Leitfaden für Entwickler: So muss das perfekte Spiel aussehen - Teil 1
Special
Geile Grafik, super Sound, mächtiger Multiplayer, exzellente Einzelspieler-Kampagne: Thorsten Küchler bündelt seine 30 Jahre Zockererfahrung und skizziert den Traum aller Gamer - einen makellosen Software-Hit!
99 von 100 möglichen Punkten: Glaubt man den unbestechlichen Zahlen des Wertungsportals Metacritic, so ist The Legend of Zelda: Ocarina of Time das beste Spiel aller Zeiten - dicht gefolgt von Tony Hawk's Pro Skater 2 und Grand Theft Auto 4. Aber sind diese zweifellos ebenso berühmten wie famosen Titel somit auch fast perfekt, also ohne störende Fehler?
Quelle: Games Aktuell
Cooler Editor: Doom
Mitnichten! Egal ob Technik, Online-Komponenten oder Steuerung, es ginge noch viel, viel besser. Allerdings ist ein Videospiel natürlich auch deutlich mehr als nur die Summe seiner Einzelteile, das Gesamterlebnis ist entscheidend. Dennoch liefern wir mit diesem Report eine Art grober Leitfaden für alle Games-Entwickler: SO muss das perfekte Spiel aussehen - vom Solo-Part über Grafik und Sound bis hin zur Spielwelt.
Als Orientierung dienen dabei bereits erschienene sowie kommende Titel. Verrückte Utopien sind ergo ausgeschlossen: 12.000 x 8.000 Pixel bei 120
Quelle: Games Aktuell
Top-Lizenzen: Fifa 16
Bildern pro Sekunde mögen beispielsweise klasse klingen, sind aktuell aber Hardware-seitig schlichtweg unrealistisch. Zudem ist das perfekte Spiel unabhängig von irgendwelchen Genre-Konventionen - wenngleich sich Elemente wie Story oder Charaktere nicht auf alle Sparten gleich gut anwenden lassen.
Und dann ist da ja noch die Sache mit dem persönlichen Geschmack: Unsere Idealvorstellung wurde von Thorsten Küchler zusammengefasst. Und der spielt nun zwar seit über 30 Jahren (Erstkontakt: Atari VCS 2600), kann aber naturgemäß nicht zu 100 Prozent objektiv sein und wirklich alle Kleinigkeiten berücksichtigen. Denn hey, niemand ist eben ... naja ... perfekt!
Umfang & Features
Die Ausgangslage:
Ein gutes Videospiel besteht heutzutage nicht mehr nur aus einem einzigen Modus, sondern ist gleich eine ganze Wagenladung voller unterschiedlicher Komponenten. Oft teilen sich deshalb (wie etwa bei Ubisoft) gleich mehrere Entwicklungsstudios die Arbeiten und kümmern sich jeweils um Teilbereiche. Wer eine gigantische Massenmarkt-Zielgruppe ansprechen will, der muss dementsprechend auch den möglichst großen gemeinsamen Nenner finden.
Die Wunschvorstellung:
Quelle: Games Aktuell
Riesiger Fuhrpark: Gran Turismo 6
Unser perfektes Spiel vereint alle wichtigen Elemente in sich: Einzelspieler-Kampagne? Klar! Multiplayer-Modus samt Koop-Funktionen? Auf jeden Fall! Kostenlose Download-Inhalte, die den Spaß auch nach dem Release noch verlängern? Sehr gerne! Je nach Genre ist zudem ein großes Lizenzpaket nötig: Sport und Rennspiele sind eben um ein Vielfaches authentischer, wenn man mit Messi dribbelt oder an Bord eines Ferraris um die Kurse heizt.
Ein wichtiges Zauberwort ist auch der sogenannte Wiederspielwert. Denn wir wollen ja möglichst viel Unterhaltung für unser Geld - und da sollte auch das erneute Durchzocken noch irgendeinen Anreiz haben. Etwa durch die Integration motivierender Boni oder durch freischaltbare Profi-Schwierigkeitsgrade.
Quelle: Games Aktuell
Hunderte Quests: The Witcher 3
Apropos: Unterschiedliche Härtestufen für Spieler jedes Erfahrungsstands sind ein absolutes Muss. Und wenn man mal mitten im virtuellen Abenteuer merkt, dass man über- oder unterfordert ist, dann sollte man den Schwierigkeitsgrad auch jederzeit wieder wechseln können. Denn wer weiß schon vom Start weg, was die Entwickler unter "Casual" oder "Normal" verstehen?
Generell ist Komfort angesagt: Missionen, Matches & Rennen sollten per Menü blitzschnell direkt ansteuerbar sein, wenn man sie erneut starten möchte. Und damit der Nachschub niemals endet, kommen noch entsprechende Editoren hinzu, mit denen die Community frische Levels oder gar Modi basteln kann - praktisches Online-Teilen inklusive. Ein Zufallsgenerator mit einstellbaren Parametern rundet das perfekte Paket ab.
