunächst merkwürdig, haben aber einen guten Grund: Das japanische Schwert - Katana genannt - ist vergleichsweise schwer. Um eine stabile Kampfhaltung einnehmen zu können und dem Feind nicht durch zu schnelle Regung einen Schwachpunkt zu offenbaren, bewegen sich Schwertmeister äußerst langsam und exakt. Aus diesen Bewegungen entsteht im japanischen Film oft beinahe eine Art Tanz, der auch immer wieder in Ghost of Tsushima angedeutet wird. Ein absoluter Klassiker des Genres, der auch eines der nervenaufreibendsten Duelle der Filmgeschichte bietet, ist Harakiri von Masaki Kobayashi. Wie kein anderer zelebriert der Film im Duell zwischen Hanshiro und Hikokuro die Kunst des Schwertkampfs.
Eines der legendärsten Duelle der Filmgeschichte: Hanshiro und Hikokuro beherrschen die Kunst des Schwertkampfs in Perfektion. (Harakiri) Quelle: Shochiku Eines der legendärsten Duelle der Filmgeschichte: Hanshiro und Hikokuro beherrschen die Kunst des Schwertkampfs in Perfektion. (Harakiri)

Übermacht und Ehre

In Ghost of Tsushima müsst ihr mit wenigen Verbündeten die mongolische Invasion aufhalten. Was sich nach einer unmöglichen Aufgabe anhört, ist ein wiederkehrendes Motiv in vielen Samurai-Filmen: Helden stehen einer ausweglosen Situation gegenüber und müssen mit Geschick, ihrem individuellen Können mit dem Schwert und manchmal auch mit ehrloser Verschlagenheit eine Übermacht an Gegnern besiegen. In Seven Samurai stellen sich die namensgebenden Sieben gemeinsam mit spärlich ausgebildeten Bauern einem ganzen Banditenklan. Die Samurai nutzen dabei Taktiken, die zwar nicht dem Kodex entsprechen, aber eine strategische Meisterleistung darstellen. In 13 Assassins hingegen müssen eine Gruppe von Ninjas und Samurai die gut trainierte Gefolgschaft eines verbrecherischen Lords aufhalten. Allein durch ihr Ziel, den Fürsten - der auch noch der Bruder des Shoguns ist - umzubringen, verletzen sie bereits den Samurai-Code. Das zur wahren Schlachtbank umgebaute Dorf und die darin enthaltenen Fallen entsprechen in keiner Weise der Ehre, die man mit Samurai verbindet. Jedoch heiligt der Zweck hier die Mittel: Schon zu Beginn des Films erfahren wir, welche Bestie der Bruder des obersten Herrschers ist.

Im Film Harakiri kämpft ein einzelner Vater gegen einen skrupellosen Samuraiklan. Hier verdreht sich der Ehrbezug ins Gegenteil. Hanshiro, ein Ronin und fürsorglicher Vater, besiegt in Duellen und im offenen Kampf mit dem kompletten Klan etliche Gegner und rächt somit den Tod seiner Kinder. Nachdem er offensichtlich nicht zu stoppen ist, wird er mit Gewehren erschossen - eine besonders ehrlose Art, einen Gegner zu töten. Die Entscheidung zwischen Hinterlist und Ehre muss, sowohl in Samurai-Filmen, als auch im Spiel, immer wieder getroffen werden. Steht ihr in Ghost of Tsushima einer großen Gruppe an Feinden gegenüber, könnt ihr sie entweder in einem ehrenhaften Zweikampf herausfordern, oder sie durch hinterlistige Attentate eliminieren. Auch die Geschichte des Helden selbst handelt vom Ehrverlust, den er willentlich in Kauf nimmt, um seine Heimat Tsushima zu retten.
Die sieben Samurai stellen sich mit ein paar spärlich ausgebildeten Bauern einem ganzen Banditenklan. (Seven Samurai) Quelle: Toho Die sieben Samurai stellen sich mit ein paar spärlich ausgebildeten Bauern einem ganzen Banditenklan. (Seven Samurai)

Samurai und Ronin

Ehrenhafte, sesshafte Kriegerfürsten und herrenlose, umherstreifende Ronin: Obwohl sie beide zur Samurai-Kaste gehören und einen Ehrenkodex abgelegt haben, werden Ronin im Film oft als durchtrieben, listig und feige, Samurai hingegen als standhaft und würdevoll gezeigt. In Wirklichkeit waren Ronin lediglich herrenlose Samurai und dadurch ziemlich arme Schweine, da es ihnen aufgrund ihres Standes beinahe unmöglich war, einer bürgerlichen Arbeit nachzugehen. So waren sie meist dazu gezwungen durch das Land zu reisen und sich neue Herren zu suchen. Ghost of Tsushima greift das Thema Ronin mit zahlreichen Outfits, aber auch einem speziellen Nebencharakter auf: Ryuzo - ein alter Freund von Jin - wird zwar nicht direkt als Ronin bezeichnet. Allerdings verkörpern er und seine Bande aus Strohhüten alle Eigenschaften der aus den Filmen bekannten Ronin-Klischees. Nichtsdestotrotz sind sie hervorragende Kämpfer. In keinem Samurai-Film wird das so stark thematisiert wie in der Filmreihe Lone Wolf and Cub, die auf dem gleichnamigen Comic basiert: Der Ronin Ogami Itto und sein Sohn Daigoro werden häufig von Strohhut-tragenden Mördern angegriffen, die von Itto oft auf äußerst brutale Weise abgewehrt werden.
Herrenlose Samurai werden als Ronin bezeichnet. Auf ihren langen Reisen tragen sie meist Strohhüte, um sich vor der Sonne zu schützen. (The Sword of Doom) Quelle: Toho Herrenlose Samurai werden als Ronin bezeichnet. Auf ihren langen Reisen tragen sie meist Strohhüte, um sich vor der Sonne zu schützen. (The Sword of Doom)

Gegenstände und Orte

In Ghost of Tsushima stecken natürlich auch viele größere und kleinere Anspielungen auf Samurai-Filme. Wir finden zum Beispiel eine Begräbnisstätte im Stil von Seven Samurai. Das rote Aufblitzen bei einem Kill in der Geist-Kampfhaltung entspringt der Komödie Samurai Fiction. Der verschneite Garten aus Lady Snowblood - der bereits in Kill Bill zitiert wurde - ist ebenfalls im Spiel zu finden. Auch viele Rüstungen, Hüte, Masken und Waffen sind kleine Anspielungen auf ikonische Helden und Schurken des Samurai-Kinos.

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