Eigentlich dienen sie lediglich dem Transport eines Spiels und schützen die empfindlichen CD- und DVD-Scheiben. Doch viele sehen weitaus mehr in ihnen. Spieleverpackungen: Wirklich nur schnöde Hülle oder gern gesehenes Kunstwerk? Und wie stehen Publisher und Spieler zu Handbüchern, Dreingaben und Gimmicks?
Ganz anders sieht es da aber schon wieder aus, wenn man für das gleiche Geld eine hübsche Packung erhält, die sich jeder gerne ins Wohnzimmer stellt. Oder eben die erwähnten Extras. So etwas geht Raubkopierern durch die Lappen, so dass diese Mittel zumindest teilweise als gezielte Gegenmaßnahmen seitens der Publisher durchgeführt werden. »Das ist ganz klar ein beabsichtigter Nebeneffekt, der sowohl dem Käufer als auch Publishern und Entwicklern zu Gute kommt«, erklärt Markus Wilding von Take 2.
Blick in die Zukunft -- das Aus der Verpackung?
Mit der DVD-Packung müssen also auch Nostalgiker leben, sie ist aus dem Handel nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig gibt es aber auch genügend Publisher, die den vorhandenen Spielraum nutzen und nach wie vor schmucke Hüllen und interessante Goodys anbieten. Die Palette reicht von praktischen Schuber-Boxen, über DVD-Hüllen mit einem auffälligen Hologramm-Cover bis hin zu Sonderformaten, die jedoch eher selten oder im Rahmen einer Special Edition zu sehen sein werden. Auch geprägte Cover auf einer Klappbox kommen wieder in Mode. Gerade die jüngeren Spieler nehmen diesen Zusatzaufwand der Publisher meist nur am Rande und als nette Dreingabe wahr. Der große Groll kommt aus den Reihen älterer Fans, die eben mit der Luxusausstattung in der Branche aufgewachsen sind.
Hüllenlos spielen
Die Zukunft hält für beide Fraktionen etwas bereit und ist daher nicht ganz so schwarz, wie es so mancher »Ultima-Haudegen« darstellen mag. Es kommt am Ende vielleicht aber doch ganz anders, als alle denken. Die jüngste Vergangenheit zeigt deutlich einen neuen Trend der elektronischen beziehungsweise digitalen Vermarktung auf. Onlineplattformen, wie sie etwa Valve mit »Steam« eingeführt hat, erfreuen sich nach anfänglicher Skepsis und Ablehnung immer größerer Beliebtheit. Die erforderlichen Rahmenbedingungen (etwa Breitbandanschluss) breiten sich verstärkt in den Haushalten aus, somit wäre der Weg für diese Art des Spielevertriebs frei. Der Vorteil für die Entwickler und Publisher: direkter Verkauf an die Kunden ohne Zwischenhändler, sowie wegfallende Kostenpunkte für Verpackung und Handbücher.
Ob sich diese Art des Vertriebs tatsächlich durchsetzt oder es eine friedliche Koexistenz mit den so genannten Retail-Versionen gibt, muss die Zukunft zeigen. Martin Szymanski sieht dem gelassen entgegen: »Ablösen ist übertrieben. Ich denke eher, dass der digitale Vertrieb den traditionellen Absatz ergänzen wird.« So ähnlich wird es wohl kommen, zumindest in einer Übergangsphase ...
André Linken
