Das muss doch mal gesagt werden! Unser Kolumnist Ahmet Iscitürk ist Games-Aktuell-Redaktionsleiter (a. D.), Branchen-Urgestein, Comedian und ein Freund klarer Worte.
2016: Es wird Zeit aufzuräumen!
Quelle: Games Aktuell
Need for Spaß: Ich fordere ein OpenWorld-Verbot für Rennspiele.
Was bringt das Spiele-Jahr 2016? Keine Ahnung, aber ein paar konkrete Wünsche hätte ich schon.
Auch wenn jetzt einige Leser anfangen werden zu schluchzen: Uns erwartet 2016 derselbe Kram wie 2015, aber halt alles ein wenig hübscher und größer. Was ich unbedingt sehen möchte, kann ich gar nicht sagen, aber ich verrate euch, was ich auf keinen Fall mehr sehen will. Zum Beispiel Indie-Games, wobei mir eher der Begriff auf die Nüsse geht und nicht so sehr die Produkte dahinter. Dass es sich um Games handelt, die von kleinen unabhängigen Entwicklern erschaffen und häufig auch selbst vertrieben werden, sollte bei der Kategorisierung keine Rolle spielen.
Ich will das Genre wissen und ob es Spaß macht. Das war's. Ob ein Spiel von fünf oder von fünftausend Personen entwickelt wurde, hat für mich erst mal keine Relevanz. Kein Mensch sagt: "Heute würde ich gerne mal ein Spiel zocken, das ein polnischer Informatik-Student im Alleingang entwickelt hat." In manchen Fällen erscheint der Begriff "Indie-Game" eher wie eine Schutzbehauptung, um schlechte Grafik und flaches Gameplay zu rechtfertigen. Ja, die Fans au- ßergewöhnlicher Gameplay-Ideen wurden früher in der Indie-Rubrik schneller fündig. Vor ein paar Jahren machte diese Kategorisierung tatsächlich noch Sinn. Heute werden jedoch alleine über Steam so viele Indies veröffentlicht, dass man sich durch tonnenweise Grütze wühlen muss, um irgendwann auf eine Perle zu stoßen.
Wie wäre es stattdessen mit der neuen Kategorie "Außergewöhnliche Konzepte"? Mit wenigen Klicks würde man in dieser Rubrik Juwelen wie Westerado, Her Story oder Papers, Please entdecken. Das Problem dabei ist, dass wahrscheinlich jeder Depp sein eigenes Konzept für besonders außergewöhnlich hält. "Ja, auf den ersten Blick ist mein Spiel nur ein simples Jump & Run, aber man stirbt alle drei Sekunden und die Spielfigur ist ein Rechteck. Es ist echt total außergewöhnlich!" Kurz: Auch die Rubrik "Außergewöhnliche Konzepte" würden diese schlechten Menschen binnen kürzester Zeit mit ihren hässlichen Schrott-Games zumüllen.
Quelle: Games Aktuell
Geh mir fort!: MMMMMM ist ein hässliches Indie-Spiel und der Nachfolger von VVVVVV.
Verbot für Day-One Patches und unsinnige Open-World-Spiele
2016 sollte außerdem ein Verbot für Day-OnePatches verhängt werden. Es kann einfach nicht sein, dass ich mir ein Spiel kaufe und dann erst mal 23,7 Gigabyte herunterladen muss, bevor ich es zocken kann. Auch bugverseuchte Titel, die erst fünf Monate nach Release fehlerfrei spielbar sind, sollte man per Gesetz verbieten. Gäbe es so ein Verbot bereits, dann hätte Bethesda für Fallout 4 wahrscheinlich einen Veröffentlichungstermin im 4. Quartal 2016 angepeilt. Wenn wir schon mal dabei sind: Offene Spielwelten sollten ab 2016 nur noch erlaubt sein, wenn sie die Spielerfahrung wirklich bereichern. Bei Rennspielen ist das nicht der Fall. Punkt. Im Endeffekt sind aber die meisten offenen Spielewelten nichts anderes als besonders umständlich strukturierte Mission-Select-Menüs.
Außerdem sollte es ein Gesetz geben, das die Entwickler verpflichtet, den Spielstart zu beschleunigen. Wenn ich zum zehnten Mal ein Spiel starte, dann will ich mich nicht erst durch zehn Logo-Screens und Start-Menüs klicken müssen. Ich will das Spiel starten, höchstens noch "Continue" betätigen und dann genau da weiterspielen, wo ich aufgehört habe. Ohne nebulöses Auto-save-Gedöns, wo ich nach jedem Start erst mal wieder die letzten 30 Minuten wiederholen darf. Ich will eine schnelle und unkomplizierte Quicksave-Funktion, und zwar immer und überall.
Nicht zu vergessen: Entwickler sogenannter "Roguelikes" sollten 2016 allesamt eingesperrt werden. Ich spreche hier nicht von Titeln wie Demon's Souls oder Bloodborne. Wenn aber ein unmenschlicher Schwierigkeitsgrad das einzig nennenswerte Spielelement darstellt, dann halte ich eine Haftstrafe durchaus für angebracht. Vor allem wenn die Begriffe "Indie" und "Roguelike" zusammentreffen, ist meist der Spieler das Opfer. Vielleicht bin ich einfach nur zu schwach für einen gesalzenen Schwierigkeitsgrad? Das mag schon sein, aber gerade dann macht ein Verbot Sinn. Kein Produkt, das aus Einsen und Nullen besteht, sollte einem Mann seine Inkompetenz vor Augen führen dürfen. Dafür gibt es schließlich Arbeitgeber und Ehefrauen!
