Andys Kino Klassiker: Die Truman Show

Special Andreas Szedlak
Dauer-Liveübertragung: Hunderte Kameras verfolgen Truman auf Schritt und Tritt.
Quelle: Games Aktuell

Jim Carrey in einer seiner besten Rollen: Big Brother is watching you - die ganze Welt kennt Truman Burbank besser als er sich selbst.

Product Placement: Hannah spielt Trumans Ehefrau - und macht Schleichwerbung. Quelle: Games Aktuell Product Placement: Hannah spielt Trumans Ehefrau - und macht Schleichwerbung. Alles nur ein Fake! Der Himmel ist eigentlich eine blau gestrichene Riesenkuppel, die Nachbarn sind in Wirklichkeit Schauspieler. Genauso wie der Zeitungsverkäufer. Und die Ehefrau. Und jeder andere Mensch im Leben von Truman Burbank (Jim Carrey), das von vorne bis hinten geskriptet ist. Truman ist in dem Kinofilm aus dem Jahre 1998 Hauptdarsteller der populärsten TV-Serie der Welt. Er wurde in dem gigantisch großen Fernsehstudio geboren. In der Fake-Stadt Seahaven verbrachte er die letzten 29 Jahre.

Das Perfide daran: Truman hat nicht den blassesten aller Schimmer davon, dass sein Leben von Hunderten versteckter Kameras in die Wohnzimmer von Milliarden Haushalten übertragen wird - live, 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Eines Tages fällt ein Scheinwerfer vom Himmel - also, vom Dach der Kuppel -, was Truman nachdenklich macht. Als er dann seinen totgeglaubten Vater wiedersieht, nachdem dieser sich als Obdachloser verkleidet ins Studio geschlichen hat, wird Truman stutzig. Er fängt an, Dinge anzuzweifeln und erhascht in der Folgezeit immer mehr Blicke hinter die Kulissen. Gleichzeitig sehnt sich Truman nach seiner Jugendliebe Lauren, die vor seinen Augen entführt wurde. Er entschließt sich, aus Seahaven zu fliehen, um seine Angebetete zu suchen ...

Das Truman-Drama

Verdutzt: Truman fragt sich, warum ein Scheinwerfer vom 'Himmel' gefallen ist. Quelle: Games Aktuell Verdutzt: Truman fragt sich, warum ein Scheinwerfer vom "Himmel" gefallen ist. Während die ersten beiden Drittel des 99-minütigen Streifens noch satirisch und beschwingt daherkommen, entwickelt sich Die Truman Show mit der Zeit immer mehr zum Drama voller mitrei- ßender emotionaler Szenen. Da beginnt man unweigerlich, mit Truman mitzufühlen und mitzuleiden. Zu sehen, wie sich diesem naiven, fast kindlichen Menschen langsam die Augen öffnen und er dieser für ihn so erschreckenden Wahrheit auf die Schliche kommt, dass seine Welt ein Gefängnis voller Lügen und Schauspiel ist, hat mich sehr berührt, auch dank des grandiosen Soundtracks. Als intensiver TV-Konsument stelle ich mir seither auch immer wieder die Frage, ob eine derartige Fernsehserie in der Realität möglich wäre. Leider lautet meine Antwort darauf inzwischen mehr denn je: ja. Eigentlich sollte Drehbuchautor Andrew Niccol (Gattaca) auch die Regiearbeit an Die Truman Show übernehmen. Doch da die Produzenten Hauptdarsteller Jim Carrey eine stolze Gage von 12 Millionen US-Dollar zusagten, war ihnen das Risiko zu hoch, die Regie einem Anfänger zu übertragen.

Daher entschied man sich für Routinier Peter Weir (Der Club der toten Dichter). Die Investition in Jim Carrey lohnte sich für die Produzenten. Er spielte die Rolle des Truman Burbank derart brillant, dass er meiner Meinung nach einen Oscar dafür verdient gehabt hätte. Letztlich musste er sich aber mit einem Golden Globe begnügen. Finanziell war Die Truman Show ein Erfolg. Den Produktionskosten von 60 Millionen US-Dollar stehen Einnahmen von über 264 Millionen US-Dollar gegenüber. Das lag nicht zuletzt an der schauspielerischen Leistung von Ed Harris, der den TV-Show-Produzenten Christof grandios verkörperte und mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller belohnt wurde. Ich ging damals ohne besondere Erwartungen ins Kino, zumal ich kein großer Fan von Grimassenmaschine Jim Carrey war. Als ich den Saal zwei Stunden später verließ, hatte ich einen Film gesehen, der mich derart positiv überraschte, wie dies kaum einem anderen Streifen jemals gelang. Und Jim Carrey gehört seither zu meinen Lieblingsschauspielern.

Carreys Wandlung

Wandlung: So kennt man Jim Carrey aus vielen Rollen vor Die Truman Show. Quelle: Games Aktuell Wandlung: So kennt man Jim Carrey aus vielen Rollen vor Die Truman Show. Jim Carreys Wandlung vom Komödianten zum gefragten Darsteller ernsthafter Rollen Lange war Carrey bekannt als Grimassenschneider und Slapstick-Komödiant. Die Truman Show änderte dieses Bild - und seine Karriere. Die Truman Show war Jim Carreys erste tragikomische Rolle. Bis dahin war der Kanadier eher berühmt-berüchtigt für sein Talent zum Grimassenschneiden und Komödien à la Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv, Die Maske und Dumm und Dümmer (alle 1994). Auch in Der Mondmann (1998) spielte Carrey eine ungewohnt ernste Rolle, für die er - wie für Die Truman Show - mit einem Golden Globe belohnt wurde. Seither ist Jim Carrey in Hollywood als ernst zu nehmender Schauspieler etabliert.

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