The Witness: Eine geheimnisvolle Insel mit vielen Überraschungen

Test Andreas Szedlak
Schiffbruch: Am Rand der Insel trefft ihr auf dieses Schiffswrack. Der einzige Hinweis darauf, was hier passiert sein könnte, ist ein Audiomemo. (PS4)
Quelle: Games Aktuell

Drei Jahre nach der aufsehenerregenden Ankündigung ist der heiß ersehnte Indie-Titel The Witness der Braid-Entwickler endlich fertig.Was wir auf der geheimnisvollen Insel erlebt haben, zeigt unser Test.

Ihr hasst es, in der Schlange einer Supermarktkasse zu warten? Schüttelt immer den Kopf, wenn jemand auf umständliche Weise Cent-Stücke aus der Geldbörse kramt? Dann habt ihr an The Witness so viel Spaß wie an einem kilometerlangen Stau auf der Autobahn - oder ihr seid genötigt, die allermeisten Rätsel mithilfe eines Walkthroughs aus dem Internet zu lösen.

Geduld, Frustresistenz, Lust auf Denksport, all das sind Attribute, die Macher Jonathan Blow den Spielern seines neuen Werks abverlangt. Wer diese Fähigkeiten mitbringt, wird mit einer einzigartigen Atmosphäre und unzähligen Erfolgserlebnissen belohnt. The Witness (Thekla, Inc.) Quelle: Games Aktuell Easter Egg: Habt ihr das Osterei gefunden, werdet ihr mit diesem herrlichen Ausblick über die Insel belohnt - unter anderem. Probiert es unbedingt mal aus! (PS4)

Eine Insel mit vielen Überraschungen

Ein langer Tunnel. Zwei simple "Bewege eine Linie vom Start zum Ende"-Aufgaben. Nun stehen wir endlich auf dieser sonnendurchfluteten Insel. Ein Eiland, das wir seit der Ankündigung des Spiels im Februar 2013 unbedingt erforschen wollten. Weil wir dabei komplett auf uns gestellt sind. Weil die Insel so mysteriös ist. Weil wir eine geniale Erklärung dafür erhoffen, warum hier alles so seltsam ist, wie es ist. Was wir nicht erwartet haben: Viele Rätsel sind derart herausfordernd, dass man nach zig Versuchen immer noch einen Lösungsweg sucht. Zwar gibt es Einsteiger-Aufgaben, die einem des Rätsels Lösung andeuten.

Apfelbaum: Viele Rätsel verlangen, dass ihr die Umgebung inspiziert. Hier müsst ihr zählen, an welchem Ast des Baumes der rote Apfel hängt - eine der leichteren Aufgaben. (PS4) Quelle: Games Aktuell Apfelbaum: Viele Rätsel verlangen, dass ihr die Umgebung inspiziert. Hier müsst ihr zählen, an welchem Ast des Baumes der rote Apfel hängt - eine der leichteren Aufgaben. (PS4) Doch genauso stößt man auf Kopfnüsse, bei denen das Trial-and-Error-Verfahren richtig erscheint. Einige Rätsel sind so versteckt, perspektivisch schräg gestellt oder befinden sich gar in Bewegung, dass all unsere Sinne auf die Probe gestellt werden. Während sich Denksport-Fans herausgefordert fühlen und sich an jeder Aufgabe festbeißen, bis sie gelöst ist, werden Abenteurer, denen es in erster Linie um das Erforschen der Insel und das Lüften des großen Geheimnisses geht, vor Frust mit den Zähnen knirschen.

Philosophie-Studium

Was uns überrascht und enttäuscht: Eine wirkliche Geschichte erzählt The Witness nicht. Ihr findet zwar rund ein Dutzend Audio-Memos. Doch die werfen anhand philosophischer Aussagen eher noch mehr Fragen auf als sie beantworten. Zwar fügt sich mit der Zeit einiges zueinander, doch insgesamt hätten wir es gerne gesehen, dass Jonathan Blow über ein besseres Storytelling den Spieler stärker zum Knacken der Kopfnüsse motiviert.

