Forbidden Siren 2

Test

Wenn irgendwo eine Sirene ertönt, dann rennt so schnell es geht -- es könnte nämlich sein, dass ihr durchdringendes Heulen die Pforten zur Hölle öffnet!

Genau wie der mittelprächtige Vorgänger ist auch "Forbidden Siren 2" wieder ein Fall für geduldige Kombinationskönige. Um mit heiler Texturhaut aus den mehr oder minder bizarren Szenarios zu entkommen, müsst ihr nämlich regelmäßig die Shibito-Frequenzen überprüfen und sicherstellen, dass die Geisterwesen ihren vorberechneten Laufwegen folgen. Das macht die Schleicherei zwar nervenzerfetzend spannend ("Oh Gott, hoffentlich dreht er sich jetzt nicht um..."), andererseits aber auch unangenehm sperrig und formelhaft. So verbringt ihr die meiste Zeit damit, auf Unaufmerksamkeiten eurer Gegner zu lauern -- und vergesst darüber beinahe die komplexe Rahmenhandlung und die grandiose Präsentation. Schade!

Zum Anbeißen!

Stichwort Präsentation: In dieser wichtigen Disziplin macht den Sony-Mannen so schnell keiner was vor! Die Spielfiguren verwöhnen das anspruchsvolle Zockerauge mit geschmeidigen Animationen und lebensechter Mimik. Die beklemmende Horror-Stimmung kommt in den Zwischensequenzen trotz oder gerade wegen des verschmierten Bildes hervorragend rüber. Und wenn die Shibito ihr verzerrtes, unweltliches Gegrunze von sich geben, ist ohnehin alles zu spät. Kopfhörer, ein ausreichend großes Bild und vor allem ein abgedunkeltes Zimmer sind die Grundvoraussetzungen, wollt ihr das Sirenen-Schauermärchen angemessen genießen!

Ganz klar: Für die Hauptdarsteller im Spiel geht es ums nackte Überleben. Umso unverständlicher, dass Mamoru Itsuki, Shu Mikami und Co noch immer so -- Entschuldigung -- lahmarschig reagieren! Zugegeben, die (unvermeidlichen) Nahkämpfe gehen nun weitaus flotter und besser von der Hand als noch im Prequel. Auch finden wir es ganz bezaubernd, dass nicht mehr für jede noch so popelige Aktion drei Buttons gedrückt werden müssen.

Aber wieso, liebe Sony-Coder, brauchen unsere Helden für eine simple Drehung noch immer mehrere Sekunden (gefühlte zwei Stunden, wenn von hinten ein geifernder Shibito anrückt)? Warum stellt sich auch ein ausgebildeter Soldat mit Knarre im Anschlag so bescheuert vor die virtuelle Kamera, dass er uns die Sicht auf seine astralen Angreifer versperrt? Solche Steuerungs-Schnitzer sind, anders als noch im Vorgänger, zwar eher die Ausnahme als die Regel, doch nerven sie gerade im knackigen letzten Spieldrittel ziemlich.

Licht & Schatten

Stunde der Wahrheit: Hat "Forbidden Siren 2" das Zeug zum Horror-Hit? Oder sollte die Scheibe ganz schnell in die Spielspaß-Unterwelt verbannt werden? Mit Erleichterung und echter Freude stellen wir fest, dass der zweite Sirenen-Streich seinem frustrierenden Vorläufer deutlich überlegen ist. Zum Abzählen aller Verbesserungen reichen zwei Hände kaum aus: Endlich eine brauchbare Levelkarte, Checkpoints, drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, clevere Kameraden-KI, direktere Bedienung der Figuren -- die japanischen Sony-Tastenkünstler haben wirklich alles unternommen, um auch Serienneulingen den Einstieg in die blutrote "Siren"-Welt schmackhaft zu machen.

Dem gegenüber steht jedoch noch immer das große "Aber" -- der formelhafte Gameplay-Kern. Den Löwenanteil des Spielgeschehens machen nämlich Warten, Auswendiglernen und Vorbeihuschen aus. So spielt sich "Forbidden Siren 2" im Grunde wie ein Stealth-Abenteuer im Grusel-Look. Selbst wenn das Navigationsmenü über alle Level-Zusammenhänge aufklärt: Spätestens nach dem fünften Wechsel der Hauptperson samt Zeitebene hat man den Faden verloren. Bis sich die komplexe Rahmenhandlung vollständig erschließt, dürften viele Spieler bereits verwirrt das Pad beiseite gelegt haben.

Doch jammern wir hier auf hohem Niveau. "Forbidden Siren 2" ist ein packend präsentiertes und dabei wirklich erschreckendes Stück Software-Terror. Wer sich mit dem unkonventionellen Spielablauf anfreunden kann, erlebt den womöglich letzten großen Horrortitel für die PS2.

Wertung zu Forbidden Siren 2 (PS2)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
spielerfreundlicher als Teil einsechtes Horror-Feelingorigineller Gameplay-Ansatz
Steuerung noch immer zu trägeStory recht verwirrendSpielablauf zu formelhaft
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