Fortnite: Fortnite im Early-Access-Fazit: Grundsolider, aber langweiliger Shooter mit ungewöhnlichen Crafting-Elementen

Special Lukas Schmid
Fortnite: Fortnite im Early-Access-Fazit: Grundsolider, aber langweiliger Shooter mit ungewöhnlichen Crafting-Elementen
Quelle: Koch Media, Gearbox, Epic

Fortnite im Early-Access-Fazit: Nach satten sechs Jahren offizieller Entwicklungszeit ist es soweit: Fortnite des Studios Epic Games ist erschienen! - wenn auch erst einmal nur im Early-Access-Stadium. Soll uns aber nicht weiter stören, denn uns interessiert nur: Macht der Crafting-Shooter Spaß? Die Antwort gibt's in unserem Early-Access-Fazit!

Ursprünglich neben dem PC ausschließlich für die Xbox 360 angekündigt, hat Fortnite eine lange und wendungsreiche Geschichte hinter sich. So war es das allererste Spiel, welches mit der vor sechs Jahren neuen Unreal Engine 4 entwickelt wurde. Die Männer und Frauen hinter dem Titel: Epic Games, die sich vor allem mit Unreal Tournament und in den letzten Jahren mit der Gears of War-Reihe einen Namen gemacht haben, sowie People Can Fly, die als Co-Entwickler ebenfalls schon einige Spiele im Portfolio haben.

Lange hörte man nach der Ankündigung nichts mehr von dem Projekt, bevor es 2014 dann wieder auftauchte und verkündet wurde, dass es mit Free2Play-Modell realisiert werden würde. Drei Jahre später ist es endlich da - als Early-Access-Spiel, welches am PC und der Xbox One 40 und auf der PS4 satte 60 Euro kostet. Das fertige Spiel, welches dann tatsächlich gratis sein beziehungsweise per Mikrotransaktionen finanziert werden soll, erscheint irgendwann 2018. Aber auch jetzt können Spieler schon auf den Ingame-Shop zugreifen und dort richtig viel echtes Geld hinlegen, wenn sie nicht auf teilweise künstlich zurückgehaltene und knapp bemessene Loot Drops angewiesen sein wollen. Aaaah ja.

You never walk alone

Mit Pistolen, Gewehren und anderen Schießprügeln heizt man den Feinden aus der Ferne und damit am sichersten ein. Allerdings ist unser Munitionsvorrat begrenzt. Neue Kugeln müssen via Crafting hergestellt werden. Quelle: PC Games Mit Pistolen, Gewehren und anderen Schießprügeln heizt man den Feinden aus der Ferne und damit am sichersten ein. Allerdings ist unser Munitionsvorrat begrenzt. Neue Kugeln müssen via Crafting hergestellt werden. Sieht man über das fragwürdige Geschäftsmodell hinweg, macht Fortnite aber schon Spaß, auch wenn das grundsätzliche Gameplay sehr simpel ist: In Third-Person-Ansicht ballert und schnetzelt man sich im Laufe der belanglosen Story, welche sich um eine mäßig-humorvoll erzählt Zombie-Invasion dreht, nacheinander durch eine Reihe von zufällig generierten, thematisch unterschiedlichen Sandbox-Levels. Keines dieser Areale ist riesig, aber groß genug, um sich kurzzeitig darin zu verlaufen. Unsere Mission ist mit kleinen Variationen stets dieselbe: Irgendein Objekt auf der Map finden, es aktivieren und dann eine mehrminütige Zombie-Invasion mit Gewehren, Pistolen, Schwertern und anderen Argumentationshelfern abwehren. Alleine spielen ist dabei nicht drin: Wahlweise muss man diese Aufgaben mit Online-Freunden oder Zufallsbekanntschaften absolvieren. Ein Umstand, der angesichts der Tatsache für Frust sorgt, dass man also eine durchgehende Online-Anbindung braucht (ohne diese kommt man nicht einmal der den Startbildschirm hinaus), dass die Server derzeit alles andere als stabil laufen und dass die Kämpfe fast immer so leicht sind, dass man sie auch mühelos alleine bewältigen könnte.
Wahlweise kann man auch mit einer Nahkampfwaffe auf Zombie-Hatz gehen. Wie alle anderen Totmacher gehen die Schwerter und Prügel aber irgendwann kaputt. Quelle: PC Games Wahlweise kann man auch mit einer Nahkampfwaffe auf Zombie-Hatz gehen. Wie alle anderen Totmacher gehen die Schwerter und Prügel aber irgendwann kaputt.

