Fluch der Karibik

Test Patrick Köllner

Nichts war in Hollywood so tot wie der Piratenfilm. Bis sich Star-Produzent Jerry Bruckheimer der Sache annahm. Er steckte jede Menge Geld in ein Abenteuer, wie man es lange nicht mehr sah und landete den größten Erfolg seiner Karriere. Wenn so ein Hammer auf zwei DVDs erscheint, kann es nur heißen: DVD des Monats!

Irgendwann kommt wohl alles wieder: Schlaghosen, der VW Käfer und Vinylschallplatten. Nur bei Piratenfilmen konnte man sich sicher sein, dass es auf lange Sicht nie wieder ein neues Abenteuer dieser Art geben würde. Eigentlich unverständlich, zählen doch gerade diese Streifen zu den beliebtesten Kindheitserinnerungen unzähliger Menschen der Fernsehgeneration. Fast jeder von uns hing als Kind gebannt vor der Glotze, wenn Errol Flynn, Anthony Quinn oder Burt Lancaster die Sieben Weltmeere unsicher machten.

Warum gab es also keine Piratenfilme mehr? Einfache Antwort: Weil sie einfach unbezahlbar wurden und gleichzeitig immer weniger einspielten. Für einen Piratenfilm benötigt man mindestens ein großes Schiff, einen Superstar, viele Statisten und Stuntleute und muss unter schwierigen logistischen Begleitumständen an exotische Drehorte reisen, damit alles realistisch aussieht. Das ist eindeutig zuviel verlangt. In Hollywood regiert nun mal der schnöde Mammon.

Roman Polanskis Wiederbelebungsversuch und Herzensangelegenheit "Piraten? war 1986 ein so großes Desaster (Kosten 40 Mio. $, US-Einspiel 1,6 Mio.$), dass sich niemand mehr die Finger verbrennen wollte. 1995 wagte sich Produzent Mario Kassar trotzdem auf See und gab dem damaligen Action-Hot-Shot Renny Harlin ("Stirb langsam 2") geschätzte 98 Mio. $ für "Cutthroat Island". Leider besetzte Harlin die Titelrolle mit seiner Geliebten Geena Davis als Piratenbraut völlig falsch. Das Ende vom Lied: Das produzierende Studio Carolco wurde durch das katastrophale Ergebnis von 10 Mio. $ versenkt.

Der Grabstein eines ganzen Genres war damit gesetzt. Wer jetzt noch Freibeuter in Aktion erleben wollte, musste schon bis nach Las Vegas fahren, wo im Hotel Treasure Island sechs Mal täglich eine Seeschlacht für die Gäste stattfindet. Oder aber nach Disneyland. Dort entstand bereits in den 60ern eine Attraktion, die noch unter den Augen von Walt Disney höchstpersönlich entworfen wurde. "Pirates of the Carribean" war ein traditionelles Fahrgeschäft, bei dem Besucher des Parks in Booten durch eine abenteuerliche Kunstwelt geschippert wurden. Undenkbar, dass fast vierzig Jahre später ausgerechnet daraus einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten entstehen sollte. So kam es dann aber tatsächlich.

Zu verdanken haben wir das vor allem Jerry Bruckheimer, der als Produzent von Ereigniskino wie "Armageddon" oder "Pearl Harbor" mehr als einmal bewies, dass er den "Midas Touch" hat. Sprich: was er anfasst, wird zu Gold. Bruckheimer, dessen Werke seit 1995 ohnehin überwiegend von Disney vertrieben werden, vertraute den Stoff dem ehemaligen Punkrock-Gitarristen (!) Gore Verbinski an. Verbinski qualifizierte sich durch den Umstand, dass er sowohl Humor hatte ("Mäusejagd") als auch mit großen Stars umgehen ("The Mexican") und Spannung erzeugen konnte ("The Ring").

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