Eigentlich dienen sie lediglich dem Transport eines Spiels und schützen die empfindlichen CD- und DVD-Scheiben. Doch viele sehen weitaus mehr in ihnen. Spieleverpackungen: Wirklich nur schnöde Hülle oder gern gesehenes Kunstwerk? Und wie stehen Publisher und Spieler zu Handbüchern, Dreingaben und Gimmicks?
Reichhaltiges Innenleben
Im Bezug auf die Verpackung ergibt sich also ein gewisser Zwiespalt. Doch wie sieht es beim Inhalt aus? Auch hier drängt sich wieder der Vergleich mit der Vergangenheit auf. Damals waren dicke Handbücher samt schmucker Illustrationen keine Seltenheit, während heutzutage teilweise sogar ganz darauf verzichtet wird. Auch Extras wie Karten, Figuren, Soundtrack-CDs etc. findet man mittlerweile nur noch selten vor. Wenn, dann meistens in einer sündhaft teuren Collector's oder Special Edition, die schon mal gut und gerne bis zu 100 Euro verschlingt.
Während einige Spieler sicher abwinken und besagte Goodys eher als nutzlose Dreingabe ansehen, gibt es auch gänzlich andere Sichtweisen. »Es kommt immer darauf an, welche Extras in der Verpackung landen. Goodys sollen den Spaß am Spiel beziehungsweise die Identifikation damit verstärken«, so Markus Wilding. »Schnöde Kugelschreiber oder Schlüsselanhänger verfehlen diesen Effekt natürlich, so dass man sich als Publisher ernsthafte Gedanken zu dieser Thematik machen sollte. Die Käufer freuen sich über die Geschenke.« Das belegt auch unsere Umfrage: Immerhin 53 Prozent aller Teilnehmer sehen solche Goodys sowie eine schicke Verpackung sogar als zusätzlichen Kaufanreiz und würden somit eher zugreifen.
Der Faktor Kosten
Bei aller Euphorie über kostenlose Extras darf man den wirtschaftlichen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. Kein Publisher der Welt kann es sich leisten, jedem seiner Titel teure T-Shirts oder Metallfiguren beizulegen. Gerade bei Niedrigpreis-Spielen macht dies auch wenig Sinn, denn bei denen soll der geringe Verkaufspreis motivieren und nicht die Verpackung an sich. Es ist wohl auch eine Art Tribut, den die Branche für den Aufstieg zum Massenmedium zollen muss -- zumindest ansatzweise. Heutzutage wandern von einem Toptitel deutlich mehr Exemplare über die Ladentheke als noch vor 10 oder 15 Jahren. Dies treibt die Produktionskosten von Goodys zwangsläufig in die Höhe und stellt somit einen nicht zu verachtenden Kostenfaktor für jeden Publisher dar. Was früher aufgrund der geringen Stückzahlen noch ohne weiteres möglich war, muss in der Zeit von Aktienkursen und knallharten Geschäftsberichten durchkalkuliert werden.
Und vor allem: Die Verkaufspreise für Spiele sind konstant geblieben, während sich die Entwicklungskosten vervielfacht haben.
Mittel gegen Piraterie?
Fakt ist, dass aufwändige Hüllen und Goodys eher auf den Massenmarkt zielen. Es sind die Gelegenheitsspieler, die sich erst im Laden entscheiden, welches Spiel sie mit nach Hause nehmen. Der Hardcore-Gamer informiert sich bereits im Vorfeld ausgiebig über seine Favoriten und kauft gezielt ein. Doch eine ganz andere Szene wird von der Verpackungsthematik ebenfalls berührt -- die Raubkopierer. Die Versuchung ist allgemein schon recht groß, billig die neusten Spiele per Kopie zu erhaschen. An die Illegalität dieser Aktion denken dabei nur die Wenigsten. Gerade bei den schmucklosen DVD-Hüllen macht es in den meisten Fällen auch kaum einen Unterschied, ob man nun das Original oder eine Kopie mit selbst gedrucktem Cover im Regal stehen hat -- zumindest rein optisch.