Sammeln, bis der Zombie kommt

Der Tag- und Nachtwechsel in den Levels ist primär kosmetischer Natur. Quelle: PC Games Der Tag- und Nachtwechsel in den Levels ist primär kosmetischer Natur. Zusätzlich können wir in den Levels verstreute Zivilisten finden, die wir in kurzen Gefechten vor den Untoten retten können Dafür gibt's Waffen, Ausrüstung, Erfahrung und Ressourcen - was mit dem zweiten großen Spielelement von Fortnite zusammenhängt, dem Crafting. Die Entwickler waren offenbar der Meinung, dass es noch nicht genügend Early-Access-Spiele mit Crafting-Thematik gibt. Und somit verbringt man den Großteil der Zeit in den Levels, bevor man den MacGuffin für den Zombie-Angriff aktiviert, mit dem Zerschlagen aller möglichen und unmöglichen Objekte via unverwüstlicher Spitzhacke. Neben den primären Ressourcen Holz, Stein und Metall gibt es dabei deutlich seltenere Gegenstände wie Schrauben, Fasern und Klebebänder zu finden. Der Spaßfaktor dieser Sammel-Tätigkeit hält sich stark in Grenzen, vor allem, wenn man ein dringend benötigtes Item sucht, es aber nicht findet - was auch oft damit zusammenhängt, dass sich nicht alle Ressourcen in allen Welten finden lassen.
Der Bau-Editor ist intuitiv gestaltet und erlaubt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit das rasche Erstellen auch komplexer Gebäude. Quelle: PC Games Der Bau-Editor ist intuitiv gestaltet und erlaubt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit das rasche Erstellen auch komplexer Gebäude.

Schaffe, schaffe, Fortle baue

In unserem Heimat-Fort bauen wir nach und nach unser eigenes kleines Hochsicherheits-Schlösschen. Hier ergibt der Bau-Editor noch am meisten Sinn. Quelle: PC Games In unserem Heimat-Fort bauen wir nach und nach unser eigenes kleines Hochsicherheits-Schlösschen. Hier ergibt der Bau-Editor noch am meisten Sinn. Mit den gefundenen Gegenständen bastelt man einerseits grundsätzliche Dinge wie Waffen und Munition, andererseits aber ganze Gebäude: Um den Zombie-Angriffen etwas entgegensetzen zu können, bauen wir um das zu aktivierende Gerät nämlich in der Vorbereitungsphase stets nach eigenem Gusto - beziehungsweise dem der kämpfenden Vierertruppe - ein Fort aus Holz, Stein oder eben Metall. Hierfür wechseln wir in ein interaktives Baumenü und lassen dort Böden, Wände, Decken, Treppen und mehr vor unseren Augen entstehen. Das geht nach einer gewissen Eingewöhnung sowohl mit Maus und Tastatur als auch Gamepad schnell von der Hand, auch dann, wenn man etwas kompliziertere Objekte erschaffen will. Zusätzlich können wir diverse Fallen wie Elektro-Barrieren oder Stachel-Felder bauen, sollten die Untoten doch einmal zu nahe an das zu beschützende Objekt herankommen. Allerdings: Durch den wie bereits erwähnt sehr niedrigen Schwierigkeitsgrad, spätestens, wenn man mit drei Mitspielern auf einmal unterwegs ist, lässt man diese eigentlich nette Idee relativ bald links liegen und beschränkt sich anstatt auf aufwändige Gemäuer auf schnell hingeschusterte Barracken. Etwas mehr Sinn ergibt das Bau-Feature im eigenen Heimat-Fort, zu dem man vom Menü aus jederzeit zurückkehren kann. Aber auch dort bleibt der Nutzen des gut durchdachten Editors beschränkt.

