So ungefähr muss es sich anfühlen, wenn man Tennis auf LSD spielt. Dank HTC Vive und Selfie Tennis geht das ganz ohne Drogen.
Ich stehe auf dem bonbonfarbenen Court und lasse meinen Blick schweifen. Fahrstuhlmusik plätschert aus dem Off und außer den riesigen Wesen am Rand des Tennisplatzes, die mich freundlich aus ihren gymnastikballgroßen Gesichtern ansehen, ist niemand anwesend. Die nicht vorhandenen Tribünen geben die Sicht auf das Wolkenmeer um mich herum preis - ach wie schön, ich spiele Tennis gegen mich selbst.
Mit dem Selfie-Spiegel in der linken Hand und dem Schläger in der rechten beginne ich das Spiel. Ich schlage auf. Aber nicht hart und platziert wie die Profis im Fernsehen, sondern weich und sanft, wie die Wolken, die um den Platz herum schweben und ein bisschen wie verdichtete Zuckerwatte aussehen. Ich beame mich auf die gegenüberliegende Seite des Platzes und erwarte meinen eigenen Schlag, den ich ebenso sachte erwidere, wie ich ihn zuvor übers Netz geschickt hatte.
Der Punktezähler auf dem Sand zeigt mir eine "2" an. Na das ist doch schon mal ein Anfang. Ich wiederhole den Prozess und komme schließlich auf 53 Ballwechsel - neuer Rekord! Irgendwie meditativ das Ganze, denke ich mir und betrachte die zuckersüße Welt um mich herum, die aussieht, als wäre sie aus Süßkram zusammengepappt worden. Selbst die Tennisballwesen sehen aus wie Eiswaffeln, in die man einen Tennisball gestopft hat - nur mit Beinen.
Was passiert eigentlich, wenn ich die sanften Gesellen abschießen will? Ich ziehe auf und erwische den Head auf Beinen an der Schläfe (Tennisfreunde haben den Witz verstanden). Das Wesen stöhnt und sackt in einer netten Ragdoll-Animation zusammen. Seinen Gefährten widerfährt in den folgenden Sekunden das gleiche Schicksal.
Quelle: Games Aktuell
Über den Wolken: Oder auch mittendrin ... In jedem Fall ist #Selfie Tennis ein äußerst ungewöhnlich-verrückter Ansatz, den Sport in einem Videospiel zu verwursten. (Vive)
Nachdem der Platz von bewusstlosen gelbgesichtigen Rundköpfen übersät ist, malträtiere ich die Gestalten noch mit einigen gezielten Hieben und entlocke ihnen Stöhnlaute sowie Herzen, die ihnen um die Birne kreisen. Die Musik dudelt unbeirrt weiter, während ich merke, dass hier nichts Interessantes mehr passieren wird.
Ich ziehe mir Vive vom Kopf und blinzle der langweiligen Realität ins Antlitz, die seltsam trostlos und so gar nicht kuschelig wirkt. Ich habe unweigerlich das Bedürfnis, eine Pille zu schlucken. Ich blinzle noch mal und setze mir das Headset wieder auf. Mein Leben als mein eigener Tennisgegner hat gerade erst begonnen.
