Frauen in Spielen sind auch nur Menschen

Kolumne Antonia Dreßler
Frauen in Spielen sind auch nur Menschen
Quelle: Guerrilla Games / buffed

Der Trailer für GTA 6 holt aus manchen Menschen das Schlimmste hervor. Was das mit der Protagonisten Lucia zu tun hat und es mehr weibliche Rollen in Spielen braucht, erklärt unsere Redakteurin Toni in ihrer Kolumne.

Es ist aber nicht immer die Lösung, die Heldenauswahl binär zu machen, denn manchmal gilt es eben eine Geschichte zu erzählen, die auch mit dem Geschlecht eines Charakters zusammenhängt.

Schlagen wir den Bogen zurück zu Grand Theft Auto und nehmen wir den fünften Teil unter die Lupe. In mehreren Interviews sprach sich Rockstar dafür aus, dass man weibliche Figuren nicht zur Effekthascherei nutzen wolle, dass es um drei Männer ginge und das Konzept, männlich zu sein, der Schlüssel zur Geschichte sei.

Und ja, Michael lebt die Realität eines US-amerikanischen, reichen Mannes, die Frauen so eher nicht widerfährt. Über Franklin kann man sich streiten, denn auch Frauen haben ein zu großes Ego und machen manchmal dumme Sachen. Trevor hingegen hat keine Attribute, die in seinem Wahnsinn nicht genauso gut weiblich sein könnten.

Will ich also sagen, dass Trevor eine Frau hätte sein müssen? Nein!

Aber dass sich Rockstar gegen eine Frau entschied, weil das Effekthascherei wäre, beweist, dass weibliche Figuren noch vor zehn Jahren als Auffälligkeit in Videospielen galten. Aber um etwas zu normalisieren, muss jemand anfangen. Das war offensichtlich nicht Rockstar, die dazu nicht den Schneid hatten, aber immerhin ziehen sie jetzt nach.

Die Story-Charaktere von GTA 5 stehen schwer bewaffnet nebeneinander. Quelle: Rockstar Games Zum Glück erkennen die allermeisten Spieler weibliche Figuren als gleichwertig an. Der Rest ist eine wilde Mischung aus Leuten, die offen misogyn sind und solchen, die ein weiblicher Charakter so sehr aus den Socken haut, dass die Hose gleich mit verschüttgeht.

Hübsch anzuschauen?

Es ist ja ok, wenn man einen weiblichen Charakter gut aussehend findet, und man darf ihn auch sexuell attraktiv finden. Aber sich darüber im Internet auszutauschen, wie oft man sich auf Lucia einen heruntergeholt hat, ist reine Objektifizierung von Frauen. Und wenn man weibliche Charaktere gerne spielt, weil der Anblick so nett ist, dann ist man kein Frauenfreund, sondern eklig.

Der Grund, warum Frauen auch in Spielen nicht zum Objekt degradiert gehören und es wichtig ist, dass es Frauen in Spielen gibt, ist dabei derselbe: Es geht um Repräsentation. Menschen kopieren, was sie sehen und fiktive Charaktere sind auch für Frauen Vorbilder.

Wegen Kate Archer aus No One Lives Forever habe ich überlegt Spionin zu werden, wegen Lara Croft habe ich mich in der Archäologie ausprobiert, wegen weiblichen Wissenschaftlern in Büchern habe ich eine Zeit lang Physik studiert und wegen coolen Bad-Ass-Elfen kann ich Bogenschießen.

Kate Archer Quelle: Monolith Wenn diese Heldinnen meiner Kindheit nicht existiert hätten, wäre mein Weg ein anderer gewesen und ich hätte das Medium Videospiele auch nie so lieben gelernt, dass ich Redakteurin werden wollte.

Hätte ich immer nur die Damsel in Distress gesehen, wäre mein Traum vielleicht gewesen, irgendwann den perfekten Typen zu heiraten, der mich aus meinem Turm befreit. Und ich sag mal so: Ich bin viel zu rechthaberisch, abenteuerlustig und vor allem chaotisch, als dass eine Ehe mit mir am Herd lange gut gehen würde.

Ich bin also um jede Frau dankbar, die nicht als hübsch anzusehende Deko im Spiel platziert ist, eine Persönlichkeit besitzt und sogar so etwas wie Ziele im Leben hat. Ich bin auch dankbar für jede Frau, die nicht dem perfekten eurozentristischen Schönheitsideal entspricht und die trotzdem nicht für ihren Körper verurteilt wird. Oder in irgendeiner anderen Form bewertet.

Spiele dürfen mit Stereotypen spielen, aber das sollte im besten Fall clever gemacht sein. Spiele dürfen natürlich humorvoll sein und Karikaturen zeigen. Spiele dürfen aber auch ernst sein und Frauen als normale Menschen darstellen. Ich hoffe mitzuerleben, wie eine Spielheldin keine Sonderstellung mehr hat. Und niemand mehr darüber redet, dass ihm die Figur nicht passt: weil sie unrealistisch ist, weil sie nicht so hübsch ist, weil sie zu perfekt ist. Weil sie eine Frau ist.

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