Der Hoffnungsträger:
No Man's Sky wird nur von einer Handvoll Entwickler produziert und ist in Sachen Umfang dennoch atemberaubend. Der Trick: Sämtliche Sterne und Aliens in der riesigen Galaxie entstehen durch prozedurale Programmierung quasi halbautomatisch. Die Macher des Spiels füttern ihre Programmroutinen also nur mit Rahmendaten, den Rest erledigt der PC oder die Playstation 4.
Das Negativbeispiel:
Street Fighter 5 mag eine exzellente Prügelei sein, aber zum Release fehlt es dem Capcom-Werk deutlich am notwendigen Drumherum. Viele Modi des Vorgängers fehlen komplett oder sollen erst per Download in den nächsten Monaten nachgepatcht werden. Sorry, aber dann hätte man den Release ja gleich nach hinten schieben können und vielleicht auch sollen.
Einzelspieler & künstliche Intelligenz
Die Ausgangslage:
Auch wenn das moderne Online-Zeitalter für einen argen Umschwung gesorgt hat, zocken viele Videospieler immer noch am liebsten alleine. Somit kommt auch unser Optimum unter den Games nicht ohne einen stimmungsvollen Solo-Part aus. Und dessen Qualität hängt natürlich auch von den Aktionen der virtuellen Gegner und Mitstreiter ab - ohne künstliche Intelligenz geht ergo gar nichts. Zudem wichtig: Die Verzahnung der einzelnen Spielelemente.
Die Wunschvorstellungen:
Wir könnten nun einfach schreiben: Das Gameplay muss stimmen! Aber was heißt das? Und wie definiert sich dieses Gameplay überhaupt? Als treffendste Übersetzung des englischen Fachbegriffes geht wohl
Quelle: Games Aktuell
Lernfähige KI: Aslien Isolation
"Spielmechanik" durch. Die Idee hinter dem Solo-Abenteuer muss also nicht nur clever, sondern eben auch funktional sein: Kämpfe, Rätsel und andere Elemente bilden eine unterhaltsame Gemeinschaft, wechseln sich rhythmisch ab.
Und immer dann, wenn der Zocker glaubt, er habe schon alles gesehen, packen die Macher des perfekten Spiels noch eine Schippe drauf. Der Clou: Es muss nicht auf Teufel komm raus immer Innovations-Neuland betreten werden, Altbekanntes kann auch fantastisch sein - man muss es eben nur perfektionieren.
Zudem wünscht sich die moderne Kundschaft Individualisierungs-Optionen: Egal ob Upgrade-System, Crafting-Funktion oder Kostümeditor - man will sich selbst verwirklichen und nicht nur den starren Vorgaben der Entwickler folgen. Und der schmale Grat zwischen Herausforderung sowie Frust sollte ebenfalls bedacht
Quelle: Games Aktuell
Gegnerkader mit Hirarchie: Mordors Schatten
werden: Nicht jeder hat Bock auf quälend schwere Bosskämpfe, aber niemand will seine Bildschirm-Leben nur mit simpelsten Kinderaufgaben verbringen.
Im Zuge dessen kommt der KI eine enorm wichtige Rolle zu. Gegner sollen beispielsweise nachvollziehbar agieren und uns reizen. Wenn die Knilche dann aber wie fehlerfreie Maschinen wirken, geht der Schuss im wahrsten Wortsinne nach hinten los. Im Idealfall lernt das virtuelle Personal möglichst menschlich dazu: Der Wachmann lässt sich also nicht fünf Mal hintereinander durch ein Geräusch (Stichwort: Münzwurf) von seinem Posten weglocken, sondern wird irgendwann misstrauisch.
Quelle: Games Aktuell
Mix aus Rätsel und Kampf: The Legend of Zelda
Noch diffiziler ist die Integration von KI-Kollegen, die dem Spieler als Partner zur Seite stehen oder von ihm beschützt werden wollen. Vertreter dieser Spezies neigen förmlich zu unsinnigem Verhalten - deshalb sollten sie bitte nur dann eingebaut werden, wenn sie ihrer Aufgabe auch gewachsen sind.
Der Hoffnungsträger:
Mit Mirror's Edge: Catalyst setzt Electronic Arts Ende Mai seinen Kulthit um die Revoluzzerin Faith fort - und hat dabei aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Eine offene Spielwelt sorgt für Freiheit beim wilden Ego-Gerenne, Kämpfe mit Schusswaffen sind neuerdings zu Recht verpönt. Jetzt muss noch die Länge der Story-Kampagne stimmen - Entwickler DICE macht's ja gerne mal viel zu kurz...
