Free2Play: Das beste System für Entwickler und Spieler - Seite 2
Kolumne
Free2Play-Spiele sind die Zukunft? In ihrer Kolumne redet Toni darüber, warum das gar nicht mal so schlecht ist.
Fürs Leveln zahlen
Alle diese Spiele haben vor allem eines gemeinsam: Einen Battlepass. Ein Levelsystem, durch das man Belohnungen freischaltet. Zahlt man Geld, erhält man Zugriff auf den Premium-Pass, mit dem richtig guten Zeug.
Das System ist ausgefuchst, denn durch das Leveln, schafft mir das Spiel ein Gefühl von Fortschritt und vermittelt mir glaubhaft, dass ich mir die kosmetischen Gegenstände verdient habe. Ich kaufe hier nicht, was jeder haben kann, denn ich habe es überhaupt erst so weit gebracht.
Gleichzeitig ist mein Level innerhalb des Battlepasses auch ein Zeugnis von den vielen Spielstunden, die ich bereits investiert habe. Die Ausgabe rechtfertigt sich quasi von selbst, denn offensichtlich macht mir das Spiel Spaß und ich will die Entwickler ja auch unterstützen.
Sobald ich mir den Battlepass dann kaufe, weiß ich aber, er lohnt sich mehr, wenn ich weiterkomme. Ich kaufe mir mit den Belohnungen also auch das Bedürfnis, schneller weiter zu leveln und mehr Zeit im Spiel zu verbringen.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Free2Play: Das beste System für Entwickler und Spieler (3)
Das macht den Battlepass vielleicht zum besten Monetarisierungs-Tool, dass sich je ausgedacht wurde. Und das nicht nur für die Publisher und bösen Konzerne, sondern auch für uns Spieler.Mehr Gegenstände für das gleiche Geld, wenn man mehr Zeit im Spiel verbringt? Klingt ja eigentlich ziemlich fair. Zudem hat man im Gegensatz zu Lootboxen komplette Einsicht darin, was man bekommt. Und da das Ganze anscheinend sehr viel lukrativer ist als ein Vollpreismodell, profitieren auch die weniger zahlkräftigen Kunden davon. In Zukunft kann man sich nämlich darauf verlassen, dass es noch sehr viel mehr Spiele im Free2Play-Segment geben wird.
Relevante Vorreiter
Aktuell geschieht diese Entwicklung noch zaghaft, aber Destiny 2, PUBG oder Overwatch 2 zeigen anderen Publishern, dass auf diese Art sinkende Spielerzahlen bestens eingefangen werden können und man sogar ein Plus davonträgt.
Inzwischen weiß man auch, dass Free2Play-Titel nicht mehr gleichbedeutend mit schlechten Spielen sind. Und sie sind sogar sehr inklusiv, weil sie den Einstieg ins Gaming erleichtern und monetäre Unterschiede ausgleichen.
Dass Systeme wie Battlepass und Ingame-Shop nach wie vor mit Skepsis betrachtet werden, liegt mitunter daran, dass sie auch in Spielen wie Call of Duty existieren. Als kompetitiver Online-Shooter ist der Titel bestens geeignet, um kosmetische Gegenstände zu verkaufen. In Kombination mit dem stattlichen Preis von 80 Euro fragt man sich - nicht ganz zu Unrecht - wie geldgierig Activision sein muss.
Die dreiste Preispolitik könnte daraus resultieren, dass Call of Duty mit den aufwendig produzierten Singleplayer-Kampagnen tatsächlich auf die Verkaufszahlen angewiesen ist. Doch diejenigen, die den Multiplayer spielen wollen, möchten nicht unbedingt Geld für die Kampagne ausgeben und vice versa.
Kaum überraschend wäre hier die Lösung ein Free2Play-Modell exklusiv für den Multiplayer, der sich dann über Battlepass und Shop rechnet.
Quelle: Activision
Free2Play: Das beste System für Entwickler und Spieler (5)
Ein anderer Weg?
Ein Multiplayer, für den man Geld ausgibt, der dafür aber keine Monetarisierung beinhaltet, ist übrigens keine Alternative mehr. Die benötigen nämlich trotzdem laufende Server und Entwickler, die sich mit Bugs beschäftigen. Sprich: Es gibt laufende Kosten.
Irgendwann verkaufen sich diese Titel aber nicht mehr, Spieler werden gelangweilt von den immer gleichen Inhalten, wenn es nicht regelmäßig neue Karten, Waffen oder Spielmodi gibt. Die Lobbies leeren sich, und man darf am Ende dankbar sein, wenn man überhaupt ein Match findet und sich der Publisher erbarmt und die Server trotzdem laufen lasst.
Das beste Beispiel ist Titanfall 2. Einen dritten Teil werden wir von Respawn voraussichtlich nie mehr bekommen, denn dafür hat der Free2Play-Titel Apex Legends einfach viel zu viel Erfolg. Und auch das bestätigt meine These: In Zukunft werden wir sehr viel mehr Free2Play sehen. Online-Spiele müssen ihre Einnahmeausrichtung über kurz oder lang ändern, um konkurrenzfähig zu sein.
Das ist vielleicht erst in 10 Jahren der Fall, wenn die Zahl der Spieler steigt, die mit eben diesen Modellen aufgewachsen sind und sie deshalb etwas weniger kritisch sehen. Davon ab kann sich das System aber erst durchsetzen, wenn konsequent auf Pay2Win-Mechaniken verzichtet wird, die jegliche Akzeptanz der Spieler mit dem Arsch einreißt. Am Ende des Tages lässt sich dieser Trend trotzdem kaum aufhalten. Und das ist aus all den genannten Gründen auch gut so.
