GTA Online: Die Clubbing-Welt von „After Hours“ - ein Erlebnisbericht

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GTA Online: Die Clubbing-Welt von „After Hours“ - ein Erlebnisbericht
Quelle: Rockstar Games

Am 24. Juli 2018 hat Rockstar Games "After Hours" veröffentlicht - den neuen DLC für den Online-Modus von Grand Theft Auto 5. Wie spielt sich die kostenlose Erweiterung, die uns zum König der Nacht machen soll? In einer an Selbstdestruktivität grenzenden Reise habe ich mich für euch auf die Tanzflächen von Los Santos gewagt und es herausgefunden.

In glühenden Neonlichtern spiegeln sich klebrige Longdrink-Pfützen, der Boden bebt. Dutzende stapfende Füße wollen ihm energisch klar machen, wer die besten Moves im Club beherrscht. Inmitten des Tanzmobs: Ich, ein sympathischer Alleskönner, der sich von Party zu Party hangelt, trotz akuter Geldnot auf Pump 150.000 Dollar teuren Edelschampus schlürft und redensartlich die virtuellen Fuffies durch den vernebelten Club wirft, als gäbe es keinen Morgen. Plötzlich wird mir schwarz vor Augen. "Du hast keinen Zugang mehr zu diesem Nachtclub, da der Besitzer das Spiel verlassen hat".

Oder habe ich nur wieder zu viel getrunken? Tatsache ist, dass ich auf offener Straße erwache - das Portemonnaie leer, der Schädel dick, die Hitze von Los Santos drückend. Alles beim Alten also. Wie aus heiterem Himmel klingelt das Smartphone, ein alter Bekannter ist am Apparat. Er unterbreitet mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann: Die gemeinsame Eröffnung eines eigenen Nachtclubs. Warum ich nicht ablehnen kann? Weil es sich hier um niemand geringeren handelt als Anthony Price - den legendären Nachtclubkönig von Liberty City höchstpersönlich. "Gay Tony" ist wieder da!

Alles nur eine Frage des Geldes

Über das Smartphone kaufe ich mir auf Anraten Tonys eine von insgesamt zehn frei stehenden Lokalitäten. Für den schicken Vinewood-Schuppen reicht das Geld freilich nicht: Bei voller Ausstattung können die Edelimmobilien Los Santos' schon mal über fünf Millionen Dollar verschlingen. Weil ich nicht weiß, wie man schnell an Geld kommt, leihe ich die Kohle bei einem Online-Kredithai, wodurch ich mir immerhin geradeso eine billige Absteige an den Docks leisten. Die kostet "nur" etwas mehr als eine Million Dollar - günstiger wird's nicht. Auf zusätzliche Lagerräume, Tänzer und Schnickschnack wie Trockeneis, das an Musik-dramaturgisch günstigen Zeitpunkten das feiernde Volk umnebelt, verzichte ich dabei vorerst. Einen eigenen Clubnamen darf ich mir leider nicht ausdenken, lediglich aus neun Vorschlägen wählen - Tony kennt sich da ohnehin besser aus, schätze ich. Ich entscheide mich für "Omega".

Gay Tony aus dem GTA 4-DLC The Ballad of Gay Tony Quelle: Rockstar / PC Games Wiedersehen mit Gay Tony: Der Club-Mogul aus Liberty City besitzt die nötige Expertise für den Aufbau unseres neuen Geschäfts. An der neuen Nachtclubsensation in spe angekommen, nehmen mich Tony, dessen gut vernetzter Kumpel English Dave und ein gewisser Lazlow in Empfang. Der Laden sieht noch aus wie eine Baustelle, doch Tony weiß, wie der beste Tanzschuppen von ganz Los Santos aufzuziehen ist. Da ich früher bereits CEO eines schäbigen Unternehmens war, kann ich am Club-PC die nötigen Vorbereitungen treffen. So gilt es zunächst, ein wenig Personal in der Stadt einzusammeln: Ohne Türsteher, Techniker und Bartender geht schließlich nichts. Die Soundanlage klaue ich den Veranstaltern eines abgelegenen Wüstenfestivals in einer frechen Nacht-und-Nebel-Aktion direkt unter den zugekoksten Nasen weg.

Fehlt nur noch jemand, der unseren Partys das nötige Leben einhaucht. Mit Tale Of Us am 31. Juli, Dixon am 7. August und The Black Madonna am 14. August stehen für die nächsten Wochen bereits internationale Topacts auf der Agenda. Für den Anfang lassen wir jedoch DJ Solomun aus dem fernen Hamburg einfliegen - eine echte Ikone der Techno-Szene. Bei der Landung in Los Santos geht zwar einiges schief, schon kurze Zeit später holen wir den Prediger der elektronischen Tanzmusik aber wohlbehalten ab und fahren ihn zu seinem neuen Tempel. Und der kann somit endlich eröffnet werden.

Willkommen im Club

Außen pfui, innen pfui: Rein optisch macht der an den Docks gelegene Club noch wenig her. Quelle: Rockstar / PC Games Außen pfui, innen pfui: Rein optisch macht der an den Docks gelegene Club noch wenig her. Mit kahlen, Graffiti-beschmierten Wänden, einer versifften Unisex-Toilette und notdürftig angebrachter Lichtshow gleicht mein so mühsam errichtetes Etablissement noch immer eher einer vernachlässigten Baustelle, als dem neuen Party-Mekka Los Santos'. Etwas mehr Innenausstattung hätte dem Schuppen schon gutgetan. Hier gilt es, aus der Not eine Tugend zu machen: Das ist Industrial Design, Baby. Höchst exklusiv.

