Frostpunk 2 will Aufbauherzen erobern. Wir durften in die Kampagne spielen und waren überrascht. Hier steckt überraschend viel Rollenspiel-Potenzial drin!
Die Außenposten, die wir in Frostpunk 2 hochziehen, sind allerdings keine stummen Punkte auf der Karte, wie noch in der Beta. Jetzt finden sich hier ganz eigene Instanzen, zwischen denen wir nahtlos hin- und herwechseln. Das erinnert stark an die unterschiedlichen Maps in Anno 1800. Scrollen wir weit genau heraus, landen wir auf der Weltkarte und zoomen wir am Außenposten wieder rein, wechseln wir direkt auf die neue Karte.
Anno im Eis
Auch dort müssen wir also für Nahrung, Wärme und Unterkunft sorgen, bevor wir auch nur daran denken, irgendwas in unsere Hauptstadt zu schicken. Die Kolonien erreichen nicht den gleichen Tiefgang wie die Hauptstadt, verlangen aber durchaus Aufmerksamkeit. Da ist im Vorteil, wer Talent fürs Multitasking hat.
Quelle: 11 Bit Studios
In unserer Demo haben wir uns etwas zu sehr auf unseren Außenposten konzentriert und gar nicht gemerkt, dass in unserer Hauptstadt gerade die Kohle ausgegangen ist und die Leute unzufrieden in der Kälte sitzen. Zum Glück konnten wir das Ruder noch herumreißen. Das Jonglieren mit verschiedenen Außenposten hat aber auf jeden Fall das Potenzial für einen angenehmen Stresslevel und gibt uns ordentlich was zu tun. Ein kleiner Hinweis vom Spiel auf die Missstände in unserem Siedlungszentrum wäre aber auch nett gewesen.
Für noch etwas mehr Stress sorgen dann noch die Leute in unserer Hauptstadt. Wie erwähnt wollen die mehr Mitspracherecht. Dafür bauen wir einen Senat, in dem verschiedene Fraktionen der Stadt vertreten sind. Wollen wir nun gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen, benötigen wir dafür die Mehrheit im Senat. Dumm nur, dass die Fraktionen stellenweise komplett gegenteilige Dinge wollen.
Wir müssen also stets dafür sorgen, dass die Leute für uns stimmen. Dafür muss man der ein oder anderen Fraktion auch mal ein Versprechen geben, eine andere Sache für sie in Zukunft umzusetzen. Diese neue Politiksimulation bildete für uns sogar eines der spannendsten Features von Frostpunk 2.
Eisige Politik
Das Hin- und Herschachern der Stimmen macht Spaß und wir hatten stets ein befriedigendes Gefühl in der Magengegend, wenn ein Gesetzesentwurf vom Senat angenommen wurde. Tatsächlich steckt hier sogar überraschend viel Potenzial für ein persönliches Rollenspiel. Von den großen Fraktionen können sich auch kleine Splitterparteien abspalten.
Quelle: 11 Bit Studios
Diese extremistischen Gruppierungen werden zwar auch durch Ignorieren größer und machen uns so das Regieren schwieriger. Allerdings können wir sie auch für uns annehmen und selbst stärken. Tun wir beispielsweise so, als wäre der neue Captain ein Anhänger einer radikalen Gruppe, können wir versuchen, dieser Fraktion zum Aufstieg zu verhelfen. Das ist anfangs natürlich eine ordentliche Herausforderung, schließlich lässt es sich mit einer Fünf-Prozent-Partei schlecht regieren.
Gelingt es uns allerdings, die anderen Fraktionen in Schach zu halten, aber dennoch im Sinne der Splitterpartei zu handeln, können wir sie langsam vergrößern. Dazu stehen uns Mittel zur Verfügung, um Parteien zu favorisieren oder zu befördern. Dadurch wächst die begünstigte Partei langsam an und wir werden mit mehr Stimmen belohnt, die ohnehin in unserem Sinne handeln. Wir hätten noch sehr viel tiefer reinspielen müssen, um diese Möglichkeiten voll auszutesten, aber allein die Vorstellung brachte unser Kopfkino zum Rattern.
Fans des ersten Teils werden zwar gerade bei diesen gravierenden Umstellungen der Spielmechanik die Nase rümpfen, wir freuen uns jedoch sehr auf die Politiksimulation.
Wir hoffen daher auch, dass dieses System im weiteren Verlauf der Story ebenfalls genutzt wird, um spannende und interessante Wendungen in der Geschichte herbeizuführen. Bisher ist der Ausgangspunkt der Kampagne nämlich nur ein erneuter rapider Temperaturabfall. Das hatten wir aber ja schon mal im ersten Teil.
Leider hat unsere Spielzeit nicht gereicht, um tiefer in die Story einzutauchen. Das werden wir uns also für den finalen Test Ende Juli aufheben müssen. Auf den sind wir allerdings sehr gespannt, denn am Ende unserer Demo haben wir uns definitiv dabei erwischt, wie wir Frostpunk 2 jetzt schon gern noch weitergespielt hätten. Und wenn ein Aufbauspiel bereits in so kurzer Zeit eine derartige Sogwirkung entfaltet, dann ist das zumindest schon mal ein gutes Zeichen.
