Game Boy Advance Video: Retro-Special zur Nintendo-Kuriosität & Filme & Co. für GBA
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Für den Game Boy Advance (und seine Varianten SP und Micro) sind jede Menge tolle Spiele erschienen. Und Filme. Und Serien. Was? Ja, richtig gehört, unter dem Namen "Game Boy Advance Video Paks" wurden von 2004 bis 2007 einige Filmen und Serienepisoden auf GBA-Cartridges für die Wiedergabe mit dem Handheld veröffentlicht, auch in Deutschland. Schon gewusst? Hier erfahrt ihr alles zu dieser Kuriosität aus der Nintendo-Geschichte.
Wie schaut ihr euch heutzutage normalerweise einen Film oder eine Serie an? Netflix? Amazon Prime? Vielleicht auf YouTube, Disney+ oder mit Sky? Gar, etwas altbacken, aber immer noch verbreitet, auf DVD, Blu-ray oder im klassischen linearen Fernsehen? Im Kino? Die Möglichkeiten sind heutzutage extrem vielseitig, verschiedenartig obendrein. Filme und Serien gibt es in dutzenden Formaten, auf unzähligen Wegen und zu jeder beliebigen Tages- und Uhrzeit. Von minimaler Qualität mit DVD oder niedriger Auflösung beim Streaming mit schlechtem Internet bis hin zu 4K oder gar 8K, HDR nach verschiedenen Standards, astronomischen Bitraten und allerlei anderer technischer Features, Verbesserungen und Co. ist alles möglich. "Bingen", also das pausenlose Schauen unzähliger Serienfolgen am Stück, ist vor allem bei besonders populären Serien der Video-on-Demand-Anbieter weit verbreitet. Serienmarathon hätte man dazu vielleicht früher gesagt.
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Doch machen wir nun eine kleine Zeitreise zurück in das Jahr 2004. Netflix gab es schon. Damals mussten man sich die Filme auf DVD aber noch per Post zuschicken lassen, bestellt wurden sie immerhin schon seit Anbeginn des Unternehmens in den 1990ern per Internet. Amazon gab es ebenfalls schon, der Videodienst war aber noch Jahre entfernt. YouTube existierte noch gar nicht und ging erst 2005 an den Start. Für Serien und Filme gab es zwei Möglichkeiten, die am weitesten verbreitet waren: Klassisches lineares Fernsehen über Kabelanschluss oder Satellitenschüssel sowie DVDs. Streaming übers Internet existierte seinerzeit im relevanten Maße ausschließlich im illegalen oder rechtlichen Graubereich. Die Qualität war für die damalige Zeit im Kontext der 2004 noch immer weiten Verbreitung von Röhrenfernsehern und nur sehr vereinzelt kleineren LCD- oder Plasma-Geräten okay. Von HD, 4K, 8K, HDR und Co. wussten seinerzeit aber allenfalls die Ingenieure etwas, die an diesen "Zukunftstechnologien" arbeiteten.
Um unterwegs in den Genuss von Filmen und Serien zu kommen, gab es portable DVD-Spieler mit allerlei Einschränkungen und kleinen Displays. Die Geräte waren anfällig für Erschütterungen, die Akkus hielten nicht sehr lange und außerdem war die Anschaffung eines speziellen Geräts notwendig. Hasbro veröffentlichte damals eine erste Version seines portablen Wiedergabegeräts und vermarktete dieses speziell für Kinder. Auftritt: Nintendo. Das japanische Unternehmen verband diese verschiedenen Ansätze und Probleme und stellte eine ganz eigene Lösung vor, von der man hoffte, den mobilen Videomarkt zu erobern: Game Boy Advance (jetzt kaufen ) Video. Immerhin war der GBA damals schon seit rund drei Jahren auf dem Markt und somit weit verbreitet, allen voran unter Kindern. Mit der Veröffentlichung des neuen Formats eröffnete sich also schlagartig ein riesiger globaler Markt potenzieller Käufer. Der Vorteil für die erhofften Kunden: Nicht nur wurden Videoinhalte mobil bequem konsumierbar, es musste auch kein weiteres Gerät dafür extra angeschafft werden wie beispielsweise bei portablen DVD-Playern.