Das Negativbeispiel:
Disney Micky Epic: Die Macht der 2 trägt eigentlich den falschen Titel - man hätte die Zeichentrick-Hüpferei lieber Krampf mit 2 nennen sollen. Denn das eigentlich so charmante Spiel scheitert kläglich an dem Versuch, einen Comic-Hasen als KI-Kollegen zu integrieren. Der langohrige Kerl springt ständig in den Abgrund und weigert sich beharrlich, Befehle zu befolgen. Ein wirklich besonders dummes Vieh!
Multiplayer & Online-Technik
Die Ausgangslage:
Ein Hoch auf die Geselligkeit - ohne Mehrspieler-Modus ist ein tolles Spiel nur ein halb so tolles Spiel. Moderne Konsolen (und natürlich auch der PC) kommen mit ständiger Online-Anbindung daher und bieten zahlreiche Möglichkeiten für kompetitive und kooperative Unterhaltung. Neben den Wettkämpfen muss jedoch auch das Drumherum stimmen.
Die Wunschvorstellung:
Quelle: Games Aktuell
Splitscreen-Gaudi: Rocket League
Beginnen wir zuerst mit den eher oldschooligen Dingen: Ja, ein perfektes Spiel bietet auch offline Mehrspieler-Varianten. Der Splitscreen mag zwar aus der Mode gekommen sein, ist aber immer noch ein absoluter Party-Garant - gerne auch für bis zu vier Teilnehmer. Und auch ohne Bildschirmteilung kann man lokal eine Menge Spaß beim Zocken haben: Sei es nun im Koop oder bei guten alten Gebt-den-Controller-weiter-Duellen.
Online wird die Sache um ein Vielfaches komplizierter! Das fängt schon bei der Qualität des Matchmakings an: Vor dem Gefecht sollten die Konkurrenten möglichst passend zugeordnet werden, wenn Einsteiger von Profis nass gemacht werden, hat niemand was davon. Und mies laufende, offizielle Server mit hohen Latenzzeiten dürfen anno 2016 ebenfalls nicht mehr sein.
In Sachen Modi wünschen wir uns einen klugen Mix aus bekannten Spielarten der Marke Deathmatch sowie frischen Ideen - hinzu kommt die Möglichkeit, anhand von unterschiedlichen Parametern eigene Submodi zu
Quelle: Games Aktuell
Packender Koop: Diablo 3
erstellen. Enorm wichtig: Die maximalen Spielerzahlen müssen zum jeweiligen Modus passen! Lieber fokussierte Scharmützel in kleineren Arenen als chaotische Massengefechte auf verwirrend großen Maps.
Und damit man sich an die Eigenheiten gewöhnen kann, stehen praxisnahe Tutorials und Übungsmöglichkeiten zur Verfügung. Denn nicht jeder Spieler hat schon Hunderte von Online-Schlachten geschlagen. Durchhaltevermögen wird zwar mit Upgrades und Skills belohnt, kippt aber nicht die Balance in Richtung der Vielspieler.
Ebenso wenig wie irgendwelche Waffen, die man sich per Mikrotransaktion kaufen kann - weg mit solchen Pay-to-Win-Ideen! Die Kommunikation zwischen den Spielern läuft über alle Kanäle: Chat- sowie Clan-Funktionen sorgen für ein gehobenes Gemeinschaftsgefühl.
Quelle: Games Aktuell
Spielerischer Missionseditor: Hitman Absolution
Wer sich gerne kreativ auslebt, der kann Replays seiner Mehrspieler-Taten abspeichern, schneiden und online teilen. Eine Funktion, die für Anfänger auch als Lernprozess taugt. Als Krönung sind die Ranglisten nicht nur weltweit, sondern auch regional einsehbar: Der Direktvergleich mit einer kleineren Spielergruppe aus der Umgebung hat enormes Motivationspotenzial. Schließlich ist auch Mut zur Asymmetrie erwünscht: Es müssen nicht immer Soldaten mit Knarren gegen noch mehr Soldaten mit anderen Knarren antreten.
Der Hoffnungsträger:
Was Blizzard anpackt, das wird meistens zu Gold! Und so scheint sich auch Overwatch zu einem absoluten Multiplayer-Hit zu mausern. Genial, wie sich jeder Heldencharakter komplett unterschiedlich spielt. Fantastisch, wie die kunterbunte Grafik zum Spielprinzip passt. Zum Glück ist das Schmuckstück auch für Konsolen erschienen. Jetzt dürfen nur keine Mikrotransaktions-Pannen passieren...
Das Negativbeispiel:
Nun gut, die Resident Evil-Serie ist vielleicht einfach keine gute Vorlage für Mehrspieler-Gefechte, aber Operation Raccoon City schießt auch fernab seines Szenarios weit daneben. Egal ob Technik oder Spielablauf: Die Zombie-Schießerei bleibt halbgar und wirkt noch dazu unfertig. Da können dann auch nett gemeinte Elemente wie die überraschend auftauchenden KI-Bossmonster nix mehr retten. Sowas bitte nie mehr, Capcom.
Im zweiten Teil beschäftigen wir uns unter anderem mit Grafik, Story und Spielwelt.