So verschiebt sich der Schwerpunkt des Spiels immer mehr in Richtung Rätselprofi, während der Abenteurertrieb abnimmt, sobald man die Insel einige Stunden erkundet hat. Dabei macht das Entdecken anfangs riesigen Spaß, der einzigartige Look und die Vielfalt spornen zum Weiterkommen an. Man möchte unbedingt rauskriegen, warum alle Menschen auf der Insel versteinert sind oder was es mit diesen schwarzen Obelisken auf sich hat.
Audiomemo: Auf der Insel liegen etwa 20 Aufnahmegeräte herum, die euch zumeist mit Aussagen von Philosophen der Vergangenheit konfrontieren. (PS4) Quelle: Games Aktuell Audiomemo: Auf der Insel liegen etwa 20 Aufnahmegeräte herum, die euch zumeist mit Aussagen von Philosophen der Vergangenheit konfrontieren. (PS4) The Witness (Thekla, Inc.) Quelle: Games Aktuell Steinstatuen: Versteinerte Menschen? WTF! Dies ist eines der Mysterien, die The Witness für euch bereithält und die zum Weiterrätseln und Vorankommen motivieren. (PS4) Wegweiser: Habt ihr einen Abschnitt abgeschlossen, fährt automatisch diese Apparatur nach oben und schickt einen Lichtstrahl gen Berg. Was es da oben nur zu sehen gibt? (PS4) Quelle: Games Aktuell Wegweiser: Habt ihr einen Abschnitt abgeschlossen, fährt automatisch diese Apparatur nach oben und schickt einen Lichtstrahl gen Berg. Was es da oben nur zu sehen gibt? (PS4)
Beim Erkunden stapfen wir unter anderem durch eine Wüste, verirren uns im Bambuswald-Labyrinth oder entdecken einen herrlichen Wasserfall. Der einzigartige Look steigert den Entdeckertrieb enorm. Ab und an trübt zwar ein Detail-Popup das wunderschöne Gesamtbild, doch das ist zu verschmerzen, zumal die Entwickler eine technisch erstklassige Klangkulisse erzeugen. The Witness verzichtet übrigens komplett auf eine Musikuntermalung.

Gerade in idyllischen Abschnitten haben wir eine stimmungsvolle Musik schon etwas vermisst, da sie unsere Emotionen hätte verstärken können. Auf der anderen Seite nimmt man jedes noch so kleine Geräusch intensiver wahr, etwa Vogelgezwitscher.

Angewandter Purismus

Die Steuerung ist sehr spartanisch. Sprinten dürft ihr zwar, klettern oder hüpfen ist aber nicht möglich. Ebenso wenig könnt ihr abstürzen, unsichtbare Wände verhindern dies. Zusätzliche Spielvarianten oder gar einen Mehrspieler-Modus bietet The Witness nicht. Wobei das Kopfnussknacken mit Freunden auf der Couch ohnehin am meisten Spaß macht, ganz nach dem Motto: Drei Gehirne rätseln besser als eines.

Eine Art Easter Egg hat Jonathan Blow auch noch in The Witness eingebaut. Wie ihr dahin kommt, verraten wir euch im Extrakasten oben. Das Osterei zeigt genauso wie der Rest des Spiels, dass der The Witness-Macher einen ganz eigenen Weg gegangen ist. Und ebendies schätzen wir so sehr an Indie-Entwicklern.

Spoilerwarnung!

Easter Egg mit geheimer Location

Wir verraten euch, wie ihr in The Witness ein Easter Egg freischaltet, das euch zu einer geheimen Location führt. Um das Easter Egg zu finden, lauft ihr direkt zu Beginn des Spiels, nach Verlassen des Anfangstunnels, hinten rechts zu dem mehrfach verriegelten Tor. Dann justiert ihr die Kamera so, dass der nach oben zeigende weiße Streifen direkt an die Sonne am Himmel stößt.

Jetzt drückt ihr X (PS4) und fahrt mit dem kleinen weißen Cursor-Punkt auf die Sonne. Ertönt beim Klicken ein Ton, habt ihr alles richtig gemacht - wenn nicht, müsst ihr die Kamera noch exakter justieren. Nun braucht ihr nur noch die weiße Linie nachzufahren und am Ende erneut X zu drücken. Lauft ihr durch die entstandene Öffnung, gelangt ihr in ein mehrstöckiges, luxuriöses Restaurant mit Terrassenblick über die Insel. Schaut euch hier unbedingt alles an und lauft ganz bis zum Ende - es lohnt sich!

The Witness bietet über 600 Rätsel. Um das Ende des Spiels zu erreichen, müsst ihr aber bei Weitem nicht alle lö­sen. Die durchschnittliche Spielzeit beträgt 15 bis 20 Stunden. Bei den meisten Rätseln müsst ihr eine Linie vom Start zum Ausgang bewegen - ähnlich wie beim Spiel Snake. Ab und an gilt es, auf einem bestimmten Weg über Felder zu gehen, um eine Aufgabe zu meistern. Häufig kommt man auf des Rätsels Lösung erst, indem man die Umgebung beobachtet und die Kamera

Entwickler: Thekla | Hersteller: Thekla | Sprache: Englisch (deutsche Texte) | Altersfreigabe: Nicht geprüft

Wertung zu The Witness (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu The Witness (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Einzigartig atmosphärische InselÜber 600 Rätsel, deren Lösungswege man erst lernen mussViele Mysterien machen neugierigHerrlich stilvolle Optik
Philosophische Weisheiten statt durchgehend spannender StoryExorbitanter Schwierigkeitsgrad mancher Rätsel schließt Abenteurer ohne Lust auf Denksport aus
Fazit

Mysteriös, wunderschön und fordernd – diese einzigartige Insel lässt Rätselprofis so schnell nicht mehr los.

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