Frozenheim in der Vorschau: Was taugt der Early-Access-Strategie-Titel?

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Frozenheim erschien am 20.05.2021 im Early-Access-Status auf Steam. Ein Release wurde vom Entwickler auf Anfang 2022 gesetzt. 
Quelle: Paranoid Interactive

Noch ein Wikinger-Spiel, das mit Early-Access-Phase startet und auf den ersten Blick vielversprechend aussieht? Mit Frozenheim versucht sich Entwickler Paranoid Interactive an einem wilden Strategie-Genre-Mix im nordisch-mythischen Setting. Das am 20. Mai erschienene Experiment wird aber allem Anschein nach erst einmal nicht an die gewaltigen Spielerzahlen Valheims herankommen können. Und das aus mehreren Gründen, wie wir in unserer Vorschau samt Video klären.

Noch ein Early-Access-Spiel im mythischen Wikinger -Setting á la Valheim? Eines müssen wir Paranoid Interactive wirklich anrechnen. Ihr kürzlich erschienener Wikinger-Strategie-Mix kommt weder sonderlich teuer noch hässlich daher. Ganz im Gegenteil. Für 14 Euro bekommen wir ein vielversprechendes, hübsches Unreal-Engine-Paket. Die grafische Inszenierung und das hochwertige Auftreten in Sachen Overlay und Audio samt mächtigem Foto-Modus lassen unser Spielerherz zunächst höherschlagen. Trotzdem müssen wir an dieser Stelle vorwarnen, denn Oberflächlichkeiten reichen hier nicht. Es braucht Substanz.

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Welches Genre darf es denn sein?

Mit Frozenheim wird uns eine Mischung aus Echtzeit-Strategie und Städtebau-Simulator präsentiert. Einheiten lassen sich ausheben, Gebäude frei platzieren und fleißige Arbeiterbienen laufen ihre Routen ab, um an Produktionsstellen Ressourcen zu erwirtschaften. So weit, so gut. Doch wird nach anfänglicher Honeymoon-Phase schnell klar: So ganz ausgereift ist keine der Anleihen bei Genregrößen. Ein Beispiel: Das Spiel erinnert vom Grundprinzip an Titel wie Anno 1800. Auch hier können wir klassisch die Zeit anhalten, um dem Produktions-Management in Ruhe nachzugehen und Gebäude ideal anzuordnen. Neben kleinen Kinderkrankheiten, wie dem automatischen Wechsel der Geschwindigkeitsstufe nach Pause, fällt eines jedoch deutlich auf.
Bauen können wir zwar frei, allerdings auch nur im kleinen Bereich der Siedlung (hier in hellblau). Quelle: PC Games Bauen können wir zwar frei, allerdings auch nur im kleinen Bereich der Siedlung (hier in hellblau). Auch wenn wir die Zeit anhalten können, ganz so groß wie in Anno-Welten sind die drei spielbaren Maps nicht und auch die verfügbare Baufläche hält sich deutlich in Grenzen. Bauen erfordert nicht nur Platz und Material, sondern auch Zeit sowie nicht beschäftigte Arbeitskräfte. Ein Bau über die Grenze hinweg ist anscheinend nicht angedacht. Expansion ist momentan nur innerhalb einer kleinen, vorgegebenen Fläche möglich, ganz im Gegensatz zu so manchem Genre-Vertreter. Das bebaubare Gebiet zieht sich rund um das Heim des Jarls, dem wichtigsten Gebäude im Spiel.

Denn sobald das Herrscherhaus durch gegnerische Einheiten zerstört wird, endet die Session in einer Niederlage. Wertvollen Schutz bieten uns da Palisaden und Aussichtstürme. Diese lassen sich ohne bestimmtes Raster innerhalb der Dorfgrenze aufstellen. Wer im Multiplayer gegen Freunde oder gegen KI-gesteuerte Einheiten ankommen will, muss nicht nur auf Schutz, sondern auch auf Erkundung und eigene Krieger setzen. Wer mit trainierten und vor allem zahlreichen Einheiten das gegnerische Dorf überrennt und die Jarls-Halle zerstört, gewinnt.  Quelle: PC Games Wer mit trainierten und vor allem zahlreichen Einheiten das gegnerische Dorf überrennt und die Jarls-Halle zerstört, gewinnt. 

