Das Letzte - Ahmets Ansichten. Unser Kolumnist Ahmet Iscitürk ist Games-Aktuell-Redaktionsleiter (a. D.), Branchen-Urgestein, Comedian und ein Freund klarer Worte.
Destiniemehr?
Von einem ehemaligen Destiny-Süchtigen, der gerne wieder süchtig wäre.
Ja, es ist momentan total in Mode, auf Destiny herumzuhacken. Und die Jungs von Bungie machen es einem wirklich leicht, sie zu hassen. Neue Spielinhalte in homöopathischen Dosen, viel zu teurer Bezahlkrempel und eine Informationspolitik, die aus dem Lehrbuch namens "Meine Kunden können mich am Hintern küssen!" stammen könnte. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, dann würde ich Activision und Bungie böse Absichten unterstellen. Ich würde mutmaßen, dass sie absichtlich so wenig Content einpflegen, damit sich jeder neue Kleinfurz wie ein Erdbeben anfühlt. Wir Destiny-Junkies haben wirklich jeden dieser Fürze wie eine Sensation gefeiert.
Ahmet: "Yeah, ein neuer Helm, der aussieht wie mein alter Helm, aber dafür in Rot und mit weniger Rüstungswert!"
Thorsten: "Man muss nur 60 Stunden im PvP-Modus verbringen, dann gibt's das Ding als Belohnung. Vielleicht. Wenn nicht, dann hat man eine Woche später wieder die Chance, den Helm vielleicht zu bekommen. Oder man legt sich einen zweiten Charakter an, dann kann man pro Woche 120 Stunden investieren und die Chancen auf den Helm verdoppeln. Das ist echt cool!"
Ahmet: "Außerdem schenkt uns Bungie zu Halloween ein paar Tanzanimationen. Okay, die real funky Moves kosten fünf Euro pro Stück, aber man wird ja nicht zum Kauf gezwungen. Ich habe natürlich alle erworben, denn dort wo einst mein Herz war, befindet sich jetzt ein großes Loch."
Thorsten: "Destiny ist echt das beste Spiel der Welt!"
Das liest sich bestimmt wie ein dämlicher Witz, aber so denken wir Destiny-Junkies wirklich. Wobei ich ja gar nicht mehr süchtig bin. Im Dezember fand meine letzte Destiny-Session statt, denn da ist mir endgültig die Hutschnur geplatzt. Wir hatten mal wieder mehrere Abende in extrem anstrengende Quest-Reihen investiert, weil eine exotische Knarre als Belohnung auf uns wartete, doch diese entpuppte sich als absolut mittelmäßige Erbsenpistole. Eigentlich fehlte nur noch eine Texteinblendung: "Ihr dummen Schweine habt rund 20 Stunden eures Lebens in diese Quest gesteckt, weil ihr dachtet, ihr bekommt am Ende eine Wunderwaffe geschenkt? Ihr seid ja noch blöder, als ihr ausseht! Habt ihr denn gar nichts gelernt in 15 Monaten Destiny!?"
Undankbares Pack
Destiny ist wie eine schöne Frau, die einem hässlichen Mann Hoffnungen auf ein sexuelles Abenteuer macht. Der hässliche Mann reißt sich den Hintern auf, damit ihn die schöne Frau belohnt, doch immer wenn er ganz kurz vor dem Ziel steht, lässt sie ihn abblitzen. Der hässliche Mann lässt sich das einige Zeit lang gefallen, doch irgendwann fühlt er sich verarscht und verliert die Motivation. Destiny ist eine Ansammlung von Versprechungen, die nicht eingehalten werden. Gleichzeitig häufen sich schreckliche Gerüchte.
Natürlich müssen sich diese nicht bewahrheiten, aber zumindest lassen sie Schlimmes vermuten. Ein Gerücht besagt, dass Destiny 2 doch nicht mehr 2016 erscheinen wird, stattdessen ist von weiteren kostenpflichtigen DLCs die Rede. Das Traurige daran ist, dass es mich gar nicht überraschen würde, wenn alles genau so eintritt. Es wäre doch nur konsequent, wenn dieses Jahr noch ein paar gepfefferte Add-ons mit gewohnt magerem Inhalt erscheinen würden. Dazu noch irgendwelche Download-Inhalte kosmetischer Natur - natürlich auch im höheren Preissegment angesiedelt.
Erst wenn die Spieler wirklich bis zum letzten Cent ausgequetscht wurden, lässt man Destiny 2 vom Stapel. Ich fühle mich gelackmeiert, aber gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich habe etwa 600 Spielstunden auf der Uhr. Kein anderes Spiel, außer vielleicht Final Fantasy Tactics für PS1, hat mich derart lange an den Controller gefesselt. Wie kann man sich über ein Spiel aufregen, obwohl man ganz offensichtlich 600 Stunden lang Spaß damit hatte?
Das ist so, als würde man im Restaurant den Teller leer fressen, dann noch abschlecken und abschließend über die Qualität des Essens meckern. Kann es vielleicht sein, dass nicht Destiny das Problem ist, sondern wir, die dummen Spieler? Wäre ich zufriedener, wenn mir Destiny statt 600 Stunden vielleicht 2.000 Stunden Spielspaß beschert hätte? Warum kaufe ich eine lächerliche Tanzanimation für fünf Euro, obwohl ich den Preis für eine Frechheit halte? Schreibt uns, wenn ihr die Antwort kennt.