Doch was genau ist eigentlich Game Boy Advance Video?
Was ist GBA Video?
Bei GBA Video handelt es sich im Grunde um nichts Anderes als gewöhnliche Cartridges für den Game Boy Advance. Darauf enthalten sind aber keine Spiele, sondern Filme und Serienepisoden. Um sie von den Spiele-Kassetten zu unterscheiden, sind sie in weißer Farbe gehalten statt dem bei GBA-Spielen üblichen dunklen Grau. Generell fassen GBA-Spiele zwischen 4 und 32 MB an Daten, bei den Video-Cartridges ist es mit 32 MB stets die große Variante. Eine Ausnahme bilden dabei die zwei Video-Paks mit jeweils zwei Filmen auf einer Kassette. Diese verfügen über 64 MB Speicherplatz und wurden speziell für diesen Zweck von einer Firma entwickelt, die später von Nintendo aufgekauft und ins Unternehmen integriert wurde. Das klingt im heutigen Kontext nach verdammt wenig Platz? Ist es auch. Zwar waren 32 oder 64 Megabyte im Jahr 2004 durchaus ordentlich, bei teils mehrstündigem Videomaterial herrscht aber dennoch akute Platznot. Das zeigt sich bei der Qualität der Filme und Serien auf den Video-Paks.
Quelle: Nintendo
Game Boy Advance Video: Retro-Special zur Nintendo-Kuriosität & Filme & Co. für GBA (9)
Die Auflösung liegt bei 240 mal 160 Pixeln, das entspricht der Auflösung des Bildschirms und somit auch aller GBA-Spiele. Eine Ausnahme bilden hierbei wieder die beiden Paks mit jeweils zwei Filmen: Hier liegt die Auflösung sogar nur bei 240 mal 112 Pixeln, trotz doppelt so großem Speicherplatz. Sämtlichen erschienen Video-Paks gemein ist neben niedriger Auflösung eine extrem starke Kompression des Videomaterials, was sich beispielsweise an mitunter sehr starken Bildartefakten bemerkbar macht. Die Farbwiedergabe ist außerdem ungenau, auch die Framerate mitunter sehr niedrig. Trotzdem muss man attestieren, dass aus der leistungsschwachen Hardware sowie dem geringen verfügbaren Speicherplatz für die damalige Zeit durchaus einiges rausgeholt wurde. Das Video-Pak mit den beiden Filmen Shrek sowie Shark Tale kommt auf eine Laufzeit von insgesamt über drei Stunden. Kompatibel sind die GBA-Video-Cartridges übrigens mit dem GBA, GBA SP, GBA Micro, DS und DS Lite. Der GBA-Player für den Gamecube wird nicht unterstützt, das wollten die Rechteinhaber der Filme und Serien so, um Raubkopien zu verhindern. Selbst auf den damals im Vergleich zu heute noch deutlich kleineren Fernsehern wäre das aber sowieso kaum ein Film- beziehungsweise Seriengenuss gewesen. Probiert man es trotzdem, erscheint lediglich ein Standbild-Hinweis, der auf die fehlende Kompatibilität der Video-Paks mit dem GBA-Player hinweist.
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Die Cartridges
Grundlegend wurden die Video-Cartridges bis zu diesem Punkt ja bereits besprochen. Hergestellt wurden fast alle von dem US-amerikanischen Videospiele-Publisher Majesco Entertainment aus New Jersey. Lediglich Produktion und Vertrieb der Video-Paks mit Folgen der Pokémon-Serie übernahm Nintendo selbst. Entwickelt wurden die Kassetten von einer Firma namens 4Kids Entertainment beziehungsweise dort von der Tochtersparte 4Kids Technology Inc. Die ebenfalls US-amerikanische Firma existiert heute nicht mehr, ging 2012 pleite und wurde geschlossen. Die Verpackung der Video-Paks ist etwas größer als die von normalen GBA-Spielen, um sie schon auf den ersten Blick gut voneinander unterscheiden zu können. Vor allem Eltern sollten ihre Kinder nicht aus Versehen mit einem Film statt Spiel oder umgekehrt beschenken. Die offizielle (englische) und vollständige Bezeichnung für die Video-Kassetten für den GBA lautet "Game Boy Advance Video Paks".