Wer Siedlungs-Simulation will, bereitet Krieg vor

Durch das Trainingslager lassen sich Bewohner, die keiner Tätigkeit nachgehen, zu Soldaten wie Axtkämpfern oder Bogenschützen ausbilden. Um neue Bewohner für die Armee anzulocken, gilt es unsererseits neue Wohnhäuser zu bauen und das Bevölkerungswachstum durch lang anhaltende Zufriedenheit mittels Brunnen und Druidenhütte zu gewährleisten. Sobald das eigene Dorf einigermaßen mit den nötigsten Ressourcen und Gebäudetypen ausgestattet ist, können und sollten wir uns auch dem Konfrontationskurs widmen, ehe unsere Siedlung ein schnelles, aggressives Ende ereilt. Jede Einheit hat ihre individuellen Kampf-Werte und Fähigkeiten. Die Späher sind weder zahlreich noch stark, können aber durch die Rabenfähigkeit größere Areale ohne Risiko für kurze Zeit einsehbar machen. In Warcraft-3 -Manier lüften wir durch Erkundung den Nebel und versuchen das feindliche Dorf auszukundschaften, um dann im richtigen Moment mit starken Berserkern und Schildeinheiten zuzuschlagen.
Schiffe vollgepackt mit Kriegern zum Gegner zu schicken kommt dem Setting sehr zugute. Auch ist beim Aufeinandertreffen zweier feindlicher Schiffe eine Reiberei möglich. Quelle: PC Games Schiffe vollgepackt mit Kriegern zum Gegner zu schicken kommt dem Setting sehr zugute. Auch ist beim Aufeinandertreffen zweier feindlicher Schiffe eine Reiberei möglich. Im Gefecht sinkt die Kraft der Einheiten mit dem Fallen einzelner Kämpfer. Verwundete Krieger lassen sich problemlos an einer Druidenhütte heilen, Gefallene müssen dagegen von neuen Bewohnern im Dorf ersetzt werden. Sobald wir das gegnerische Jarls-Zentrum zerstört haben, haben wir gewonnen. Bei mehreren Parteien verkompliziert sich die Taktik, wie in Strategie-Spielen eben üblich. Durch das Finden der verstreuten Runensteine und das Erbauen eines Tempels können wir uns durch göttliche Segen der nordischen Götter gegenüber der Konkurrenz Vorteile verschaffen. Wer alle sechs Runensteine findet, darf eine Siedlung durch göttliches Eingreifen zerstören. Das klingt allerdings aufregender, als es letztlich ist. Die Steine sind über die Map verteilt und Reisen dauert, auch mit Vorspul-Funktion.

Inhalte und Tiefe noch rar gesät

Echte spielerische Vielfalt suchen wir zum Start der Early-Access-Phase vergebens. Die Kampagne stellt ein gutes Einsteiger-Tutorial dar, bietet allerdings nur zwei kurze Missionen. Im freien Gefechts-Modus können wir uns anderen Spielern oder KI-Gegnern stellen. Einen großen Unterschied gibt es zwischen den Siedlungen kaum. Durch die sogenannte Halle der Ältesten wird uns zwar ermöglicht, eine bestimmte Clan-Ausrichtung, etwa mit Fokus auf Glaube, Ressourcenabbau oder Krieg einzuschlagen, doch bleibt sowohl optisch als auch spielerisch so ziemlich alles gleich. Und das, obwohl unterschiedliche Vorteile ausgewählt werden können. Andere Farbpaletten und Gebäudeanordnungen sind zwar wählbar, aber auch begrenzt.

In den Kampagnen Missionen werden uns kleinere Ziele als eine Art Tutorial vorgegeben. Quelle: PC Games In den Kampagnen Missionen werden uns kleinere Ziele als eine Art Tutorial vorgegeben. Durch die winzige Baufläche und die automatisch generierten Wege erübrigen sich auch größere, kreative Städteplanungen wie in Cities: Skylines. Großartiges Management ist in Frozenheim (jetzt kaufen 4,36 € ) deshalb auch nicht wirklich gefordert. Beim Jahreszeiten-System gilt es zwar teilweise auf Ressourcen-Produktion oder Bewegungseinschränkung der Kampfeinheiten zu achten, jedoch ist das Gameplay derzeit noch alles andere als komplex. Eine nette Abwechslung, gerade mit Blick auf das Wikinger-Setting, stellen immerhin die Schiffe dar, die wir bauen können. Also lässt es sich zumindest stylisch zum Feind segeln. Das ist nett und atmosphärisch, mehr allerdings auch nicht.
Mit dem Haus der Ältesten können wir den Technologiebaum freischalten, der uns verschiedene Boni erforschen lässt.  Quelle: PC Games Mit dem Haus der Ältesten können wir den Technologiebaum freischalten, der uns verschiedene Boni erforschen lässt. 

Technisch stabiles Grundgerüst mit fehlenden Details

Der momentane freie Modus bietet drei Karten und bescheidene Einstellungsmöglichkeiten. Quelle: PC Games Der momentane freie Modus bietet drei Karten und bescheidene Einstellungsmöglichkeiten. Für knapp 14 Euro bietet das Spiel trotz Early Access schon einen ordentlichen Unterbau. Natürlich fehlen massig Inhalte und es liegt am Talent und der Motivation der Entwickler, wie kreativ sie das vorhandene Gerüst zu erweitern imstande sind. Nicht jeder Wikinger-Titel kann wie Valheim innerhalb kürzester Zeit Rekorde brechen. Laut Angaben von Paradox Interactive dürfen wir uns auf den Release Anfang 2022 freuen. Ob bis dahin genug Inhalte und Updates nachgeliefert werden, bleibt also wie immer abzuwarten.

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