Ab sofort verbinde ich hier meine zwei liebsten Hobbys: Feiern und Geld verdienen. Damit der Laden auch gebührend Kohle abwirft, setze ich gleich mal einen Eintrittspreis für zukünftige Besucher fest: 100 Dollar dürften angemessen sein. Mein teurer Lebensstil finanziert sich schließlich nicht von selbst. Bis zu 10.000 Dollar fährt der Laden täglich ein, das Geld kann ich mir im Club-eigenen Safe abholen. Im Backstage-Bereich, der neben Computern auch noch eine eigene Bar, Garderobe und Schlafgelegenheiten bietet, verwalten Tony und ich das Geschäft.

Plakate kleben für Werbung für den Nachclub in GTA Online. Quelle: Rockstar / PC Games Mit Plakaten und anderen Werbeaktionen versuche ich, meinen Club stadtbekannt zu machen. Und weil es uns aktuell noch etwas an Gästen mangelt, rühre ich höchstpersönlich die Werbetrommel. Einen Schwung Plakate an den Fassaden Los Santos' anbringen? Trotz Zeitdruck kein Problem. Etwas aufregender gestaltet sich der Helikopterflug, den ich nutze, um Flyer über der ganzen Stadt zu verteilen. Mein aggressives Werbegebärden sieht die Konkurrenz nicht so gern und versucht, mich mit explosiven Argumenten vom Himmel zu holen. Ich erwidere die Geste, indem ich die Promo-Aktionen anderer Big Player der Stadt mit bleihaltigen Antworten unterbreche.

Mitfeiern ausdrücklich erwünscht

Wer nicht zur zähnefletschenden Konkurrenz gehört, darf mit mir das Tanzbein schwingen: Bis zu 29 Freunde können mir auf der Tanzfläche oder im VIP-Bereich Gesellschaft leisten und feuchtfröhlichen Trinkspielen frönen. Mein überlegener Alpha-Status lässt sich auch hervorragend hinter dem Tresen selbst zur Schau stellen, wo ich neuen und alten Bekanntschaften gönnerhaft Drinks ausschenke.

Name des Nachclubs in GTA Online mit Gay Tony. Quelle: Rockstar / PC Games Dank der Hilfe Tonys entwickelt sich Omega zur echten Club-Instanz. Omega gewinnt rapide an Popularität. Während Solomun in jeder Nacht und "After Hour" alles gibt, hole ich noch einige bekannte Gesichter aus der Promiriege Los Santos' dazu, was die Beliebtheit meines Clubs am Anschlag hält. Dazu tragen zudem auch meine legendären Tanzmoves bei: Begebe ich mich selbst aufs Parkett und stelle mein beeindruckendes Rhythmusgefühl unter Beweis, ist das im feiernden Volk nämlich äußerst gern gesehen.

Umstehende Gäste beeindrucke ich mit minutiös einstudierten Schritten, wechselnder Intensität. Der Beat pumpt gerade etwas bedächtiger? Dann lasse auch ich es langsam angehen und wippe mit überlegenem Blick locker auf der Stelle. Zieht die Musik wieder an und bringt die Menge zum Toben, gibt's dann aber auch für mich kein Halten mehr: Unter entgleisenden Gesichtszügen werfe ich die Arme in die Luft und zeige der Menge, wer der Chef auf dem Parkett ist.

So gerne ich das die ganze Nacht machen würde: Das Geschäft schläft nicht. Im Gegenteil - als legale Fassade eröffnet mir der Club neue Türen in einer Welt, die illegaler kaum sein könnte.

Der Club als kriminelles Zentrum

Wie Tony mir mehr als einmal augenzwinkernd mitteilt, lässt sich unser feines Etablissement für mehr nutzen, als die Bespaßung der Feiergemeinde Los Santos'. Praktischerweise steht mir im Backstage-Bereich nämlich jede Menge ungenutzter Lagerraum zur Verfügung. Wenn ich mein früheres Leben als CEO eines zwielichtigen Schmugglerunternehmens nun nicht so voreilig an den Nagel gehängt hätte, um eine vielversprechende Karriere als Party-Animal zu verfolgen, könnte ich hier mein kriminelles Netzwerk weiter ausbauen.

Übersicht zu den Nachtclub-Bilanzen in GTA Online. Quelle: Rockstar / PC Games Am PC manage ich meinen Nachtclub, heuere neue DJs an und verwalte mein kriminelles Netzwerk. Bis zu drei Garagenetagen bieten Platz für zahlreiche Autos und Lieferwagen, mit denen von mir eingestellte Techniker heiße Ware wie Waffen, Drogen, gefälschte Dokumente und Cash besorgen, durch die Stadt bewegen und verkaufen. Mit gepanzerten, bis an die Zähne bewaffneten Fahrzeugen, kann ich selbst im urbanen Dschungel auf die Jagd gehen und in Konkurrenzkämpfen mit anderen Big Playern der Nachtclubszene um frische Fracht kämpfen.

Nach einem harten Arbeitstag gönne ich mir zur Abwechslung einmal ein Getränk an der hauseigenen Bar. Heute darf's ein "Macbeth-Whiskey" sein. Der edle Tropfen mit schottischem Einschlag haut mich regelrecht von den Socken. Erneut wird mir schwarz vor Augen. Und als ich schließlich irgendwann bis auf die Unterhose entkleidet auf der Spitze des Mount Chiliad aufwache, frage ich mich, ob der Traum von der Karriere als übermächtiger Nachtclub-CEO tatsächlich nur das war - ein ethanolgetriebener, neongetünchter Fiebertraum.

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