Mächtig mieses Mikromanagement

Schon das Menü selbst ist unübersichtlich. Die in zig Sparten unterteilten Upgrade-Möglichkeiten sind aber völlig irrsinnig und unlogisch aufgeteilt. Quelle: PC Games Schon das Menü selbst ist unübersichtlich. Die in zig Sparten unterteilten Upgrade-Möglichkeiten sind aber völlig irrsinnig und unlogisch aufgeteilt. So weit, so simpel, so halbwegs unterhaltsam. Wirklich in den Sand gesetzt haben die Entwickler aber das Aufleveln von Figuren, Waffen und Co. Dies geschieht im Menü in gefühlt 20 Untermenüs, in denen wir unter anderem die beziehungsweise den von uns aus mehreren Figurenklassen gewählte Heldin/gewählten Held aufleveln, uns unterstützende Gruppierungen aus weiteren Figuren zusammenstellen, die wir ebenfalls verbessern können, in völlig unübersichtlichen Menüs Waffen, Fallen und mehr verstärken, auf acht (!) Fähigkeitenbäume zugreifen und, und und. Das Level-up- und Verbesserungs-System ist dermaßen unübersichtlich, hirnrissig aufgespaltet und unnötig kompliziert, dass man selbst mach einer zweistündigen Anzahl an Spielstunden noch nicht vollständig den Überblick über dieses spaßbefreite Mikromanagement hat. Hinzu kommt der aggressiv beworbene Ingame-Shop, in dem man gerne mal mehrere hundert Euros hinlegen kann, wenn man schnell an gute Ausrüstung kommen will.

Not so gute Sound-Errors

Ab und an findet man in den Levels Schatzkisten und Möbel, in denen sich besonders seltene Ressourcen befinden. Quelle: PC Games Ab und an findet man in den Levels Schatzkisten und Möbel, in denen sich besonders seltene Ressourcen befinden. Weitere dümmliche Entscheidungen wie die Tatsache, dass man einmal absolvierte Mission nicht noch einmal spielen kann und dass einen grundsätzliche Spielelemente und auch die Level-up-Systeme stets mehr schlecht als recht und manchmal gar nicht erklärt werden, sowie technische Unzulänglichkeiten sorgen zusätzlich für Frust. Der Comic-Stil der Grafik ist ganz okay, aber wirklich nich anspruchsvoll, und dennoch geht die Framerate regelmäßig massiv in die Knie. Hinzu kommen nervige Bugs, vor allem was den Sound angeht - hier wechseln die Figuren etwa fröhlich zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Klar, jetzt kann man sagen: Nur die Ruhe, ist ja noch alles Early Access! Bei einem (auf PS4) 60-Euro-Spiel, welches sogar auf Disc erstanden werden kann, darf man sich aber deutlich mehr erwarten - hätten die Entwickler halt noch ein Jahr mit dem Release gewartet.

Alles schon mal (besser) da gewesen

Was übrig bleibt, ist ein funktionaler, aber mittelmäßig unterhaltsamer Shooter mit durchaus kompetent umgesetzten, aber unnötigem Crafting-System, wenig Abwechslung, technischen Problemen und allerlei dümmlichen Designentscheidungen. Mag sein, dass die Situation ganz anders aussieht, wenn Fortnitedas Early-Access-Stadium verlassen hat. Aktuell allerdings ist das alles spielerisch und gestalterische Mittelmäßigkeit in Reinkultur.

Wenn wir jetzt eine Wertung vergeben würden:
60%

Meinung

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